Krabben [1]


Krabben [1]

Krabben (Taschenkrebse, Kurzschwänze), die kurzschwänzigen Zehnfüßer (Decapoda brachyura), aus der Ordnung der Schildkrebse (s. d.), bei denen der Hinterleib (Abdomen, Schwanz) nicht gestreckt ist und mit zum Schwimmen dient wie bei den langschwänzigen Zehnfüßern, sondern als ein kleiner Anhang unter die Brust umgeschlagen und außer bei der Begattung (und beim Weibchen auch während der Entwickelung der an den Hinterleibsfüßen befestigten Eier) nicht viel benutzt wird. Infolge hiervon schwimmen die K. kaum, laufen, kriechen und klettern dafür aber vorzüglich und zwar meist nach der Seite hin. Bei der starken Verkümmerung des Hinterleibes sind die Organe nach vorn gelegt, so beschränkt sich z. B. der ganze Bauchstrang des Nervensystems auf ein großes Zentrum in der Brust, von dem nach allen Seiten die Nerven ausstrahlen. Die Kauwerkzeuge sind denen der Langschwänzer gleich, ebenso die Brustfüße; doch sind bei manchen K. die letzten Paare nach dem Rücken gerichtet (s. unten Dorippidae). Die aus den Eiern ausschlüpfenden Jungen haben als sogen. Zoëa (s. Krebstiere) noch einen langen Schwanz (meist auch lange Stacheln zum Balancieren im Wasser) und schwimmen mit seiner Hilfe umher, machen dann aber mehrere Verwandlungen durch, bei denen der Hinterleib immer kleiner wird. Nur bei einigen Süßwasser- und Landkrabben verlassen die Jungen das Ei schon in der Krabbengestalt. Bei diesen sind auch die Kiemen derart eingerichtet, daß ein wenig Wasser sehr lange Zeit zur Atmung ausreicht, oder daß geradezu Luft geatmet werden kann. Die K., zumal die landlebenden, besitzen unter den Krebsen (außer den Einsiedlerkrebsen) die größte Intelligenz, einige klettern sogar auf Bäume. Von den etwa 20 Familien der K. sind erwähnenswert: 1) Die Wollkrabben (Dromiidae) und 2) die ihnen nahestehenden Dorippiden (Dorippidae) tragen auf ihrem Rücken mit den beiden letzten nach oben gerichteten Beinpaaren Schwämme, Eier von Schnecken, Holzstücke, überhaupt allerlei tote oder lebende Gegenstände umher und suchen sich auf diese Weise unsichtbar zu machen. Verwandt damit ist auch die Schamkrabbe (Calappa) des Mittelmeeres (s. Tafel »Aquarium I«, Fig. 22). 3) Die sogen. Meer- oder Seespinnen (Majidae; s. Maja auf Tafel »Aquarium I«, Fig. 23), mit dreieckigem Rückenschild (Dreieckkrabben); zu ihnen gehört das größte Krebstier, die japanische Riesenkrabbe (Inselkrebs, Simagani, Macrocheira Kaempferi de Haan), mit 50 cm langem Rumpf und 1,5 m langen Vorderbeinen. Sie bewohnt die Küsten von Japan und wird gegessen. Viele Arten bedecken sich mit Algen, Moostierchen etc., um nicht erkannt zu werden. Die große Meerspinne (Maja squinado Rond.), 11 cm lang, rötlich, sehr stachelig, galt bei den Alten als klug und als Musikliebhaberin, findet sich auch auf zahlreichen Münzen, wurde und wird gegessen. 4) Die Taschenkrebse (im engern Sinne, Cancridae), mit breitem, kurzem, vorn abgerundetem Rückenschild, zum Teil gute Schwimmer. Hierher der kleine Taschenkrebs (Carcinus maenas L.), 5 cm lang, dunkelgrün, die gemeine Krabbe der europäischen Meere und der Ostküste Amerikas, ist an vielen Küsten Volksnahrungsmittel, wird in großer Menge aus dem Venezianischen als Köder für die Sardelle nach Istrien gebracht, auch in Öl gebacken gegessen und kam früher auf den Londoner Markt. Ferner der große Taschenkrebs (Cancer pagurus L., s. Tafel »Krebstiere II«, Fig. 8), über 30 cm breit und bis 7 kg schwer, rotbraun mit schwarzen Scheren, besonders häufig in der Nordsee auf felsigem Grund, ist wegen seines Wohlgeschmacks in England sehr geschätzt (s. auch die Abbildung des fossilen Cancer quadrilobatus auf Tafel »Tertiärformation II«, Fig. 7). 5) Die Muschelwächter (Pinnotheridae), kleinere, weichhäutige K., leben zwischen den Schalen von Muscheln (Pinna etc., die sie nach Angabe der Alten bewachen sollten), aber auch in der Kiemenhöhle von Seescheiden. 6) Die Landkrabben (Gecarcinidae) leben in den Tropen auf dem Lande, oft weit vom Meer, machen aber zum Teil wenigstens einmal jährlich eine Wanderung nach der Küste, um dort der Fortpflanzung nachzugehen, und kehren mit den Jungen später zurück. Hierher Gecarcinus ruricola L. aus Westindien, lebt unter Baumwurzeln oder in selbstgegrabenen Löchern in der Nähe des Meeres, aber auch ziemlich weit davon auf Bergen, oft neben Kloaken oder auf Friedhofen, wo sie sich einen Weg zu den Leichen bahnen soll. Sie ist eßbar. Die sogen. Diebskrabbe (Kokosdieb, Birgus latro), gehört dagegen zu den Einsiedlerkrebsen (s. d.).


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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