Hain [2]


Hain [2]

Hain, gehegtes Gehölz mäßigen Umfanges; heiliger H. (lat. lucus, auch nemus), ein dem religiösen Kult geweihtes Gehölz, wie sie fast in allen alten Religionskulten vorkommen und sich dem uralten Baumkultus (s. d.) anschließen. Schon Abraham baute dem Jehova einen Altar in dem Eichenhain Mamre bei Hebron; die Propheten aber rügen wiederholt den Götzendienst in Hainen, da das mosaische Gesetz den Jehovadienst ausschließlich in die Stiftshütte und später in den Tempel wies. Bei Griechen und Römern schuf man um die Tempel der Götter eingezäunte Haine durch Anpflanzungen von nicht fruchttragenden Bäumen. Entweihung und Beschädigung wurden mit schweren Strafen geahndet. Der nicht umfriedigte Raum war der Benutzung nicht entzogen, konnte daher auch mit fruchttragenden Bäumen bepflanzt sein; nur kam deren Ertrag dem Heiligtum zugute und wurde für Bedürfnisse des Kultus verwendet (so der der Feigenbäume der Athene). Die berühmtesten heiligen Haine der Griechen waren die Altis zu Olympia, der Eumenidenhain bei dem attischen Demos Kolonos, der H. der Artemis zu Ephesos, in Italien der H. der Diana und Egeria am Nemisee, der der Furien bei Rom, der Musenhain in Latium; aber auch in Rom selbst gab es mehrere heilige Haine, z. B. am Aventinus. Wälder und Haine im allgemeinen waren bei den Römern der Obhut des Silvanus (s. d.) anvertraut. Ähnlich tritt die Verehrung heiliger Bäume und Haine bei den übrigen Völkern Europas, namentlich auch bei den alten Germanen und Kelten, auf; zahlreiche Konzilbeschlüsse bemühten sich, sie auszurotten. Dieser heiligen Haine gedenken schon Tacitus und Lucanus, der (»Pharsalia«, III, 399 bis 425) die Schilderung eines solchen gab. Arminius ordnete seine Scharen in einem solchen H., und auch Civilis versammelte dort seine Bataver zu Schmaus und Beratung. Wer in einen heiligen H. floh oder den Schatten eines heiligen Baumes erreichte, war der Strafe entronnen. Bei der Ausbreitung des Christentums wurden oft an der Stätte derartiger heiliger Bäume christliche Kultusstätten errichtet, wie es namentlich noch in Süddeutschland in den an den Marienkult sich knüpfenden Legenden hervortritt. Vgl. Schwartz, Indogermanischer Volksglaube (Berl. 1885); Peez, Haine und Heiligtümer (Wien 1899), und Literatur bei »Baumkultus«. – H. ist auch Bezeichnung der den Logen der Freimaurer entsprechenden Vereinigungen des Druidenordens (s. d.).


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.