Schwimmblase


Schwimmblase

Schwimmblase, eine häutige, mit Luft erfüllte Blase, die bei Fischen (s. d., S. 604) zwischen Wirbelsäule und Darm liegt und meist mit letzterm durch einen Luftgang (ductus pneumaticus) in Verbindung steht. Auch da, wo dieser Luftgang dem erwachsenen Fische fehlt, die S. also rings geschlossen ist, besteht die Verbindung während der Entwickelung, so daß die S. als eine Ausstülpung des Darmes zu betrachten ist. Sie kann aber innerhalb derselben Gattung bei der einen Art vorkommen, bei einer andern fehlen. Entweder bildet sie einen einfachen Sack oder zerfällt in zwei Abteilungen, von denen die hintere den Luftgang entsendet (karpfenähnliche Fische); auch gibt es welche mit seitlichen Zipfeln oder auch paarige. In einzelnen Fallen besteht durch eine Reihe Knöchelchen eine Verbindung mit dem Vorhof des Ohres. Bei den Lurchfischen (Dipnoern) dient sie, indem sich in ihrer Wandung Gefäße mit venösem Blut verzweigen, als Lunge; bei manchen andern Fischen sind in der Wandung Wundernetze, d. h. Anhäufungen feinster Haargefäße, vorhanden. Die S. erleichtert den Fischen das Absteigen und Aufsteigen im Wasser, je nachdem durch die Bauchpresse die in ihr enthaltene Luft komprimiert und dadurch der Körperumfang geringer oder aber beim Nachlassen des Druckes und Ausdehnen der Luft in der S. größer wird. Im erstern Fall wird der Fisch spezifisch schwer und sinkt, im letztern Fall leichter, so daß er emporsteigt. Diese Auffassung von der Bedeutung der S. ist angezweifelt worden, und angestellte Versuche schienen darauf hinzuweisen, daß die vertikale Bewegung im Wasser eher durch das Spiel der Flossen, vorzüglich der Schwanzflosse, geschieht, die Luft in der S. hingegen je nach der Tiefe des Wassers rein passiv gedehnt oder komprimiert wird. Die Einrichtung gewährt dadurch den Vorteil, daß der Fisch stets dasselbe spezifische Gewicht wie das Wasser behält, also in jeder Tiefe ausruhen kann, während die Fische ohne S., da sie immer schwerer sind als das Wasser, sich nur durch Muskelarbeit erheben können und zum Ausruhen auf feste Gegenstände angewiesen sind. Wenn ein an der Oberfläche lebender Fisch sich zu rasch in die Tiefe bewegt, so kann durch den Wasserdruck die Luft in der S., mithin auch er selbst, zu sehr komprimiert werden; indessen vermag er dann durch Abscheidung von Luft in die S. hinein sie wieder so weit anzufüllen, daß er sich frei bewegen kann. Umgekehrt treibt ihn bei zu schnellem Aufsteigen die sich stark ausdehnende Luft mitunter wie einen Ball on an die Oberfläche, falls er nicht etwa durch den Luftgang die überschüssige Luft entweichen läßt. Indessen auch bei geschlossener S. wird dann die Luft durch die Wandungen hindurch wieder resorbiert, so daß meist allmählich das Gleichgewicht wiederhergestellt wird, falls der Wechsel nicht allzu rasch erfolgte, die Luft die Wandung der S. sprengte und die Bauchdecken trommelartig austrieb (Trommelsucht der Fische). Die Luft in der S. ist je nach der Art der Fische sehr verschieden: entweder fast reiner Stickstoff (so bei Coregonus aus dem Bodensee) oder ein Gemisch von diesem, Kohlensäure und Sauerstoff oder sogar fast reiner Sauerstoff. Im letztern Falle dient die Luft der S. bei mangelndem Wasser mitunter zur Atmung und erhält so das Leben noch einige Zeit. Bei manchen Fischen hat die S. in ihrer Wandung Muskeln; diese scheinen zu einer Verlegung des Schwerpunktes des Fisches durch teilweise Komprimierung der Blase (wenn z. B. die Luft aus dem vordern Teil der S. vertrieben wird, sinkt der Kopf, so daß das Absteigen erleichtert wird etc.) zu dienen; bei den Knurrhähnen (Trigla) jedoch, wo sie besonders stark entwickelt sind, spannen sie die S. allseitig an und gestalten sie so zu einem Resonator für die Töne, die diese Fische durch Schwingungen einer zwerchfellähnlichen Haut in der S. selbst hervorbringen sollen. Vgl. Moreau, Sur les fonctions de la vessie natatoire (Par. 1876); Hüfner, Chemie der Schwimmblasengase (im »Archiv für Anatomie und Physiologie«, Leipz. 1892).


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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