Greuze


Greuze

Greuze (spr. grös'), Jean Baptiste, franz. Maler, geb. 21. Aug. 1725 in Tournus bei Mâcon, gest. 21. März 1805 in Paris, erhielt den ersten Unterricht von dem Lyoner Maler Gromdon und bildete sich dann auf der Pariser Akademie nach dem Modell. Sein erstes größeres Bild, ein Familienvater, seinen Kindern die Bibel auslegend, fand lebhaften Beifall. 1755 begab er sich nach Rom, ohne jedoch durch diese Reise seine auf andre Ziele gerichtete Kunst zu fordern. Erst auf Andringen der Akademie, die ihn als »aggrégé« angenommen hatte und auf seine Probearbeit wartete, trat er 1769 mit einem historischen Genrebild an die Öffentlichkeit: der Kaiser Severus, seinen Sohn Caracalla wegen des in den Engpässen Schottlands gegen ihn beabsichtigten Attentats zur Rechenschaft ziehend (im Louvre), welches Bild ihm die Mitgliedschaft der Akademie erwarb. Durch dse Revolution um sein Vermögen gekommen, starb G. in dürftigen Verhältnissen. Die Motive zu seinen besten Bildern sind dem häuslichen Leben der mittlern und untern Klassen der französischen Gesellschaft entnommen, und obwohl er bei diesen Darstellungen die von Diderot für die Bühne aufgestellten Normen befolgte, zeigt er sich in der Charakteristik durchaus selbständig. G. darf als einer der Bahnbrecher der realistischen Genremalerei gelten. Am beliebtesten sind seine Darstellungen junger Mädchen, deren liebenswürdig-naive, wenn auch etwas kokette Haltung einen großen Reiz übt. Im Louvre befinden sich außerdem: die Dorfbraut, des Vaters Fluch und das Gegenstück dazu: der reuevoll zurückkehrende Sohn, der zerbrochene Krug, das Milchmädchen und eine Anzahl Bildnisse, darunter sein Selbstbildnis. Im Museum zu Montpellier befinden sich: Morgengebet, der Königskuchen, der kleine Mathematiker u. a. Das Berliner Museum besitzt eins der anziehendsten Bilder des Künstlers: ein kleines Mädchen mit einem schwarzen Tuch um die Schultern, die Eremitage zu Petersburg ein andres, nicht weniger treffliches: ein gichtbrüchiger Alter, die Dresdener Galerie den aus der Bibel vorlesenden Hausvater. Vgl. Normand, Jean Bapt. G. (Par. 1892).


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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  • GREUZE (J.-B.) — Vouée à l’Éros larmoyant ou à la scénographie des vertus familiales, l’œuvre de Greuze est marquée par la liaison qu’il a nouée entre moyens picturaux, superbement dominés, et thématisation littéraire. Son œuvre révèle les goûts explicités et les …   Encyclopédie Universelle

  • Greuze —   [grøːz], Jean Baptiste, französischer Maler, * Tournus 21. 8. 1725, ✝ Paris 21. 3. 1805; übersiedelte 1750 nach Paris, wo er Schüler von C. J. Natoire wurde. Von der neuen literarischen Mode der Rührdichtung angeregt, malte Greuze beschauliche …   Universal-Lexikon

  • Greuze — (spr Grohs), Jean Baptiste, geb. 1728 in Tonneins; französischer Genremaler, der die Sitten u. Zustände seiner Zeit, das Haus u. Familienleben mit Geschmack u. Treue schilderte; er st. 1805 in Paris. Seine zahlreichen Werke sind fast alle… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Greuze — (spr. gröhs ), Jean Baptiste, franz. Genremaler, geb. 21. Aug. 1725 in Tournus, gest. 21. März 1805 in Paris; malte Vorgänge aus dem bürgerlichen Mittelstand: Verlobung auf dem Dorfe, Fluch des Vaters, ferner naive Mädchenfiguren (Der zerbrochene …   Kleines Konversations-Lexikon

  • Greuze — Greuze, Jean Baptiste …   Enciclopedia Universal

  • Greuze — (Jean Baptiste) (1725 1805) peintre français: scènes moralisantes (le Fils puni), portraits …   Encyclopédie Universelle

  • Greuze — [grëz] Jean Baptiste [zhän bȧ tēst′] 1725 1805; Fr. painter …   English World dictionary

  • Greuze — Der zerbrochene Krug, Oval Jean Baptiste Greuze (* 21. August 1725 in Tournus (Saône et Seine); † 21. März 1805 in Paris) war ein französischer Maler. Inhaltsverzeichnis 1 …   Deutsch Wikipedia

  • Greuze — Jean Baptiste Greuze Jean Baptiste Greuze Autoportrait (musée du Louvre) Naissance 21 août 1725 Tournus Décès …   Wikipédia en Français

  • Greuze — biographical name Jean Baptiste 1725 1805 French painter …   New Collegiate Dictionary