Medeia


Medeia

Medeia (Medēa), die zauberkundige Tochter des Königs Äetes von Kolchis und der Idyia, verhalf dem Jason (s. d., Bd. 9) zum Goldenen Vlies und entfloh mit ihm (s. Argonauten) nach Jolkos, wo sie die eignen Töchter des Pelias (s. d.) zu dessen Ermordung verleitete. Von Pelias' Sohn Akastos vertrieben, ging Jason mit M. nach Korinth, verstieß sie aber nach zehnjähriger Ehe, um sich mit Glauke oder Krëusa, Tochter des Königs Kreon, zu vermählen. Aus Rache sandte M. der Braut ein vergiftetes Gewand und Diadem zum Hochzeitsgeschenk, und diese ward, als sie es angelegt, von Flammen verzehrt. Dann ermordete sie ihre beiden Kinder Mermeros und Pheres vor den Augen Jasons und entfloh auf ihrem Drachenwagen, einem Geschenk des Helios, nach Athen zu König Ägeus, als dessen Gattin sie den Medos gebar. Da sie Ägeus beinahe zur Ermordung seines Sohnes Theseus verleitet hätte, flieht sie mit ihrem Sohn Medos wieder in ihre Heimat, wo sie ihren Oheim Perses, der Äetes vom Thron gestürzt hatte, ermordete und ihren Vater wieder in die Herrschaft einsetzte. Über antike Darstellungen der M., unter denen namentlich das Gemälde des Timomachos (M. im Begriff, ihre Kinder zu töten) berühmt war, vgl. Conze in den »Historisch-philologischen Aufsätzen für E. Curtius« (Berl. 1884). Die Sagen von M. sind oft dramatisch behandelt worden. Erhalten sind aus dem Altertum die Tragödien des Euripides und Seneca. Aus neuerer Zeit sind die Dramen von Corneille und Grillparzer, das Melodram von Benda (Text von Gotter) und die Oper »Medea« von Cherubini zu erwähnen. Vgl. Mallinger, Médée, étude de littérature comparée (Löwen 1897).


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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  • Medeia — (lat. Medea), Tochter des kolchischen Königs Aietes, verhalf durch ihre Zauberkünste Jason (s.d.) zum Goldenen Vlies und entfloh mit ihm nach Jolkos. Hier nahm sie an Pelias Rache wegen der Ermordung von Jasons Eltern und floh dann mit Jason nach …   Kleines Konversations-Lexikon

  • Medeia — Medea (Eugène Delacroix, 1862). Medea (griech. Μήδεια Medeia) ist eine Frauengestalt der griechischen Mythologie. In den älteren Versionen des Mythos wird Medea zumeist als selbstbewusste und zauberkundige Frau dargestellt. Euripides gestaltete… …   Deutsch Wikipedia

  • Medea — (Eugène Delacroix, 1862). Medea (griech. Μήδεια Medeia) ist eine Frauengestalt der griechischen Mythologie. Die älteste vollständig erhaltene Quelle ist das Medea Drama des Euripides. Der Medeastoff wird seit Euripides immer wieder in der Kunst,… …   Deutsch Wikipedia

  • Medea: Stimmen — ist ein 1996 erschienener Roman von Christa Wolf. In Monologen einzelner Handelnder werden Ereignisse aus dem Umfeld des griechischen Medea Mythos erzählt. Nach ihrem Roman Kassandra widmet sich Wolf damit einer weiteren Frauenfigur aus der… …   Deutsch Wikipedia

  • Argonauten — (»Argoschiffer«), die Teilnehmer an dem von Jason veranstalteten Zuge nach Kolchis (s. Äa). Schon Homer setzt die Sage als allgemein bekannt voraus. Im Lauf der Zeit hat sie vielfach An derungen und Erweiterungen erfahren; die verschie denen… …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Medeios — Medos, auch teilweise Medeios genannt, ist eine Gestalt der griechischen Mythologie, Sohn der Medeia mit entweder dem Aigeus oder dem Iason. Er wurde von Cheiron aufgezogen und ausgebildet. Als er und seine Mutter aus Athen verbannt wurden,… …   Deutsch Wikipedia

  • Europa Cinemas — Créé en 1992 grâce au financement du programme MEDIA et du Centre National de la Cinématographie, Europa Cinemas est le premier réseau de salles à programmation majoritairement européenne. Son objectif: apporter un soutien opérationnel et… …   Wikipédia en Français

  • Iason — {{Iason}} Sohn des Aison* aus Iolkos in Thessalien, von seinem Onkel Pelias* fortgesandt, um das Goldene Vlies des Widders, der einst Phrixos* getragen hatte, aus Kolchis zu holen. Iason hatte nämlich auf dem Weg zum Opferfest für Poseidon* einen …   Who's who in der antiken Mythologie

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