Knie


Knie

Knie (Genu), im allgemeinen ein im Winkel gebogener Teil, besonders an der Hintergliedmaße der höhern Wirbeltiere die Verbindungsstelle von Ober- und Unterschenkel. Bei den Säugetieren wird es von dem Ende des Oberschenkelknochens, dem obern Ende des Schienbeins, der Kniescheibe, vielen Bändern sowie Muskeln etc. gebildet. Das Kniegelenk des Menschen (s. Tafel »Bänder des Menschen II«, Fig. 2 u. 3) gestattet wegen der umgebenden Kapsel und der innerhalb und außerhalb davon liegenden Bänder dem Unterschenkel nur die Beugung und Streckung bis zu etwa 150°, doch ist damit zugleich eine seitliche Bewegung (Rollung) verbunden. Vorn wird das Gelenk von der Kniescheibe (patella) überdeckt, die unmittelbar unter der Haut liegt und eine Verknöcherung (sogen. Sesambein) der mächtigen Strecksehne für den Unterschenkel ist. Letztere (s. Tafel »Muskeln des Menschen«) nimmt die Fasern der vier Streckmuskeln in sich auf, geht zur Kniescheibe und setzt sich jenseit derselben an das obere Ende des Schienbeins an. Die Kniescheibe gleitet daher bei Streckung des Unterschenkels über das Kniegelenk weg nach obenhin. Durch die Sehnen, die hinten vom Oberschenkel zum Unterschenkel gehen, entsteht die Kniekehle (fossa poplitea), worin wichtige Blutgefäße und Nerven verlaufen. Beim Pferde, den Wiederkäuern und dem Schwein wird außer dem wirklichen Kniegelenk auch noch die der Handwurzel des Menschen entsprechende Vorderfußwurzel fälschlicherweise K. genannt. Die zahlreichen davon abgeleiteten Bezeichnungen haben sich noch nicht ganz ausmerzen lassen, obwohl das Gelenk in der Tiermedizin längst den richtigen Namen Vorderfußwurzel (carpus) erhalten hat. Diejenigen Laien, denen die Lage des wirklichen Kniegelenks an der Hintergliedmaße bekannt ist, pflegen die Vorderfußwurzel wohl auch als Vorderknie zu bezeichnen. Verletzungen des Knies sind wie die der andern Gelenke zu beurteilen und zu behandeln. Nach Verrenkungen wird das K. selten wieder völlig gebrauchsfähig; Beschädigungen der Kniescheibe heilen bei zweckmäßiger Behandlung ohne bleibenden Nachteil. Entzündungen des Kniegelenks sind gewöhnlich sehr langwierig und gefährlich (s. Gelenkentzündung). In der Gelenkflüssigkeit bilden sich bisweilen Gelenkmäuse (s. d.), und bei Personen, die viel knieen, entsteht eine Wassersucht des Schleimbeutels am Kniescheibenband, die durch völlige Ruhe des Gelenks, Druckverbände oder durch Operation zu beseitigen ist.


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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