Einsiedeln


Einsiedeln

Einsiedeln (Monasterium Eremitarum, Maria-Einsiedeln), Flecken und Bezirkshauptort im schweizer. Kanton Schwyz, ein berühmter Wallfahrtsort (ca. 160,000 Pilger im Jahr), liegt 900 m ü. M., wo das Alptal sich in das Plateau der Sihl öffnet. Die Benediktinerabtei, bis ins 16. Jahrh. herab wiederholt durch Feuer zerstört, wurde 1704–20 neu ausgeführt und bildet ein aus Quadern im italienischen Stil errichtetes großes Viereck, in dessen Hauptfassade die 117 m lange und 65 m breite Kirche mit zwei hohen, schlanken Glockentürmen eingefügt ist. Das Innere der Kirche ist mit 17 Altären, 3 Orgeln und mehreren Kapellen geschmückt. Selbständig im Mittelschiff steht die aus schwarzem Marmor erbaute Kapelle der heiligen Jungfrau, mit dem eigentlichen Gegenstand der Verehrung, einem aus glänzend schwarzem Holz gearbeiteten Marienbild, das mit Edelsteinen und Gold reich ausgeschmückt und von brennenden Kerzen umgeben ist. Das Kloster wird von ca. 80 Benediktinerpatres und 20 dienenden Brüdern bewohnt und besitzt eine treffliche Bibliothek von 50,000 Bänden, besonders historischen Inhalts, mit vielen Inkunabeln und wertvollen Handschriften aus dem 8.–12. Jahrh. (ein Unikum ist die als Regionator Einsiedlensis bekannte Beschreibung Roms im 10. Jahrh.), ein Physikalien- und Naturalienkabinett und einen bedeutenden Kirchenschatz; ferner ein Priesterseminar, eine höhere Erziehungsanstalt mit Gymnasium und Lyzeum. Hauptwallfahrtstag ist das Fest der Engelweihe (14. Sept.). Die meisten ausländischen Pilger kommen aus Schwaben u. dem Elsaß. – Der Flecken E., mit (1900) 4077 Einw. (83 Protestanten; als Bezirk 8547 Einw.), am Ende der Zweigbahn Wädenswil-Biberbrücke-E., mit Spital, Theater, Panorama der Kreuzigung Christi, betreibt Seidenindustrie, Pferdezucht, große Buch- und Kunstdruckereien (weltberühmte Firma Benzinger u. Komp., mit Filialen in New York, Cincinnati und St. Louis) und Ateliers für katholische Kultusgegenstände. In den benachbarten Sihlmooren ist ein mehr als 6 km langer Stausee für 60,000 Pferdekräfte projektiert, das sogen. Etzelwerk. – Das Kloster E. verdankt seine Entstehung dem heil. Meinrad, einem Reichenauer Mönch aus dem Sülichgau (bei Rottenburg im Neckartal), den erst Neuere zu einem Grafensohn oder gar zu einem Hohenzollern gestempelt haben. Er ließ sich um 829 als Einsiedler auf dem Etzel, um 836 in dem »finstern Wald« nieder, wo jetzt E. steht, wurde aber 861 ermordet; die Sage läßt seine zwei Raben die Täter bis nach Zürich verfolgen, wo die Vögel von Pilgern erkannt und die Mörder entdeckt und bestraft wurden. Die Zelle des Eremiten blieb unbewohnt, bis sich der Einsiedler Benno mit Gefährten 907 daselbst niederließ. Der eigentliche Gründer des Klosters aber war Eberhard, Dompropst zu Straßburg, der 934 den Bau desselben begann. Zur Einweihung der Kapelle (14. Sept. 948), erzählt die Legende, sei der Heiland selbst um Mitternacht, von Engeln und Heiligen begleitet, herabgestiegen; Papst Leo VIII. hieß das Wunder dieser »Engelweihe« gut und verhieß den Einsiedelfahrern vollkommenen Ablaß (964); die darauf bezügliche päpstliche Bulle ist indes unecht. Durch Schenkung der Kaiser und benachbarten Großen wurde das Kloster Herr der sogen. Waldstatt E. sowie zahlreicher Güter am Züricher See, in der March u.a. O., und ein Privileg König Ottos I. (947) sicherte ihm die Immunität; dagegen lebte das Kloster mit seinen Nachbarn in Schwyz seit Anfang des 12. Jahrh. in beständigen Grenzstreitigkeiten, die wiederholt in offene Fehde übergingen und erst 1350 ihren Abschluß fanden. 1283 erwarb König Rudolf von Habsburg die Kastvogtei über das Kloster für sein Haus. Im Sempacher Krieg entrissen die Schwyzer Österreich die Vogtei über die Waldstatt E., während die Grundherrschaft dem Kloster verblieb; dieses selbst begab sich 1397 unter den Schirm der Schwyzer. 1516–18 lebte Zwingli in E. als Prediger. Seit der Mitte des 16. Jahrh. wurde das Stift ein Mittelpunkt der Gegenreformation in der Schweiz, und 1719–35 wurde die Kirche, 1704–70 das Kloster von Grund aus neu gebaut. Im Mai 1798 erlitt E. durch die Franzosen eine schwere Plünderung und Verwüstung, während Abt und Konvent nach Deutschland flohen. 1801 wurde das Stift wiederhergestellt; auch die Herrschaftsrechte des Klosters, welche die Helvetische Republik aufgehoben hatte, wurden 1814 teilweise erneuert, um 1830 endgültig zu verschwinden; doch behielt es durch Vergleich vom 10. Febr 1899 Miteigentums- und Mitverwaltungsrecht an der Allmande des Fleckens; auch gehört ihm gegenwärtig noch die Insel Ufenau im Züricher See, wo Ulrich von Hutten 1523 starb. Vgl. Morell, Die Regesten der Benediktinerabtei E. (Chur 1848); Landolt, Ursprung und erste Gestaltung des Stiftes Maria E. (Einsied. 1845); Brandes, Die Feier des 1000jährigen Bestehens von Maria E. (das. 1862); Ringholz: Geschichte des fürstlichen Benediktinerstifts U. L. F. von E. (das. 1903, Bd. 1), Des Benediktinerstiftes E. Tätigkeit für die Reform deutscher Klöster (Freiburg i. B. 1886), Wallfahrtsgeschichte Unserer Lieben Frau von E. (das. 1896); Kuhn, Der jetzige Stiftsbau Maria E. (Chur 1883).


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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