Hypnotismus


Hypnotismus

Hypnotismus (griech.), die Wissenschaft, die sich mit den dem Schlafe verwandten Zuständen befaßt, bei denen die Willenstätigkeit eine Hemmung erfährt und oft eine deutliche Störung (Ausschaltung oder Einengung) des Bewußtseins besteht. Einen hypnotischen Zustand (Hypnose) wußten bereits die alten indischen Fakire und mittelalterliche religiöse Extatiker durch Konzentration ihres Blickes oder ihrer Gedanken zu erzeugen. Der durch gewisse Striche erzeugte magnetische Schlaf (s. Magnetische Kuren) sowie der Somnambulismus mit dem angeblichen Hellsehen (Clairvoyance, s. Somnambulismus) stellen analoge Erscheinungen dar. Aber erst der englische Arzt James Braid (s. d.) machte seit 1841 den H. zum Gegenstand eines genauern Studiums. Seine Beobachtungen gerieten fast in völlige Vergessenheit, obwohl einige Chirurgen die Hypnose, um Schmerzlosigkeit bei Operationen zu erzeugen, verwerteten. Ebensowenig wurden die Untersuchungen Liebeaults, eines Arztes in Nancy, genauer bekannt. Erst in neuerer Zeit haben die auffallenden öffentlichen Schaustellungen des Dänen Hansen das Interesse für den H. von neuem wachgerufen und Untersuchungen durch Weinhold, Heidenhain, Berger, Preyer, Binswanger u. a. veranlaßt. Gleichzeitig und unabhängig beschäftigte sich in Paris Charcot mit dem H. und in Nancy im Anschluß an Liébeault Professor Bernheim. Die Nancyer zeigten besonders den großen Einfluß der Suggestion (s. d.) in der Hypnose. Sie sind der Ansicht, daß alle Erscheinungen der Hypnose durch Suggestion zustande kommen, d. h. dadurch, daß man in der Versuchsperson die Vorstellung und die Überzeugung von dem Eintritt der betreffenden Erscheinungen erweckt. Unter den neuesten Vertretern des wissenschaftlichen H. sind zu nennen Forel, Moll, Dessoir, v. Schrenk-Notzing, Vogt, Wetterstrand u. a.

Zur Hypnosigenese, d. h. zur Erzeugung der Hypnose, bedient man sich zahlreicher, anscheinend verschieden wirkender Mittel, die man am besten in somatische (körperliche) und psychische einteilt. Während man früher jene für wesentlich hielt, schreibt man jetzt den psychischen Mitteln die Hauptwirkung zu. Früher bediente man sich z. B. vielfach der längern Fixation eines glänzenden Punktes, um Hypnose herbeizuführen, wie es auch Braid tat. Heute erzeugt man die Hypnose gewöhnlich so, daß man die Vorstellung von derselben möglichst lebhaft der Versuchsperson einpflanzt, etwa durch Worte wie: »Denken Sie nur an den Schlaf! Versuchen Sie zu schlafen! Ihre Augen werden immer müder; die Augenlider schließen sich etc.« (Verbalsuggestion). Das Erwecken geschieht entweder durch starke Sinnesreize, z. B. Anblasen, elektrische Reizung, oder durch einfachen Befehl, zu erwachen. Zur Herbeiführung der Hypnose und zu deren Beendigung ist nicht immer ein Experimentator notwendig, da manche sich selbst in Hypnose versetzen (Autohypnose), ebenso wie sie spontan aus ihr erwachen. Was die Empfänglichkeit anlangt, so wird der Prozentsatz der hypnotisierbaren Personen verschieden angegeben (zwischen 30 und 100 Proz.). Geistig beschränkte und geisteskranke Personen sind schwer zu hypnotisieren. Bezüglich der Kinder schwanken die Angaben erheblich. ö)aß Nervöse oder Hysterische besonders empfänglich seien, ist ein Irrtum. Personen, die die feste Überzeugung haben, daß sie nicht hypnotisierbar sind, sowie solche, die ihren Willen dahin richten, nicht in Hypnose zu kommen, sind in der Regel unempfänglich. Die Veränderungen, die in dem seelischen Zustand eines Menschen durch die hypnotische Beeinflussung herbeigeführt werden, sind sehr verschieden. Man hat die Tiefe der Hypnose eingeteilt in: 1) Somnolenz, der leichteste Grad eben merkbarer Hypnose; 2) Hypotaxis, d. h. der Hypnotisierte gehorcht allen Suggestionen, behält aber für alle Vorgänge nach dem Erwachen die Erinnerung; 3) Somnambulismus, tiefe Hypnose mit Amnesie (Erinnerungsmangel) nach dem Erwachen und posthypnotischen Erscheinungen (s. unten).

Zu den Erscheinungen der normalen Hypnose gehört eine starke Einengung der assoziativen Tätigkeit des Gehirns. Der Hypnotisierte nimmt Sinneseindrücke wahr, aber er verwendet sie nicht in so ausgedehntem Maße wie im wachen Zustande. Die Willenstätigkeit ist in der Hypnose herabgesetzt. Die Empfänglichkeit für hypnotische Beeinflussung, die nicht der Tiefe der Hypnose proportional ist, heißt Suggestibilität. Die Grundbedingung hierfür ist, daß der zu Hypnotisierende mit dem Hypnotiseur in Rapport bleibt, d. h. ihn hört und versteht.

Stets zeigen die willkürlichen Bewegungen in der Hypnose Veränderungen. Durch Befehl wird der Hypnotische gezwungen, Bewegungen gegen seinen Willen auszuführen, z. B. seinen Arm zu heben, vom Stuhl aufzustehen, sich dreimal im Kreise zu drehen, zu lachen. Ganz ebenso kann man Bewegungen verhindern; man verbietet dem Hypnotisierten, sein Bein, seinen Arm zu bewegen-sofort erscheint das betreffende Glied gelähmt. Man ist auch imstande, eine bestimmte Funktion gewisser Muskeln zu bekämpfen, während sie sonst normal funktionieren; wenn es ihm verboten wird, kann der Hypnotisierte nicht schreiben, obwohl sein Arm sonst frei beweglich ist. Wie der Experimentator die Suggestion ausdrückt, ist gleichgültig; nötig ist nur, daß der Hypnotische versteht, was jener will. Abgesehen von den suggestiven Veränderungen der willkürlichen Bewegungen findet sich in der Hypnose noch eine zweite Eigentümlichkeit derselben. Jede Muskeltätigkeit hat nämlich die Neigung, sich einige Zeit fortzusetzen, so daß eine willkürliche oder suggestive Unterbrechung oft Schwierigkeiten begegnet. Diese Neigung zeigt sich 1) darin, daß die Glieder des Hypnotisierten die ihnen gegebene Stellung längere Zeit beibehalten (Katalepsie), 2) darin, baß bestimmte Bewegungen längere Zeit anhalten, wodurch die sogen. automatischen Bewegungen zustande kommen: dreht man die Hände eines Hypnotischen umeinander, so setzt er diese Bewegungen längere Zeit fort.

Nächst der willkürlichen Muskulatur zeigen sich häufig Veränderungen in der Emp sin dung. Die Sinnesempfindungen (Gesicht, Gehör, Geruch etc.) können in der Hypnose herabgesetzt, aber auch bis ins Unglaubliche verschärft sein. Auch die Hautempfindung ist meist vermindert, in tiefer Hypnose kann von selbst totale Gefühllosigkeit auftreten. Natürlich können alle Empfindungsqualitäten durch Suggestion in positivem und negativem Sinn beeinflußt werden. In tiefer Hypnose lassen sich auch Sinnestäuschungen hervorrufen. Man läßt durch Suggestion den Hypnotischen glauben, daß er Bäume, Tiere, Menschen sehe, die nicht vorhanden sind; er hört Melodien, Schüsse; mit Leichtigkeit ruft man einen ekelhaften Geruch, einen süßen Geschmack suggestiv hervor. Die Sinnestäuschungen treten zuweilen als Halluzinationen auf, d. h., sie finden statt, ohne daß überhaupt ein äußeres Objekt wahrgenommen wird; der Hypnotische glaubt einen Hund da zu sehen, wo nichts ist. Viel häufiger aber treten die Täuschungen als Illusionen auf, d. h. es werden äußere Gegenstände wahrgenommen, aber falsch gedeutet: ein Buch wird für einen Hund gehalten. Sind die Sinnestäuschungen vollkommen, so zeigt sich das ganze Verhalten, das Aussehen der Person entsprechend verändert. Lebhafter Schrecken malt sich in dem Gesicht der Person, die einen Tiger auf sich zustürzen glaubt. Derartige Wirkungen der Sinnestäuschungen können sich selbst in Veränderungen zeigen, die vom Willen unabhängig sind. Einer Person, der man suggeriert, sie rieche eine Zwiebel, tränen die Augen; bei einer andern, der man einen ekelhaften Geschmack suggeriert, tritt Erbrechen auf. Im Gegensatz zu den bisher erwähnten Sinnestäuschungen, bei denen ein nicht vorhandenes Objekt wahrgenommen wird, und die man als positive bezeichnet, stehen die negativen, bei denen vorhandene Objekte nicht wahrgenommen werden. So werden auf suggestivem Wege Personen und Gegenstände unsichtbar gemacht, ein bestimmtes Musikstück wird unhörbar. In ähnlicher Weise, wie die Sinneswahrnehmungen durch Suggestion beeinflußt werden, stehen unter deren Einwirkung die Gemeingefühle, Triebe, Affekte und die Stimmung: Hunger, Durst, Wohlbefinden, Trauer, Freude werden in dieser Weise hervorgerufen. Ob die Atmung und der Puls während der Hypnose spontane Änderungen zeigen, ist fraglich. Manche Schwankungen erklären sich durch die psychische Erregung, sind mithin nicht von der Hypnose abhängig. Über den Einfluß der Suggestion auf das Herz liegen wenig Untersuchungen vor. Hingegen konnte man öfler durch Suggestion die Atmung auf einige Zeit unterbrechen. Auch ist es möglich, suggestiv Erbrechen und Stuhlgang zu erzeugen. Die Hervorrufung umschriebener Hautrötung gelang verschiedenen Autoren. Die Berichte von suggestiver Erzeugung von Brandblasen etc. sind mit größter Vorsicht aufzunehmen.

Die Hypnose bildet einen Zustand gesteigerter Erinnerungsfähigkeit. In der Hypnose gelingt es, Erinnerungen zu erwecken, die dem Gedächtnis in wachem Zustand längst entschwunden sind oder, weil in abnormen Bewußtseinszuständen erlebt, dem Individuum in normalem Bewußtsein nie gekommen waren (hypnotische Hypermnesie). Während man früher annahm, daß nach Aufhören der Hypnose die Erinnerung an das während derselben Vorgefallene fehle, hat man später erkannt, daß in den meisten Fällen keine Erinnerungslosigkeit (Amnesie) besteht; von der vollkommenen Erinnerung bis zur Amnesie gibt es allerdings zahlreiche Zwischenstufen. Wenn auch im wachen Leben Amnesie besteht, so erinnert sich die Versuchsperson in einer spätern Hypnose fast stets dessen, was in frühern Hypnosen vorgegangen ist. In dieser besteht aber auch Erinnerung an das, was während des wachen Lebens vorfiel, so daß der hypnotische und der nichthypnotische Zustand einen verschiedenen Bewußtseinsinhalt hat. Man nennt diese Erscheinung Doppelbewußtsein (s. d.). Man kann den Hypnotischen einzelne Vorgänge vergessen lassen, andre fälschlicherweise an deren Stelle setzen, wodurch Erinnerungstäuschungen, die retroaktiven Suggestionen, entstehen.

Die posthypnotische Suggestion besteht darin, daß während der Hypnose eine Suggestion eingepflanzt wird, deren Wirkung sich erst nach dem Erwachen zeigt: ein Hypnotischer erhält den Befehl, nach drei Tagen zu A zu gehen und beim Eintritt in dessen Zimmer ein Glas Wasser zu verlangen. Derartige Aufträge werden pünktlich ausgeführt, obschon die Erinnerung an den Auftrag fehlt. Die posthypnotischen Suggestionen realisieren sich bei geeigneten Versuchspersonen selbst längere Zeit nach dem Erwachen; noch nach Monaten, ja nach einem Jahre, wurden sie verwirklicht. Ebenso wie Handlungen kann man auch posthypnotische Sinnestäuschungen suggerieren.

Während man früher annahm, das Bewußsein sei in der Hynose erloschen, mußte dies als irrtümlich erkannt werden, sobald man im wachen Zustand oder in der neuen Hypnose die Erinnerung wieder auftreten sah. Denn wenn man sich gewisser Vorgänge aus einer frühern Zeit erinnert, so muß in dieser Bewußtsein bestanden haben. Ebensowenig wie die Hypnose ein Zustand von Bewußtlosigkeit ist, besteht in ihr absolute Willenslosigkeit, wenn auch der Wille herabgesetzt ist. Viele Suggestionen gelingen nur dann, wenn zahlreiche Versuche gemacht worden sind und der Hypnotische der Dressur unterworfen war. Aber selbst nach vielen Versuchen können Handlungen, die dem Charakter der Person widersprechen, meistens nicht suggeriert werden.

Die theoretische Auffassung des H. ist noch recht verschieden und knüpft sich zum Teil an die physiologische Auffassung des Schlafes. Heidenhain sprach die Ansicht aus, die Tätigkeit der grauen Hirnrinde sei in der Hypnose gehemmt; Wundt führt die Erscheinungen auf eine vermehrte Tätigkeit einiger, auf verminderte Tätigkeit andrer Hirnteile und auf Veränderung der Blutzirkulation zurück. Auf psychologische Theorien sei kurz hingewiesen. Gurney faßte die Hypnose als Zustand psychischer Reflextätigkeit auf; nach Max Dessoir ist die Hypnose ein Zustand, in dem das Unterbewußtsein vorwiegt. Während die einen in der Hypnose einen krankhaften Zustand erblicken, betrachten andre die Hypnose als einen dem gewöhnlichen Schlaf identischen oder verwandten Zustand.

In neuerer Zeit trat das Bestreben hervor, von dem H. einen praktischen Nutzen in der Heilkunde zu ziehen. Anfangs schien die Gefährlichkeit die Verwertung der Hypnose zu verbieten, indessen erkannte man später, daß Gefahren nur dann zu befürchten sind, wenn man die Versuche ungeschickt macht, und daß der H. in der Hand psychologisch geschulter Ärzte ein wertvolles Heilmittel darstellt. Zu den Krankheiten, die durch Hypnose geheilt oder gebessert werden, gehören zahlreiche Nervenkrankheiten, bei denen organische Veränderungen fehlen, z. B. hysterische Lähmungen, nervöse Kopfschmerzen, Neuralgien, rheumatische Schmerzen. Hierher kann man ferner das Stottern, den Morphinismus, den Alkoholismus rechnen, die oft durch die hypnotische Suggestion gebessert werden konnten. Im Zusammenhang mit der Behandlung durch hypnotische Suggestion steht die Suggestion ohne Hypnose. Beide Arten zusammen umfassen die Suggestionstherapie (vgl. Suggestion). In neuester Zeit hat man den H. auch zu psychologischen Studien krankhaften und normalen Seelenlebens benutzt und z. T. wertvolle Aufschlüsse über die Natur gewisser krankhafter Zustände (Hysterie) erlangt. In forensischer Beziehung hat Bentivegni auf die zivilrechtliche Bedeutung des H. hingewiesen. Außerdem ist noch die strafrechtliche Seite zu berücksichtigen. Hypnotisierte können das Opfer oder das Werkzeug von Verbrechen sein. Praktische Bedeutung haben bisher nur Fälle der erstern Art gehabt; es handelt sich hierbei nur um Notzucht an hypnotisierten Personen, die nach unsern heutigen Gesetzen bestraft wird. Die Frage, ob jemand durch Suggestion einen Hypnotisierten zur Begehung eines Verbrechens benutzen kann, wird verschieden beantwortet. Von einigen wird die Möglichkeit bestritten, zumal da niemand zu einer seinem Charakter widerstrebenden Handlung durch Suggestion gezwungen werden könne; die Unmöglichkeit solcher kriminellen Suggestionen kann aber doch nicht behauptet werden. Die Gefahr der Benutzung künstlicher Erinnerungstäuschungen, der retroaktiven Suggestionen, zur Fälschung von Zeugenaussagen wird von manchen für sehr groß gehalten.

Bei aller physiologischen Forschung ist das Tierexperiment die wichtigste Methode. Es lag daher nahe, auch den hypnotischen Erscheinungen mit diesem gewöhnlichen Forschungsmittel der Physiologie näher zu treten, und so entstand die Frage, ob sich auch bei Tieren analoge Erscheinungen der Hypnose finden ließen wie beim Menschen. In der Tat ist von vielen Seiten die Existenz einer tierischen Hypnose behauptet worden. Daniel Schwendter beschrieb 1636 ein Experiment, Hühner dadurch vollständig unbeweglich zu machen, daß man sie plötzlich ergreift, auf einen Tisch legt, ihren Schnabel niederdrückt und dann, vom Schnabel anfangend, einen Kreidestrich über den Tisch zieht. Nach dieser Manipulation blieben die Hühner in den unnatürlichsten Stellungen bewegungslos liegen. Das Experiment ist später (1646) von Kircher von neuem mit einigen andern Zutaten beschrieben und bekannt gemacht worden und wird seitdem als »Experimentum mirabile« des Pater Kircher bezeichnet. Später ist die Erscheinung in Vergessenheit geraten, bis Czermak 1872 wieder darauf hinwies, indem er sie zugleich als einen Ausdruck tierischer Hypnose bezeichnete. Seitdem ist die Erscheinung öfter untersucht worden. Preyer, Danilewski u. a. haben gezeigt, daß auch eine ganze Reihe von andern Tieren (z. B. Amphibien, Reptilien, Meerschweinchen, Kaninchen etc.) in den gleichen Zustand versetzt werden können. Preyer erklärte die Bewegungslosigkeit der Tiere für Schreckstarre (Kataplexie, s. d.), Heubel für Schlaf. Um die Erscheinung hervorzurufen, genügt es, das betreffende Tier plötzlich sicher und geschickt zu ergreifen, in eine abnorme Körperlage zu bringen und es in dieser einen Augenblick festzuhalten. Entfernt man dann vorsichtig die Hände, so bleibt das Tier bewegungslos liegen. Die Tiere liegen in der Stellung und Haltung still, die sie einnahmen, um die abnorme Lage wieder in ihre gewöhnliche Körperlage zurückzuverwandeln, d. h. ihre Muskeln sind plötzlich bei ihrem vergeblichen Lagekorrektionsversuch in einen gewissen Zustand der Starre (tonus) verfallen. Wenn es sich hier nur um einen tonisch gewordenen Lagekorrektionsreflex handelt, der durch das Kleinhirn vermittelt wird, und wenn die Erscheinung nichts mit Hypnose, d. h. mit dem Großhirn, zu tun hat, dann muß sie auch noch zustande kommen bei Tieren, denen das Großhirn extirpiert worden ist. Und das ist wirklich der Fall. Frösche und Hühner ohne Großhirn zeigen die Erscheinung sogar noch besser als normale, d. h. sie bleiben noch länger liegen als normale, weil bei ihnen nicht mehr wie bei normalen Tieren hin und wieder spontane Impulse (Willensimpulse) zum Aufstehen vom Großhirn herabkommen können. Daraus geht unzweifelhaft hervor, daß die erzwungene Bewegungslosigkeit gewisser Tiere nichts mit der menschlichen Hypnose zu tun hat. Veranstaltungen öffentlicher Vorstellungen von Hypnotiseuren sind in Preußen seit 1903 verboten. Vgl. Weinhold, Hypnotische Versuche (Chemnitz 1880, 4. Abdr. 1894); Heidenhain, Der sogen. tierische Magnetismus (Leipz. 1880); Preyer, Die Kataplexie und der tierische H. (Jena 1878), Die Entdeckung des H. (Berl. 1881) und Der H. Vorlesungen (Wien 1890); Braid, Der H. Ausgewählte Schriften (deutsch hrsg. von Preyer, Berl. 1882); Gilles de la Tourette, L'hypnotisme et les états analogues an point de vue médico-légal (2. Aufl., Par. 1888; deutsch, Hamb. 1889); Dessoir, Bibliographie des modernen H. (Berl. 1888 u. 1890) und Das Doppel-Ich (Leipz. 1890); Lehmann, Die Hypnose (das. 1890); Moll, Der H. (3. Aufl., Berl. 1895); Forel, Der H. (4. Aufl., Stuttg. 1902); v. Bentivegni, Die Hypnose und ihre zivilrechtliche Bedeutung (Leipz. 1890); Bernheim, Neue Studien über H. (Wien 1892); Wundt, H. und Suggestion (Leipz. 1892); Krafft-Ebing, Eine experimentelle Studie auf dem Gebiet des H. (3. Aufl., Stuttg. 1893); Hirsch, Suggestion und Hypnose (Leipz. 1893); Effertz, Studien über Hysterie, H., Suggestion (Bonn 1894); Bjornström, Der H. (deutsch von Larochelle, Wiesb. 1894); Löwenfeld, Lehrbuch der gesamten Psychotherapie (das. 1897) und Der H., Handbuch der Lehre von der Hypnose und der Suggestion (das. 1901); Ziehen, Psychotherapie (in Eulenburg und Samuels »Lehrbuch der allgemeinen Therapie«, Bd. 2, Wien 1898); Verworn, Die sogenannte Hypnose der Tiere (Jena 1898); Bramwell, Hypnotism, its hystory, practice and theory (Lond. 1903).


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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  • Hypnotismus — (grch.), die Lehre von der Hypnose, d.i. einem schlafähnlichen Zustande, in den eine Person (der Hypnotiseur, spr. söhr) eine andere (den Hypnotisierten) durch Blicke, Berührungen, Zureden (Suggestion) versetzen kann, oder in den sich die Person… …   Kleines Konversations-Lexikon

  • Hypnotismus — Hyp|no|tịs|mus 〈m.; ; unz.〉 1. Lehre von der Hypnose 2. Beeinflussung * * * Hyp|no|tịs|mus, der; [engl. hypnotism]: 1. Wissenschaft von der Hypnose. 2. (selten) starke Beeinflussung. * * * I Hypnotismus,   …   Universal-Lexikon

  • Hypnotismus — Hyp|no|tịs|mus 〈m.; Gen.: ; Pl.: unz.〉 1. Lehre von der Hypnose 2. Beeinflussung …   Lexikalische Deutsches Wörterbuch

  • Hypnotismus — Hyp|no|tis|mus der; <zu ↑...ismus>: 1. Wissenschaft von der Hypnose. 2. Beeinflussung …   Das große Fremdwörterbuch

  • Hypnotismus — Hyp|no|tịs|mus, der; <griechisch> (Lehre von der Hypnose; Beeinflussung) …   Die deutsche Rechtschreibung

  • Hypnotism — • The nervous sleep, induced by artificial and external means, which has been made the subject of experiment and methodical study by men of science, physicians or physiologists Catholic Encyclopedia. Kevin Knight. 2006. Hypnotism     Hypn …   Catholic encyclopedia

  • Magnetische Kuren — (Magnetotherapie), auf Anwendung des sogen. tierischen Magnetismus beruhende Heilversuche. Der tierische Magnetismus (Lebens , Zoo oder Biomagnetismus, Mesmerismus) galt im Sinne der ältern Naturwissenschaft als eine Kraft, die man mit dem… …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

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