Volkmann


Volkmann

Volkmann, 1) Alfred Wilhelm, Physiolog, geb. 1. Juli 1801 in Leipzig, gest. 21. April 1877 in Halle, studierte seit 1821 in Leipzig, London und Paris, habilitierte sich 1833 in Leipzig und wurde 1834 außerordentlicher Professor daselbst, 1837 Professor der Physiologie in Dorpat und 1843 in Halle, wo er später auch die Professur der Anatomie übernahm. Er arbeitete besonders über die Physik der Blutbewegung, das Nervensystem, den Gesichtssinn und über die Muskelreizbarkeit und schrieb: »Anatomia animalium tabulis illustrata« (Leipz. 1831–33, 2 Tle.); »Neue Beiträge zur Physiologie des Gesichtssinns« (das. 1836); »Die Lehre von dem leiblichen Leben des Menschen« (das. 1837); »Die Selbständigkeit des sympathischen Nervensystems« (das. 1842, mit Bidder); »Die Hämodynamik nach Versuchen« (das. 1850); »De musculorum elasticitate« (Halle 1856) und »Physiologische Untersuchungen im Gebiet der Optik« (das. 1863–64,2 Hefte).

2) Robert, Komponist, geb. 6. April 1815 zu Lommatzsch in Sachsen, gest. 30. Okt. 1883 in Pest, genoß den ersten Unterricht in Orgel-, Klavier-, Violin- und Cellospiel bei seinem Vater, der Kantor war, bezog das Lehrerseminar in Zwickau und wurde durch Anacker bestimmt, sich ganz der Musik zu widmen. 1836 ging V. nach Leipzig und wurde Schüler K. F. Beckers; namentlich aber wurde Schumanns Einfluß bedeutsam für seine künstlerische Entwickelung und spätere Richtung. Nachdem er von 1839–42 als Musiklehrer in Prag gelebt, wandte er sich im letztgenannten Jahre nach Pest, wo er, einen vorübergehenden Aufenthalt in Wien (1854–58) abgerechnet, bis an seinen Tod als Lehrer (zuletzt als Kontrapunktlehrer an der Landesmusikakademie) und Komponist wirkte. Die Instrumentalwerke Volkmanns: zwei Symphonien (D moll, Op. 44, und B dur, Op. 53), sechs Streichquartette (Op. 9,14,34,35,37 u. 43), Klaviertrios (F dur, Op. 3, und B mol!, Op 5), seine Musik zu Shakespeares »Richard III.« (Op. 68), seine drei Serenaden für Streichorchester (C dur, Op. 62; F dur, Op. 63; D moll, Op. 69) und eine Anzahl ansprechender zwei- und einhändiger Klavierminiaturen erweisen V. als einen der besten Epigonen Schumanns. Neben denselben steht aber eine stattliche Reihe gediegener Vokalwerke (Messen, Offertorien, geistliche und weltliche Chorgesänge: »An die Nacht«, für Alt und Orchester, »Sappho«, für Sopran und Orchester u. a., sowie stimmungsvolle Lieder). Vgl. Hans Volkmann, Robert V., sein Leben und seine Werke (Leipz. 1903).

3) Wilhelm Fridolin, Ritter von Volkmar, Psycholog, geb. 1821 in Prag, gest. daselbst 13. Jan. 1877, studierte in seiner Vaterstadt die Rechte und (unter Exner) Philosophie, wurde durch diesen für Herbarts realistische Richtung gewonnen, habilitierte sich 1846 als Privatdozent der Ästhetik, später der Philosophie an der Universität in Prag, wurde 1856 außerordentlicher, 1861 ordentlicher Professor der Philosophie daselbst. V. hat sich um die exakte Psychologie im Sinne der Herbartschen Schule, zu deren bedeutendsten Vertretern er gehörte, sowie um die Geschichte dieser Wissenschaft verdient gemacht. Von ihm erschienen: »Die Lehre von den Elementen der Psychologie als Wissenschaft« (Prag 1850); »Grundriß (später Lehrbuch) der Psychologie vom Standpunkte des philosophischen Realismus« (Halle 1856; 4. Aufl. von Cornelius, Köth. 1894–95, 2 Bde.), sein Hauptwerk; »Grundzüge der Aristotelischen Psychologie« (Prag 1858); »Die Lehre des Sokrates« (das. 1861). Vgl. Whittaker, Volkmann's Psychology (Mind. 1890).

4) Richard von, Sohn von V. 1), Chirurg, geb. 17. Aug. 1830 in Leipzig, gest. 28. Nov. 1889 in Jena, studierte in Halle, Gießen und Berlin, habilitierte sich 1857 in Halle und wurde 1867 Professor der Chirurgie und Direktor der chirurgischen Klinik daselbst. Im deutsch-französischen Kriege war er konsultierender Generalarzt des 4. Armeekorps, später der Maas- und der Südarmee. V. war einer der hervorragendsten Chirurgen der Neuzeit und hat sich namentlich um die Einführung der antiseptischen Wundbehandlung in Deutschland verdient gemacht. 1885 wurde ihm vom deutschen Kaiser der erbliche Adel verliehen, und 1894 wurde ihm in Halle ein Denkmal (von seinem Neffen Artur V., s. d. 5) errichtet. Er schrieb: »Die Krankheiten der Bewegungsorgane« (in Pitha-Billroths »Handbuch der Chirurgie«, Erlang. 1865–72); »Beiträge zur Chirurgie« (Leipz. 1875) und gab seit 1870 die »Sammlung klinischer Vorträge« heraus. Unter dem Pseudonym Richard Leander veröffentlichte er: »Träumereien an französischen Kaminen«, Märchen (Leipz. 1871, 34. Aufl. 1907); »Aus der Burschenzeit« (Halle 1876); »Gedichte« (3. Aufl., das. 1885); »Kleine Geschichten« (2. Aufl., das. 1888); »Alte und neue Troubadourlieder« (2. Aufl., Leipz. 1890). Eine Gesamtausgabe erschien 1899 in 1 Band. Vgl. Krause, Zur Erinnerung an Richard v. V. (Berl. 1890).

5) Artur, Bildhauer, Neffe des vorigen, geb. 28. Aug. 1851 in Leipzig, bildete sich 1870–73 im Atelier Hähnels in Dresden, dann auf der Berliner Akademie unter Albert Wolf und nahm 1876 dauernden Aufenthalt in Rom, wo er sich namentlich an Hans v. Marées anschloß. Von seinen in strengen Formen gehaltenen Werken seien genannt: Germane auf der Jagd (Gipsstatue, Museum in Leipzig), bronzene Reiterstatuette (daselbst), Eva (Relief), weibliche Porträtbüste (Berliner Nationalgalerie), zwei weibliche Idealbüsten in bemaltem Marmor (Museum in Leipzig), Amazone (Relief), Bogenschütze (Albertinum in Dresden), Satyrtanz (Marmorrelief), die Grabdenkmäler der Eltern des Künstlers (in Leipzig), von Hases (Jena), Bunsens (Heidelberg), Marées' und Pidolls (beide auf dem protestantischen Friedhof in Rom) und das Denkmal seines Onkels R. v. V. in Halle. In neuester Zeit hat er auch eine Hirschjagd, reitende Jünglinge und andre Bilder in einem ähnlich strengen, an klassische Reliefs erinnernden Stil gemalt. Vgl. W. v. Wasielewski, Artur V. (mit 26 Tafeln, Münch. 1908).

6) Hans von, Maler, Sohn von V. 4), geb. 19. Mai 1860 in Halle a. S., besuchte 1880–87 die Düsseldorfer, dann bis 1892 die Karlsruher Akademie, wo er Meisterschüler von Schönleber wurde und als selbständig schaffender Künstler seßhaft blieb. Sein Hauptgebiet ist die deutsche Landschaft, die er in der Eifel, in Hessen, Sachsen und Baden, auch in Mecklenburg studierte. Ihr sind nicht nur die Motive seiner meisten Ölgemälde, sondern auch die seiner graphischen Werke, besonders der lithographierten »Wandbilder für Schule und Haus«, entnommen. Bilder von ihm gelangten in die Münchener Neue Pinakothek (Haferfeld, 1893), die Berliner Nationalgalerie (Frühlingsluft, 1895), das Breslauer Museum (Abendsonne), die Karlsruher Kunsthalle (Herbstgold), in die städtischen Galerien zu Krefeld, Halle, Magdeburg, Leipzig u. a. O. und in viele Privatsammlungen. Er illustrierte auch Leanders »Träumereien« (s. oben unter 4), Kinderbücher u. a. Er wurde 1902 zum Professor ernannt und ist Vorsitzender des Karlsruher Künstlerbundes.


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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