Leptomīn


Leptomīn

Leptomīn, ein Sauerstoff übertragender Körper in den Siebröhren der höhern Pflanzen, im sogen. Leptom, auch in den Milchröhren und in den Luftwurzeln der Orchideen. Guajaktinktur, die durch Oxydation tiefblau wird, färbt sich bei Berührung mit frischen Schnittflächen von Pflanzen blau, indem im Zellsaft vorhandene Übertrager den Sauerstoff det Luft an das Harz binden. Diese katalytisch wirksamen Substanzen sind leicht zersetzbar und verschwinden mit dem Tode der Pflanzen. Das L. erhält sich bei Pflanzenteilen, die längere Zeit im absoluten Alkohol gelegen haben; es überträgt zwar schwerer den Sauerstoff der Luft, aber leicht den locker gebundenen des Wasserstoffsuperoxyds an andre Verbindungen. Das Vorkommen des auf bestimmte Gewebe beschränkten Leptomins ist von großem Interesse, weil im tierischen Leib ähnliche Stoffe vorhanden sind, die Blutfarbstoffe, denen ebenfalls die Rolle der Sauerstoffübertragung zufällt. Sie sind bei höhern Tieren an die roten Blutkörperchen gebunden, bei niedern in der Blutflüssigkeit gelöst. Über die Funktion des Leptomins in der Pflanze müssen genauere Untersuchungen Ausschluß geben.


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.