Pirna

Pirna

Pirna, Amtshauptstadt in der sächs. Kreish. Dresden, an der Mündung der Gottleuba in die Elbe, Knotenpunkt der Staatsbahnlinien Dresden-Bodenbach, P.-Gottleuba, P.-Arnsdorf und P.-Großcotta, 121 m ü. M., hat an Stelle der ehemaligen Festungswerke anmutige Promenaden, 3 evang. Kirchen (darunter die stattliche gotische Hauptkirche, 1502 bis 1546 erbaut, 1890 restauriert), eine neue kath. Kirche, ein altes Rathaus, Denkmäler des Königs Albert, Bismarcks und des Komponisten Julius Otto und (1905) mit der Garnison (2 Artillerieregimenter Nr. 28 und 64) 19,220 Einw., davon (1900) 1634 Katholiken. Die Industrie besteht in Fabrikation von Glas, emailliertem Geschirr, Zigarren, ätherischen Ölen und Essenzen, Malz, Zellulose, Maschinen und Schamotteöfen, ferner in Töpferei, Steinsägerei, Steinmetzarbeiten, Gerberei und Schiffbau. Die in dem hier beginnenden Elbsandsteingebirge betriebene Sandsteinindustrie beschäftigt gegen 7000 Arbeiter. Der Handel, unterstützt durch die lebhafte Schiffahrt und eine Reichsbanknebenstelle, ist besonders bedeutend in Sandstein und Getreide. P. hat eine Realschule mit Progymnasium, ein Schullehrerseminar, Handelsschule, Schifferschule, Waisenhaus, Museum, eine Armen- und Arbeitsanstalt, ein Amtsgericht, ein Hauptzollamt und das Kommando der 32. Feldartilleriebrigade. Auf einer vorspringenden Ecke des Elbsandsteingebirges gründete Kurfürst August 1573 an der Stelle einer alten Burg P. das feste Schloß Sonnenstein, das lange zum Staatsgefängnis diente, in dem unter andern Patkul (s. d.) saß, jetzt aber Landesheil- und Pflegeanstalt ist. Im Siebenjährigen Krieg ward es von den Preußen 1758 erobert. 1811 ward die Irrenanstalt von Torgau hierher verlegt, 1813 aber befestigten die Franzosen das Schloß von neuem und behaupteten es bis in den November gegen die Verbündeten. Nach der Übergabe wurde es der Irrenanstalt wieder eingeräumt. Am Fuß des Schloßbergs entspringt die Mineralquelle Erlenpeter.-P. kam durch König Heinrich I. 933 an das Stift Meißen, in der Folge an Böhmen und 1249 als Heiratsgut der Prinzessin Agnes an Heinrich den Erlauchten, Markgrafen von Meißen; aber Albert der Unartige verkaufte es 1291 wieder an das Bistum Meißen, und dieses überließ es 1298 wieder Böhmen. König Wenzel verpfändete es an den Markgrafen Wilhelm den Einäugigen (1405), und da es nicht wieder eingelöst wurde, verblieb es seitdem bei Kursachsen, das 1459 im Egerschen Vertrag das wirkliche Besitzrecht erhielt. Am 14. Nov. 1634 wurde hier der Vertrag zwischen Sachsen und Kaiser Ferdinand II. geschlossen, der den Prager Frieden einleitete. Die im Mittelalter durch Handel blühende und seit 1291 nachweislich mit dem Stapelrecht ausgestattete Stadt geriet im 17. Jahrh. in Verfall, zumal während des Dreißigjährigen Krieges, wo sie 23. April 1639 von den Schweden unter Banér eingenommen wurde. Im Siebenjährigen Krieg wurde das in der Nähe aufgeschlagene Lager der sächsischen Armee von den Preußen eingenommen. Vgl. »Urkundenbuch der Städte Dresden und P.« (hrsg. von v. Posern-Klett, Leipz. 1875); Zaake, Geschichte der Stadt P. (Friedrichstadt 1765); R. Hofmann, Reformationsgeschichte der Stadt P. (Glauchau 1894); Weißenborn, Die Elbzölle und Elbstapelplätze im Mittelalter (Halle 1901); »Mitteilungen aus dem Verein für Geschichte der Stadt P.« (Pirna 1897 ff.).


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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