Samarkand [1]

Samarkand [1]

Samarkand, Provinz des Generalgouvernements Turkistan in Russisch-Zentralasien (s. d. und Karte »Zentralasien«), grenzt im N. und O. an die Provinzen Ferghana und Sir Darja, im übrigen an Bochara und hat 68,963 qkm Fläche mit (1897) 857,847 Einw. (12,4 auf 1 qkm). Das Land ist in seinem südlichen Teile, dem Distrikt Serafschan, ein Gebirgsland, vom Flusse Serafschan durchzogen, dessen Tal im Süden von der Serafschankette und dem Hissargebirge (5800 m, Pässe 3600–4400 m), im N. vom Turkistanischen Gebirge (4500–5500 m) begrenzt wird. Der nördliche Teil ist Steppe, in den nordwestlichen Teil reicht die Wüste Kisilkum hinein. Der einzige wichtige Fluß ist der Serafschan (s. d.). Der Sir Darja berührt die Nordostgrenze. Von Mineralien sind Steinkohle, Graphit, Bleierz, Naphtha, Lapislazuli vorhanden, werden aber wenig ausgebeutet. Das Klima ist heiß und trocken mit starken und plötzlichen Temperaturschwankungen und starker Verdunstung, die durch die Niederschläge nicht ausgeglichen wird, so daß künstliche Bewässerung nötig ist. 1893 wurden 220,600 Hektar natürlich (durch Regen), 286,311 Hektar künstlich bewässert. Das Land zu beiden Seiten des Serafschan ist bei genügender Bewässerung außerordentlich fruchtbar und dicht bedeckt mit Wiesen, Äckern und Gärten. Üppig gedeihen hier Weizen (Durchschnittsernte 90 Mill. kg), Reis, Gerste, Mais, Baumwolle (1902: 17,5 Mill. Hektar, 5,335 Mill. kg), Melonen, Wein (1894: 7050 Hektar). Der Viehstand betrug 1894: 106,000 Pferde und 49,000 Esel, 40,000 Kamele, 523,000 Schafe und Ziegen und 154,000 Rinder. Von der Bevölkerung sind Uzbeken 69 Proz., Tadschik 23, Kirgisen 3, Araber 2,5, Russen 1,4, Perser und Juden je 0,6 Proz. und einige hundert Inder in den Städten. Die Religion ist fast ausschließlich die mohammedanische. Von Schulen gab es 1892: 11 russische und 1943 islamitische. Die Industrie erzeugt Mehl, Filz, Pelze, wollene Gewebe, Säcke, Lassos, die nebst Baumwolle, Fleisch, Talg und Dünger zur Ausfuhr kommen. Die Provinz wurde 1887 aus der ehemaligen Provinz Serafschan und dem Kreis Chodschent der Provinz Sir Darja gebildet und zerfällt in die Kreise S. (8821 qkm, 341,348 Einw.), Chodschent, Dschisak und Katta Kurgan. Vgl. Krahmer, Rußland in Mittelasien (Leipz. 1898); v. Schwarz, Turkestan (Freiburg 1900); Geier, Reiseführer in Turkestan (Taschkent 1901). S. auch Turkistan.


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

Игры ⚽ Поможем сделать НИР

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • SAMARKAND — La ville de Samarkand, comme en témoigne la découverte d’outils datant du paléolithique inférieur et d’œuvres d’art du moustérien, est l’un des berceaux de la civilisation des peuples de l’Asie centrale. Capitale de la Sogdiane, Samarkand a vu… …   Encyclopédie Universelle

  • Samarkand — usb.: Samarqand (Самарқанд) Der Registanplatz in Sa …   Deutsch Wikipedia

  • SAMARKAND — SAMARKAND, capital of Samarkand district, Uzbekistan. Jews are mentioned there from hearsay for the first time by benjamin of Tudela (12th century) as a large community. It   was apparently destroyed when the town was captured by Bab Mehmet Khan… …   Encyclopedia of Judaism

  • Samarkand — Sȁmarkand m DEFINICIJA 1. grad u Uzbekistanu, u starom i srednjem vijeku najvažnije ekonomsko i kulturno središte srednje Azije (Timurov mauzolej i drugi spomenici) 2. (samarkand) orijentalni ćilim s velikim brojem čvorova; samara …   Hrvatski jezični portal

  • Samarkand — Samarkand, Stadt im Khanat Bukhara, am Zer Asschen (Nebenfluß des Amu Darja); Sommerresidenz des Khans, hat zahlreiche Moscheen, eine berühmte muhammedanische Hochschule, die Grabstätte Tamerlans, Fabriken in Seidenpapier, Leder, Baumwollenwaaren …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Samarkand [2] — Samarkand, Hauptstadt der Provinz und des Kreises S. (s. oben), unter 19°39´ nördl. Br., 730 m ü. M., Station der zentralasiatischen Eisenbahn, 6 km südlich vom Flusse Serafschan in einer durch zahlreiche Kanäle aus dem Serafschan wohlbewässerten …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Samarkand — Samarkand, Gebiet im russ. Zentralasien, zum Generalgouv. Turkestan gehörig, im S. und SW. hohes Bergland (Serafschantal u.a.), das nach NW. zur Steppe herabfällt, 68.963 qkm 860.021 E., meist Usbeken (59), Tadschik (27 Proz.). – Die Hauptstadt S …   Kleines Konversations-Lexikon

  • Samarkand — Samarkand, nach Bokhara die 2. Stadt der Bucharei, am Sogd (Kohik, Ser Afschan), mit 10000 E., vielen Moscheen, hoher Schule, ausgedehnter Industrie und wichtigem Verkehr mit Innerasien. S. ist das Maracanda der Alten in Sogdiana, war immer eine… …   Herders Conversations-Lexikon

  • Samarkand — [sam΄ər kand′; ] Russ [ sä mär känt′] city in E Uzbekistan: capital (as MARACANDA) of Tamerlane s empire (1370 1405): pop. 371,000 …   English World dictionary

  • Samarkand — Coordinates: 39°39′15″N 66°57′35″E / 39.65417°N 66.95972°E / 39.65417; 66.95972 …   Wikipedia

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”