Mississippi [2]


Mississippi [2]

Mississippi (abgekürzt Miss.), einer der südlichen Staaten der nordamerikan. Union (s. Karte »Vereinigte Staaten«), der Golfgruppe zuzählend, zwischen 30°13'–35° nördl. Br. und 88°71'–91°41' westl. L., wird von den Staaten Alabama, Louisiana, Arkansas, Tennessee und von dem Mexikanischen Golf umgrenzt und enthält 121,230 qkm. Die niedrige, sandige Küste, entlang dem Mississippisund, dem eine Reihe flacher Inseln vorgelagert sind, konnte bisher nur Fahrzeugen von 2–3 m Tiefgang nahbar gemacht werden. Das Innere ist im W. flache Schwemmlandniederung (bottom), die vom M., Yazoo und Big Black River in jedem Frühjahr weithin überflutet wird, und von der durch Deiche (levees) ein kleiner Teil der Kultur gewonnen worden, der größte Teil von Waldbrüchen mit einem üppigen Wuchs von Sumpfzypressen, Weiden, Platanen, Eschen, Tupelos, Magnolien, Eichen u. dgl. eingenommen ist. Im O. liegt das Land höher, doch erreichen die höchsten Hügelzüge auch in der äußersten Nordostecke des Gebietes nur 172 m. Der Boden ist hier aus tertiären Sand-, Lehm- und Mergelschichten, im NO. daneben aus Schichten der Kreideformation gebildet. In den breiten Flußtälern herrscht auch hier Laubwald vor, in den Oberlandstrichen (uplands) dagegen Kiefernwald. Von Vicksburg südwärts tritt das Oberland in Gestalt steiler Mergelwände an vielen Stellen unmittelbar an den Mississippi. Dieser Strom, der dem Staat an seiner Westgrenze auf 897 km langer Strecke angehört, bildet die natürliche Hauptabzugsstraße, aber auch der Yazoo mit dem Sunflower und Tallahatchie River ist 1285 km, der Pearl River im S. und an der Südostgrenze 710 km, der Pascagoula mit dem Chickasahay und Leaf River im SO. 420 km schiffbar. Das Klima kennzeichnet sich durch lange heiße Sommer und kurze, aber scharfe Kälteperioden im Winter (Vicksburg mit 18,5° Durchschnittstemperatur des Jahres, 27,4° des Juli und 8,5° des Januars, bei öfterm Steigen des Thermometers auf 38° und seltenem Sinken auf -18°). Schwere Eisgänge auf dem Mississippi sind nicht unerhört. Die Niederschläge sind reichlich, besonders im Herbst und Winter (Vicksburg 1392 mm im Jahre), Gewitter häufig (bis über 80 im Jahr). Das Gelbfieber ist wiederholt verheerend aufgetreten, Malariafieber sind weit verbreitet. Die wichtigste Hilfsquelle von M. liegt im Landbau und in der Waldausbeutung. 1900 gab es 220,803 Farmen und Pflanzungen mit insgesamt 7,296,000 Hektar Land, wovon 3,038,000 Hektar in Kultur genommen (improved) und 2,244,000 Hektar wirklich angebaut waren. Den größten Raum beansprucht der Baumwollbau (1,159,000 Hektar), demnächst der Maisbau (911,000 Hektar), während Weizenbau (2580 Hektar) und selbst Haferbau (35,000 Hektar) geringfügig sind. Im Baumwollertrage (1898: 1,8 Mill., 1903: 1,4 Mill.) steht M. in den meisten Jahren nur Texas, in manchen Jahren auch Georgia nach. Die Maisernte ergab 1899: 38,789,920 Bushels. Von den im J. 1899 vorhandenen 1,856,748 Pfirsichbäumen erntete man nur 252,305 Bushels, von den 705,796 Apfelbäumen nur 249,035 Bushels, die beschränkte Orangenkultur wurde aber durch den harten Winter von 1898/99 gänzlich vernichtet. Die Holzschlägerei ergab 1900: 15,656,110 Doll., die Terpentingewinnung 1,772,435 Doll. Von Viehzuchtzweigen ist die Schweinezucht am besten entwickelt (1899: 1,313,624 Stück), danach die Rinderzucht (911,375 Stück). Pferde zählt man 245,044, Schafe 315,751. An Mineralschätzen liefert M. nur schlechte Bausteine und Lehm zur Ziegelbereitung. Die Industrie (1900: 4772 Betriebe mit 26,418 Arbeitern und 40,431,386 Doll. Produktionswert) ist wenig entwickelt und, abgesehen von den Sägemühlen und Hobelwerken, nur in Baumwollöl- und Ölkuchenbereitung (6,681,129 Doll.), Baumwollspinnerei (1,472,835 Doll.) und Wagenbau (1,331,401 Doll.) von einigem Belang. Eisenbahnen gibt es (1903) 4720 km. Die Bevölkerung betrug 1900: 1,551,270 Seelen (12,8 auf 1 qkm), darunter 781,451 männliche, 769,819 weibliche, 907,630 (58,6 Proz.) Neger und Mulatten, 2203 Indianer und nur 7981 im Auslande (1926 in Deutschland) Geborne. Die öffentlichen Schulen mit 8922 Lehrkräften wurden 1903 von 403,647 Kindern besucht, die 4 Universitäten und Colleges mit 86 Dozenten von 959 Studierenden, darunter die Universität von M. zu Oxford (s. d.). Es erscheinen 251 Zeitungen. Nach der seit 1870 gültigen Verfassung werden der Gouverneur und die obersten Staatsbeamten vom Volk auf vier Jahre gewählt. Die gesetzgebende Gewalt ruht in den Händen von 45 Senatoren und 133 Abgeordneten. In den Senat der Union entsendet M. zwei, in das Repräsentantenhaus acht Mitglieder, bei der Präsidentenwahl hat es zehn Stimmen. Die drei Richter des Obergerichts ernennt der Gouverneur auf neun Jahre, mit Zustimmung des Senats. Der Wert des steuerbaren Eigentums betrug 1902: 222,847,525 Doll., die öffentliche Schuld 2,887,026 Doll. Der Staat wird in 76 Grafschaften eingeteilt. Hauptstadt ist Jackson. – 1682 nahm La Salle von M. im Namen des Königs von Frankreich Besitz, und 1699 erbauten die Franzosen ein Fort an der Bai von Biloxi; 1716 wurde Natchez gegründet. Frankreich trat das Land nördlich vom 31. Breitengrad 1763 an England ab, 1783 kam es an die Union, die ihm 1798 mit Einschluß von Alabama eine Territorialregierung gab; 1811 ergriff die Republik auch von dem südlich vom 31. Breitengrad gelegenen, eigentlich spanischen Gebiet Besitz. Das gesamte Land wurde darauf 1817 in zwei Teile geteilt, von denen der östliche Alabama bildete, der westliche aber 1. März d. J. als Staat M. in die Union aufgenommen ward. M. war einer der ersten Staaten, die sich 1861 der südlichen Konföderation anschlossen. Aber bereits 31. Dez. 1861 eroberten die Unionstruppen Biloxi, und Vicksburg fiel 4. Juli 1863. Am 23. Febr. 1870 ward M. von neuem als Staat zur Union zugelassen. Vgl. Lowrie und Mac Cardle, History of M. (neue Ausg., New York 1900).


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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