Montmorency [2]


Montmorency [2]

Montmorency (spr. mong-morangßi), altes Adelsgeschlecht in Frankreich und den Niederlanden, das seinen Namen von dem Ort M. bei Paris hat, und dessen Glieder seit 1327 den Titel »erste Barone von Frankreich« führten. Bouchard I. (»le Barbu«) von M., gest. um 980, war der älteste nachweisbare Besitzer der Baronie M. Mathieu II., mit dem Beinamen »der große Connétable«, zeichnete sich unter Philipp II. August durch kriegerische Tüchtigkeit aus und starb 24. Nov. 1230. Nach seinem Tode spaltete sich das Haus in zwei Hauptäste, einen ältern der Barone von M. und einen jüngern der M.-Laval. Zu Anfang des 15. Jahrh. ward Jean II. (geb. 1402, gest. im Juli 1477) aus ersterm Hauptast wieder Stammvater von drei Linien, indem er seinen Sohn Guillaume (gest. 24. Mai 1531) aus einer zweiten Ehe zum Haupterben einsetzte, während seine beiden Söhne erster Ehe, Jean und Louis, mit den Gütern ihrer Mutter, der Erbin von Nivelle und Fosseux in Brabant, ausgestattet, die Linien Nivelle und Fosseux begründeten. Die Linie Nivelle nahm mit der Hinrichtung des Grafen von Hoorn 1568 durch Alba und der seines Bruders Floris 1570 ein blutiges Ende. Die von Guillaume gegründete Linie der Barone von M. erhielt 1551 durch dessen Sohn Anne de M. (s. unten) den Herzogs titel. Vgl. Du Chesne, Histoire généalogique de la main de M. et de Laval (Par. 1624.)

Anne, Herzog von M., hervorragender Feldherr des 16. Jahrh., Pair, Marschall und Connétable von Frankreich, geb. 15. März 1492, gest. 11. Nov. 1567, wurde mit Franz I. erzogen, focht in dessen italienischen Kriegen rühmlichst, ward aber bei Pavia 1525 mit Franz I. gefangen. Früher als dieser frei geworden, bot er in Frankreich alles zur Befreiung des Königs auf und ward dafür von diesem mit dem Gouvernement von Languedoc und dem Titel Grand maître de France belohnt. Bei der Wiederaufnahme des Kampfes 1536 eilte er Karl V. mit 60,000 Mann entgegen, erfocht den glänzenden Sieg bei Susa und wurde 1538 zum Connétable, 1551 zum Herzog von M. erhoben. Bei seinem Versuch (1557), das von den Spaniern belagerte St.-Quentin zu retten, verlor er die nach diesem Ort genannte Schlacht, fiel selbst in die Hände der Feinde und setzte, um seine Befreiung zu beschleunigen, den unvorteilhaften Frieden von Cateau-Cambrésis durch. Nach dem berüchtigten Triumvirat, das er mit dem Herzog von Guise und dem Marschall Saint-André geschlossen hatte, lieferte er dem Prinzen Condé das Treffen von Dreux (1562), worin er gefangen wurde. Schon 1563 wieder freigelassen, lieferte er Condé 1567 die unentschiedene Schlacht bei St.-Denis. Er starb an den hier erhaltenen Wunden in Paris. Vgl. Decrue, Anne de M. (2 Tle., Par. 1885 u. 1889).

Anne von M. hinterließ fünf Söhne, von denen sich namentlich zwei bekannt machten: François von M., geb. 17. Juli 1530, unter Heinrich III. Marschall von Frankreich, gest. 15. Mai 1579 (vgl. Ruble, François de M., Par. 1880), und Henri I., geb. 15. Juni 1544, gest. 2. April 1614; dieser trat, von den Guisen gehaßt und verfolgt, an die Spitze der Partei der Politiker u. wurde treuer Anhänger Heinrichs IV., der ihn 1595 zum Connétable erhob. Der Sohn des letztgenannten, Henri II., Herzog von M., geb. 30. April 1595 in Chantilly, gest. 30. Okt 1632, ward von Ludwig XIII. schon im 17. Jahr zum Admiral ernannt, entriß 1625 den Verteidigern von La Rochelle die Inseln Ré und Oléron, focht glücklich in Piemont und nahm den General Doria 1630 gefangen. Er erhielt für diesen Sieg den Marschallstab, erhob dann aber für den Herzog Gaston von Orléans im Languedoc die Waffen. Richelieu erklärte ihn darauf für einen Majestätsverbrecher, und der Marschall Schomberg lieferte den Aufrührern 1. Sept. 1632 bei Castelnaudary ein Treffen, in dem M. verwundet und gefangen wurde. Das Parlament zu Toulouse sprach das Todesurteil über ihn aus. Mit ihm erlosch die Hauptlinie der M. Seine Güter erbte, da er kinderlos war, seine Schwester, die Gemahlin Heinrichs II. von Bourbon-Condé. Die Linie M.-Fosseux erlosch im direkten Mannesstamm 18. Aug. 1862 mit Raoul, Herzog von M., geb. 14. Dez. 1790; doch ging der Titel eines Herzogs von M. 1864 auf Adalbert von Talleyrand-Périgord (geb. 1837) als Sohn der Schwester des letzten Herzogs über.

Der namhafteste unter den zahlreichen, jetzt aber sämtlich ausgestorbenen Nebenzweigen der Marquis von M.-Fosseux ist der 1662 geschaffene der Herzoge von Luxembourg, dem der berühmte Marschall von Luxembourg (s. d.) angehört; letzterer Zweig starb erst 5. März 1861 mit Charles Emanuel Siegmund von M., Herzog von Luxembourg, ehemaligem französischen Generalleutnant, aus. Die seit 1765 bestehende Nebenlinie Beaumont-Luxembourg erlosch 15. Jan. 1878 mit Edouard von M., Herzog von Beaumont, Fürst von Luxembourg.

Dem 1230 von Gui von M. gestifteten Haus M.-Laval, das 1822 die herzogliche Würde erhielt und sich wiederum mehrfach spaltete, gehörten an: Matthieu Jean Félicité, Herzog von Laval-M., geb. 10. Juli 1767 in Paris, gest. 24. März 1826, kämpfte in dem nordamerikanischen Freiheitskrieg und stieg bis zum General empor. Beim Ausbruch der Revolution vertrat er in der Assemblée constituante als Abgeordneter des Adels von Montfort l'Amaury die Idee des Fortschritts, beantragte 4. Aug. 1789 die Abschaffung der Adelsprivilegien und diente unter dem Marschall Luckner. Die Ereignisse von 1793 bewogen ihn jedoch, in die Schweiz zu fliehen. Nach dem Sturz der Schreckensherrschaft kehrte er nach Frankreich zurück. 1814 wurde er Adjutant des Grafen von Artois, geleitete 1815 die Herzogin von Angoulême nach Bordeaux und London und begab sich zu Ludwig XVIII. nach Gent. 1815 erfolgte seine Erhebung zum Pair, 1821 zum Minister des Auswärtigen und bald darauf zum Präsidenten des Kabinetts. Als Gesandter wohnte er 1822 dem Kongreß in Verona bei und betrieb 1823 die Intervention in Spanien. Doch mußte er noch in diesem Jahre wegen eines Zerwürfnisses mit Villèle zurücktreten. Karl X., der ihn als Freund der Jesuiten besonders liebte, ernannte ihn zum Erzieher des jungen Herzogs von Bordeaux. Die Akademie nahm ihn 1825 unter ihre Mitglieder auf. Vgl. Vetillard, Notice sur la vie de monsieur le duc de M. (Le Mans 1826). Mit Eugène Alexandre de M., Herzog von Laval-M., geb. 20. Juli 1773, Generalleutnant, erlosch 2. April 1851 die männliche Nachkommenschaft des Zweiges Laval. Vgl. Désormeaux, Histoire de la maison de M. (Par. 1764); »Les M. de France et les M. d'Irlande« (das. 1828).


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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