Verwerfung


Verwerfung

Verwerfung, Sprung (franz. Faille), Verschiebung einer ursprünglich zusammenhängenden Gesteins- oder Gangmasse (vgl. Tafel »Gangbildungen«, Fig. 1 u. 2, und Artikel »Gang«, Textfigur 1 u. 2).

Fig. 1.
Fig. 1.
Fig. 2.
Fig. 2.

Die Niveaudifferenz zwischen den beiden gegeneinander verschobenen Teilen heißt Sprunghöhe, Verwurf (s. in Fig. 1 u. 2); sie beträgt zuweilen Hunderte von Metern, in andern Fällen nur wenige Zentimeter und geht dann oft in eine bloße Flexur, ein bloßes Umbiegen, der Schichten über. Die Fläche, auf der die Verschiebung stattgefunden hat, die Verwerfungsspalte (Sprungkluft), ist bald vertikal, bald geneigt, hat häufig zur Bildung eines Ganges Veranlassung gegeben (Verwerfer) und trägt mitunter die Spuren der Bewegung in Form von Friktionsstreifen und Politur an sich (Rutschflächen, Spiegel, Harnisch). Man unterscheidet zwei Arten der V.: 1) die echte V., Spaltenverwerfung (Sprung), bei welcher der im Hangenden, d. h. über der Kluft, gelegene Gebirgsteil gesunken ist (Fig. 1), und 2) die Überschiebung (Übersprung, Wechsel), bei welcher der hangende Teil emporgeschoben und so in eine höhere Lage gelangt ist (Fig. 2, vgl. auch h h' in Artikel »Erzlagerstätten«, Textfigur 1). Letztere sind namentlich in Gebieten mit stark gefalteten Schichten verbreitet. Sind hier die Sättel und Mulden isoklinal (s. Schichtung), so erscheinen häufig (vgl. Fig. 3) die sogen. Mittelschenkel, d. h. die Schichten, die den Sätteln und den im Liegenden sich anschließenden Mulden gemeinschaftlich sind, in ihrer Mächtigkeit reduziert; sie sind infolge der Einkeilung zwischen zwei in entgegengesetzter Richtung bewegten und gefalteten Massen ausgewalzt, gestreckt, gequetscht, und dabei sind die Schichten des Mittelschenkels oft zerrissen (Fig. 4) oder gar längs einer Rutschfläche, Gleitfläche gegeneinander verschoben (Fig. 5); im letztern Falle liegt eine Faltenverwerfung oder streichende V. (s. Dislokation) vor.

Fig. 3.
Fig. 3.
Fig. 4.
Fig. 4.
Fig. 5.
Fig. 5.

Die V. ist alsdann parallel dem Streichen der gefalteten und verworfenen Schichten; in andern Fällen, wo sie quer dagegen gerichtet ist, heißt sie Querverwerfung oder Blatt. Wenn die Verwerfungen konzentrisch bogenförmig verlaufen, entsteht der sogen. Kesselbruch (s. d.), ein rundliches Einbruchs- oder Senkungsfeld. Die Ursachen der Verwerfungen sind mannigfaltige: Unterwaschungen (Auflösung von Steinsalz, Gips), Raumvergrößerung tiefer gelegener Schichten (Umwandlung von Anhydrit zu Gips), Schwinden des Gesteinsmaterials durch Austrocknen und Erhärten etc. Von großer technischer Wichtigkeit sind die Verwerfungen der Schichten der Steinkohlenformation und ihrer Kohlenflöze (vgl. Tafel »Steinkohlenformation VI«).


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.