Altertumsforschende Vereine


Altertumsforschende Vereine

Altertumsforschende Vereine, Vereine, die sich die wissenschaftliche Erforschung des Altertums eines Landes oder eines Landesteils, vielfach auch die Sammlung und Erhaltung der einzelnen Altertümer zur Aufgabe gestellt haben. Die ältesten altertumsforschenden Vereine finden wir in England. Die Londoner Society of Antiquaries wurde bereits 1572 von Parker und Cotton gestiftet, 1604 von Jakob I. aufgelöst, aber 1707 von neuem ins Leben gerufen; 1751 wurde sie von Georg II. als öffentliche Gesellschaft anerkannt. In Schottland wurde 1780 die Scottish Society ot Antiquaries und in Irland 1786 die Royal Irish Academy gegründet. Gegenwärtig finden sich dergleichen Vereine in allen größern Städten Englands, ebenso Frankreichs. Bedeutendes leisteten hier besonders die Pariser Société des Antiquaires de France, die sich 1814 aus der 1805 gegründeten Académie celtique bildete, die Société de l'histoire de France und die Commission des monuments historiques. In Österreich ist die Altertumsforschung staatlich organisiert durch die Errichtung der k. k. Zentralkommission zur Erhaltung und Erforschung der Kunst- und historischen Denkmale in der österreichischen Monarchie zu Wien, die in allen Teilen des Reiches Korrespondenten hat. Auch gibt es hier, abgesehen von dem Altertumsverein in Wien, zahlreiche vaterländische Vereinsmuseen, namentlich das Johanneum in Graz (gestiftet 1810), das Vaterländische Museum in Prag (1816), das Ferdinandeum in Innsbruck (1823), das Francisceum in Brünn. Hervorragende Bedeutung erlangten für Deutschland das römisch-germanische Zentralmuseum in Mainz, gegründet 1851, und das Germanische Nationalmuseum (s. d.) in Nürnberg, begründet 1852, neben denen zahlreiche Provinzial- und Lokalmuseen bestehen. Neuerdings ist, nachdem die Erforschung des römischen Limes (s. d.) von Staats wegen in Angriff genommen war, für die Altertumskunde der römisch-germanischen Zeit eine eigne Kommission des kaiserlichen Archäologischen Instituts eingesetzt worden. Die zahlreichen lokalen und provinzialen Vereine, die hier bestehen, haben sich zumeist nicht nur die Altertumsforschung, sondern überhaupt die Förderung der lokalgeschichtlichen Studien zur Aufgabe gestellt (s. Historische Vereine). Für die Erhaltung der Altertümer sorgt auch die staatliche und provinzielle Denkmalpflege (s. d.). In der Schweiz besteht neben dem eidgenössischen Museum in Zürich ein Verband Schweizerischer Altertumsmuseen; gemeinsames Organ ist der angesehene Anzeiger für schweizerische Altertumskunde; unter den Vereinen sind die von Zürich und Bern die bedeutendsten. Auch in allen andern Ländern Europas und Amerikas gibt es A. V. In den Vereinigten Staaten ist hochgeachtet das mit der Smithsonian Institution in Washington verbundene Bureau of American Ethnology, dessen seit 1881 erscheinende, von J. W. Powell herausgegebene Jahresberichte die wichtigste Quelle für die amerikanische Altertumsforschung bilden.


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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  • Altertumsforschende Vereine — Geschichtsvereine, die bei gleicher oder ähnlicher Zielsetzung auch als Historische Vereine oder Historische Gesellschaften firmieren, dienen dem Zweck, die Heimat , Regional oder Landesgeschichte zu erschließen und durch Veröffentlichungen,… …   Deutsch Wikipedia

  • Historische Vereine — sind Gesellschaften und Institute, deren Bestrebungen vornehmlich auf die historischen Wissenschaften gerichtet sind. In Deutschland datiert die Entstehung der meisten historischen Vereine aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, nachdem die… …   Meyers Großes Konversations-Lexikon