Justi

Justi

Justi, 1) Johann Heinrich Gottlob von, Kameralist, geb. gegen 1702 zu Brücken in Preußen, gest. 20. Juli 1771 auf der Festung Küstrin, studierte in Wittenberg und Jena Jura und Cameralia, trat später in preußische Kriegsdienste und geriet in österreichische Gefangenschaft, der er sich durch Flucht entzog. Nachdem er in Leipzig Metallurgie studiert und 1747 einen Preis für sein Werk über die Monaden von der preußischen Akademie der Wissenschaften erhalten hatte, folgte er 1750 einem Ruf als Professor der Kameralistik und deutschen Beredsamkeit an das Theresianum in Wien, ging 1755 als »Polizeikommissar« und Dozent für Staatsökonomie und Naturwissenschaft nach Göttingen, 1757 als Kolonialinspektor nach Kopenhagen; 1762 wurde er, obwohl kurze Zeit vorher wegen eines Angriffs auf die minderwertigen preußischen Goldmünzen von Friedrich II. eingesperrt, von diesem als Berghauptmann und Oberaufseher der fiskalischen Bergwerke Preußens nach Berlin berufen. Unter der nicht erwiesenen Anschuldigung, staatliche Gelder unterschlagen zu haben, wurde er 1768 ins Gefängnis nach Küstrin gebracht, wo er starb. J., neben Sonnenfels der bedeutendste unter den deutschen Kameralisten, steht zwar in der Hauptsache auf dem Boden des Merkantilismus (s. d.), zeigt aber doch in vielem den Einfluß der französischen Enzyklopädie und Physiokratie; er ist der erste Systematiker der Kameralistik. Unter seinen außerordentlich zahlreichen Schriften verdienen Hervorhebung: »Staatswirtschaft, oder systematische Abhandlung aller ökonomischen und Kameralwissenschaften etc.« (Wien 1755); »Grundsätze der Polizeiwissenschaft« (das. 1756); »Vollständige Abhandlung von den Manufakturen und Fabriken« (Kopenh. 1758–61); »Abhandlung von den Steuern und Abgaben« (Königsb. 1762); »System des Finanzwesens« (Halle 1766).

2) Karl Wilhelm, prot. Theolog, geb. 14. Jan. 1767 in Marburg. gest. daselbst 7. Aug. 1846, wurde 1790 Prediger in Marburg, 1801 Superintendent und Konsistorialrat und 1822 Professor der Theologie. Er veröffentlichte: »Nationalgesänge der Hebräer« (Leipz. 180318, 3 Bde.); »Das Buch Hiob« (Kassel 1840); einige Monographien über die Geschichte Hessens, z. B. »Elisabeth die Heilige« (2. Aufl., Marb. 1835); auch setzte er (für 1806–30) Strieders »Hessische Gelehrten- und Schriftstellergeschichte« (das. 1831) fort.

3) Karl, Kunstgelehrter, geb. 2. Aug. 1832 in Marburg, Enkel des vorigen, studierte in seiner Vaterstadt und in Berlin Theologie und Philosophie, habilitierte sich 1860 daselbst mit der Schrift »Die ästhetischen Elemente in der Platonischen Philosophie« (Marb. 1860), wurde 1867 Professor in Marburg und nach längerm Aufenthalt in Italien 1871 Professor der Philosophie in Kiel. Seit 1873 Professor der neuern Kunstgeschichte in Bonn, trat er 1901 in den Ruhestand. Seine Hauptwerke sind: »Winckelmann. Sein Leben, seine Werke und Zeitgenossen« (Leipz. 1866–72, 2 Bde. in 3 Tln.; 2. Aufl. 1898, 3 Bde.), die einzig vollständige, die ganze Zeit umfassende Lebensbeschreibung des großen Altertumsforschers, und »Diego Velazquez und sein Jahrhundert« (Bonn 1888, 2 Bde.; 2. Aufl. 1902), die Frucht mehrjähriger Forschungen in Spanien. Außerdem veröffentlichte er: »Dante und die Göttliche Komödie« (Stuttg. 1862); »Die Verklärung Christi, Gemälde Raffaels« (Leipz. 1870); »Murillo« (das. 1892, 2. Aufl. 1905), »Michelangelo, Beiträge zur Erklärung der Werke und des Menschen« (das. 1900) und eine Anzahl kunstwissenschaftlicher Aufsätze in Zeitschriften, die vornehmlich der spanischen, italienischen und niederländischen Kunst gewidmet sind.

4) Ferdinand, Orientalist und Sprachforscher, geb. 2. Juni 1837 in Marburg, Bruder des vorigen, studierte in seiner Vaterstadt und in Göttingen und habilitierte sich 1861 in Marburg, wo er 1865 zum außerordentlichen, 1869 zum ordentlichen Professor für vergleichende Grammatik ernannt wurde. Auf seine Schrift »Über die Zusammensetzung der Nomina in den indogermanischen Sprachen« (Götting. 1861) folgten sein »Handbuch der Zendsprache« (Leipz. 1864) und andre auf die iranische Literatur und Geschichte bezügliche Arbeiten, so namentlich seine kritische Ausgabe des »Bundehesch«, mit Glossar (Lond. 1868), »Kurdische Grammatik« (Petersb. 1880), »Geschichte der orientalischen Völker im Altertum« (in Grotes »Allgemeiner Weltgeschichte«, das. 1884), »Geschichte des alten Persiens« (in Onckens »Allgemeiner Geschichte«, Berl. 1879), »Iranisches Namenbuch« (Marburg 1895). In den »Veröffentlichungen der historischen Kommission für Hessen und Waldeck« gab er heraus »Hessisches Trachtenbuch« (Marb. 1900–04).


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

См. также в других словарях:

  • Justi — ist der Familienname folgender Personen: Carl Justi (1832–1912), deutscher Philosoph und Kunsthistoriker Eduard Justi (1904 1986), deutscher Physiker und Präsident der Akademie der Wissenschaften und der Literatur Ferdinand Justi (1837–1907),… …   Deutsch Wikipedia

  • justi — jùsti vksm. Jùsti šal̃tį, al̃kį, skaũsmą …   Bendrinės lietuvių kalbos žodyno antraštynas

  • jušti — jušti, junša, jušo intr. justi, bruzti …   Dictionary of the Lithuanian Language

  • Justi — Justi, Karl Wilhelm, geb. 1767 in Marburg wurde 1790 Prediger u. 1793 Professor der Philosophie daselbst, seit 1802 auch Superintendent der Evangelisch Lutherischen Gemeinden der Provinz Oberhessen, Oberconsistorialrath u. 1822 Professor der… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Justi — Justi, Karl, Kunstgelehrter, geb. 2. Aug. 1832 in Marburg, 1872 1901 Prof. der Kunstgeschichte in Bonn; Hauptwerk: »Winckelmann« (2 Bde., 1866 72; 2. Aufl. 1898), ferner »Velazquez« (2. Aufl., 2 Bde., 1903), »Murillo« (1892). – Sein Bruder… …   Kleines Konversations-Lexikon

  • Justi — Justi, Karl Wilhelm, protest. Theolog, geb. 1767 zu Marburg, gest. 1846 als Professor daselbst. schrieb u.a.: Nationalgesänge der Hebräer, sionitische Harfenklänge und eine Lebensgeschichte der hl. Elisabeth …   Herders Conversations-Lexikon

  • JUSTI — item Fideles, dicti olim in Eccl. qui, fidem professi, integrum Baptisimum accepêrunt, h. e. manuum impositione ulitmâ sunt perfecti, sicut, qui ad Fidem accedentes, manuum impositione prima, in Catechumenorum numerum, recepti sunt, Christianorum …   Hofmann J. Lexicon universale

  • Justi — Jụsti,   1) Carl, Kunsthistoriker, * Marburg 2. 8. 1832, ✝ Bonn 9. 12. 1912, Onkel von 3); wurde 1867 Professor für Philosophie in Marburg, 1871 Professor in Kiel, 1872 Professor der neueren Kunstgeschichte in Bonn. Justi verfasste Biographien… …   Universal-Lexikon

  • justi — 2 jùsti, juñta, jùto 1. tr. R, N, K jausti išorinius ir išvidinius dalykus: Jùsk širdyje, ką sakau J. Aš nejuntù, šilta ar šalta Š. Matyt, ans nejuto mano mušimo MPs. Ne vieną dieną nei ryto, nei vakaro nejutaũ A.Baran. Tačiau juste jutome… …   Dictionary of the Lithuanian Language

  • JUSTI (S.) — S. JUSTI coenobium, in finibus Castellae, in quo Car. V. biennium privatus exegit, ibidem Mortuus. A. C. 1551. Vide Thuan. l. 14 …   Hofmann J. Lexicon universale


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