Harburg

Harburg

Harburg, 1) Stadt (Stadtkreis) im preuß. Regbez. Lüneburg, an der Süderelbe (s. Karte »Umgebung von Hamburg«), am Rande der Marsch und am Ostabfall eines sich hier erhebenden, bis 148 m hohen Landrückens, 3,55–35 m ü. M., hat 2 evangelische und eine kath. Kirche, Synagoge, ein ehemals befestigtes Schloß und (1900) mit der Garnison (1 Pionierbataillon Nr. 9) 49,153 Einwohner, davon 3619 Katholiken und 314 Juden.

Wappen von Harburg.
Wappen von Harburg.

Die Industrie ist bedeutend. H. hat mehrere Eisengießereien, Maschinenfabriken und Kesselschmiedereien, Dampfbootbau, bedeutende Palmkernöl-, Gummi- und Guttaperchawarenfabrikation, chemische Fabriken, Schwefel- und Petroleumraffinerie, Fabrikation von Öl, Salpeter, Glas, Mineralwasser, künstlichem Dünger, Leder, Briketts, Reis- und Stärkemehl, Piassavabesen, Bürsten, Rohrstöcken und Fischbein, Jutespinnerei und -Weberei, ein Dampfschmirgelwerk, Mühlenbetrieb, Dampf-Holzsägerei, Bierbrauerei etc. Der Handelsverkehr, unterstützt durch eine Handelskammer, eine Reichsbanknebenstelle, eine Filiale der Hannoverschen Bank, der Norddeutschen Bank in Hamburg etc., ist sehr lebhaft, besonders mit dem benachbarten Hamburg. Die Harburger Reederei zählte 1902: 479 Seeschiffe. Die Zahl der 1902 eingelaufenen Seeschiffe betrug 698 mit 99,637 Reg.-Ton. Raumgehalt; es gingen ab 707 Schiffe mit 100,631 Reg.-T. Auf der Süderelbe liefen in demselben Jahr ein 15,214 Schiffe mit 897,109 T. Ladung; es gingen ab 15,129 Schiffe mit 880,295 T. Ladung. Für den Eisenbahnverkehr ist H. Knotenpunkt der Staatsbahnlinien Hamburg-H. (mit großartigen Brücken über die Norder- und Süderelbe), Lehrte-H., Sagehorn-H. und H.-Kuxhaven. Den innern Verkehr unterstützt eine elektrische Straßenbahn. H. hat ein Realgymnasium nebst Realschule, ein Theater und ist Sitz eines Amtsgerichts, eines Generalsuperintendenten, des Landratsamts (für den Landkreis H.), eines Hauptzollamts und einer Oberförsterei. Die städtischen Behörden zählen 5 Magistratsmitglieder und 18 Bürgervorsteher. In der Nähe der Schwarzenberg mit großartiger Aussicht. H. war im 12. Jahrh. Grenzfestung und Besitztum des Stiftes Bremen, fiel dann an das Herzogtum Braunschweig und erhielt 1297 Stadtrechte. Es kam 1376 an das Fürstentum Lüneburg und war von 1527–1642 Sitz einer cellischen Nebenlinie, wurde aber erst 1651 wieder mit Celle vereinigt. Im Siebenjährigen Kriege wurde das Schloß von den Franzosen besetzt, aber 27. Dez. 1757 vom Herzog Ferdinand von Braunschweig durch Kapitulation gewonnen. Im April 1813 besetzte Davout die Stadt und behielt sie bis zum ersten Pariser Frieden. Vgl. Ludewig, Geschichte des Schlosses und der Stadt H. (Harb. 1845); Hoffmeyer, H. und die nächste Umgegend (das. 1885). – 2) Stadt im bayr. Regbez. Schwaben, Bezirksamt Donauwörth, in hübscher Lage an der Wörnitz, die hier den Jura durchbricht, und an der Staatsbahnlinie Pleinfeld-Buchloe, hat 2 evangelische und eine kath. Kirche, Synagoge, ein altes, malerisch gelegenes Schloß mit Kirche, einen Monumentalbrunnen, Fabrikation von Dachplatten, Zement- und Tonröhren, Stein- und Kalkwerke und (1900) 1288 meist evang. Einwohner. H. war noch 1250 Reichsstadt und ist seit 1334 im Besitz der Fürsten von Öttingen-Wallerstein. Vgl. Unkauf, H. im Ries (Geschichte, Nördling. 1900).


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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