Hildebrandt


Hildebrandt

Hildebrandt, 1) Theodor, Maler, geb. 2. Juli 1804 in Stettin, gest. 29 Sept. 1874 in Düsseldorf, wurde 1820 Schüler der Berliner Akademie und später von W. Schadow und folgte 1826 mit Hübner, Lessing und Sohn jenem nach Düsseldorf. 1832 wurde er Hilfslehrer, 1836 Professor an der Akademie daselbst und entfaltete in dieser Stellung eine einflußreiche Lehrtätigkeit. Hildebrandts bedeutendere Werke, die zum Teil der ältern Düsseldorfer Schule ihren eigentlichen Typus gaben, begannen mit einem Faust in der Höhle und Gretchen im Kerker (1825) und mit König Lear, um Kordelia trauernd (1826), wozu sein Freund Ludwig Devrient als Modell für die Hauptfigur gedient hatte. Ihnen folgten, in Düsseldorf gemalt: Romeo und Julie (1327), Chlorinde (1828), die Räuber (1829) und Judith, im Begriff, den Holofernes zu töten (1830). 1832 malte H. das durch Man dels Stich bekannt gewordene Bild: der Krieger und sein Söhnlein (Nationalgalerie in Berlin) und die Märchenerzählerin, 1834: den kranken Ratsherrn und die vier singenden Chorknaben. 1835 vollendete er sein Hauptbild, das den Ruhm der Düsseldorfer Geschichtsmalerei begründen half: die Söhne Eduards, das m größerer Ausführung in die v. Spiegelsche Sammlung nach Halberstadt, im kleinern Original aber in die Sammlung des Grafen Raczynski in Berlin (jetzt in Posen, gestochen von Knolle) gelangte. Alle diese Bilder zeigen bereits den Einfluß der 1829 von H. zum erstenmal bereisten Niederlande und der Schule Wappers', weniger die Eindrücke seiner italienischen Reise (1830), die seine realistische Tendenz nicht zu beeinflussen vermochten. Der Weihnachtsabend (1840), Empfang des Kardinals Wolsey im Kloster (1842), Doge und Tochter (1843), Judith (1844), die brieflesende Italienerin (1845) und Othello (1847) zeigen den Künstler noch auf der Höhe seiner Meisterschaft. Nachdem er aber ein langwieriges Gehirnleiden überstanden, erreichte er die frühere Bedeutung nicht mehr. Länger behauptete er sich im Bildnis, besonders im männlichen. Die gelungensten sind: Prinz Friedrich von Preußen, Prinzessin Albrecht von Preußen, Prinz Georg von Preussen, Graf Anton von Stolberg-Wernigerode, Minister v. d. Heydt und Baron Wappers. H. gehört zu den ersten Bahnbrechern der realistischen Nichtung in Düsseldorf und hat durch seine geschmackvolle Sicherheit in der Wiedergabe der Natur, namentlich im Bildnis, ebenso große Verdienste wie durch sein Kompositionstalent in Geschichtsbildern dramatischen Inhalts.

2) Eduard, Maler, geb. 9. Sept. 1818 in Danzig als Sohn eines Stubenmalers, gest. 25. Okt. 1868 in Berlin, wurde selbst Stubenmaler und kam als solcher 1837 nach Berlin, von wo er 1838 seine erste Studienreise nach Rügen unternahm. Nach seiner Rückkehr arbeitete er eine Zeitlang im Atelier des Marinemalers W. Krause und machte dann eine zweite Reise nach England und Schottland. 1841 begab er sich nach Paris in das Atelier des Marinemalers Isabey. 1843 kehrte er nach Berlin zurück und trat bald danach, auf Humboldts Empfehlung vom König unterstützt, eine Reise nach Brasilien und Nordamerika an. Der zweijährige Aufenthalt in jener tropischen Natur war für seine Kunstrichtung entscheidend: er malte fortan fast nur Landschaften und Marinen mit außergewöhnlichen Licht- und Lusteffekten und Naturphänomenen. Außer einer Sammlung von Aquarellen, die der König von Preußen ankaufte (Nationalgalerie in Berlin), sind von Hildebrandts Arbeiten aus jener ersten Periode zu nennen: Küste der Normandie, Winterlandschaft (beide von 1846, Berliner Nationalgalerie); ein Abend in der Bai von Rio de Janeiro; tropischer Regen; ein brasilischer Urwald; Santa Gloria, Rio de Janeiro. Nach zweijährigem Aufenthalt in Berlin trat H. eine Reise über England nach Madeira, der afrikanischen Westküste, den Kanarischen Inseln, Spanien und Portugal an, von der er im Herbst 1849 zurückkehrte. Ihre Früchte, etwa 200 Aquarelle, gingen ebenfalls zum größten Teil in den Besitz des Königs von Preußen über. In der Kunstausstellung von 1850 erschienen zwei Bilder: ein Blick ins Meer und Abend auf Madeira. Andre Gemälde aus dieser Zeit sind: der Pik von Teneriffa; Lissabon, von Almada gesehen, Mondnacht; Camara dos Lobos,, Madeira. Eine vierte Reise (1851) führte H. nach Italien, der Nordküste Afrikas, Ägypten, Nubien, Syrien, Palästina, nach der Türkei und Griechenland. Ölgemälde aus jener Periode sind: Nilufer; Abend am Marmarameer; am Toten Meer. 1853 besuchte H. die Schweiz, Tirol, Oberitalien und malte sodann für einen Saal des Orangeriegebäudes bei Potsdam vier Ansichten von Jerusalem, dem Teich Bethesda, Nazareth und Bethlehem. 1855 ward er Professor und Mitglied der Akademie der Künste in Berlin. Er war nun längere Zeit daselbst tätig und machte erst 1856 wieder eine Reise nach dem Norden bis zum Nordkap. Unter seinen nächsten Arbeiten sind zu nennen: das Nordkap; Heuernte im Oderbruch; Strand bei Abendlicht (1855, Berliner Nationalgalerie); Schloß Kronborg bei Helsingör (1857, ebendaselbst); ein Abend auf Rügen und Meeresspiegel. 1862–63 unternahm er dann seine letzte große Reise, die zur Weltumsegelung wurde. Die Beschreibung dieser Reise wurde von E. Kossak nach Hildebrandts Tagebüchern und mündlichen Berichten (Berl. 1867, 8. Aufl. 1888) herausgegeben. Ihre Resultate waren neben mehr als 300 Aquarellen an Ölgemälden unter andern die beiden großen Pendants: Benares am Ganges im Frühlicht und ein Abend in Siam (1866), der heilige See zu Birma (1867), der Esel und der Marabut, zwei Nillandschaften und die chinesischen Fischer. Hildebrandts letztes Werk: unter dem Äquator, eine Studie des Meereswassers, bekannt unter dem Namen »Das blaue Wunder«, war ein damals viel bespöttelter, später oft nachgeahmter Versuch, die Licht-, Luft- und Farbeneffekte des Meeres in den Tropen koloristisch zu bewältigen. Licht und Luft waren sein eigentliches Studium, ein reiches Kolorit und glänzende Effekte gingen ihm über genaue Zeichnung. Seine Aquarelle übertreffen an Wert die Ölgemälde. Eine Auswahl von jenen wurde durch gelungene Nachbildungen in Farbendruck von Steinbock und Loeillot in Berlin vervielfältigt: »Reise um die Erde« (34 Blätter), der sich vier neue Sammlungen anschlossen. Vgl. F. Arndt, E. H., der Maler des Kosmos (2. Aufl., Berl. 1869).

3) Adolf Matthias, Heraldiker, geb. 16. Juni 1844 im Pfarrhaus zu Mieste in der Altmark, widmete sich in Berlin als Zeichner und Schriftsteller der Genealogie und Heraldik und übernahm 1869 die Redaktion der Monatsschrift »Deutscher Herold« und der »Vierteljahrschrift für Wappen-, Siegel- und Familienkunde«. Seit 1880 verwaltet er die Sammlungen des Vereins »Herold«. Außer kleinern Abhandlungen gab er heraus: »Heraldisches Musterbuch für Edelleute, Kunstfreunde, Architekten etc.« (3. Aufl., Berl. 1897); »Wappenbücher des Adels von Hannover, Braunschweig und Anhalt« (Nürnb. 1871); »Kodex Grünenberg vom Jahre 1483« (neue Ausg., mit Graf Stillfried-Alcántara, Görlitz 1879); »Heraldische Meisterwerke von der heraldischen Ausstellung zu Berlin 1882« (Berl. 1882); »Wappenalbum der gräflichen Familien Deutschlands und Österreich-Ungarns« (mit Gritzner, Leipz. 1884 ff.); »Heraldische Bücherzeichen« (drei Sammlungen, Berl. 1892, 1893 u. 1898); »Wappenfibel« (4. Aufl., Frankf. a. M. 1894); »Heraldisches Alphabet« (2. Aufl., das. o. J.); »Joh. Sibmachers Wappenbüchlein von 1605«, Neubearbeitung (Berl. 1893). Auch lieferte er die Zeichnungen zu M. v. Spiessens »Wappenbuch des westfälischen Adels« (Görlitz 1902) und zu A. v. Kranes »Wappen- und Handbuch des landgesessenen Adels in Schlesien« (das. 1903). Vgl. Tafel »Bücherzeichen I«, Fig. 3 und 6.

4) Johann Maria, Botaniker und Reisender, Sohn von H. 1), geb. 19. März 1847 in Düsseldorf, gest. 29. Mai 1881 in Antananarivo, widmete sich dem Maschinenbau, dann, als er durch eine Explosion ein Auge verlor, der Gärtnerei und war in den botanischen Gärten zu Halle und Berlin tätig. 1872 ging er nach Afrika, bereiste Ägypten und im Anschluß an Munzingers Expedition Abessinien, ferner die Danakilländer, auf zwei Expeditionen die Somalländer und nach einem Besuche von Ostindien noch Sansibar und die gegenüberliegende Küste. 1874 kehrte er nach Europa zurück, begab sich aber schon 1875 wieder nach Afrika, durchforschte die Somalländer und die Comoroinsel Johanna, versuchte aber vergeblich den Kenia zu erreichen. Mit reicher Ausbeute 1877 heimgekehrt, ging H. 1879 nach Madagaskar, wo er von Antananarivo aus das östlich gelegene Waldgebirge und das Ankaralragebirge besuchte, aber bald darauf starb. Seine Berichte veröffentlichte er in der »Zeitschrift der Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin«.


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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