Gobi


Gobi

Gobi (mongol., »Wüste«; chin. Schamo, »Sandmeer«), die östliche Hälfte der ausgedehnten Depression (Hanhai) in Innerasien, die nach v. Richthofen (auch schon nach chinesischer Anschauung) früher von einem zusammenhängenden Binnenmeer bedeckt gewesen ist, erstreckt sich zwischen 48 und 37° nördl. Br. etwa 3500 km weit von SW. gegen NO. und nimmt den südlichen Teil der Mongolei ein (s. Karte »Zentralasien«). Im N. und S. ist der Rand scharf gezeichnet, wenngleich nirgends steil ansteigend, im O. wird die Grenze zwischen 1141/2 und 119° (allerdings heißt man das östlich vom Chingangebirge gelegene Gebiet auch Östliche G.), im W. in der Linie Chami-Ansi (94–96°) angenommen. Die Meereshöhe beträgt im Mittel 800 mim N., 1000 mim S.; die tiefste Stelle mit etwa 600 m liegt in 44° nördl. Br. und 1111/2° östl. L. Die G. verdient weniger als der westliche Teil des Hanhai (Tarimbecken) den Namen einer eigentlichen Wüste, noch ist sie eine durchweg gleichförmige Ebene. Zwischen wellenartigen, mit Schutt überdeckten, parallel von W. nach O. verlaufenden Höhenzügen dehnen sich mehr oder weniger weite Lehm- und Kiessteppen (namentlich im S.) aus, sandige Flächen treten nur vereinzelt auf. Im westlichsten Teil fand Futterer die mittlere höhere Zone (G.-Massiv) 1600–1900 m hoch, aus alten Gesteinen bestehend und im N. von einer unter 1500, im S. von einer 1000–1400 m hohen Depression begleitet. Im einzelnen ist die Gestaltung der G. noch wenig bekannt; wichtige Aufschlüsse sind namentlich von der Beschreibung der Expedition Koslow 1900/01 zu erwarten. Am Nordrand (Urga, 1150 m) ist die mittlere Jahrestemperatur -2,5°, Januar -26,7°, Juli 17,7°; in Siwantse (1190 m) 2,8°, bez. – 16,7°, bez. 19,3°. Der Übergang von der großen Winterkälte zur Erhitzung des Bodens im Frühjahr erfolgt rasch. Die Bewölkung und die Niederschläge sind namentlich im Herbst und Winter sehr gering (in Urga 250 mm Niederschlag). In der kältern Jahreszeit, besonders gegen das Frühjahr, herrschen oft eisige Nordweststürme. Da der Umrandung der G. hohe, schneebedeckte Gebirge fehlen, so ist ihre Bewässerung spärlich. Die kleinen, sämtlich vom Südrand kommenden Flüsse enden in einem der vielen kleinen Salzseen der südlichen Zone, z. B. der Edsingol im Sogoknor und Sobonor. Völlig vegetationslos sind nur wenige Teile, obgleich sich Wald nirgends findet. Im wesentlichen ist die G. ein Steppengebiet, das sich während der warmen Jahreszeit mit meist niederm Graswuchs, einjährigen Kräutern, dickwurzeligen Stauden, dornigen Halbsträuchern und Zwiebelgewächsen bedeckt. Vorherrschend sind Chenopodiazeen und Salsolazeen; unter letztern sind der baumartige, aber nur Blattschuppen tragende Saxaul (Haloxylon ammodendron) und der stachelige, bis 1 m hohe Sulkhir (Agriophyllum gobicum) mit eßbarem Samen zu nennen. Ein hohes Gras (Lasiagrostis splendens, mongol. Dyrissun) wächst in den Talsenken. Außerdem sind einige Polygonazeen, darunter dickwurzelige Rhabarberarten, eigentümlich. Die vereinzelten, an günstigen Stellen stehenden Bäume sind den Mongolen heilig. Zoogeographisch gehört die G. zur mediterranen Subregion der paläarktischen Region. Das Tierleben ist überhaupt spärlich und fehlt auf weiten Flächen ganz. Ein eigenartiger Wüstenbewohner ist das verwilderte Pferd (Tarpan), im W. auch das wilde Kamel. Die Steppe wird belebt von Hafen, Füchsen, Wölfen, kleinen Nagern, Sandflughühnern und andern Steppenvögeln. Seßhafte Bevölkerung haben nur die Randteile gegen China, von wo aus die Steppe mehr und mehr zurückgedrängt wird. Das Innere durchziehen Mongolen (s. d.) mit ihren zahlreichen Herden, sie wohnen nur in Zelten (Jurten). Karawanen durchschneiden die G. seit langer Zeit auf mehreren Straßen zwischen Nordasien und China: Kiachta-Urga-Kalgan-Peking (russische Handels- und Poststraße, von der Post in 12–14 Tagen durchmessen), Nertschinsk-Dalainor-Peking, Chami-Uliassutai-Kweihwatschöng, Kiachta-Urga-Lantschoufu. Die ersten Nachrichten über die G. verdanken wir dem Jesuiten Gerbillon, der 1688–98 sechs Missionsreisen in die Mongolei unternahm, dem Holländer Ysbrand Ides (1692–94) und Lorenz Lange (1715–36) Von Reisenden im 19. Jahrh. sind zu nennen; Timkowski (1819–21), v. Bunge und Fuß (Höhenbestimmungen, 1830–31), Grant (1861), Ney Elias (1872), Pjewzow (1878 f.), Prschewalskij (s. d.), Potanin (seit 1877) und von neuesten: Obrutschew, Roborowski und Koslow, v. Hedin, Futterer u.a. Vgl. Ritter, Asien, Bd. 1, S. 102 s. (Berl. 1832); v. Richthofen, China, Bd. 1, Kap. 1–4 (das. 1877); Futterer, Durch Asien (das. 1901, Bd. 1) und Geographische Skizze der Wüste G. (Ergänzungsheft 139 zu »Petermanns Mitteilungen«, Gotha 1902).


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.