Kilikĭen


Kilikĭen

Kilikĭen (Cilicia), im Altertum Name der südöstlichsten Landschaft Kleinasiens (s. Karte »Römisches Reich«), die, etwa das heutige Paschalik Adana umfassend, von Syrien durch das Amanosgebirge getrennt, im W. und N. vom Taurus begrenzt war und mit Isaurien, Lykaonien und Kappadokien durch Gebirgspässe zusammenhing, darunter die berühmten Pylae Ciliciae zwischen Tyana und Tarsos, durch die Alexander d. Gr. aus Kappadokien eindrang. Der Natur des Bodens nach zerfiel es in das ebene K. (Cilicia Pedias), die damals dicht bevölkerte und äußerst fruchtbare (jetzt versumpfte, ungesunde und dünn bewohnte) Küstenlandschaft, und das gebirgige K. (Cilicia Trachea) im W., das, wegen seines vortrefflichen Schiffbauholzes lange ein Zankapfel zwischen den Seleukiden und Ptolemäern war, bis es von Antiochos d. Gr. erobert wurde. Die bedeutendsten Gebirgsströme waren der Pyramos (Dschihan), Saros (Seihun) und Kalykadnos (Göksu). K. war schon im 9. Jahrh. eine assyrische Provinz, dann (seit Ende des 7. Jahrh.) unter der Dynastie des Syennesis selbständig, dessen Nachfolger später als Vasallen der Perser erscheinen. Nach mannigfachem Wechsel der Herrschaft zwischen einheimischen Fürsten, persischen Satrapen, mazedonischen, syrischen und ägyptischen Königen und zuletzt Mithradates und Tigranes wurde K. 102 v. Chr. durch M. Antonius und in weiterm Umfange 66 v. Chr. durch Pompejus, der die furchtbar gewordenen kilikischen Seeräuber besiegte, römische Provinz, während die Bewohner des Hochlandes noch lange Zeit ihre Unabhängigkeit behaupteten. Der Volkscharakter der Kiliker (ihrem Stamm nach Semiten vom aramäischen Zweig) stand bei den Griechen in sehr üblem Ruf. Hauptstadt des Landes war Tarsos, andre namhafte Orte: Issos, Seleukia, Selinus oder Trajanopolis (Selindi), Adana etc. Vgl. Asien (Entdeckungsgeschichte, S. 873 f.); Heberdey und Wilhelm, Reisen in K., ausgeführt 1891 und 1892 im Auftrag der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften (Wien 1897); Schaffer, Cilicia (Ergänzungsheft 141 zu »Petermanns Mitteilungen«, Gotha 1903).


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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