Danton


Danton

Danton (spr. dangtong), Georges Jacques, einer der hervorragendsten Männer der französischen Revolution, geb. 28. Okt. 1759 in Arcis-sur-Aube, gest. 5. April 1794, beim Beginn der Revolution 1789 Advokat in Paris, vergeudete in grenzenloser Liederlichkeit seine geringen Einnahmen. Mirabeau aber erkannte in ihm eine bedeutende Stütze seiner Pläne. Dantons Gestalt war kolossal, seine Stimme von durchdringender Gewalt, das Gesicht häßlich, von Pockennarben zerrissen, aber doch imponierend, das kleine Auge stechend und kühn, seine Rede phantastisch und ergreifend. Er besaß eine rücksichtslose Energie und einen scharfen, praktischen Blick. Am 14. Juli 1789 begeisterte er die Massen zum Angriff auf die Bastille. Bald darauf klagte er im Sinne der Jakobiner 10. Nov. 1790 die Minister bei der Nationalversammlung an und stiftete mit Camille Desmoulins, Fabre d'Eglantine und Marat den Klub der Cordeliers, der den Klub der Jakobiner bald in politischem Fanatismus überbot. Mit dem Herzog von Orléans trat er in engere Verbindung und ward ein Genosse seiner wüsten Orgien. Die Erstürmung der Tuilerien und den Sturz des Königtums 10. Aug. 1792 bereitete er hauptsächlich vor, und nach dem Sieg des Pariser Pöbels setzte er seine Ernennung zum Justizminister durch. Das Vorrücken der feindlichen Heere in der Champagne und das Wiederauftauchen der royalistischen Partei in Paris gaben ihm den Vorwand zur Organisierung der Septembermorde. D. ließ sich hierbei nicht von Grausamkeit und Blutdurst leiten, denn einzelnen, die ihn um Rettung anflehten, z. B. Dupont, Barnave, Lameth und dem Abbé Barthélemy, ließ er solche angedeihen, vielmehr wollte er durch die Bluttat den Royalisten Angst einjagen. Als der Konvent zusammentrat, legte D. sein Ministerium nieder und begab sich 30. Nov. 1792 mit Lacroix nach Belgien, um das revolutionäre Element auch dort auszubreiten. Da seine Anerbietungen eines engern Bundes zur Bekämpfung der Pöbelherrschaft von den Girondisten mit Abscheu zurückgewiesen wurden, trug er zum Sturze der letztern bei, aber wünschte nicht deren Hinrichtung. Diese Mäßigung machte ihn verdächtig; obgleich er das Gesetz des Maximum (Brottaxe) sowie die Besoldung der Sansculotten noch durchsetzte, sank sein Ansehen täglich. Er begab sich nun nach seiner Heimat Arcis und heiratete. Im November 1793 kam er nach Paris zurück, entschlossen, dem widerlichen Treiben der Hébertisten ein Ende zu machen. Er vertraute auf die Mitwirkung Robespierres, doch dieser benutzte den Kampf zwischen den Dantonisten und den Hébertisten, um erst diese, dann jene zu stürzen. In der Nacht vom 31. März zum 1. April 1794 wurde D. verhaftet. Am 3. April erschien er mit seinen Freunden Desmoulins, Westermann, Lacroix, Phélipeaux etc. vor dem Revolutionstribunal unter willkürlichen Anschuldigungen. D. behandelte die Richter mit Verachtung und rief bei der Verkündigung des Todesurteils: »Man opfert uns einigen feigen Räubern, aber sie werden ihren Sieg nicht lange genießen; ich ziehe Robespierre nach. Der Feige! ich allein besaß die Macht, ihn zu retten.« D. bestieg mit seinen Freunden das Schafott. Als das Volk an der Guillotine Beifall brüllte, rief er: »Schweig still, undankbares Volk!« Sein Geschick gab G. Büchner Stoff zu einem Drama. 1891 wurde ihm in Paris ein Standbild errichtet. Vgl. Bougeart, Danton; documents authentiques (Brüssel 1861); Robinet, D., homme d'État (Par. 1889); Beesley, Life of D. (Lond. 1899).


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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