Verdun


Verdun

Verdun (spr. werdöng), 1) (V.-sur- Meuse) Arrondissementshauptstadt im franz. Depart. Maas, 205 m ü. M. an der Maas gelegen, Knotenpunkt der Ostbahn und Festung ersten Ranges, besteht aus der von der Zitadelle beherrschten Altstadt mit winkligen Straßen am linken und der Neustadt am rechten Ufer, ist von einer bastionierten Ringmauer mit nassem Graben umgeben, hat zwei alte Stadttore, eine Kathedrale aus dem 11. und 12. Jahrh., ein Stadthaus aus dem 17. und einen Bischofspalast aus dem 18. Jahrh., Denkmäler für den hier gebornen General Chevert (gest. 1769) und zur Erinnerung an die Belagerung 1870, hübsche Anlagen, ein großes und ein kleines Seminar, ein Kommunalcollège, eine Bibliothek (25,000 Bände), ein Museum, ein Theater, Spitäler, Fabrikation von Dragées, Konfitüren, Likören, Wachs-, Holz- und Lederwaren, Kerzen, Wäsche etc. und (1906) 21,035 (als Gemeinde 21,706) Einw. V. ist Sitz eines Bischofs, eines Gerichtshofs und eines Handelsgerichts. Die Umgegend heißt Verdunois.-V. kommt zuerst im Itinerarium Antonini als Virodunum vor und gehörte zum Gebiete der Mediomatriker. Unter den Franken gehörte es zu Austrasien. Am 11. Aug. 843 wurde hier der berühmte Vertrag von V. zwischen Kaiser Lothar und seinen Brüdern Ludwig dem Deutschen und Karl dem Kahlen geschlossen, durch den das fränkische Reich in drei Teile, das mittlere Reich Lothars, das oft- und westfränkische, geteilt wurde, aus welch letztern Deutschland und Frankreich entstanden. Die Stadt, die deutsche Reichsstadt war, rief in ihren Fehden mit dem Bischof 1552 Heinrich II. von Frankreich gegen diesen zu Hilfe, infolgedessen sie von Frankreich in Besitz genommen und im Westfälischen Frieden förmlich an Frankreich abgetreten wurde. Ihre Bedeutung als Maasübergang an der Ostseite der schwierigen Argonnenpässe trat namentlich in der Revolutionszeit bei dem Angriff der Preußen 1792 und dann wieder 1870 hervor, wo die Festung, durch Inundationswerke verstärkt, erst nach zweimonatiger Belagerung kapitulierte. Seit der Abtretung von Metz ist V. für Frankreich als Kreuzungspunkt der Straßen- und Eisenbahnen an der Ostgrenze durch 11 Forts (4 auf dem linken, 7 auf dem rechten Maasufer) zu einer der stärksten Festungen umgeschaffen worden. Die Verbindung mit Toul sichern 5 Sperrforts auf dem rechten Maasufer. Vgl. Clouet, Histoire de V. et du pays verdunois (Verdun 1867–70, 3 Bde.; unvollendet); Rogé, Droit coutumier de V. et du pays verdunois (Nancy 1904); v. Hellfeld, Die Zernierung und Beschießung von V. 1870 (Berl. 1875); Klaeber, In und vor V. 1870 (Dresd. 1899; franz. Übersetzung von Andres, Verdun 1905). – 2) (V.-sur- Garonne) Stadt im franz. Depart. Tarn-et-Garonne, Arrond. Castelsarrasin, am linken Ufer der Garonne, hat eine Kirche aus dem 13. Jahrh. und (1906) 1173 (als Gemeinde 2213) Einw. – 3) (V.-sur- le Doubs) Stadt im franz. Depart. Saône-et-Loire, Arrond. Chalon, an der Mündung des Doubs in die Saône und an der Lyoner Bahn, hat einen Hafen, Holzhandel und (1906) 1274 (als Gemeinde 1358) Einw.


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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