Boston [1]


Boston [1]

Boston, ein zur Zeit des amerikan. Freiheitskampfes erfundenes, jetzt noch wenig übliches Kartenspiel. Es wird mit Whistkarte unter vier Personen gespielt; eine zweite Karte dient zum Farbemachen. Das aufgedeckte Blatt gibt die beste Farbe an. Ist es z. B. rot, so ist die andre rote Farbe die zweitbeste, und die beiden schwarzen stehen in dritter Reihe. Der Wert der Karten ist der natürliche, und die vier höchsten Blätter werden als Honneurs bezahlt, wie im Whist. Jeder erhält 13 Blätter in zwei oder drei Würfen. Die Vorhand meldet nun, wieviel Stiche sie zu machen glaubt, wobei fünf (B.) das Niedrigste ist. Die Farbe, in der sie spielen will, sagt sie aber erst dann an, wenn ihr das Spiel gelassen ist. Die Hinterhand kann entweder mit gleicher Stichzahl in höherer Farbe oder mit größerer Stichzahl überbieten. Spielt man, wie es meist der Fall ist, allein, so muß man es gleich melden, widrigenfalls man nicht mehr das Recht hat, einen andern, der »Whist« sagt, d. h. sich zum Gehilfen anbietet, zurückzuweisen. Der Gehilfe muß, wenn B. angesagt ist, 3, wenn 6–8 Stiche (Groß B., Indépendance und Grande Indépendance) angesagt sind, 4 Stiche machen; von 9 Stichen (Philadelphia) ab muß man allein spielen. Die höchsten Spiele (11, 12 und 13 Stiche) heißen Souveraine, Grande Souveraine und Concordia. Die Farbe, in welcher derjenige spielt, der die meisten Stiche gemeldet hat, ist Trumpf, und jede Farbe wird bedient. Außer den schon genannten Spielen kann nun auch Petite Misère (ouverte), Grande Misère (ouverte), Misère troquante, Misère à quatre as und Révolution angesagt werden. Alles dies sind Spiele, wo es darauf ankommt, keinen Stich zu machen. Bei Petite Misère legt der Spieler eine Karte weg, bei Misère troquante vertauscht er eine aus der Hand, bei Misère à quatre as zeigt er vier As auf und braucht dann nur die drei letzten Stiche zu bedienen; bei Révolution decken alle vier die Karten auf, und drei beraten sich, wie dem Spieler ein Stich beizubringen sei. Es erhellt, daß Misère à quatre as am leichtesten zu gewinnen ist. Noch wird im Fall, daß alle vier gepaßt haben, Misère générale gespielt, wobei derjenige verliert, der die meisten Stiche bekommt.


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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