Fezzan


Fezzan

Fezzan (Fessân), ein zu Tripolis gehörendes Kaimakamat, am Nordrande der Sahara (s. Karte »Algerien etc.«), erstreckt sich von Bu Ndscheim (301/2° nördl. Br.) etwa 1180 km weit nach S. bis zum Tümmo- oder Wargebirge (840 m) unter 25°5' nördl. Br.; die größte Breite mag gegen 500 km, das Gesamtareal 350,000 qkm betragen. Das Land bildet eine wüste Hochfläche, 300–500 m ü. M., über die nackte Bergzüge, z. B. Dschebel es Soda (Schwarze Berge), Dschebel Schergija im N., die Alakuskette im SW., emporragen; den Südwesten erfüllen die steinige Hamâda von Mursuk und die Sanddünen von Edeyen. Die Berge bestehen aus Sandstein, der auf Kalkstein gelagert ist, und werden durch öde, enge Täler getrennt. Im N. treten Kreideschichten, nahezu horizontal gelagert, zutage; sie erstrecken sich bis zum Südrande der großen Hamada el Homra und noch weit über die Schwarzen Berge südlich von Sokna, wo sie von jüngern Eruptivgesteinen (Basalten, Phonolithen, Trachyten) durchbrochen sind, hinaus. Unter den Kreideschichten treten weiter im S. schwarze devonische Sandsteine hervor, die mehrfach, zumal bei Mursuk, versteinerungführende Kalksteine und Ton mit Steinsalz einschließen. Auch Ablagerungen mit charakteristischen Steinkohlenpflanzen sind aus dem Amsakgebirge zwischen Mursuk und Ghat durch Overweg bekannt geworden. Durch Verwitterung der sandigen Gesteine entsteht der Wüstensand, der, vom Winde zusammengetrieben, die Dünen in den trocknen, heißen Hamâdas bildet (s. Sahara). Fließende Gewässer fehlen durchaus, die großen Wadis (el Scherki, el Schati) sind breite Täler, in denen Wasser durch Nachgraben in geringer Tiefe zu erlangen ist, und die, wie einzelne Oasen, den allein bewohnbaren Teil des Landes ausmachen. Das Klima ist warm, aber gesund; die Mitteltemperatur beträgt 21° (Extreme -5° und 45°). Regen sind selten; zur Bewässerung der Felder dienen Brunnen von geringer Tiefe. Unter den wild wachsenden Pflanzen sind ein Tamarixstrauch und eine stachlige Papilionazee, von wilden Tieren Hyäne, Schakal, Wüstenfuchs, Gazelle, Mähnenschaf, Strauß erwähnenswert. Die Bevölkerung wird auf nur 50,000 geschätzt, davon 30,000 Seßhafte in 90 Ortschaften. Es sind Mischlinge der umwohnenden Tibbu-, Bornu-, Tuareg-, Berber- und Arabervölker. Die im N. nomadisierenden Riah, Hotmân und Megârha sind Araber. Herrschende Religion ist der Islam. Man spricht Kanuri (Bornusprache), dann Arabisch und die Sprachen der Tuareg und Tibbu. In den Oasen wird etwas Weizen, Gerste, Durra, Hirse, Melonen, Gurken, Tabak, Baumwolle, Ölbäume, Feigen, Mandeln gebaut; Hauptnahrungsquelle ist die Dattelpalme, von der man bei Mursuk 37 Arten hat. Rinder zieht man fast nur im Wadi el Schati, Ziegen und Kamele aber überall, sehr geschätzt ist das Fettschwanzschaf; im S. wird das behaarte Schaf des Sudan gehalten, Esel und Pferde sind selten. Außer Tauben und Hühnern dient als Nahrung der in den Natronseen gezüchtete Fezzanwurm. Der Gewerbefleiß beschränkt sich auf die Erzeugung grober Woll- und Baumwollengewebe und von Matten aus Palmenblättern. Der Handel ist mit dem Nachlassen des einst blühenden Sklavenhandels sehr zurückgegangen. F. ist eingeteilt in sieben Mudiriehs; zum Einkommen des Staates trägt es jährlich 800,000 Piaster (150,000 Mk.) bei; Hauptstadt ist Mursuk (s.d.). – F. ist das alte Phazania, das Land der Garamanten, über dessen Bevölkerung und Städte der Triumph des Prokonsuls L. Cornelius Balbus 19 v. Chr. eine lange Liste gibt. Schon Herodot (450 v. Chr.) erwähnt die berühmte alte Stadt Garama (Dscherma); noch zur Zeit der Eroberung der Araber bestand sie, während heute nur einige Ruinen aus der Römerzeit vorhanden sind. Im Ostteil der Natronseen befinden sich ebenfalls einige Ruinen und 50 kleine Pyramidengräber. Das Christentum nahmen die Garamanten 567 an; doch Ende des 7. Jahrh. wurde das Land von den Arabern erobert und der Islam eingeführt. Es herrschten hier nun eigne Fürsten unter der Oberherrschaft der aufeinander folgenden Aghlabiden, Fatimiden, Ejjubiden, bis 1811 Bei Mohammed el Mukni sich des Landes im Namen des Paschas von Tripolis bemächtigte. Eine interessante Episode in der neuern Geschichte Fezzans bildet das heldenmütige Auftreten Abd el-Dschelis, der 1837–42 eine unabhängige Herrschaft über F. ausübte, aber schließlich von dem türkischen Feldherrn Askar Ali durch Verrat überwältigt ward. Über die Forschungsreisen in F. s. Afrika, S. 148. Vgl. Hornemann, Tagebuch einer Reise von Kairo nach Mursuk (Weimar 1802); Nachtigal, Sahara und Sudân, Bd. 1 (Berl. 1879).


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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