Empedŏkles


Empedŏkles

Empedŏkles, berühmter griech. Arzt und Naturphilosoph, geb. nach 500 v. Chr. in Agrigent aus vornehmem Geschlecht, starb etwa sechzigjährig, wahrscheinlich im Peloponnes. Er trat als Arzt, Seher und Philosoph auf und machte sich um seine Vaterstadt verdient, so daß man ihm sogar die königliche Würde angeboten haben soll. Seine Schriften, auch die philosophischen, waren in poetischer Form abgefaßt. Erhalten sind von seinem Hauptwerk, »Physica«, bedeutendere Fragmente, kürzere aus seinen »Carmina lustralia«. Des E. Lehre steht in der Mitte zwischen der Eleatischen und der Heraklitischen, auf religiös-sittlichem Gebiet hat sie Ähnlichkeit mit der Pythagoreischen. Es gibt nach E. kein Werden, sondern nur Mischung und Trennung der Materie durch die aktiven Kräfte Liebe und Streit. so daß er als Dualist zu bezeichnen ist, der erste in der griechischen Philosophie. Die Materie besteht aus den vier Elementen, die E. in mythologische Formen und Worte hüllte. Zwischen dem Feuer, als dem vorzüglichern, und den drei übrigen Elementen setzte C. eine Art Gegensatz. Alle vier aber werden abwechselnd durch die Liebe vereinigt, durch den Streit getrennt. Im Urzustand der Dinge waren alle Elemente durch die Liebe (Attraktionskraft) untereinander gemischt zu dem Sphairos, mit der Zeit aber kam der Haß (Repulsionskraft) herein, trennte das Gemischte voneinander, so daß Einzelwesen entstanden. Herrscht der Haß ausschließlich, so können diese nicht mehr existieren, bis die Liebe wieder Gewalt bekommt, Einzelwesen entstehen läßt und volle Einigung wieder herbeiführt, in der es wieder nichts Einzelnes gibt. So folgen in ewigem Wechsel die Perioden auseinander. Die Entstehung der Tiere erklärte E. so, daß zuerst einzelne Teile sich gebildet und sich durch die Liebe zusammengefügt hätten, aber in rein zufälliger Weise, bis nach vielen Mißbildungen auch erhaltungs- und fortpflanzungsfähige Wesen entstanden seien. Die Sinneswahrnehmungen entstehen durch Ausflüsse aus den Dingen und durch solche aus Poren der Sinne, die miteinander zusammentreffen. Gleichartiges wird nur durch Gleichartiges erkannt. Die Seelen, meinte E., seien durch eigne Schuld in die Leiber verbannt und müßten, ehe sie zum Sitze der Seligen zurückkehren könnten, Wanderungen durch die verschiedensten Körper durchmachen. Mit dieser Lehre hängt das Verbot, Fleisch zu essen und Tiere zu töten, zusammen. Die Fragmente des E. gaben Sturz (Leipz. 1805, 2 Bde.), Peyron (das. 1810), Karsten (Amsterd. 1838), Stein (Bonn 1852) und Diels (»Die Fragmente der Vorsokratiker«, griech. u. deutsch, Berl. 1903) heraus. Vgl. Scina, Memorie sulla vita e la filosofia di E. (Palermo 1813, 2 Bde.); Lommatzsch, Die Weisheit des E. (Berl. 1830, mit Übersetzung der Fragmente des Lehrgedichts über die Natur); Gladisch, E. und die Ägypter (Leipz. 1858); Winnefeld, Die Philosophie des E. (Rastatt 1862); E. Baltzer, Empedokles (Leipz. 1879); Bidez, La biographie d'Empédocle (Gent 1894).


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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