Reliquĭen


Reliquĭen

Reliquĭen (lat.), im allgemeinen »Überreste« von berühmten Personen der Vorzeit oder Gegenstände, die mit ihnen in naher Berührung gestanden haben; in der katholischen Kirche Überbleibsel von Heiligen oder ihren Sachen, namentlich Gebeine, Kleidungsstücke, Geräte, Marterwerkzeuge der Heiligen. Zur Aufbewahrung (Gebeine in Seide gehüllt, oft in Goldfiligran gefaßt) dienen Holz-, Metall- und Glasschreine, Monstranzen, Medaillons u. dgl. (s. Reliquiarium). Die R. sollen verehrt werden, weil die Heiligen lebendige Glieder Christi und Tempel des Heiligen Geistes waren, die zum ewigen Leben verherrlicht sind, und Gott durch sie viele Wunder getan hat (Bestimmung des Tridentinischen Konzils). Die Reliquienverehrung geht in die ältesten Christenzeiten zurück, wo über den Gräbern der Märtyrer (nach Offenb. 6,9) Altäre und Kirchen errichtet wurden unter Beziehung ihres Martyrtodes auf den Opfertod Christi. Da im Mittelalter, besonders zur Zeit der Kreuzzüge, die R. vielfach Gegenstand sakrilegischen Handels wurden und der Eifer, sie zu besitzen, abergläubischem Wesen Vorschub leistete, so erließ das Laterankonzil 1215 über den Gebrauch der R. strenge Bestimmungen, die späterhin namentlich vom Tridentinum noch verschärft wurden. Jede Reliquie muß über ihre Identität und Integrität eine Urkunde mit Sigel (sogen. Authentik) haben, vom Papst approbiert und vom Bischof rekognosziert sein. Berühmte R. sind: die R. des Herrn, vornehmlich die in der Peterskirche aufbewahrten, die Aachener Heiligtümer, der heilige Rock in Trier, die Walpurgisgebeine in Eichstätt, Haupt und Blut des Januarius in Neapel u. a. Vgl. Thalhofer, Handbuch der katholischen Liturgik, Bd. 1 (2. Aufl., Freiburg 1894); Stückelberg, Geschichte der R. in der Schweiz (Zürich 1902); Lucius, Die Anfänge des Heiligenkults (Tübing. 1904).


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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  • Reliquien — (v. lat.), 1) Überbleibsel von berühmten Personen der Vorzeit od. Gegenstände, welche mit denselben in nächster Berührung gestanden hatten, wie deren so viele in Museen u. Privatsammlungen aufbewahrt werden; 2) in der Katholischen Kirche… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Reliquien — Reliquĭen (lat., »Überbleibsel«), in der kath. und griech. Kirche die Überreste (Körperteile) der Heiligen oder von Dingen, die von ihnen herrühren (Kleidungsstücke, Marterwerkzeuge), meist in kostbar ausgestatteten Behältnissen (Reliquiarĭum,… …   Kleines Konversations-Lexikon

  • Reliquien — Reliquien, vom lat. reliquiae d.h. Ueberbleibsel, die Ueberreste von den Leibern der Heiligen und von Gegen ständen, an welche die Erinnerung an das Leben, Wirken u. Leiden dieses od. jenes Heiligen geknüpft ist. Der erste bekannte Heilige,… …   Herders Conversations-Lexikon

  • Reliquien — Ganzkörperreliquie der Heiligen Munditia (250), St. Peter (München) Eine Reliquie (lateinisch Überbleibsel) ist ein Gegenstand religiöser Verehrung, besonders ein Körperteil oder Teil des persönlichen Besitzes eines Heiligen. Eine Sonderform sind …   Deutsch Wikipedia

  • Reliquien —    (lat. = Überreste) im kirchlich technischen Sinn sind die Leiche (das Skelett) von Heiligen oder Teile davon (Primärreliquien), sowie Dinge, die mit ihrem Leben oder Grab Berührung hatten (Sekundärreliquien). Das Bedürfnis, Erinnerungsstücke… …   Neues Theologisches Wörterbuch

  • Reliquien in Rom — Dieser Artikel oder Abschnitt ist nicht hinreichend mit Belegen (Literatur, Webseiten oder Einzelnachweisen) versehen. Die fraglichen Angaben werden daher möglicherweise demnächst gelöscht. Hilf Wikipedia, indem du die Angaben recherchierst und… …   Deutsch Wikipedia

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  • Caterina de' Ricci — Reliquien der Hl. Caterina in Prato Caterina de Ricci (deutsch auch Katharina de Ricci, eigentlich Alessandra Lucrezia Romola; * 23. April 1522 in Florenz; † 1. Februar 1590) war eine Florentiner Dominikanerin aus altadligem Geschlecht. Bereits… …   Deutsch Wikipedia