Sforza


Sforza

Sforza, berühmtes ital. Geschlecht, das Mailand im 15. und 16. Jahrh. sechs Herzoge gab. Sein Stammvater Muzio Attendolo, geb. 28. Mai 1369 zu Cotignola in der Romagna, schwang sich durch Tapferkeit, Mut und Klugheit zu einem der berühmtesten Condottieri seiner Zeit empor, diente zuletzt dem König von Neapel und galt unter der Regierung der Königin Johanna II. als eine Stütze des Thrones. Er fand 4. Jan. 1424 beim Übergang über den Fluß Pescara den Tod. Den Namen S. (»Erzwinger«) erhielt er von dem Grafen Alberigo von Barbiano, dem Stifter des italienischen Condottieriwesens. Sein natürlicher Sohn Francesco S., geb. 23. Juli 1401, gest. 8. März 1466, diente in der Condotta seines Vaters und übernahm nach dessen Tode ihre Führung. Er stand nacheinander im Dienste von Mailand, Venedig und Florenz, ward 1441 Schwiegersohn des Herzogs Filippo Maria Visconti von Mailand, des letzten Sprößlings dieses Hauses, und erlangte nach dessen Tod (1447) die Herrschaft über Mailand (1450). Er sicherte sich den Thron durch weise Regierungsmaßregeln und vergrößerte sein Herzogtum 1464 durch Eroberung Genuas. Ihm folgte sein ältester Sohn, Galeazzo Maria S., geb. 24. Jan. 1444, ein ausschweifender, grausamer Mann, der am 26. Dez. 1476 durch Verschworne fiel. Für dessen Sohn Giovanni Galeazzo S., geb. 20. Juni 1469, führte zuerst seine Mutter Bona von Savoyen die Regierung; doch wurde sie ihr 1481 durch den Oheim des Herzogs, Lodovico il Moro, entrissen, der seinen Neffen völlig beherrschte und, nachdem dieser 21. Okt. 1494 gestorben war, dessen Sohn Francesco in strenger Gefangenschaft hielt. Um die usurpierte Herrschaft zu behaupten, veranlaßte er den Kriegszug des französischen Königs Karl VIII. nach Neapel, brachte aber dadurch nur Unglück über sich selbst. Denn nachdem er später dem Bunde gegen Frankreich beigetreten war, wurde er von Ludwig XII. 1499 aus dem Herzogtum vertrieben, geriet 1500 in französische Gefangenschaft und starb 17. Mai 1508 zu Loche im Kerker. Vgl. Pélissier, Louis XII et Ludovic S. (Par. 1897, 2 Bde.). Sein Sohn Maximilian S., geb. 1490, vertrieb zwar mit Hilfe von Schweizertruppen die Franzosen 1512 aus Mailand, ward aber 1515 vom französischen König Franz I. bei Marignano geschlagen und mußte Mailand gegen einen Jahrgehalt an Frankreich abtreten. Francesco II. Maria S., Bruder des vorigen, geb. 1492, seit 1522 Herzog von Mailand, wurde 1529 vom Kaiser Karl V. wieder mit dem Herzogtum belehnt und starb 24. Okt. 1535, worauf Karl V. 1540 Mailand als eröffnetes Reichslehen seinem Sohne Philipp II. verlieh. Von frühern Nebenlinien haben sich nur noch die Herzoge von S.-Cesarini in Rom erhalten. Vgl. Ratti, Della famiglia S. (Rom 1794); Magenta, I Visconti e gli S. nel castello di Pavia (Mail. 1883, 2 Bde.); Ghinzoni, Galeazzo Maria S. (im »Archivio stor. Lombardo«, Bd. 12, das. 1865); Rubieri, Francesco I. S. (Flor. 1879, 2 Bde.); Rusconi, Lodovico il Moro e la sua cattura (Novara 1878); Kindt, Die Katastrophe Lud. Moros in Novara (Greifsw. 1890).


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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  • Sforza — Sforza, ein italienisches Fürstengeschlecht, welches bes. im 15. u. 16. Jahrh. eine hervorragende Rolle spielte, dem Herzogthum Mailand sechs Regenten gab u. mit den meisten europäischen Fürstenfamilien Verbindungen anknüpfte. Merkwürdig sind: 1) …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Sforza — Sforza, ital., von Muzio Attendŏlo, genannt Sforza (gest. 1424 als Großconnétable von Venedig), abstammende Familie, aus der sechs Glieder als Herzöge zu Mailand herrschten: Francesco S., geb. 1401, Schwiegersohn und Nachfolger (1447) des Herzogs …   Kleines Konversations-Lexikon

  • Sforza — famille italienne qui régna sur le duché de Milan (1450 1535). Elle fut fondée par le condottiere Muzio ou Giacomo Attendolo (1369 1424), surnommé Sforza …   Encyclopédie Universelle

  • Sforza — Sforza, das letzte Geschlecht der mailändischen Herzoge, von einem Bauern Mucio Attendolo, genannt S. (der Erzwinger), herstammend, der sich zu dem größten Soldtruppenführer (Condottiere) in Italien erhob u. mit seinem Heere mehren ital.… …   Herders Conversations-Lexikon

  • Sforza — (izg. sfȏrca) DEFINICIJA 1. talijanska dinastija koja je vladala Milanom u doba renesanse 2. Lodovico (1452 1508), milanski vojvoda, bio veliki mecena renesansnih umjetnika (Leonarda da Vincija) 3. Carlo (1872 1952), talijanski diplomat,… …   Hrvatski jezični portal

  • Sforza — [sfō̂r′tsä] 1. Count Carlo [kär′lō̂] 1873 1952; It. statesman & anti Fascist leader 2. Francesco [frän ches′kō̂] 1401 66; It. condottiere & duke of Milan x 3. Ludovico [lo͞o΄dō̂ vē′kō̂] n 1451 1508; duke of Milan & patron of da Vinci: son of …   English World dictionary

  • Sforza — Wappen der Sforzas Wappen der Sfor …   Deutsch Wikipedia

  • Sforza — Les Sforza sont une famille italienne de premier plan de la Renaissance, particulièrement active dans le duché de Milan. La dynastie a été fondée par Muzio Attendolo, né à Cotignola près de Ravenne en 1369 et décédé en 1424. Originaire de Romagne …   Wikipédia en Français

  • Sforza — Armas de los Sforza. El primer déspota italiano de la dinastía Sforza en Milán fue Francesco Sforza, quien era previamente capitán de las fuerzas de Filippo Maria Visconti, a quien reemplazó en 1450. Era hijo del célebre condotiero Muzio Atendolo …   Wikipedia Español

  • Sforza —    Dynasty that ruled the duchy of Milan between 1450 and its expulsion by a French army in 1499, and again for intermittent peri ods in the first third of the 16th century. Its founder, Francesco (1401 1466), was the son of a successful… …   Historical Dictionary of Renaissance