Antrieb

Antrieb

Antrieb (Impuls) einer Kraft (t) in der Mechanik das Produkt (f t) aus der Kraft und der Zeit (t), während der sie gewirkt hat. Ist die Kraft während ihrer Wirkungsdauer von gleichbleibender Größe (konstant), so erteilt sie einem Körper von der Masse m eine gleichförmig beschleunigte Bewegung, deren Geschwindigkeit nach t Sekunden v = at ist, wo a die Beschleunigung oder die Zunahme der Geschwindigkeit pro Sekunde bedeutet. Die Beschleunigung a aber ist gleich dem Quotienten aus der wirkenden Kraft f und der Masse m des bewegten Körpers. Es ist daher, wenn man f:m statt a setzt, v = f/mt, oder, was dasselbe ist, ft = mv. Das Produkt (m v) aus der Masse (m) eines Körpers und seiner Geschwindigkeit (v) nennt man seine. Bewegungsgröße (Quantität der Bewegung). Man hat also den Satz: der A. der Kraft ist gleich der erzeugten Bewegungsgröße. Wirkt eine Kraft während einer unmeßbar kleinen Zeit auf einen Körper, so nennt man sie Stoßkraft (momentane Kraft). Die Größe einer Stoßkraft beurteilt man nach der von ihr erzeugten Bewegungsgröße. Wirkt eine Stoßkraft der Bewegung eines Körpers entgegen, so erteilt sie ihm einen negativen A. (Hemmung), der sich nach dem Verlust an Bewegungsgröße bemißt. Eine Stoßkraft ist z. B. der Druck der Pulvergase, der beim Abfeuern eines Geschützes nach vorwärts auf das Geschoß und ebenso stark und während der nämlichen kleinen Zeit nach rückwärts auf das Geschütz wirkt. Geschoß und Geschütz erhalten also gleiche Impulse, und deshalb sind auch ihre Bewegungsgrößen einander gleich, oder es ist, wenn m und m´ ihre bez. Massen, v und v´ die zugehörigen Geschwindigkeiten bezeichnen, mv = m´v´, d.h. die Geschwindigkeit des Geschosses und diejenige des Geschützes beim Rückstoß verhalten sich umgekehrt wie ihre Massen. – Die Einleitung der Bewegung der Arbeitsmaschinen durch Motoren erfolgt entweder durch unmittelbare Verbindung des Motors mit der Arbeitsmaschine (z. B. eine Dampfpumpe, bestehend aus Dampfmaschine und Kolbenpumpe mit gemeinschaftlicher Kolbenstange), oder wird vermittelt durch Wellen und Kuppelungen, durch Reibungsräder, durch Riemen-, Seil- oder Kettentriebe, durch Zahnräder in ihren verschiedenen Formen, durch Hebel, Gestänge etc. Beim elektrischen A. kommen je nach der Art des zur Verfügung stehenden elektrischen Stromes und der Eigenart der anzutreibenden Arbeitsmaschinen (z. B. Veränderlichkeit der Umdrehungszahl und des Kraftverbrauches) hauptsächlich Gleichstrom- oder Drehstrommotoren in Anwendung. Die Arbeitsmaschinen eines Betriebes werden einzeln mit je einem Elektromotor ausgestattet (Einzelantrieb), oder es wird eine Gruppe derselben zusammen von einem Elektromotor angetrieben (Gruppenantrieb). Die unmittelbare Verbindung der Welle des Elektromotors mit der Antriebswelle der Arbeitsmaschine ist wegen der meist sehr hohen Umdrehungszahl der Elektromotoren nur bei schnell laufenden Arbeitsmaschinen (Ventilatoren, Schleif- und Poliermaschinen etc.) möglich. Oft ist eine Übersetzung ins Langsame zwischen Motor und Arbeitsmaschine durch Riementriebe oder Zahnräder erforderlich. Bei Hebemaschinen findet das Schneckengetriebe vielfach Verwendung. Bei gruppenweisem A. wird die Arbeitsübertragung zwischen Motor und Arbeitsmaschine in der Regel durch Trans missionswellen und Riemen vermittelt. Bei transportabeln kleinern Arbeitsmaschinen zur Bearbeitung großer, schwerer Werkstücke befindet sich der Motor oft auf einem besondern Wagen und wird mittels biegsamer Welle an die Arbeitsmaschine (Bohrmaschine, Fräsmaschine u. dgl.) angeschlossen. Elektrischer A. ermöglicht wegen der leichten, elektrischen Kraftübertragung auf große Entfernungen eine Zentralisierung der Kraftanlage und vielfach eine Verringerung der Betriebsunkosten gegenüber einer Anlage mit zerstreut liegenden Kraftmaschinen (besonders Dampfmaschinen) oder weitverzweigten Transmissionen. Durch Wegfall oder Beschränkung der Transmissionen in den Arbeitsstätten ergeben sich weitere Vorteile: in Bezug auf Herstellungskosten der Fabrikbauten, Ausnutzung der Arbeitsräume, Übersichtlichkeit und Organisation der Arbeit, Schnelligkeit der Erzeugung, Unfallverhütung und Hygiene. Dem Kleingewerbe ermöglicht der elektrische A. bei Anschluß an (z. B. städtische) elektrische Zentralen mit maschinellen Hilfsmitteln zu arbeiten.


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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