Peters


Peters

Peters, 1) Karl Friedrich, Musikalienverleger, gest. 1828, erwarb 1814 das 1800 von dem Komponisten Franz Anton Hoffmeister und dem Organisten Ambrosius Kühnel in Leipzig gegründete »Bureau de Musique«, das sich 1880–94 im Besitz von Max Abraham (Mitbesitzer seit 1863) befand und 1894 in den Besitz von dessen Neffen Henri Hinrichsen überging. Der ältere Verlag enthielt Sammlungen von Kompositionen von Bach, Haydn, Mozart, Kreutzer, Spohr u.a. Ihren Weltruf verdankt die Firma »C. F. Peters« der 1867 begonnenen »Edition Peters«, welche die Werke der musikalischen Klassiker und Romantiker in Originalausgaben und Arrangements sowie Etüdenwerke für alle Instrumente und für Gesang umfaßt, 1906 zusammen etwa 3000 Nummern, darunter 200 Partituren und 250 Klavierauszüge. 1894 errichtete die Firma die später als Stiftung in den Besitz der Stadt Leipzig übergegangene »Musikbibliothek Peters« mit etwa 10,000 Werken zu unentgeltlicher Benutzung. Seit 1895 erscheint das musikhistorisch wertvolle »Jahrbuch der Musikbibliothek Peters« (jetzt redigiert von R. Schwartz).

2) Christian August Friedrich, Astronom, geb. 7. Sept. 1806 in Hamburg, gest. 8. Mai 1880 in Kiel, arbeitete seit 1826 an der Altonaer Sternwarte, ward 1827 Assistent an der Hamburger Sternwarte, 1839 an der Sternwarte in Pulkowa, 1849 Professor der Astronomie in Königsberg und 1854 Direktor der Sternwarte in Altona, die 1872 nach Kiel verlegt wurde. Er lieferte Untersuchungen auf dem Gebiete der Stellarastronomie, besonders über die NutationNumerus constans nutationis«, Petersb. 1842) und über die Eigenbewegung des Sirius (1851). Seit 1854 redigierte er die »Astronomischen Nachrichten«; auch veröffentlichte er 3 Bände »Populäre Mitteilungen aus dem Gebiet der Astronomie« (Altona 1860–1869) und gab den Briefwechsel zwischen Gauß und Schumacher heraus (Leipz. 1860–65, 6 Bde.).

3) Christian Heinrich Friedrich, Astronom, geb. 19. Sept. 1813 zu Koldenbüttel in Schleswig, gest. 19. Juli 1890 in Clinton (Vereinigte Staaten), studierte in Berlin, arbeitete dann an den Sternwarten in Kopenhagen und Göttingen und beteiligte sich 1838–43 unter Sartorius von Waltershausen an der Aufnahme des Ätna. Später war er Astronom am Topographischen Bureau in Neapel bis 1848, beteiligte sich im Ingenieurkorps an den Unabhängigkeitskämpfen auf Sizilien, ging 1849 nach Konstantinopel und 1854 nach Nordamerika, wo er bei der Küstenvermessung der Vereinigten Staaten angestellt und 1858 Direktor der Sternwarte zu Clinton im Staate New York wurde. Seine Beobachtungen galten hauptsächlich den Kometen und kleinen Planeten, von denen er 48 entdeckte. Diese Entdeckungen stehen in Verbindung mit den von ihm ausgeführten Sternkarten (20 Karten, 1882), die auch zur Auffindung mehrerer veränderlichen Sterne führten. 1874 leitete er die amerikanische Expedition zur Beobachtung des Venusdurchgangs auf Neuseeland.

4) Wilhelm Karl Hartwig, Reisender und Naturforscher, Bruder des vorigen, geb. 22. April 1815 zu Koldenbüttel in Eiderstedt, gest. 20. April 1883 in Berlin, studierte seit 1834 in Kopenhagen und Berlin Naturwissenschaft und Medizin, ging dann zur Erforschung der dortigen Fauna nach dem Mittelmeer, reiste 1842 nach Mosambik, besuchte auch Sansibar, die Komoren und Madagaskar sowie das Kapland und Ostindien und kehrte 1848 zurück. Er ward dann Prosektor am anatomischen Institut in Berlin, 1851 Professor der Medizin und 1856 Professor der Zoologie und Direktor der zoologischen Sammlungen daselbst. Die Ergebnisse seiner Reisen sind niedergelegt in seinem Werk »Naturwissenschaftliche Reise nach Mossambique« (Zoologie, Bd. 1 und 3–5, Berl. 1852–82; Botanik, 1862–64, 2 Bde.).

5) Pieter Francis, holländ. Maler, Sohn des Glasmalers Pieter Francis P., geb. 1818 in Nimwegen, gest. 23. Febr. 1903 in Stuttgart, ging 1836 nach Württemberg und Bayern, 1841 nach Mannheim und ließ sich 1845 in Stuttgart nieder. Von seinen zahlreichen Landschaften sind hervorzuheben: die Ölgemälde Laufenburg, der Marmorbruch Crestola bei Carrara, das Jagdschloß im Winter, Monaco und die Aquarellfolgen: Liebenzell in 40 Blättern (für die Königin Olga von Württemberg), Insel Mainau in 20 Blättern (für den Großherzog von Baden). Seine Tochter Anna (geb. 28. Febr. 1843 in Mannheim) ist eine geschätzte Blumen- u. Landschaftsmalerin.

6) Christian Karl, dän. Bildhauer, geb. 26. Juli 1822 im Kirchspiel Randböl bei Veile, gest. 18. Okt. 1899 in Kopenhagen, besuchte die Kunstakademie in Kopenhagen, bereiste 1849–52 als Stipendiat Frankreich und Italien und wurde später Professor an der Kopenhagener Kunstakademie. Von seinen Werken sind hervorzuheben: Herkules als Kind zwei Schlangen erwürgend (1845), die trauernde Psyche, der Wein stehlende Faun, ein tanzender, die Flöte blasender Faun in Bronze (1854, Museum in Kopenhagen), ein Fries in Gips, ländliche Arbeiten darstellend (1858, in der landwirtschaftlichen Akademie), eine Porträtstatue Thorwaldsens und zwölf Bronzereliefs für den Altar des Doms in Viborg (1876).

7) Karl Friedrich Wilhelm, Astronom, Sohn von P. 2), geb. 16. April 1844 in Pulkowa, gest. 2. Dez. 1894 in Königsberg, studierte in Kiel, Berlin und München, wurde 1867 Assistent der Sternwarte in Hamburg, 1868 in Altona und 1872 nach Verlegung derselben nach Kiel daselbst Observator, 1882 wurde er außerordentlicher Professor an der Universität und 1883 Direktor des Chronometer-Observatoriums in Kiel, 1888 Direktor der Sternwarte in Königsberg. Seine Beobachtungen betreffen hauptsächlich die Kometen, auch führte er mehrere Pendelmessungen und Längenbestimmungen aus. Er veröffentlichte: »Astronomische Tafeln und Formeln« (Hamb. 1871), »Die Fixsterne« (Prag u. Leipz. 1883) und besorgte die Neuherausgabe von Sawitsch' »Abriß der praktischen Astronomie« (Leipz. 1879) und die von Joh. Müllers »Lehrbuch der kosmischen Physik« (5. Aufl., Braunschw. 1894).

8) Karl, Afrikareisender, geb. 27. Sept. 1856 in Neuhaus a. d. Elbe, studierte Philosophie in Göttingen. Tübingen und Berlin, wo er sich 1880 habilitierte, gründete nach längerm Aufenthalt in London zu Berlin die Gesellschaft für deutsche Kolonisation, in deren Auftrag er 1884, begleitet von Jühlke, Otto und Graf Pfeil, nach Ostafrika ging und durch zwölf Verträge mit eingebornen Häuptlingen die Landschaften Useguha, Nguru, Usagara und Ukami der Gesellschaft sicherte. Darauf trat er an die Spitze der Deutsch-Ostafrikanischen Gesellschaft, ging 1887 mit zahlreichen Beamten aufs neue nach Ostafrika und übernahm nach der Rückkehr 1888 die Leitung einer Expedition zum Entsatz von Emin Pascha, auf der er 1889–90 den Tanafluß bis zum Kenia verfolgte, dann über die Wasserscheide bis zum Victoria Nyanza vordrang, hier die Herrschaft des Königs Mwanga von Uganda befestigte und auf der Rückkehr zur Küste in Mpwapwa mit Emin und Stanley zusammentraf. In Deutschland mit großen Ehren empfangen, ging P. 1891 als Reichskommissar nach Ostafrika, gründete eine Station am Kilimandscharo, war dann bei der Festsetzung der deutsch-englischen Grenze tätig, kehrte aber schon 1892 nach Deutschland zurück, wo er, zur Disposition gestellt, eifrig für Förderung der Kolonialpolitik und für deutsch-nationale Unternehmungen eintrat, aber auch wegen seiner Behandlung der Eingebornen viele Angriffe erfuhr. Nach England übergesiedelt, bereiste P. 1899–1901 Südafrika, namentlich das Gebiet zwischen Sambesi und Sabi, in dem er das Ophir Salomos zu erkennen glaubte. Er schrieb: »Willenswelt und Weltwille« (Leipz. 1883); »Deutschnational«, eine Sammlung kolonialpolitischer Aufsätze (Berl. 1887); »Die deutsche Emin Pascha-Expedition« (Münch. 1891); »Das deutsch-ostafrikanische Schutzgebiet« (das. 1895); »Das goldene Ophir Salomos« (das. 1895); »Ophir and Punt in South Africa« (»Journal of the African Society«, 1902); »Im Goldlande des Altertums« (Münch. 1902); »England und die Engländer« (Berl. 1904, 2. Aufl. 1905; engl., Lond. 1904); »Die Gründung von Deutsch-Ostafrika« (Berl. 1906).


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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