Holzwolle


Holzwolle

Holzwolle, Holzschliff (s. Holzstoff), der als Surrogat der Scherflocken zur Herstellung der Samttapeten dient; besonders das aus langen dünnen Fäden bestehende, entsprechend seiner vielseitigen Verwendung in 6–8 verschiedenen Dicken von 0,06–0,5 mm auf Holzwollmaschinen erzeugte Material. Zu den leistungsfähigsten Maschinen zur Erzeugung der H. gehört die vierfach wirkende Holzwollmaschine (s. Abbildung) von Anthon u. Söhne in Flensburg. Das Werkzeug derselben ist ein aufrechter Schlitten A, der zwischen genügender Führung vermittelst der Schubstange B von der zugleich als Schwungrad dienenden Kurbelscheibe C etwa 160 mal in der Minute hin und her bewegt wird. An beiden Seiten dieses Schlittens befinden sich zwei Reihen m, m lanzettförmiger Messer (Ritzer) zum Einritzen des Holzes und daneben zwei Hobelmesser zum Abnehmen der Späne so gestellt, daß die Maschine beim Vor- und Rückgang, also an vier Stellen, Späne bildet, die unter die Maschine fallen. An jeder Seite des Schlittens gelangen zwei Holzstücke D, D zur Verarbeitung, die von gezahnten Walzen a, a, a, a vorgeschoben werden, die mit ihren Zähnen in die Stirnflächen der Holzstücke eingreifen und ruckweise, von den Schnecken i, i, i, i getrieben, Drehung erhalten. Die Einstellung derselben nach der Holzlänge (350–500 mm) erfolgt durch wagerechte Schrauben mit den Handrädern h, h, h, h. Die Vorbereitung des Holzes besteht im Zuschneiden auf Länge mittels Kreissägen, Entrinden und Ausbohren der großen Äste. Zum Verpacken werden die Späne in einfachen Schraubenpressen zu Ballen zusammengepreßt. Nebst der allseitig bekannten Verwendung der H. als Packmaterial, wobei ganz seine Wolle vielfach mit Anilinfarben gefärbt wird, sowie für chirurgische, hygienische Zwecke (zum Frottieren, zu Bandagen, Scharpie etc.), für Filter, als Streu, zur Füllung von Matratzen etc., dient sie neuerdings besonders auch zur Anfertigung von Seilen als Ersatz der Stroh- und Heuseile.

Holzwollmaschine.
Holzwollmaschine.

Feine H. soll sich ohne Bindemittel nur durch starken Druck in Formen zu einer festen Masse zusammenpressen lassen. Mit Wasserglas durchtränkt, gibt H. künstliche Holzplatten von großer Festigkeit und Gleichförmigkeit, wenn man die Masse trocknet, dann in Gipsmilch legt und hierauf scharf preßt. Die H. vermag viel Jauche auszusaugen, gibt dabei den Tieren ein weiches Lager und führt dem Boden humusbildende Substanzen zu. 100 Teile grobe H. nehmen 170, seine H. 223 Teile Wasser auf (zerschnittenes Roggenstroh 400, Torfstreu 600–750). Eine Kuh bedarf täglich als Einstreue 2 kg, ein Pferd 3 kg H. Bei letzterm ist mit der Verwendung von H. der Vorteil verbunden, daß sie nicht, wie das Stroh, gefressen wird. Als schlechter Wärmeleiter hält sie auch Hühner ungemein warm, wenn man den Boden des hölzernen Hühnerstalles mindestens fußhoch mit grober H. belegt.


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.