Hyacinthus


Hyacinthus

Hyacinthus L. (Hyazinthe), Gattung der Liliazeen, Zwiebelgewächse mit grundständigen, saftigen, linealen Blättern, in Trauben stehenden, röhrigglockenförmigen Blüten mit lanzettlich auswärts gekrümmten oder fast aufrechten Segmenten und dreikantiger Kapsel mit vielen schwarzen Samen. Etwa 30 Arten, meist im östlichen Mittelmeergebiet, wenige im tropischen und südlichen Afrika. Die gemeine Hyazinthe (Gartenhyazinthe, H. orientalis L.), ursprünglich in Dalmatien, Griechenland und Westasien einheimisch, in Südeuropa verwildert, wird in etwa 500 einfachen und gefüllten Varietäten kultiviert. Eine gute Hyazinthe besitzt einen aufrechten, geraden, 15–20 cm hohen Schaft mit 30–40 gedrängt stehenden Blüten. In der Regel blühen die einfachen früher als die gefüllten, sind auch am besten zum Treiben geeignet. Zur Hyazinthenkultur wählt man einen tiefen, lockern, fetten, sandigen Boden, düngt diesen mit vollständig verrottetem, möglichst strohfreiem Kuhmist, den man einen starken Spatenstich tief untergräbt, so daß die gepflanzten Zwiebeln 10–12 cm davon entfernt bleiben. Je reiner und sandiger die obere Erde ist, in der die Zwiebeln gepflanzt werden, desto besser gedeihen diese. Man pflanzt die Zwiebeln im September und Oktober 8–12 cm tief in 30 cm voneinander entfernten Reihen in Zwischenräumen von 10–15 cm und umgibt jede wertvollere Zwiebel mit ganz reinem Sand, um sie vor Fäulnis zu schützen. Die Beete werden im Winter mit Laub oder Mist gegen den Frost bedeckt. Die Blütezeit dauert 3–4 und, wenn man die Blumen vor Sonne und Regen schützt, 5–6 Wochen. Nach der Blüte erfordern die Zwiebeln zu ihrer Ausbildung eine ununterbrochene mäßige Feuchtigkeit. Wenn die Blätter welken, nimmt man die Pflanzen bei trockner Witterung aus der Erde, bricht Schäfte und Blätter dicht an der Zwiebel weg, trocknet diese an einem schattigen, lustigen Ort auf Brettern, nimmt die ablösbaren Nebensprosse ab und säubert die Zwiebeln vollständig. Dann legt man sie wieder auf die Bretter und wendet sie bis zur Pflanzzeit (besonders im September) von Zeit zu Zeit um. Die Hyazinthenzwiebel erreicht bei günstiger Pflege ein Alter von 6–7 Jahren; dann teilt sie sich in kleinere Zwiebeln, die aber fast niemals so gute Zwiebeln und Blumen wie die seitwärts entspringende Pflanze liefern. Um schnelle Vermehrung zu erreichen, macht man durch den Wurzelstuhl einen Kreuzschnitt und pflanzt die Zwiebel sehr flach ein. Den Samen sät man nur, um neue Varietäten zu gewinnen, die meist erst im 5. oder 6. Jahr blühen. Zum Treiben pflanzt man blühbare Zwiebeln früher Sorten dergestalt in Töpfe, daß die Spitze der Zwiebel etwa 2,6–4 cm unter die Oberfläche der Erde oder mit dieser in gleiche Höhe kommt, und umgibt sie mit Sand. Man füllt 13 cm weite, tiefe Töpfe mit fetter, aus Rasen, Laub, Kuhmist und Wassersand (zu gleichen Teilen) bereiteter Erde oder mit nahrhafter, lockerer Gartenerde und setzt in die Mitte jedes Topfes eine Zwiebel. Sollen sie Ende Dezember oder Anfang Januar blühen, so pflanze man sie Ende August und Anfang September; will man die Blumen später haben, so kann das Einpflanzen entweder 8–14 Tage später geschehen, oder man stellt die Töpfe später zum Treiben in die Wärme und bewahrt sie bis dahin an einem kühlen Orte. Die bepflanzten Töpfe werden an einer trocknen, sonnigen Stelle des Gartens nebeneinander eingesenkt und 8–10 cm hoch mit Erde bedeckt. Bei eintretendem Froste deckt man hinreichend Laub u. dgl. darüber, um zu jeder Zeit die Töpfe herausnehmen zu können. Im November und Dezember kann man nach und nach frühe, einfach blühende Varietäten im warmen Zimmer vor den Fenstern auf Untersatznäpfe stellen, muß sie aber hinreichend feucht erhalten. Die in Töpfen abgetriebenen Zwiebeln pflanzt man im Oktober in den Garten und schützt sie durch eine Laub- oder Mistdecke vor Frost. Man kann die Töpfe bis zur Zeit des Treibens auch in einem frostfreien Zimmer oder Keller aufbewahren, wo man sie aber nur sehr mäßig, so oft die Erde trocken ist, begießen darf. Einfach blühende Hyazinthen treibt man auch auf oben etwas eingeschnürten, mit Wasser gefüllten Gläsern, die man nach Entwickelung der Wurzeln an sonnige Fenster stellt und alle 3–4 Tage mit frischem Wasser füllt. Vgl. Hyazinthenkrankheit. – Die Hyazinthe kam in der zweiten Hälfte des 16. Jahrh. von Bagdad nach Aleppo und wurde 1596 schon in England kultiviert. Ihre Ausbildung erhielt sie in Holland, wo im 18. Jahrh. Haarlem einen Weltruf in dieser Kultur genoß. Gegenwärtig wird die Hyazinthe auch bei Berlin im großen gebaut, doch liefert Holland noch immer die zahlreichsten und schönsten Sorten. H. praecox Jord. (römische, Pariser Hyazinthe), mit kleinern und spärlichern Blüten, wird besonders in Frankreich und Italien kultiviert und wegen der frühen Blütezeit auch zur Frühtreiberei im November und Dezember benutzt. H. candicans, s. Galtonia. Vgl. Rietzschel, Die Hyazinthen, ihre Kultur etc. (Leipz. 1879).


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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