Britisch-Columbia


Britisch-Columbia

Britisch-Columbia, die 992,750 qkm große Westprovinz von Kanada (s. Karte bei »Kanada«), liegt zwischen 49 und 60° nördl. Br. und 114°10' und 141° westl. L. und wird umgrenzt von den Vereinigten Staaten von Nordamerika, den kanadischen Territorien Alberta, Athabaska, Mackenzie und Jukon, von Alaska und dem Stillen Ozean. Im O. umfaßt es den größten Den des kanadischen Felsengebirges nebst den Purcell-, Selkirk-, Gold-, Caribou- und Cassiar-Mountains mit schnee- und gletscherbedeckten Gipfeln bis 4100 m (Mount Robson, Mount Columbia u. a.), im W. das annähernd ebenso gewaltige und vergletscherte Küstengebirge (in Kates Needle 3034 m), dazwischen aber eine gegen 1000 m hohe, nur von niedrigern Ketten durchzogene und von Gletscherschutt überdeckte Plateaugegend, die von dem obern Fraser, Skeena, Stikine und Taku und ihren Nebenflüssen durchströmt ist. Dazu kommen Vancouver, der Königin Charlotte-Archipel und zahlreiche andre Küsteninseln. Die Gliederung der Küste durch tief einschneidende Fjorde ist sehr reich, dient dem Verkehr aber in geringem Maße, weil das westliche Gebirge sehr steil und unwirtlich ist. Als schwierige Zugänge von dort dienen nur die Unterläufe der genannten Ströme, die das Küstengebirge in engen Cañonschluchten durchbrechen. Über das Felsengebirge führen: der Kootenay-Paß, der Crows Nest-Paß, der Kicking Horse-Paß, der Yellow Head-Paß u. a., nur wenige davon sind aber stärker begangen, und der einzige Haupteingang von Osten ist der Kicking Horse-Paß (1588 m), über den die technisch und landschaftlich großartige kanadische Pacificbahn gelegt ist. Der Kolumbiastrom, der das südöstliche Felsengebirge in tief eingegrabenen Längstälern durchfließt, sowie der Peace und der Liard im NO. tragen ebenfalls nur wenig zur Öffnung des Landes bei, und es ist hieraus begreiflich, daß seine Entwickelung spät begonnen hat und noch wenig vorgeschritten ist. Das Klima ist in der Küstengegend mild und feucht, mit ausgesprochener Regenzeit im Winter, auf dem innern Plateau trocken, steppenhaft, kalt im Winter und heiß im Sommer (bis 40°) und in allen Lagen über 1000 m kaum mit zwei frostfreien Monaten. Die Gebirge sind dicht mit Douglasfichten, Rotzedern, Sitkatannen, Gelbkiefern u. a. bewachsen, zu erfolgreichem Ackerbau sind dagegen nur beschränkte Strecken geeignet, besonders am Fraser und Columbia und im Innern mit künstlicher Bewässerung. Die Viehzucht hat an vielen Orten bessere Vorbedingungen; 1891 gab es 44,521 Pferde, 126,919 Rinder, 49,163 Schafe und 30,764 Schweine. Sehr reich ist B. an Mineralschätzen. Die Goldausbeute im Kootenay-Distrikt, in den Caribon- und Cassiar-Mountains ergab 1862–1900: 67,371,078 und 1900 allein 4,732,105 Doll., die Kohlenförderung 1900: 1,612,346 Ton. Die produktive Kohlenfläche der Provinz auf Vancouver, den Charlotte-Inseln etc. wird auf 35,600 qkm geschätzt, und die Felsengebirgsgegend am Crows Nest-Paß liefert namentlich auch guten Anthrazit. Der Bergbau auf Silber (1897: 3,272,289 Doll.), Kupfer (1898: 874,783 Doll.), Blei (1898; 1,198,017 Doll.) ist ebenfalls beträchtlich und weiterer Entwickelung fähig, besonders in der Gegend am Kootenay- und Stocansee. Auch Manganerze, Eisenerze (auf der Insel Texada etc.), Quecksilber und Platin finden sich. Die sehr bedeutende Fischerei auf Lachs, Heilbutt, Stockfisch, Hering etc. ergab 1900 einen Wert von 5,214,074 Doll., der Pelzrobbenschlag 35,523 Felle. Unter den Industrien, die 1891 mit 770 Betrieben und 9615 Arbeitern für 50,4 Mill. Mk. Waren erzeugten, steht die Sägemühlenindustrie mit 51 Betrieben obenan. Die Hauptverkehrsstraße bildet die Kanada-Pacificbahn, die 1900 mit ihren Zweiglinien in der Provinz 2104 km maß, und die auf dem Kootenay-, Slocan-, Arrojo- und Okanagansee durch Dampferlinien ergänzt wird. Die Einfuhr stieg 1890 bis 1900 von 4,379,272 auf 10,560,532, die Ausfuhr von 5,763,467 auf 17,851,812 Doll. Die Handelsflotte bestand 1900 aus 515 Schiffen (314 Dampfern) von 51,095 T. Die Einwohnerzahl wird 1901 auf 190,000 angegeben, hat sich also feil 1891 nahezu verdoppelt, und die Einwanderung betrug 1899: 3969. Indianer zählte man 1857: 75,000,1900: 24,523. Öffentliche Schulen mit unentgeltlichem Unterricht gab es 1900: 246 mit 7165 Schülern, höhere Volksschulen 48 mit 13,813 Schülern, öffentliche Bibliotheken 10, und die Ausgaben für das Schulwesen betrugen 307,479 Doll. An der Spitze der Regierung steht ein Statthalter (Lieutenant Governor), dem ein Ausführender Rat aus 6 Mitgliedern und ein Gesetzgebender Körper aus 38 Mitgliedern zur Seite steht. In den Bundessenat sendet B. 3, in das Bundeshaus 6 Abgeordnete. Die Einkünfte der Provinz betragen (1900) 1,544,108, die Ausgaben 1,831,205, die öffentliche Schuld 8,866,868 Doll.

B., früher Neukaledonien genannt, bildete bis 1858 einen Teil der Ländereien, in denen die Hudsonbaikompagnie (s.d.) das Monopol der Jagd und des Handels genoß. Nach der Entdeckung von Gold erfolgte aber die Einsetzung einer Kolonialregierung. 1866 wurde die Insel Vancouver mit B. vereinigt, und 1871 schloß sich die Kolonie der Dominion von Kanada an. Vgl. Macdonald, B. and Vancouver Island (Lond. 1862); St. John, Lord Dufferin's tour in B. (das. 1877, 2 Bde.); Rae (W. Fraser), Columbia and Canada (das. 1877); W. S. Green, Among the Selkirk glaciers. B. (das. 1890); H. Bancroft, History of the Pacific states, Bd. 27 (1887); Begg, History of B. C. (Toronto 1895); W. D. Wilcox, The Rockies of Canada (Lond. 1899); Macnab, B. for settlers (das. 1898); »Yearbook of B. C


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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