Leopold [1]


Leopold [1]

Leopold (Leupold, Liutpold, »kühn, tapfer für das Volk«), deutscher Mannesname, unter dessen Trägern hervorzuheben sind:

[Deutsche Kaiser.] 1) L. I. Ignaz Joseph Balthasar Felician, geb. 9. Juni 1640, gest. 5. Mai 1705 in Wien, zweiter Sohn Kaiser Ferdinands III. und der Maria Anna von Spanien, wurde 1655 König von Ungarn, 1658 König von Böhmen und 18. Juli d. J. nach dem Tode seiner ältern Brüder auch deutscher Kaiser. Ursprünglich für den Dienst der Kirche erzogen, hatte er sich als Knabe mit Vorliebe geistlichen Übungen gewidmet, später Sprachen und Wissenschaften getrieben. Das Bestreben seiner Regierung bestand darin, den Protestantismus auch in Ungarn auszurotten, wodurch er die Ungarn zu Aufständen und Verschwörungen reizte, und das Erbe der spanischen Linie der Habsburger ganz oder teilweise für sich zu erwerben. Ersteres verwickelte ihn in fortwährende Kämpfe mit der Türkei, letzteres mit Frankreich. Gleich anfangs brachen wegen seiner Einmischung in die siebenbürgischen Wirren die Türken 1662 in Ungarn ein und streiften bis Mähren und Schlesien. Nach langen Unterhandlungen erlangte L. endlich auf dem Reichstag zu Regensburg 1663, wo er persönlich erschien, von den deutschen Fürsten Hilfe; selbst Schweden und Frankreich sandten Truppen sowie die italienischen Staaten und der Papst Geldbeiträge, und Montecuccoli schlug die Türken 1. Aug. 1664 bei St. Gotthardt an der Raab. Doch L. nutzte diesen Sieg nicht aus, mußte 1671 eine Verschwörung ungarischer Magnaten zugunsten der Türken blutig unterdrücken, aber 1682 brach unter dem Grafen Tököly ein neuer Aufstand in Ungarn aus. Von den Aufständischen zu Hilfe gerufen, rückten 1683: 208,000 Türken unter dem Großwesir Kara Mustafa durch Ungarn bis vor Wien und begannen, während L. nach Linz und Passau flüchtete, 14. Juli die Belagerung der Stadt. Diese, vom Grafen Starhemberg tapfer verteidigt, ward durch den Sieg Lothringens und Sobieskis am Kahlenberg 12. Sept. entsetzt. Auch in den nachfolgenden Kämpfen meist glücklich, erwarb L. nach den Siegen Karls von Lothringen sowie Eugens 29. Jan. 1699 im Frieden von Karlowitz Slawonien, Siebenbürgen und ganz Ungarn. Inzwischen hatten sich auch die Ungarn auf dem Reichstag zu Preßburg 31. Okt. 1687 dem Kaiser unterworfen. Nicht so glücklich bestand L. die mehrfachen Kriege mit Ludwig XIV., da ihn Geldmangel, Schwerfälligkeit der kaiserlichen Kriegsleitung und Eifersucht auf die Verbündeten stets in den entscheidenden Augenblicken störten. In dem ersten Krieg wollte L. in Verbindung mit dem Reich, Spanien und Brandenburg 1672 den von Frankreich und England angegriffenen Holländern Beistand leisten; anfangs führte Lobkowitz den Krieg nur lau, glücklicher war Montecuccoli; doch brachte der Friede von Nimwegen 5. Febr. 1679 dem Reiche nur Länderverlust. Als 1688 die Franzosen unter dem Vorwand von Erbansprüchen auf die pfalz-simmernsche Hinterlassenschaft den Krieg aufs neue begannen, vereinigten sich der Kaiser, das Reich, England, Holland, später auch Spanien und Savoyen zu dem sogen. Koalitionskrieg, der am Rhein, in den Niederlanden, in Italien, am Fuß der Pyrenäen und auf dem Meer im ganzen glücklich geführt wurde und mit dem Frieden zu Ryswyk 30. Okt. 1697 wenigstens ohne Verluste endigte. Den dritten Krieg, den Spanischen Erbfolgekrieg (s. d.), unternahm L. 1701, um seinem zweiten Sohn, Karl, die Thronfolge pou Spanien zu sichern, die ihm Ludwig XIV. zugunsten seines Enkels, Philipps von Anjou, streitig machte. In Verbindung mit England, Holland, Preußen und dem Deutschen Reiche siegte zwar L. anfangs durch Eugen bei Carpi und Chiari; bald aber wurde der römische König Joseph am Rhein zurückgedrängt, der Markgraf von Baden in mehreren Gefechten geschlagen, Tirol erobert und die Schlacht bei Höchstädt gegen Villars verloren. Gleichzeitig erhoben sich die Ungarn unter den Grafen Rákóczi und Károlyi, durch Ludwig XIV. aufgereizt, aufs neue und bedrohten die österreichischen Lande. Bereits sing jedoch Leopolds Kriegsglück durch Marlboroughs und Eugens Siege bei Donauwörth und Höchstädt 1704 aufs neue an zu steigen, als er 1705 an der Brustwassersucht starb. L. war von Wuchs unansehnlich, der Blick düster, das Gesicht durch die herabhängende Unterlippe entstellt. Mit natürlicher Gutherzigkeit vereinigte er eine bigotte Frömmigkeit. Geistig unbedeutend, war er doch in Wissenschaften und Sprachen gründlich unterrichtet und betrieb mit Vorliebe Musik. Den Jesuiten als ihr Zögling sehr ergeben, gestattete er ihnen einen übermäßigen Einfluß auf Staats- und Kriegsangelegenheiten. Überhaupt fehlten ihm Energie und Entschlossenheit, daher war er von seiner Umgebung sehr abhängig. Zu durchgreifenden Reformen im Innern mangelte es ihm an Kraft und Einsicht. Die Verwaltung, namentlich der Finanzen, war in größter Zerrüttung; für Handel und Industrie geschah zwar einiges (1666 ward in Wien das Kommerzkollegium errichtet), aber mit unzureichenden Mitteln. Daß das Heerwesen gebessert und glänzende Siege erfochten wurden, war seiner großen Feldherren Verdienst. Ihn zierten nur die Tugenden eines Privatmanns. Seine Lebensweise war einfach und verlief in Beobachtung einer unwandelbaren Tagesordnung nach den Gesetzen der spanischen Hofetikette. L. war dreimal vermählt, zuerst mit der spanischen Prinzessin Margarete, die ihm eine Tochter, Marie Antoinette, die spätere Kurfürstin von Bayern, gebar, dann mit Claudia Felicitas, Erbtochter von Tirol, die ihm dieses Fürstentum zubrachte, endlich mit Eleonore Magdalene von Pfalz-Neuburg, die ihm Joseph I., seinen Nachfolger, und Karl VI., der 1711 Kaiser wurde, sowie drei Töchter, darunter Maria Elisabeth, Statthalterin der Niederlande, gebar. Sein italienischer Briefwechsel mit dem Kapuzinerpater Marco d'Aviano aus den Jahren 1680–99 erschien Graz 1888; seine Privatbriefe an den Grafen F. E. Pötting 1662–73 sind von Přibram und Landwehr von Pragenau herausgegeben in den »Fontes rerum austriacarum«, 2. Abt., Bd. 56 u. 57 (Wien 1903–04); seine musikalischen Werke wurden mit denen der Kaiser Ferdinand III. und Joseph I. von Adler veröffentlicht (Wien 1892 ff.). Vgl. Wagner, Historia Leopoldi Magni (Wien 1719–31, 2 Bde.); Baumstark, Kaiser L. I. (Freiburg 1873); Přibram, Zur Wahl Leopolds I. (Wien 1888); Scheichl, L. I. und die österreichische Politik während des Devolutionskriegs 1667–1668 (Leipz. 1888).

2) L. II. Peter Joseph Johann Anton Joachim Pius Gotthard, geb. 5. Mai 1747 in Wien, gest. 1. März 1792, dritter Sohn des Kaisers Franz I. und der Maria Theresia, folgte seinem Vater 1765 als Großherzog von Toskana und machte sich um dieses Land durch Beförderung der Landwirtschaft, Hebung und Förderung der Manufakturen und des Handels, Verbesserung der Landstraßen, Aufhebung der Inquisition (1787), Anlegung von Besserungshäusern und ein treffliches Kriminalgesetzbuch hoch verdient, unternahm auch früher als sein Bruder Joseph, aber behutsamer als dieser, Reformen in Kirchensachen. Am 20. Febr. 1790 folgte er seinem Bruder Joseph II. in den österreichischen Erbstaaten, deren Regierung er unter mißlichen Umständen überkam, 30. Sept. auch als deutscher Kaiser. Durch freundliche Annäherung gelang es ihm, sich mit Preußen 2. Aug. 1790 durch den Vertrag zu Reichenbach sowie mit der Pforte durch den Frieden von Sistowa 4. Aug. 1791 zu vergleichen. Die empörten Niederlande wurden durch die Einnahme Brüssels 3. Dez. zum Gehorsam gebracht, doch bestätigte L. die alten Privilegien des Landes. Auch die Erregung der Ungarn, die in einem neuen Eide seine Königsrechte beschränkt wissen wollten, wurde durch Mäßigung und Festigkeit gedämpft. In Polen begünstigte er den Versuch, durch die Verfassung vom 3. Mai 1791 den Staat lebenskräftig und widerstandsfähig gegen Rußland zu machen. Als Bruder Marie Antoinettes an deren Schicksal lebhaft beteiligt und von den französischen Emigranten mit Bitten bestürmt, den alten Zustand der Dinge in Frankreich mit Gewalt herzustellen, ging er doch mit der äußersten Vorsicht zu Werke, und erst, als der mißglückte Fluchtversuch Ludwigs XVI. im Juni 1791 eine noch größere Beschränkung der königlichen Gewalt nach sich zog und somit die Gefahr für das gesamte monarchische Europa immer drohender erschien, erließ L. 6. Juli 1791 das Rundschreiben von Padua (s. Koalitionskrieg 1) und vereinigte sich 27. Aug. 1791 mit Friedrich Wilhelm II. von Preußen in Pillnitz zu der Erklärung, daß sie mit den andern Mächten zur Herstellung eines geordneten Zustandes in Frankreich beizutragen entschlossen seien und deshalb ihre Truppen in Bereitschaft setzen würden. Am 7. Febr. 1792 erfolgte der Abschluß eines Schutzbündnisses zwischen Österreich und Preußen. Doch starb L. schon 1. März d. J. Er war ein kluger, vorurteilsfreier, kenntnisreicher und menschenfreundlicher Fürst. Vermählt war er seit 1765 mit Maria Luise von Spanien, die ihm 16 Kinder gebar. Ihm folgte sein Sohn Franz II. als Kaiser von Österreich. Von seinen übrigen Söhnen sind bemerkenswert die Erzherzoge Karl, Johann, Palatin Joseph, Rainer, Vizekönig der Lombardei, Rudolf, Fürsterzbischof von Olmütz. Vgl. Sartori, Leopoldinische Annalen (Augsb. 1792, 2 Bde.); A. Wolf, L. II. und Marie Christine, ihr Briefwechsel (Wien 1867); Schels, Geschichte Österreichs unter der Regierung Kaiser Leopolds II. (das. 1837); A. Schultze, Kaiser L. II. und die französische Revolution (Hannov. 1899). Briefe von L. gaben Arneth und Beer heraus. Über Leopolds Politik gegen Polen und Frankreich entspann sich zwischen E. Herrmann (»Die österreichisch-preußische Allianz vom 7. Febr. 1792«, Gotha 1861; »Zur Geschichte der Wiener Konvention vom 25. Juli 1791«, in den »Forschungen zur deutschen Geschichte«, Bd. 5, Götting. 1865) und H. v. Sybel (»Über die Regierung Kaiser Leopolds II.«, Münch. 1860; »Österreich und Deutschland im Revolutionskrieg«, Düsseld. 1868) ein lebhafter Streit, in dem ersterer die alte Ansicht von neuem aufstellte, daß L. durchaus einen allgemeinen Krieg zur Unterdrückung der französischen Revolution beabsichtigt habe.

[Anhalt.] 3) L. I., Fürst von Anhalt-Dessau, der »alte Dessauer« genannt, geb. 3. Juli 1676 in Dessau, gest. 9. April 1747, der Sohn Johann Georgs II. und der Henriette Katharina von Oranien, besaß schon in früher Jugend bei ungestümer Leidenschaftlichkeit und unbezähmbarer Rauheit die größte Ausdauer in jeder körperlichen Übung und militärische Neigungen. Bereits 1688 von Kaiser Leopold zum Obersten und Chef eines Reiterregiments ernannt, trat L., 17. Aug. 1693, nach dem Tode seines Vaters, unter der Vormundschaft seiner Mutter zur Regierung gekommen, in die Kriegsdienste des Kurfürsten von Brandenburg und erhielt das Regiment seines Vaters in Halberstadt; er führte den Gleichschritt und den eisernen Ladestock ein und sorgte mit furchtbarer Strenge für Pünktlichkeit und Ordnung. 1695 am Feldzuge gegen Ludwig XIV. namentlich an der Eroberung von Namur beteiligt und Generalmajor geworden, übernahm er 1698 die Regierung seines Landes, dessen Wohlfahrt er durch Verbesserungen der Verwaltung und Landwirtschaft, Errichtung von Elbdämmen und andrer Bauten förderte. Daneben trat freilich auch vielfach die ihm eigentümliche willkürliche Härte hervor. Im Spanischen Erbfolgekrieg führte er zu Österreichs Unterstützung zwölf Bataillone preußischen Fußvolks an den Niederrhein, zeichnete sich hier 1702 bei den Belagerungen von Kaiserswerth, Venloo und Roermonde aus und rettete 20. Sept. 1703 bei Höchstädt durch seinen tapfern Widerstand gegen die Übermacht der Franzosen und Bayern und durch seinen meisterhaften Rückzug Styrums Heer vom Untergang. Seit 1704 General der Infanterie, entschied er die zweite Schlacht bei Höchstädt 13. Aug., eroberte die Festung Landau, nahm 1705 mit 8000 Mann an Eugens Feldzug in Italien teil, focht bei Cassano, wo zuerst der bekannte »Dessauer Marsch« gespielt wurde, und 1706 bei Turin. 1707 aufs neue von Italien aus an Eugeus Einfall in die Provence beteiligt, half er Toulon berennen und eroberte Susa. 1709 machte er als Freiwilliger den Feldzug in den Niederlanden mit, erhielt bald darauf, auf Eugens Fürsprache, den Oberbefehl über die in englischem und holländischem Solde stehenden preußischen Truppen, eroberte Douai und Aire und nahm 1711 an Marlboroughs glücklichen Operationen bei Arras gegen Villars teil. Im Dezember 1712 Feldmarschall geworden, eroberte L. im Kriege mit Schweden 1715 an der Spitze von 25,000 Preußen und 8000 Sachsen erst Rügen, dann Stralsund und sicherte den für Preußen vorteilhaften Frieden. Mit Friedrich Wilhelm I., der Leopolds Verdienste um die Armee und seine umfassenden Kenntnisse im Geniewesen wohl zu würdigen wußte, war L. charakterverwandt und eng befreundet, besaß auch am Hofe bedeutenden Einfluß, den er 1730 auch zugunsten des Kronprinzen geltend zu machen suchte. Mit dem General v. Grumbkow lebte L. seit 1725 auf gespanntem Fuß, doch endete der geplante Zweikampf ohne Blutvergießen. Friedrich II. übertrug dem Fürsten während seines ersten schlesischen Feldzugs die Deckung der preußischen Lande wider einen befürchteten Einfall Hannovers und 1742 das Kommando in Oberschlesien. Im zweiten Schlesischen Krieg erhielt er zuerst den Oberbefehl in der Mark und erfocht 15. Dez. 1745 den Sieg bei Kesselsdorf. Gebeugt durch den am 5. Febr. 1745 erfolgten Tod seiner Gemahlin Anne Luise Föse (die Anneliese), einer Apothekerstochter aus Dessau, die er trotz des Widerstandes seiner Mutter 1698 geheiratet, und die 1701 in den Reichsfürstenstand erhoben und für ihre Kinder mit Sukzessionsrechten beliehen war, zog er sich in sein Land zurück. Ihm zu Ehren wurde 1889 das 1. magdeburgische Infanterieregiment Nr. 26 Infanterieregiment Fürst L. von Anhalt-Dessau benannt. Vgl. Varnhagen von Ense, Biographische Denkmale, Bd. 2 (3. Aufl., Leipz. 1872); Hosäus, Zur Biographie des Fürsten L. von Anhalt-Dessau (Dess. 1876); »Selbstbiographie des Fürsten L.« (1676–1703), herausgegeben von Siebigk (das. 1876); v. Witzleben, Des Fürsten L. I. Jugend und Lehrjahre (zwei Beihefte zum Militär-Wochenblatt, Berl. 1889); Würdig, Des Alten Dessauers Leben und Taten (3. Aufl., Dess. 1903); »Die Briefe König Friedrich Wilhelms I. an den Fürsten L. 1704 bis 1740« (hrsg. von Krauske, Berl. 1905).

4) L. II. Maximilian, Fürst von Anhalt-Dessau, Sohn des vorigen, geb. 25. Dez. 1700, gest. 16. Dez. 1751, begleitete, noch nicht 9 Jahre alt, seinen Vater in das Feld, ward 1715 Oberstleutnant, führte die Exekutionstruppen 1733 gegen Mühlhausen in Thüringen, nahm im Feldzug am Rhein den Parteigänger Lacroix gefangen, eroberte im ersten Schlesischen Krieg in preußischen Diensten Glogau durch Überrumpelung, Breslau durch List und hatte bei Chotusitz das nächste Kommando nach dem König. Auf dem Schlachtfeld zum Feldmarschall ernannt, trat er nach seines Vaters Tode die Regierung an. Er war seit 1737 mit Agnes von Anhalt-Köthen vermählt.

5) L. III., Friedrich Franz, Fürst von Anhalt-Dessau, Sohn des vorigen, geb. 10. Aug. 1740, gest. 9. Aug. 1817, diente in den ersten Jahren des Siebenjährigen Krieges im preußischen Heere, trat nach der vormundschaftlichen Regierung seines Oheims, des Fürsten Dietrich, 20. Okt. 1758 die Regierung an und wirkte nach dem Frieden eifrig für Hebung und Verschönerung seines Landes. Unter ihm wurden das Philanthropin in Dessau (1774), ein Schullehrerseminar und die Buchhandlung der Gelehrten (1781–87) gestiftet, er beförderte Kunst und Wissenschaft, brach durch die Anlage des Parkes zu Wörlitz einem bessern Geschmack in der Bau- und Gartenkunst Bahn, errichtete ein Theater, ließ Kunststraßen und Brücken bauen und bemühte sich um Verbesserungen in der Landwirtschaft. Eine gleiche Sorgfalt widmete er dem ihm 1798 zugefallenen dritten Teil des Fürstentums Anhalt-Zerbst, gewann durch seine Haltung die besondere Achtung Napoleons I. und ersparte so seinem Lande viel Erpressungen. 1807 trat er dem Rheinbund bei und nahm den herzoglichen Titel an. Vermählt war er seit 1767 mit Luise Henriette Wilhelmine von Brandenburg-Schwedt. Vgl. Reil, L. Friedrich Franz, Herzog und Fürst von Anhalt-Dessau (Dess. 1845); Wäschke, Anhalt vor hundert Jahren (das. 1904).

6) L. IV. Friedrich, Herzog von Anhalt-Dessau, geb. 1. Okt. 1794 in Dessau, gest. 22. Mai 1871, Sohn des 1814 verstorbenen Erbprinzen Friedrich, Enkel des vorigen, folgte nach der Schlacht bei Leipzig den Verbündeten nach Paris und übernahm 9. Aug. 1817 nach dem Tode seines Großvaters die Regierung. Er verlieh dem Lande 29. Okt. 1848 eine konstitutionelle Verfassung, die jedoch 4. Nov. 1849 wieder aufgehoben und erst im Oktober 1859 durch eine neue Landschaftsordnung ersetzt ward. Nach dem Aussterben der Linie Anhalt-Köthen (1847) übernahm L. als Senior des Hauses Anhalt die Regierung von Köthen, 1. Mai 1853 wurden die Herzogtümer Dessau und Köthen vereinigt, und mit dem Tode des Herzogs Alexander von Bernburg (gest. 19. Aug. 1863) fiel ihm auch Bernburg zu, so daß er nun ganz Anhalt beherrschte. Vermählt war L. seit 1818 mit der Prinzessin Friederike, Tochter des Prinzen Ludwig von Preußen (gest. 1. Jan. 1849). Ihm folgte sein Sohn, Herzog Friedrich (s. Friedrich 6).

[Baden.] 7) Karl L. Friedrich, Großherzog von Baden, geb. 29. Aug. 1790 in Karlsruhe, gest. daselbst 24. April 1852, ältester Sohn des Großherzogs Karl Friedrich aus dessen zweiter Ehe mit der Freiin Luise Geyer v. Geyersberg, spätern Reichsgräfin von Hochberg, studierte seit 1809 als Graf von Hochberg in Heidelberg Geschichte, machte 1814 den Krieg in Frankreich mit und erhielt durch das Hausgesetz vom 4. Okt. 1817 das Erbfolgerecht in den badischen Landen, den Titel eines großherzoglichen Prinzen und Markgrafen von Baden sowie das Prädikat »Hoheit«. Seit 25. Juli 1819 mit Prinzessin Sophie Wilhelmine von Schweden vermählt, lebte L. von seinem Halbbruder, dem Großherzog Ludwig, von den Regierungsgeschäften fern gehalten, zurückgezogen in dem Kreise seiner Familie und den Studien obliegend, zu deren Früchten eine sehr reiche Münzsammlung gehörte. Durch den Tod des Großherzogs (30. März 1830) auf den Thron gerufen, bahnte L. als erster deutscher Fürst bereits vor den Ereignissen von 1848 liberale Reformen an, ging auch in den Märztagen von 1848 mit Konzessionen voran. Gleichwohl ward gerade in Baden die Bewegung so ernst, daß L. 13. Mai 1849 das Land verließ und erst im August zurückkehrte. Mit Milde behandelte L. die Revolutionäre und führte die alte Verfassung wieder ein. Da sein ältester Sohn, Ludwig (gest. 1858), durch Krankheit an der Übernahme der Regierung verhindert war, folgte ihm sein zweiter Sohn, Friedrich (s. Friedrich 10), den er, an der Gicht leidend, bereits 21. Febr. 1852 zum Regenten ernannt hatte. Vgl. Schöchlin, Geschichte von Baden unter der Regierung des Großherzogs L. (Karlsruhe 1856).

[Bayern.] 8) Maximilian Joseph Maria Arnulf L., Prinz von Bayern, geb. 9. Febr. 1846 in München, zweiter Sohn des Prinz-Regenten Luitpold, diente 1861–64 als Leutnant in der Infanterie und von 1864–70 in der Artillerie, machte den Feldzug 1866 als Oberleutnant im 3. reitenden Artillerieregiment, den Krieg von 1870/71 als Hauptmann und Batteriechef beim 1. bayr. Armeekorps unter General v. d. Tann mit. Wegen seines standhaften Ausharrens behufs Deckung des Rückzugs bayrischer Infanterie im Gefecht bei Villepion (1. Dez. 1870), in dem er verwundet wurde, mit dem Militär-Max-Joseph-Orden und dem Eisernen Kreuz erster Klasse ausgezeichnet, wurde L. 1871 Oberstleutnant im 1. Kürassierregiment und 1873 dessen Kommandeur. 1875 wurde er Generalmajor und Kommandeur der 1. Kavalleriebrigade, 1881 Generalleutnant und Kommandeur der 1. Division, 1887 General der Kavallerie und kommandierender General des 1. bayr. Armeekorps (München), 1892 Generalinspekteur der 4. deutschen Armeeinspektion, 1896 Generaloberst und 1905 Generalfeldmarschall. Prinz L. ist seit 20. April 1873 mit der Erzherzogin Gisela, Tochter Kaiser Franz Josephs I., vermählt. Der Ehe entstammen zwei Töchter (Prinzessin Elisabeth, geb. 8. Jan. 1874, 1893 mit einem Freiherrn [seit 1904 Grafen] v. Seefried, und Auguste, geb. 28. April 1875, 15. Nov. 1893 mit dem Erzherzog Joseph Augustin von Österreich vermählt) und zwei Söhne (Prinz Georg, geb. 2. April 1880, und Prinz Konrad, geb. 22. Nov. 1883).

[Belgien.] 9) L. I., König der Belgier, geb. 16. Dez. 1790 in Koburg als Sohn Herzog Franz' von Sachsen-Koburg, gest. 10. Dez. 1865 in Laeken (bei Brüssel), ward nach der Heirat seiner Schwester Julie mit Großfürst Konstantin (s. d. 13) russischer General und begleitete 1808 Kaiser Alexander I. zum Erfurter Kongreß, mußte aber 1810 auf Verlangen Napoleons I. seinen Abschied nehmen. Seit 1813 von neuem in russischen Diensten, zeichnete er sich im Deutschen Befreiungskrieg 1813–14 wiederholt aus und begab sich 1815 nach England, wo er, nach erfolgter Naturalisation, 1816 die britische Thronerbin Charlotte Auguste heiratete, Feldmarschall ward und den Titel »Herzog von Kendal« erhielt. Nach dem frühen Tode seiner Gattin (5. Nov. 1817) lebte er lange zurückgezogen in England, zumeist auf seinem Landsitz Claremont; hier spielte sich 1829/30 seine Episode mit der Schauspielerin Karoline Bauer, genannt Gräfin Montgomery (s. Bauer 3), ab. Die Anfang 1830 ihm angetragene Würde eines Königs von Griechenland (s. d., S. 314) lehnte er ab, entsprach aber nach längerm Schwanken dem Ruf des belgischen Nationalkongresses, der ihn 4. Juni 1831 fast einstimmig zum König der Belgier erwählt hatte, und leistete 21. Juli den Eid auf die Verfassung. Durch seine besonnene Politik in kritischen Zeitpunkten (so 1838, 1848 und nach dem Staatsstreich Napoleons III. vom 2. Dez. 1851), gewissenhafte Beobachtung der Verfassung, persönliche Liebenswürdigkeit und tatkräftige Förderung aller gemeinnützigen Bestrebungen sowie der Künste und Wissenschaften ward er nicht nur in Belgien überaus volkstümlich, sondern gewann auch das Vertrauen der teilweise ihm nahe verwandten europäischen Höfe, auf die er häufig in mäßigendem Sinne wirkte. Seit 1832 war er in zweiter Ehe mit der Prinzessin Luise von Orléans (1812–50), Tochter des französischen Königs Ludwig Philipp, vermählt, die ihm 1835 Leopold II. (s. unten: 10), 1837 Philipp (s. unten) und 1840 Marie Charlotte, nachmals Kaiserin von Mexiko (s. Charlotte 4), gebar. Vgl. Thonissen, La Belgique sous le règne de L. I. (Löwen 1861, 3 Bde.); L. Hymans, Histoire populaire du règne de L. I. (6. Aufl., Brüss. 1882); Juste, L. I., roi des Belges (das. 1868, 2 Bde.; deutsch in 1 Bd., Gotha 1869; auch englisch und holländisch); »Denkwürdigkeiten aus den Papieren des Freiherrn von Stockmar« (Braunschw. 1872); Laroche, Louise d'Orléans, première reine des Belges (Par. 1902).

10) L. II., König der Belgier, Sohn und Nachfolger des vorigen, geb. 9. April 1835 in Brüssel, ward 1840 zum Herzog von Brabant ernannt und 1853 Mitglied des Senats, wo er sich besonders bei kommerziellen und industriellen Fragen als glänzender Redner beteiligte. Auch nach seiner Thronbesteigung (1865) suchte er Belgiens Außenhandel eifrig zu fördern, berief 1876 einen internationalen Geographenkongreß nach Brüssel zur Beratung über die Erforschung, bez. Nutzbarmachung Afrikas und gründete auf Grund der Berichte des von ihm unterstützten H. Stanley den Kongostaat, dessen Souveränität ihm 1885 übertragen ward, und den er 1889 dem belgischen Staat testamentarisch als Kronkolonie vermachte. Auch später nahmen die Verhältnisse in Afrika seine Sorge und seine Geldmittel häufig in Anspruch. Im Innern setzte er die Politik seines Vaters fort, ohne jedoch in der Frage des allgemeinen Stimmrechts und der allgemeinen Wehrpflicht ein seinem Wunsch entsprechendes Ergebnis herbeiführen zu können. Seine Gemahlin, Erzherzogin Marie Henriette (1836–1902), gebar ihm einen Sohn, den frühverstorbenen Prinzen Leopold (1859–69), und drei Töchter, von denen Luise (geb. 18. Febr. 1858) von ihrem Gemahl, Prinz Philipp von Sachsen-Koburg, geschieden, Stephanie (geb. 21. Mai 1864), Witwe des österreichischen Kronprinzen Rudolf (s. d.), in zweiter Ehe seit 22. März 1900 mit dem ungarischen Grafen E. Lonyay vermählt, Clementine (geb. 30. Juli 1872) unverheiratet ist. Nächstberechtigter Thronerbe ist daher Leopolds jüngerer Bruder, Philipp, Graf von Flandern (geb. 24. März 1837). Vgl. Juste, L. I. et L. H., leur vie et leur règne (2. Aufl., Brüssel 1879); Bertrand, L. II. et son règne (das. 1890); Mae Donnell, King L. II., bis rule in Belgium and the Congo (Lond. 1905); Olschewsky u. Garsou, L. II., roi des Belges, sa vie et son règne (Brüssel 1905); Weiteres s. Kongostaat.

[Braunschweig.] 11) Maximilian Julius L., Prinz von Braunschweig, geb. 11. Okt. 1752 in Wolfenbüttel, gest. 27. April 1785, jüngster Sohn des Herzogs Karl, studierte in Straßburg und bereiste dann in Lessings Begleitung Italien. Als Neffe Friedrichs d. Gr. 1776 Chef eines Infanterieregiments in Frankfurt a. O. geworden, beteiligte er sich am Bayrischen Erbfolgekrieg, ward 1782 General, lebte dauernd in Frankfurt und beteiligte sich, allgemein verehrt, an allem, was das öffentliche Wohl förderte. Er ertrank beim Ausgang des Eises in der Oder, indem er bemüht war, in einem Kahn die von Wasserfluten bedrohten Bewohner der untern Dammvorstadt zu retten. Ein Monument auf dem Damm am rechten Oderufer erinnert an ihn. Vgl. Hänselmann, Der Tod Herzog Leopolds von Braunschweig (Braunschw. 1878); Spieker, Lebensbeschreibung des Herzogs L. von Braunschweig (5. Aufl., Frankf. a. O. 1898).

[Großbritannien.] 12) Georg Duncan Albert L., Herzog von Albany und Clarence, Herzog zu Sachsen, geb. 7. April 1853 in London, gest. 28. März 1884 in Cannes, jüngster Sohn der Königin Viktoria von Großbritannien und des Prinzen Albert, erhielt eine sorgfältige Erziehung und studierte mit Eifer und Erfolg auf der Universität Oxford. Im Januar 1881 ernannte ihn die Königin zum Herzog von Albany und Clarence. Im April 1882 vermählte er sich mit der Prinzessin Helene von Waldeck (geb. 17. Febr. 1861); aus dieser Ehe gingen eine Tochter, Prinzessin Alice, und ein Sohn, Karl Eduard, Herzog von Albany (geb. nach dem Tode des Vaters 19. Juli 1884), hervor, der nach dem Tode des Herzogs Alfred, 31. Juli 1900, Herzog von Sachsen-Koburg-Gotha wurde (s. Karl 50).

[Hohenzollern.] 13) L. Stephan Karl Ankon Gustav Eduard Tassilo, Fürst von Hohenzollern, geb. 22. Sept. 1835, gest. 8. Juni 1905 in Berlin, ältester Sohn des Fürsten Karl Anton und der Prinzessin Josephine von Baden, Bruder des Königs Karl von Rumänien (s. Karl 49), wuchs in Düsseldorf auf, war eine Zeitlang aktiver preußischer Offizier, vermählte sich 12. Sept. 1861 mit der Infantin Antonia von Portugal und wurde durch den Tod seines Vaters 2. Juni 1885 Fürst und Haupt der nichtregierenden Linie des Hohenzollernhauses. 1870 als Kandidat für den spanischen Thron aufgestellt, verzichtete er, als Frankreich Einspruch dagegen erhob, was aber doch den Krieg nicht verhinderte. L. war General der Infanterie à la suite des 1. Garderegiments und Chef des hohenzollernschen Füsilierregiments Nr. 40 und residierte meist in Sigmaringen. Vgl. W. Schultze, Die Thronkandidatur Hohenzollern und Graf Bismarck (in der Festschrift des Thüringisch-Sächsischen Geschichtsvereins für Ernst Dümmler, Halle 1902). – Sein ältester Sohn, Fürst Wilhelm, ist 7. März 1864 geboren, seit 27. Juni 1889 mit der Prinzessin Maria Theresia von Bourbon (geb. 15. Jan. 1867), Tochter des verstorbenen Grafen von Trani, vermählt und preußischer Oberst und Kommandeur des 2. Garderegiments zu Fuß; der zweite, Prinz Ferdinand (s. Ferdinand 24), wurde, nachdem L. selbst und sein ältester Sohn auf ihre eventuellen Erbrechte verzichtet hatten, 1889 zum Thronfolger in Rumänien proklamiert.

[Lippe.] 14) Paul Alexander L., Fürst zur Lippe, geb. 6. Nov. 1796 in Detmold, gest. 1. Jan. 1851, ältester Sohn des Fürsten Friedrich Wilhelm Leopold, wurde nach dem am 4. April 1802 erfolgten Tode seines Vaters unter der Leitung seiner für ihn regierenden Mutter Pauline (s. d.) erzogen, studierte seit 1814 mit seinem Bruder Friedrich in Göttingen und übernahm, seit 23. April 1820 mit der Prinzessin Emilie von Schwarzburg-Sondershausen vermählt, 4. Juni 1820 die Regierung. Er verbesserte die Polizeiverwaltung, verminderte die Abgaben, beförderte die Landeskultur, gab dem Lande die landständische Verfassung von 1836 und verhinderte 1848 durch seine Mäßigung den Ausbruch größerer Unruhen. (Vgl. Kiewning, Die auswärtige Politik der Grafschaft Lippe 1790–1807, Detmold 1903.) Ihm folgte der Erbprinz Paul Friedrich Emil Leopold, geb. 1. Sept. 1821, gest. 8. Dez. 1875, der von Hannibal Fischer und v. Oheimb beraten, durch den Umsturz der Verfassung von 1849 und die Berufung einer Kammer nach dem alten Wahlgesetz, die seine Wünsche in betreff der Domänen erfüllte, mit dem Lande in Konflikt geriet. Seit 17. April 1852 war er mit der Prinzessin Elisabeth von Schwarzburg-Rudolstadt (geb. 1. Okt. 1833, gest. 27. Nov. 1896 in Detmold) vermählt. Ihm folgte sein Bruder Woldemar.

15) L. Julius Bernhard, Fürst zur Lippe, geb. 30. Mai 1871 in Oberkassel bei Bonn, Sohn des Grafen Ernst zur Lippe-Biesterfeld (s. Ernst 9), folgte 26. Sept. 1904 als Regent des Fürstentums Lippe auf Grund der Gesetze vom 24. April 1895 und 24. März 1898 und wurde durch die Reichsgerichtsentscheidung vom 25. Okt. 1905 Fürst. L. ist seit 16. Aug. 1901 vermählt mit Berta, Prinzessin von Hessen-Philippsthal-Barchfeld (geb. 25. Okt. 1874), die ihm 12. Juni 1902 den Erbprinzen Ernst und 19. Mai 1904 einen Sohn, Leopold Bernhard, gebar.

[Österreich.] Markgrafen und Herzoge von Österreich aus dem babenbergischen Haus: 16) L. I. (Liutpold), der Erlauchte, erster Markgraf von Österreich, wahrscheinlich schwäbischer Herkunft, aber nach der alten, von seinem Nachkommen, dem Bischof Otto von Freising, bezeugten, jedoch durch die neuere Forschung erschütterten Überlieferung ein Abkömmling der ostfränkischen Babenberger. Er und sein Bruder Bertold vom Nordgau wurden ob ihrer Treue in dem Kampfe Ottos II. gegen die bayrische Empörung 976 von diesem belohnt. L., der Graf im Donaugau war, erhielt die bayrische Ostmark (Niederösterreich), die er ansehnlich durch Rückeroberungen von den Magyaren erweiterte, und den Traungau. Er ward 10. Juli 994 in Würzburg durch einen Pfeilschuß getötet. Ihm folgte sein Sohn Heinrich I. Vgl. A. H über, Zur Herkunft der Markgrafen von Österreich (in den »Mitteilungen des Instituts für österreichische Geschichte«, Bd. 2); G. Juritsch, Geschichte der Babenberger und ihrer Länder, 976–1246 (Innsbr. 1894).

17) L. III. (IV.), der Heilige, geb. 29. Sept. 1073, gest. 15. Nov. 1136, folgte seinem Vater Leopold II., dem Schönen, 1096 in der Regierung, unterstützte Kaiser Heinrich IV. gegen dessen Sohn Heinrich (V.), trat aber dann zu diesem über und vermählte sich 1106 mit dessen Schwester Agnes. Er gründete die Klöster Klosterneuburg und Heiligenkreuz, ward 1484 vom Papst Innozenz VIII. kanonisiert und gilt seitdem für den Landespatron von Österreich. Sein ältester Sohn, Leopold IV. (V.), erhielt 1139 das Herzogtum Bayern, starb aber schon 18. Okt. 1141. Sein zweitjüngster Sohn war der Chronist Bischof Otto von Freising. Vgl. Egger, Sankt L., ein Lebensbild (Wien 1885); Kralik, Der heil. L., Markgraf von Österreich (Kempten 1904).

18) L. V., geb. 1157, gest. 31. Dez. 1194, der Sohn Herzogs Heinrich Jasomirgott, folgte diesem 1177 in der Regierung und nahm an zwei Kreuzzügen (1182 und 1190–92) teil. Auf dem letztern entzweite er sich bei der Belagerung von Akkon mit König Richard Löwenherz von England, der, wie erzählt wird, Leopolds Banner in den Staub treten ließ. L. nahm senen auf seiner Rückreise bei Wien gefangen, setzte ihn auf der Burg Dürnstein in Hast und lieferte ihn erst 1193 an Kaiser Heinrich VI. aus, der ihm dafür die Hälfte des reichen Lösegeldes abtrat. 1186 von Ottokar IV., dem letzten Herzog von Steiermark, zum Erben eingesetzt, trat L. 1192 diese Erbschaft an. Er starb bei einem Turnier in Graz infolge Sturzes vom Pferde. Sein Nachfolger war sein Sohn Friedrich I.

19) L. VI., der Glorreiche, zweiter Sohn des vorigen, geb. 15. Okt. 1176, gest. 28. Juli 1230, übernahm nach des Vaters Tode (1194) die Regierung in Steiermark und nach dem Tode seines ältern Bruders, Friedrich I., 1198 die der gesamten österreichischen Lande. In den Kämpfen der Hohenstaufen und Welfen stand er auf der Seite Philipps von Schwaben, mit dem er seit 1203 durch Vermählung mit einer komnenischen Prinzessin, Theodora, verschwägert war. Nach Philipps Ermordung erkannte L. Otto IV. an, trat aber später zu Friedrich II. über. 1212 unternahm er einen Kreuzzug gegen die Albigenser, zog 1217 mit König Andreas von Ungarn nach Palästina und schloß sich 1218 den französischen Kreuzfahrern bei ihrer Unternehmung gegen Damiette an, von wo er 1219 heimkehrte. 1226 empörte sich sein ältester Sohn, Heinrich, gegen ihn, starb aber schon 1228. Im Innern hatte sich L. Verdienste erworben durch Vergrößerung und Befestigung Wiens, Erteilung von städtischen Rechten an Wien, Neustadt, Graz etc. und durch Herstellung einer allgemeinen Gesetzsammlung, die später, in den Zeiten der Habsburger förmlich kodifiziert, unter dem Namen »Landweistum« oder »Landhantvest« bekannt ist. Auch war er ein Gönner und Pfleger der Dichtkunst und darum von den zeitgenössischen höfischen Sängern, insbes. von Walter von der Vogelweide, gepriesen. Er starb zu San Germano in Italien, wo er den Frieden zwischen Friedrich II. und Gregor IX. vermittelt hatte. Sein Sohn Friedrich II. ward sein Nachfolger. Vgl. Skalla, Herzog L. der Glorreiche und seine Zeit (Wien 1877).

Herzoge und Erzherzoge von Österreich aus dem habsburgischen Haus: 20) L. der Glorwürdige, geb. um 1290, gest. 28. Febr. 1326, dritter Sohn König Albrechts I., rächte 1308 den Tod seines Vaters furchtbar an den Mördern, begleitete 1310 Heinrich VII. auf seinem Zuge nach Italien, zog 1315 gegen die Schweizer Waldstädte, erlitt aber 15. Nov. im Paß von Morgarten durch die Bauern eine empfindliche Niederlage. Von unerschrockener Tapferkeit, war er die Seele des Kampfes der habsburgischen Partei gegen Ludwig den Bayer und setzte auch nach der Niederlage und Gefangennahme seines Bruders Friedrich des Schönen bei Mühldorf 1322 den Krieg fort, verbündete sich sogar mit dem Papst und dem König Karl IV. von Frankreich, dem er 1324 auf einer Zusammenkunft in Bar-sur-Aube seine Hilfe für seine Wahl zum deutschen König versprach. Er vereitelte 1325 den Trausnitzer Vertrag zwischen Ludwig und Friedrich, und erst als zwischen beiden ein neuer Vertrag zu gemeinsamer Herrschaft über das Reich geschlossen wurde, näherte sich L. Ludwig, starb jedoch bald darauf.

21) L. III., geb. 1351, gest. 9. Juli 1386, Neffe des vorigen und Sohn von dessen Bruder Albrecht II., folgte 1365 seinem ältern Bruder, Rudolf, in der Herrschaft über die schwäbischen Lande, nachdem er sich 1364 mit einer Tochter Bernabò Viscontis vermählt hatte, schloß 1377 mit dem Schwäbischen Städtebund ein Bündnis, um seine Macht zu vergrößern, und unterwarf sich auch Freiburg i. Br. Unter ihm wurde 1374 das görzische Istrien (Grafschaft Mitterburg und Pisino), Triest (1382) und die Hälfte des Vorarlbergischen für Habsburg erworben. In der Erbteilung mit seinem Bruder Albrecht 1379 erhielt er alle Länder außer Österreich ob und unter der Enns. Gleichwohl suchte er sein Territorium immer mehr zu vergrößern, bis ihm 1385 der Schwäbische Städtebund im Verein mit den Eidgenossen der Schweiz entgegentrat. Vor allem strebte L. danach, sich die Schweizer wieder zu unterwerfen, ward aber bei Sempach 9. Juli 1386 auf ungünstigem Boden zu einer Schlacht gezwungen, in der sein Heer von den Schweizern durchbrochen und vernichtet wurde; verzweifelnd stürzte sich L. in das Getümmel und wurde unerkannt erschlagen. Vgl. O. Lorenz, L. III. und die Schweizer Bünde (Wien 1860); Egger, Geschichte Leopolds III. von Österreich (Innsbr. 1869, Schulprogramm).

22) L. V., geb. 5. Okt. 1586, gest. 17. Sept. 1632, Sohn des Erzherzogs Karl von Steiermark, ward 1605 Bischof erst in Passau, seit 1607 auch in Straßburg. 1609 ließ er sich von Kaiser Rudolf II. zum Verwalter des mit Sequester belegten jülich-klevischen Erbes ernennen, erschien verkleidet daselbst und bemächtigte sich der Stadt Jülich. Doch konnte er sich hier nicht behaupten. Rudolf dachte eine Zeitlang daran, L. zu seinem Nachfolger in Böhmen und Ungarn zu ernennen. An der Spitze wüster Söldnerhaufen suchte er sich auch Prags zu bemächtigen und nahm die Kleinseite im Sturm. Nach dem Tode seines Vetters Maximilian (1618) erhielt er zufolge eines Teilungsvertrags die Grafschaft Tirol, wodurch er, seit 1626 der beiden Bistümer enthoben und mit Claudia von Medici vermählt, Stifter der jüngern habsburg-tirolischen Linie wurde, die 1665 ausstarb. 1619 verteidigte er Wien gegen Matthias von Thurn, bekriegte 1621 die protestantisch gesinnten Graubündner und befehligte im nächsten Jahr im Elsaß gegen den Grafen von Mansfeld. 1622 ward ihm die Grafschaft Glatz und 1627 die Markgrafschaft Burgau geschenkt.

23) L. Wilhelm, Erzherzog von Österreich, geb. 6. Jan. 1614, gest. 20. Nov. 1662 in Straßburg, zweiter Sohn Kaiser Ferdinands II., war Bischof von Passau und Straßburg (1625), von Halberstadt (1626; vgl. Opel, Die Wahl des Erzherzogs L. W. zum Bischof von Halberstadt, Halle 1901), Olmütz (1637) und Breslau (1655); 1642 erhielt er auch die Würde des Hoch- und Deutschmeisters. 1639 zum Generalissimus des kaiserlichen Heeres bestimmt, focht er in Sachsen und Thüringen gegen den schwedischen General Banér, den er 1641 von der Oberpfalz nach Sachsen zurückdrängte und 1642 in Schlesien gegen Torstensson, erlitt aber 2. Nov. bei Breitenfeld eine bedeutende Niederlage, worauf er das Kommando niederlegte. 1645 betrat er abermals als kaiserlicher General den Kriegsschauplatz, vertrieb die Schweden aus Franken und befehligte 1646 als spanischer Generalgouverneur in den Niederlanden. Nachdem er in den Feldzügen von 1647 und 1650–53 mit Glück gegen die Franzosen gefochten, verlor er 1654 fast alle gewonnenen festen Plätze wieder und legte 1656 sein Gouvernement in den Niederlanden nieder.

24) L., Erzherzog von Österreich, ältester Sohn des 1853 verstorbenen Erzherzogs Rainer, geb. 6. Juni 1823, gest. 24. Mai 1898, trat in die Armee, wurde Oberst und Inhaber des 53. Infanterieregiments, 1850 Feldmarschalleutnant, befehligte 1866 das 8. Armeekorps und ward 1867 zum General der Kavallerie ernannt.

[Toskana.] 25) L. II., Johann Joseph Franz Ferdinand Karl, Großherzog von Toskana, geb. 3. Okt. 1797 in Florenz, gest. 29. Jan. 1870 auf Schloß Brandeis in Böhmen, zweiter Sohn des Großherzogs Ferdinand III. und der Prinzessin Marie Luise von Sizilien, ging mit seinem Vater 1799 ins Exil und kehrte mit ihm 1814 in die Heimat zurück. Seit 1817 mit der Prinzessin Anna von Sachsen vermählt, folgte er 18. Juni 1824 seinem Vater in der Regierung. Während er durch zahlreiche Bauten, durch Anlegung von Straßen etc. für das materielle Wohl des Landes sorgte, ließ er auch die moralischen und geistigen Interessen nicht außer acht. Der Volksunterricht wurde mit Eifer gepflegt, die Universität ward regeneriert und die Justizverwaltung neu organisiert. Der erste italienische Gelehrtenkongreß wurde 1839 in Pisa vom Großherzog selbst eröffnet; seine Teilnahme für Wissenschaft und Literatur bezeugt auch die von ihm noch als Erzherzog vorbereitete Ausgabe der »Opere di Lorenzo de' Medici« (Flor. 1825, 4 Bde.). Gleichwohl ergriff die Bewegung von 1847 auch das Großherzogtum. Die am 17. Febr. 1848 von L. verkündigte Verfassung verhinderte die Revolution nicht, und L. mußte vom Februar bis zum April 1849 das Land verlassen. Zurückgekehrt, erließ er zwar eine ziemlich umfassende Amnestie, setzte aber die Verfassung 6. Mai 1852 außer Kraft. Als im April 1859 eine Volkserhebung ihn zwingen wollte, sich dem Kampfe Sardiniens gegen Österreich anzuschließen, verließ er 27. April seine Staaten und entsagte 21. Juli der Regierung zugunsten seines Sohnes Ferdinand IV. Nach dem Tode seiner ersten Gemahlin, Maria Anna von Sachsen, 24. März 1832, hatte sich der Großherzog 7. Juni 1833 mit der Prinzessin Antonie von Neapel (geb. 19. Dez. 1814, gest. 7. Nov. 1898) vermählt. Aus seiner ersten Ehe hatte er eine Tochter, Auguste, geb. 1. April 1825, vermählt seit 15. April 1844 mit dem Prinzen (spätern Prinz-Regenten) Luitpold von Bayern, gest. 26. April 1864; seine zweite Gemahlin schenkte ihm vier Söhne, den Großherzog Ferdinand IV., den Erzherzog Karl Salvator (gest. 18. Jan. 1892), den Erzherzog Ludwig Salvator (s. Ludwig: Österreich) und den Erzherzog Johann Nepomuk Salvator (der nach Verzicht auf die Vorrechte seines Standes 1889 den Namen Johann Orth annahm und seit 15. Aug. 1890 verschollen ist, s. Johann 20), und zwei Töchter, Maria Isabella, Gemahlin des Grafen von Trapani, gest. 14. Juli 1901, und Maria Luise, Gemahlin und seit 4. Juli 1899 Witwe des Fürsten Karl zu Isenburg-Birstein. Vgl. Baldasseroni, Leopoldo II, granduca di Toscana, ei suoi tempi (Flor. 1871).


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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