Leich


Leich

Leich (got. laiks, »Spiel, Tanz«), Name einer aus altgermanischer Zeit stammenden Dichtungsgattung, die ursprünglich vom Chor gesungen und mit Bewegungen begleitet wurde. In Deutschland wurde ihre Weiterbildung durch die kirchliche Sequenz (s. d.) beeinflußt. Schon Notker Labeo (gest. 1022) unterschied lîed und léicha. Gegenüber dem eine Strophenart festhaltenden Lied zeigte der L. verschiedene strophische Formen gemischt. Er wurde in mittelhochdeutscher Zeit zu sehr kunstvollen und umfänglichen Bildungen ausgestaltet. Die Leichstrophe ist in der Regel zweiteilig, während die Liedstrophe meist dreigliederig ist. Dem Inhalt nach gehörten die mittelhochdeutschen Leiche teils der geistlichen, teils der Minnepoesie an. Die Minneleiche waren vielfach zur Begleitung des Tanzes bestimmt und wurden auch Tänze und Reien genannt. Doch kamen sie seit dem 14. Jahrh. außer Gebrauch, während die geistliche Gattung als deutsche Sequenz (sogar bei den Protestanten) noch bis ins 16. Jahrh. fortlebte. Vgl. Lachmann, Über die Leiche der deutschen Dichter des 12. und 13. Jahrhunderts (»Rheinisches Museum«, 1829); Wolf, über die Lais, Sequenzen und Leiche (Heidelb. 1841).


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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  • Leich — 〈m. 1; Mus.〉 1. 〈urspr.〉 mhd. Melodie, Weise 2. 〈dann〉 mhd. Gesangstück mit (im Unterschied zum Lied) unregelmäßigem Strophenbau u. durchkomponierter (nicht strophisch wiederholter) Melodie [<ahd. leih „Spiel, Melodie, Gesang“, got. laiks… …   Universal-Lexikon

  • Leich — Sm Gedichtform per. Wortschatz fach. (10. Jh.) Stammwort. Erneuert aus mhd. leich, ahd. leih, entsprechend zu gt. laiks Tanz , anord. leikr Spiel, Sport und als Neutrum ae. lāc Spiel, Geschenk . Es handelt sich um a und i stämmige Ableitungen zu… …   Etymologisches Wörterbuch der deutschen sprache

  • Leich — Leich: Der seit dem 19. Jh. gebräuchliche Fachausdruck für das aus ungleichen Strophen gebaute Gedicht (mit durchkomponierter Melodie) der Minnesänger wurde in wissenschaftlichen Arbeiten aus dem Mhd. übernommen. Mhd. leich »Tonstück, Gesang aus… …   Das Herkunftswörterbuch

  • Leich — Leich, 1) im Altdeutschen die singbaren religiösen Gedichte, wie die provençalischen Lais, im Gegensatz zu den Liedern; 2) in der mittelhochdeutschen Poesie auch Lieder weltlichen Inhalts, so v.w. Lais …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Leich.... — Leich.... u. Zusammensetzungen, s. Laich …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Leich — Leich, altdeutsche Dichtungsform, bei der nicht wie beim Liede die Strophen gleich, sondern nach der wechselnden Melodie verschieden gestaltet sind …   Kleines Konversations-Lexikon

  • Leich — Leich, ursprünglich Gesang, dann im Gegensatze zum eigentlichen Liede gebraucht, altdeutsche Dichtform, die bis in das 15. Jahrh. im Gebrauche blieb …   Herders Conversations-Lexikon

  • leich — leich·hardt s; …   English syllables

  • Leich — Leich, der; [e]s, e (eine mittelhochdeutsche Liedform) …   Die deutsche Rechtschreibung

  • Leich — Der Leich (Plural Leichs, historisch auch: Leiche; vom germanischen *laikaz, Spiel, Tanz, Bewegung) gehört neben dem Minnesang und der Sangspruchdichtung zu den drei Haupttypen der Lieddichtung des Mittelalters und stellt die Groß und… …   Deutsch Wikipedia