Gaēta [2]


Gaēta [2]

Gaēta, Kreishauptstadt in der ital. Provinz Caserta, am gleichnamigen Golf des Tyrrhenischen Meeres und an der Eisenbahnlinie Sparanise-G., auf einer felsigen Halbinsel reizend gelegen, durch einen Wall mit Bastionen, Außenwerken und Batterien sowie durch zwei neue Forts stark befestigt, hat ein hochgelegenes Kastell aus der Zeit der Anjous, jetzt Zuchthaus, mit den Grabmälern des Konnetabel Karl von Bourbon (gest. 1527) und des Prinzen Ludwig von Hessen-Philippsthal, des Verteidigers von G. gegen die Franzosen (1806), den »Turm der Dogen«, das »Haus« des Königs Ladislaus, eine Kathedrale (St. Erasmus, von 1106) mit einem Turm (860–1290), einen Hafen, in den 1900: 260 Schiffe von 6846 Ton. Gehalt eingelaufen sind, und (1901) ca. 5000 (als Gemeinde 15,528) Einw., die Seilerei, Fischerei, Küstenschiffahrt und Handel betreiben. G. ist Sitz eines Erzbischofs, hat ein Seminar, ein nautisches Institut und in der Umgebung schöne Villen und Orangengärten. 2 km südwestlich von G., auf dem Monte Corvo, erhebt sich die Torre d'Orlando (Rolandsturm), ein Rundbau, laut Inschrift Grabmal des L. Munatius Plancus, mit Prachtblick auf den Golf. 7 km östlich von G. liegt Formia (s.d.), früher Mola di G.-G., eine der ältesten Städte Italiens, erhielt nach der Sage (vgl. Vergil, Än. VII, 1) von Cajeta, der hier begrabenen Amme des Äneas, den Namen Caieta. Die Stadt war wegen ihres guten Hafens sehr besucht und im Sommer ein beliebter Aufenthaltsort vornehmer Römer. Nach dem Untergang des weströmischen und gotischen Reiches verblieb G. den Byzantinern und bildete später ein eignes, nur dem Namen nach von Byzanz abhängiges Herzogtum, das erst König Roger II. von Sizilien nach 1134 seinem Reich ein verleibte. Im 15. Jahrh. wurde die Stadt stärker befestigt. Am 30. Sept. 1707 wurde G. von den Österreichern unter Dann nach dreimonatiger Belagerung erstürmt, 6. Aug. 1734 nach viermonatiger Gegenwehr von den Truppen Frankreichs, Spaniens und Sardiniens unter Anführung des nachmaligen Königs Karl von Neapel genommen. Seitdem noch mehr befestigt, wurde es im Mai 1799 von den Franzosen besetzt, aber schon 5. Juli wieder an den König von Neapel übergeben. 1806 belagerten es die Franzosen unter Masséna, und es mußte, nachdem sein heldenmütiger Verteidiger, der Prinz Ludwig von Hessen-Philippsthal (s. oben), gefährlich verwundet war, 18. Juli kapitulieren. 1815 wurde die Festung drei Monate lang von den Österreichern belagert und kapitulierte 8. Aug. Im November 1848 flüchtigte Papst Pius IX. nach G. und residierte hier bis zum 4. Sept. 1849. Als Garibaldi 7. Sept. 1860 Neapel in Besitz genommen hatte, zog sich König Franz II. mit den ihm treu gebliebenen 40,000 Mann hinter die Linie des Volturno zurück und wurde mit ca. 12,000 Mann in die Festung G. eingeschlossen. Nachdem durch den Abzug der französischen Flotte die Beschießung auch von der Seeseite möglich geworden war, wurde G. nach tapferm Widerstand, bei dem sich die Königin Marie hervortat, 13. Febr. 1861 zur Kapitulation gezwungen. Vgl. C. Ravizza, Il golfo di G. (Novara 1876).


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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