Massachusetts

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Massachusetts (spr. mǟssǟtschūssēts, abgekürzt Mass.), einer der Vereinigten Staaten von Nordamerika, zur Gruppe der Neuenglandstaaten gehörig (s. Karte »Vereinigte Staaten«), zwischen 41°15'–42°53' nördl. Br. und 69°55'–73°32' westl. L., grenzt im N. an Vermont und New Hampshire, im O. an den Atlantischen Ozean, im S. an Rhode-Island und Connecticut, im W. an New York und hat 21,540 qkm Fläche. Die vorwiegend flache und sandige, etwa 450 km lange Küste ist durch die Bussardbai, Kap Cod-Bai, Massachusettsbai u. a. reich gegliedert und bietet in den Ästuarien des Acushnet (bei New Bedford), des Charles River (bei Boston), des Merrimac (bei Newburyport) sowie in den Buchten von Salem und Gloucester gute Häfen, während durch den Vineyard- und Nantucket-Sund die Inseln Martha's Vineyard (s. d.) und Nantucket nebst den Elizabethinseln abgetrennt werden. Die Osthälfte des Gebietes ist ein stark welliges, niedriges Hügelland, in dem das alte kambrischsilurische und kristallinische Grundgestein zwar bis an die Küste vielfach zutage steht, der oberflächliche Boden aber in der Hauptsache aus quartärem Gletscherschutt zusammengesetzt ist. Die Wetterwarte des Blue Hill südlich von Boston erhebt sich hier 195 m, der Wachusett südlich von Fitchburg 632 m ü. M., und sehr charakteristisch sind Gruppen von Linsenhügeln (Drumlins, s. d.). Die Westhälfte ist in nordsüdlicher Richtung von wirklichen Gebirgen durchzogen, insbes. von der Taconic- oder Taghkanickette, an der Grenze von New York (im Mount Everett 800 m, im Greylock 1068 m), der Hoosackette (im Mount Hoosac 732 m), nebst den im S. angeschlossenen freundlichen Berkshire Hills (im Mount Becket 670 m), die von jener durch das Housatonictal getrennt sind, ferner von der vom Connecticut durchbrochenen malerischen Holyokekette (Mount Holyoke 291 m, Mount Tom 370 m). Erstere bestehen aus paläozoischem Schiefer und Sandstein sowie aus Gneis und Granit, letztere aus Trappfels, die Täler der genannten Flüsse sind teils in paläozoischen Kalkstein, teils in triassischen Sandstein eingenagt. Der bedeutendste Fluß, der schnellenreiche Connecticut, der M. von N. nach S. durchströmt, konnte durch Lateralkanäle nur für kleine Boote schiffbar gemacht werden, er bietet aber ebenso wie der Merrimac im nordöstlichen Teil des Staatsgebietes reiche Wasserkräfte. Das Klima ist durch die kalten arktischen Strömungen und die Nordoststürme im Winter oft sehr rauh, im Sommer dagegen ziemlich heiß. Boston hat als Mitteltemperatur des Jahres 9,2°, des Januar -3, des Juli 21,8°, während als niedrigste Temperatur -25, als höchste 38,2° beobachtet worden sind. Niederschläge (auch Schnee) sind reichlich (in Boston 1132 mm im Jahre). Die Flüsse sind gewöhnlich 2–3 Monate des Jahres zugefroren; doch blühen Pfirsich- und Aprikosenbäume schon Mitte April und Kirsch- und Apfelbäume in der ersten Hälfte des Mai. Von der Oberfläche sind 29 Proz. mit Waldungen bedeckt, in denen Eschen, Espen, Buchen, Birken, Kastanien, Ulmen, Hickorys, Ahorne, Eichen, Kiefern, Lärchen, Fichten, Tannen etc. vorkommen. Der Staat besitzt weder edle Metalle noch Kohle, dagegen steht er in der Gewinnung von Granit (1902 für 3,451,397 Doll.) unter den Unionsstaaten obenan, und auch seine Sandstein- und Marmorbrüche sind namhaft. Die Eisenerzförderung, in der M. während des ersten Jahrhunderts der Kolonisation allen andern Gebieten Nordamerikas voran stand, ist ganz unbedeutend. Die Bevölkerung wuchs bis in die neueste Zeit ziemlich stark und betrug 1900: 2,805,346 Seelen (130,2 auf 1 qkm), darunter 1,367,474 männliche, 1,437,872 weibliche, 31,974 Neger und Mulatten, 2968 Chinesen, 587 Indianer und 864,324 im Auslande (293,169 in Kanada, 249,916 in Irland, 82,346 in England, 31,395 in Deutschland) Geborne. Das Schulwesen von M. erfreut sich eines besonders hohen Rufes; die öffentlichen Schulen zählten 1903: 14,299 Lehrer und 485,483 eingetragene Schüler, die 10 Universitäten und Colleges 1019 Dozenten und 7592 männliche und 583 weibliche Studierende, unter ihnen die Harvard Universität in Cambridge (s. d. 2) und die Boston Universität mit 150 Dozenten und 1248 Studierenden als die bedeutendsten. Es erscheinen 654 Zeitungen. Ein katholischer Erzbischof residiert in Boston, je ein Bischof in Boston, in Fall River und in Springfield, je ein anglikanischer Bischof in Boston und Springfield, je ein methodistischer Bischof in Boston und Auburndale. Von Staatsanstalten bestehen 5 Irrenanstalten, eine Blindenanstalt, Taubstummenanstalt, 3 Besserungsanstalten, 2 Gefängnisse. Obschon Klima und Boden der Landwirtschaft nicht günstig sind, hat doch Fleiß und Geschick der Bewohner den Ackerbau auf eine hohe Stufe gehoben. Die vorhandenen 37,715 Farmen enthielten 1900 zusammen 517,000 Hektar Kulturland, von dem aber nur 21,300 Hektar mit Getreide und 240,000 Hektar mit Gras und Futterkräutern angebaut waren. Mais wurden von 15,600 Hektar 1,539,980 Bushels geerntet, Hafer von 2700 Hektar 240,990 Bushels, Kartoffeln von 11,000 Hektar 3,346,590 Bushels, Tabak von 1520 Hektar 6,406,570 Pfd. 1,852,046 Apfelbäume trugen 3,023,436 Bushels, 301,405 Pfirsichbäume nur 27,906 Bushels Früchte. Sehr ansehnlich ist die Gewinnung von Beerenobst, vor allem von amerikanischen Preiselbeeren (cranberries). Der Viehbestand betrug 1900: 208,653 Pferde, 304,395 Rinder, 54,818 Schafe und 96,144 Schweine. Die Fischerei auf Stockfische, Makrelen, Heringe, Austern ist bedeutender als in irgend einem andern Staate der Union, vor allem von Gloucester, New Bedford, Provincetown, Edgartown und Boston aus. Berufsmäßige Fischer wurden 1900: 6345 gezählt. Hinsichtlich seiner Industrie nimmt M. eine der ersten Stellen unter den Unionsstaaten ein, 1900 mit 29,180 Betrieben, 497,448 Arbeitern und 1,035,198,989 Doll. Produktionswert. Die Fabrikation von Baumwoll- und Wollzeugen, Stiefeln, Papier und Kautschukwaren ist in M. bedeutender als in einem andern Staate der Union. Seine 177 Baumwollfabriken stellten 1900 durch 92,515 Arbeiter auf 7,784,687 Spindeln und 179,582 Webstühlen für 111,125,175 Doll. Waren her, seine 131 Wollfabriken durch 17,717 Arbeiter für 30,888,104 Doll., die 640 Stiefelfabriken mit 58,645 Arbeitern für 117,115,243 Doll., die 93 Papierfabriken für 22,141,461 Doll.; dann folgen Gießereien und Maschinenbauwerkstätten, Kleiderfabriken, Strohflechtereien, chemische Fabriken, Lederfabriken, Färbereien. Der Staat besaß 1900: 1396 Schiffe von 322,308 Ton. und ein Eisenbahnnetz von 3410 km. Nach der Verfassung von 1780, 1821 revidiert, werden der Gouverneur und Vizegouverneur jährlich durch absolute Majorität gewählt. Die gesetzgebende Gewalt bilden 40 Senatoren und 242 Abgeordnete, beide jährlich gewählt. In den Kongreß entsendet M. 2 Senatoren und 13 Repräsentanten und hat bei der Präsidentenwahl 15 Stimmen. Für die Rechtspflege bestehen ein höchster Gerichtshof, ein Obergericht, 14 Grafschaftsgerichte und Friedensgerichte. Sämtliche Richter werden vom Gouverneur ernannt. Der gesamte Steuerwert wird (1903) auf 3,981,876,499 Doll. geschätzt und steht nur demjenigen von New York und Pennsylvanien nach, während die Staatsschuld (1904) 14,782,641 Doll. beträgt. M. unterhält eine Miliz von 406 Offizieren und 6042 Mann. Hauptstadt des in 14 Grafschaften geteilten Staates ist Boston.

Geschichte. Das Gebiet von M. hat seinen Namen von einem Stamm der Abenaki und bildete ursprünglich zwei getrennte Kolonien: die Plymouthkolonie und die Kolonie der Massachusettsbai. Die erste englische Niederlassung, die in Neuengland erfolgte, bestand aus 101 Puritanern (den sogen. Pilgrim Fathers), die, religiöser Verfolgung wegen aus England flüchtend, 22. Dez. 1620 in Plymouth landeten und den Grund zur Plymouthkolonie legten. Die Gründung der »Kolonie der Massachusettsbai« begann 1628 mit der Ansiedelung zu Salem, 1630 wurde Boston gegründet. Beide Niederlassungen blieben getrennt bis 1685, wo ihre Freibriefe beseitigt und sie dem Präsidenten von Neuengland unterstellt wurden. Boston war die Wiege der amerikanischen Freiheit. 1774 übernahm ein Provinzialkongreß daselbst die Regierung, und 17. März 1776 wurde die Stadt von den Engländern geräumt. Die erste Verfassung des Staates stammt aus dem Jahre 1780. Die Sklaverei wurde schon darin aufgehoben. Am 6. Febr. 1788 nahm M. die Unionsverfassung an. 1820 wurde Maine, bis dahin ein Teil von M., davon getrennt. M. gab den Vereinigten Staaten zwei Präsidenten, den ältern und jüngern Adams, und eine Anzahl ausgezeichneter Schriftsteller, wie Prescott, Bancroft, Bryant, Channing, Emerson, Motley und Hawthorne. Vgl. Barry, History of M. (Boston 1855–57, 3 Bde.); Austin, History of M. (das. 1876); Hale, Story of M. (das. 1890); C. F. Adams, Three episodes in M. history (das. 1892, 2 Bde.) und M., its historians and its history (das. 1893).


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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