Marĭus


Marĭus

Marĭus, Gajus, röm. Feldherr, geb. 156 v. Chr. in dem Dorf Cereatä bei Arpinum im Volskerland als Sohn eines Landmanns, zeichnete sich schon im Numantinischen Kriege so sehr aus, daß Scipio Africanus ihm eine glänzende kriegerische Laufbahn prophezeite. 119 zum Volkstribun erwählt, setzte er ein Gesetz (die lex Maria) durch, das den Einfluß des Adels bei den Wahlen beschränken sollte, erlangte 115 die Prätur und verwaltete unter allgemeiner Anerkennung seiner Rechtlichkeit als Proprätor die Statthalterschaft des jenseitigen Spanien. Seinen Feldherrnruhm begründete er 109 und 108 im Jugurthinischen Krieg, in den ihn der Konsul Q. Cäcilius Metellus als seinen Legaten mitgenommen hatte, und wußte sich gleichzeitig, obwohl er strenge Manneszucht hielt, bei den Soldaten und beim Volke so beliebt zu machen, daß dieses ihn für 107 zum Konsul wählte, was sonst für einen Mann, der nicht zur Nobilität gehörte (für einen homo novus), fast unerhört war, und daß es ihm sogar den Oberbefehl gegen Jugurtha übertrug. Nachdem er das Heer dadurch verstärkt hatte, daß er auch die bisher vom Kriegsdienst ausgeschlossenen ärmsten Bürger (die capite censi) zum Dienst aushob, gelang es ihm durch das Geschick seiner Kriegführung, den Jugurtha und seinen Verbündeten, den König Bocchus von Mauretanien, so in die Enge zu treiben, daß 106 der letztere den Jugurtha an des M. Quästor Sulla auslieferte. Die glückliche Beendigung dieses Krieges lenkte aller Augen auf M. als den einzigen Erretter aus der Gefahr, die Rom von den Cimbern und Teutonen (s. d.) drohte, die seit 113 mehrere römische Heere geschlagen hatten und sich jetzt Rom näherten. Daher wurde er für 104 zum zweitenmal und, da die Entscheidung des Krieges sich bis 101 hinauszog, für 103,102,101 zum dritten-, vierten- und fünftenmal und dann zur Belohnung für die glänzenden Siege bei Aquä Sextiä (Aix) 102 und bei Vercellä 101 zum sechstenmal 100 zum Konsul gewählt. In diesem Jahr erlitt aber seine eigne Stellung und damit die der Volkspartei, deren Haupt er war, einen empfindlichen Stoß dadurch, daß er den Volkstribunen Apulejus Saturninus und den Prätor Servilius Glaucia bei ihrem Acker- und Getreidegesetz erst unterstützte, dann, durch ihr gewaltsames Vorgehen ängstlich geworden, an der Spitze der Senatoren bewaffnet bekämpfte. So hoch er als Feldherr zu stellen ist (er hat auch mehrere bleibende Änderungen im Kriegswesen getroffen, z. B. die Ausstellung der Legionen in Kohorten eingeführt), staatsmännische Befähigung ging ihm völlig ab. In dem Bundesgenossenkrieg (91–89) wurde sein Ruhm, obwohl er als Legat mehrere Erfolge errang, durch die glänzenden Kriegstaten Sullas weit überstrahlt, der daher auch für das Jahr 88 das Konsulat und den Oberbefehl im Kriege gegen Mithradates erhielt. Dies erregte die Eifersucht des M. bis zum äußersten; auf seine Veranlassung oder wenigstens mit seiner Zustimmung brachte der Tribun P. Sulpicius Rufus ein Gesetz durch, das diesen Oberbefehl auf M. übertrug. Allein Sulla zog an der Spitze seines Heeres nach Rom und lieferte M. und Sulpicius auf dem Esquilinischen Hügel eine förmliche Schlacht, in der diese völlig geschlagen wurden. Es wurden hierauf zwölf Häupter der Gegenpartei von Sulla geächtet, unter ihnen selbstverständlich M., der sich unter den größten Gefahren und mancherlei Abenteuern nach Afrika flüchtete. Auch dort war er nicht sicher. So kehrte er nach Italien zurück und rückte mit Cinna gegen die Hauptstadt, die ihren erbitterten Feinden die Tore zu öffnen genötigt war und durch ein furchtbares Blutbad heimgesucht wurde, in dem eine große Zahl der angesehensten Männer den Tod fand. Cinna und M. ernannten sich selbst zu Konsuln für 86. Indes schon am 18. Tage dieses seines siebenten Konsulats starb M., ein Mann des Volkes, ohne Erziehung und Bildung, ungestüm und heftig und den an einen Staatsmann zu stellenden Anforderungen bei weitem nicht gewachsen, aber ein tapferer Krieger und tüchtiger Feldherr und ein fanatischer Verfechter der Sache seiner Partei. Sein Leben ist von Plutarch beschrieben. Vgl. Gerlach, M. und Sulla (Basel 1856); thor Straten, Rettungen des M. (Meldorf 1869); Votsch, C. M. als Reformator des römischen Heerwesens (Berl. 1886). – M.' (adoptierter) Sohn Gajus M. (der jüngere M), geb. 109, übernahm nach seines Vaters Tode die Führung der Volkspartei, war 82 mit Papirius Carbo Konsul, wurde bei Sacriportus von Sulla geschlagen und tötete sich, als das von ihm lange Zeit verteidigte feste Präneste sich Sulla ergeben mußte.


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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