Raimund


Raimund

Raimund, Ferdinand, Schauspieler und Bühnendichter, geb. 1. Juni 1790 in Wien, gest. 5. Sept. 1836 zu Pottenstein in Niederösterreich, wurde zuerst Zuckerbäckerlehrling, ging aber dann zum Theater, bildete sich seit 1809 auf den Bühnen von Raab und Ödenburg zum Schauspieler heran, wurde 1813 am Theater in der Josephstadt zu Wien für lokalkomische Rollen und 1817 am Leopoldstädter Theater engagiert und widmete sich nun ausschließlich und mit Glück dem Fach der Lokalkomik, für das als Dichter Aloys Gleich, Meisl und Bäuerle schrieben. 1823 trat er selbst als Volksdichter auf mit dem Zauberspiel »Der Barometermacher auf der Zauberinsel«, dem der »Diamant des Geisterkönigs«, das Märchenspiel »Der Bauer als Millionär« (1826), »Moisasurs Zauberfluch« (1827), »Die gefesselte Phantasie« (1828), »Der Alpenkönig und der Menschenfeind« (1828), das tragikomische Zauberspiel »Die unheilbringende Zauberkrone« (1829) und »Der Verschwender« (1833) folgten. Nach Lösung seines Verhältnisses zur Leopoldstädter Bühne, deren technische Leitung er in den zwei letzten Jahren gehabt hatte (Herbst 1830), gastierte er mit seinen Stücken auf andern deutschen Bühnen und lebte dazwischen zurückgezogen auf seinem Landgut bei Gutenstein. Er starb durch Selbstmord, wozu ihn, bei seiner stets hypochondrischen Gemütsart, unmittelbar die Besorgnis, von einem tollen Hund gebissen zu sein, trieb. Von der selbständig erwachsenen Wiener Volksposse ausgehend, verstand es R., diese nach Form und Inhalt zu erweitern, seinen phantasievollen, ja phantastischen Märchendramen eine ganz volkstümliche Färbung und eine poetische Bedeutung zu geben, ohne daß darunter die Frische und Fülle des Lebens im mindesten litt. Namentlich in seinen Hauptwerken: »Der Bauer als Millionär«, »Der Alpenkönig und der Menschenfeind« und »Der Verschwender«, verstand er den frischesten Humor zum Träger eines tiefen, wehmütigen Ernstes zu machen und die widerstrebenden Elemente märchenhafter Idealdichtung und eines lokalen Realismus völlig zu verschmelzen und zu einheitlicher Wirkung zu bringen. Als Schauspieler zeichnete er sich namentlich durch meisterhafte Charakterisierung aus. Seine »Gesammelten Werke« wurden herausgegeben von Vogl (Wien 1837, 4 Bde.; 1855, 9 Tle.), kritisch von Glossy und Sauer (das. 1880–81, 3 Bde.; 2. Aufl. 1891) und von Castle (in Hesses Klassiker-Ausgaben, Leipz. 1903, 3 Bde.). Seine Liebesbriefe an Antonie Wagner erschienen im 4. Bande des »Jahrbuchs der Grillparzer-Gesellschaft« (Wien 1894). Ein Denkmal (von Vogl) wurde ihm 1898 in Wien vor dem Deutschen Volkstheater errichtet (s. Tafel »Wiener Denkmäler I«, Fig. 5). Vgl. Costenoble, Aus dem Burgtheater, Tagebuchblätter (Wien 1889, 2 Bde.); Erich Schmidt, Charakteristiken, 1. Reihe (2. Aufl., Berl. 1902); Farinelli, Grillparzer und R. (Leipz. 1897); Sittenberger, Studien zur Dramaturgie der Gegenwart, Bd. 1 (Münch. 1898); Rollett, Begegnungen (Wien 1903); Brukner, Ferdinand R. in der Dichtung seiner Zeitgenossen (Gedichte und Briefe, das. 1905).


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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