Rechts und Links


Rechts und Links

Rechts und Links, die für die Naturbeschreibung, Kunst und viele andre Verhältnisse wichtige Unterscheidung der beiden Seiten eines zweiseitig symmetrisch gebauten Organismus sowie auch der unter diesem Gesichtspunkt betrachteten Drehungs- und Bewegungsrichtungen. In der Naturbeschreibung konnten darüber Zweifel entstehen, was r. u. l. sei, wenn man z. B. die Windung einer Schnecke oder einer Schlingpflanze vom Standpunkte des Forschers oder von demjenigen des Objekts betrachtete, und tatsächlich haben die Zoologen als Rechtswindung bezeichnet, was die Botaniker Linkswindung nannten; man hat sich nun dahin geeinigt, die Bezeichnungen stets vom Objekt herzunehmen. Die Bevorzugung der rechten Hand, deren Ursache von vielen Forschern in anatomischen Verhältnissen gesucht wird, hat dazu geführt, die rechte Seite als die des Rechten moralisch zu bevorzugen, und die linke Seite als die unrechte, unvollkommnere, schlechtere zu charakterisieren. Der links sich zeigende Vogel galt beim Augurium für ein unglückliches Vorzeichen, und sinister (links) wurde schon bei den Römern als gleichbedeutend mit unglücklich gebraucht, wie linkisch ein ungeschicktes Benehmen (franz. gaucherie) bezeichnet. Diese alte Symbolik wurde von den Religionen aufgenommen, und den alten Indern und Germanen war die Rechtsumwandlung der Heiligtümer sowie jeder zu ehrenden Person oder Sache Vorschrift, d. h. man ging wie die Sonne oder der Uhrzeiger um sie herum. Auch das Christentum nahm diese Symbolik auf, man erteilte mit der »bessern« Hand den Segen, traute die rechte Frau an der rechten, die Nebenfrau an der linken, erwartete die Gerechten am Jüngsten Tage rechts, die Sünder links stehend, während der Teufel auf alten Gemälden mit der Linken hantiert (z. B. siedelt). Vgl. Linkshändigkeit. – Über rechts und links in der Heraldik s. Heraldik, S. 188: Beschreibung der Wappen.


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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  • rechts und links — rechts und links,   Kulturgeschichte: Die Komplementärbegriffe »rechts« und »links« dienen auch als Sinnbilder für Gut und Böse, wobei in den meisten Kulturen die rechte Seite als die bessere gilt. Die Römer übernahmen erst in der Kaiserzeit die… …   Universal-Lexikon

  • Rechts und links (Joseph Roth) — Rechts und links ist ein Roman von Joseph Roth, der 1929 bei Gustav Kiepenheuer in Berlin erschien. Hauptmann Nikolai Brandeis, Sohn eines ukrainischen Juden und einer evangelischen Pfarrerstochter, desertiert aus der Roten Armee, schlägt sich… …   Deutsch Wikipedia

  • Rechts vor links — Zur Abwicklung des Straßenverkehrs an Knotenpunkten und Einmündungen gelten jeweils Vorfahrtsregeln. Auf den Straßen gilt in den meisten Ländern mit Rechtsverkehr die Grundregel rechts vor links. Derjenige, der von rechts kommt, hat Vorfahrt, der …   Deutsch Wikipedia

  • Nicht wissen, was rechts oder links ist —   Die auch in der leicht abgewandelten Form »nicht mehr wissen, was rechts und was links ist« übliche Redewendung geht auf die Bibel zurück. Beim Propheten Jona spricht am Ende des 4. Kapitels der Herr zu Jona, der zornig darüber war, dass die… …   Universal-Lexikon

  • Prophete rechts, Prophete links, das Weltkind in der Mitten —   So lauten die Schlussverse von Goethes Gedicht »Diner zu Coblenz im Sommer 1774«, das 1815 erstmals vollständig abgedruckt worden ist. Auf einer Rheinfahrt saß Goethe mit dem Popularphilosophen Johann Bernhard Basedow (1724 1790) und dem… …   Universal-Lexikon

  • Links und rechts — ist eine Zuordnungsbeschreibung der zwei durch die Vertikale getrennten Seiten aus der Perspektive des Betrachters. Damit verbunden sind zwei gleichnamige einander entgegengesetzte Richtungsangaben. In einer aufrechten Position mit Blickrichtung… …   Deutsch Wikipedia

  • Links und Rechts — Links und Rechts, s. Rechts und Links …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Rechts — Rechts, s. Rechts und Links, S. 669 …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Links — Links, bei der Beschreibung von Kunstwerken die der linken Hand des Beschauers entsprechende, in der Heraldik aber die entgegengesetzte Seite (vgl. Heraldik. S. 188). S. auch Artikel »Rechts und Links« …   Meyers Großes Konversations-Lexikon