Haimonskinder


Haimonskinder

Haimonskinder, die vier Söhne des Grafen Haimon (Aymon) von Dordogne: Adelhart (Alard), Ritsart (Richard), Witsard (Guichard) und Reinold (Renaut) von Montalban (Montauban), die Haupthelden (namentlich der letztgenannte mit seinem Roß Bayard) einer zum karolingischen Sagenkreis gehörigen Sage, die deren Kämpfe mit ihrem Lehnsherrn Karl d. Gr. zum Gegenstand hat und wahrscheinlich französischen Ursprungs ist. Die ihr zugrunde liegenden historischen Begebenheiten hat Longnon in den Kämpfen Eudos von Wasconien mit Karl Martell aufgezeigt. Seit dem 13. Jahrh. wird Reinhold in Dortmund auch als Heiliger verehrt. Die erste dichterische Bearbeitung der Sage ist ein französisches Gedicht aus dem 12. Jahrh.: »Renaus de Montauban«, von Michelant (Stuttg., Liter. Verein 1862) herausgegeben. Später wurde das Gedicht in Prosa aufgelöst, und so entstand der Roman »Les quatre fils Aymon« (Lyon 1495 u. ö.; neue Bearbeitung von Marcilly in Prachtausgabe, Par. 1883), von dem eine deutsche Bearbeitung u. d. T.: »Eyn schön lustig Geschicht, wie Keyser Carle der groß vier gebrüder, Hertzog Aymont von Dordons Süne, 16 jarlangk bekrieget« (Simmern 1535, 164 Bl.) erschien; eine andre wurde von A. Bachmann (Stuttg., Literarischer Verein 1895) herausgegeben. Dagegen ist das bekanntere deutsche Volksbuch: »Ein schöne und lüstige Histori von den vier Heymonskindern etc.«, das 1604 in Köln erschien (neue Ausgabe von Pfaff, Freiburg 1887), aus dem Niederländischen hervorgegangen: es ist zum großen Teil eine Bearbeitung der in den Niederlanden noch gangbaren »Historie van den vier Heems-Kindern« (Antwerp. 1619) und hat Paul van der Aelst zum Verfasser. Diese ist die Auflösung einer niederländischen, auf französischer Vorlage beruhenden Dichtung, deren Bruchstücke Hoffmann 1837, dann auch Matthes (Groning. 1872) herausgegeben hat. Eine unmittelbare, im 15. Jahrh. entstandene Übertragung dieses Gedichts ist das von Pfaff herausgegebene Gedicht »Reinold von Montelban« (Stuttg., Literarischer Verein 1885). Deutsche Nachdichtungen des Volksbuches lieferten L. Tieck in »Peter Leberechts Volksmärchen« (Berl. 1797, Bd. 1) und L. Bechstein: »Die H.«, Gedicht (Leipz. 1830). Auch in den »Deutschen Volksbüchern« von Simrock (Heft 9) und von Marbach (Heft 9) ist die Geschichte enthalten.


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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  • Haimonskinder — Haimonskinder. Der Sage nach die Söhne Haimon s, des Herzogs von Dordogne, mit Namen Adelhart, Ritsart, Weitsart und Reinhold. Der Letztere erschlug einen Pair Karl s des Großen mit einem Schachbrete, weil er mit ihm während des Spiels in Streit… …   Damen Conversations Lexikon

  • Haimonskinder — Haimonskinder, nach dem gleichnamigen Gedicht von unbekanntem Verfasser, der vor der Mitte des 12. Jahrh. gelebt haben muß, u. nach der Sage die 4 Söhne des Herzogs Haimon (Aymont) Dordon (Dordogne): Adelhart (Alard), Ritsart (Richard), Writsart… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Haimonskinder — Haimonskinder, die vier söhne Haimons oder Aymons, Grafen von Dordogne, die Haupthelden eines dem Karolingischen Sagenkreise angehörenden Epos von Rainold von Montalban (12. Jahrh.; deutsch 1886), das später in Prosa bearbeitet und zum Volksbuche …   Kleines Konversations-Lexikon

  • Haimonskinder — Die Heymonskinder auf Bayard, Schlussstein in der Vierung der nach dem ältesten Sohn Reinhold benannten Reinoldikirche in Dortmund Die Haimonskinder (auch: Heymonskinder) sind die vier Söhne des Grafen Haimon (Aymon) von Dordogne (Dendermonde)… …   Deutsch Wikipedia

  • Haimonskinder — Hai|mons|kin|der 〈Pl.〉 1. die vier Kinder des Grafen Haimon (Aymon) von der Dordogne in einer Sage aus der Karolingerzeit 2. 〈fig.〉 treue Geschwister, treue Freunde * * * Haimonskinder,   Sagenzyklus um Karl den Großen und seinen Gegner Reinold… …   Universal-Lexikon

  • Haimonskinder — Hai|mons|kin|der Plural (Helden des karolingischen Sagenkreises) …   Die deutsche Rechtschreibung

  • Haimonskinder, die 4 — Haimonskinder, die 4, heißt der Titel eines allbekannten Volksbuches, weil die 4 Haupthelden desselben die Söhne des Grafen Haymon von Dordogne sind. Der Stoff gehört der Karlssage an u. behandelt die weltliche Seite derselben, nämlich den Kampf… …   Herders Conversations-Lexikon

  • Heinz Klein-Arendt — Sitzendes Mädchen, 1968, Kleinplastik aus Bronze, Privatbesitz Heinrich „Heinz“ Klein Arendt (* 23. Juni 1916 in Köln; † 15. Juli 2005 in Bergheim Oberaußem) war ein deutscher Bildhauer. Neben seinen Kleinplastiken wurde er vor allem in den 1950 …   Deutsch Wikipedia

  • BLVS — Die Bibliothek des Litterarischen Vereins in Stuttgart (kurz BLVS oder BLV, seltener StLV) ist eine Buchreihe mit Ausgaben hauptsächlich deutscher Literatur des Mittelalters und der Frühen Neuzeit, die 1842 begründet wurde und bis heute in… …   Deutsch Wikipedia

  • Bibliothek des Literarischen Vereins in Stuttgart — Die Bibliothek des Litterarischen Vereins in Stuttgart (kurz BLVS oder BLV, seltener StLV) ist eine Buchreihe mit Ausgaben hauptsächlich deutscher Literatur des Mittelalters und der Frühen Neuzeit, die 1842 begründet wurde und bis heute in… …   Deutsch Wikipedia


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