Englische Literatur


Englische Literatur

Englische Literatur. Macaulay sagt mit Recht, daß von allem, worauf England stolz sein kann, seine Literatur das Glänzendste u. Dauerhafteste ist. Überall klingt, wie in der Sprache, der germanische Grundton durch, nacheinander verbunden mit christlichem Ernst, mit französischer Fabelfülle und Eleganz, mit dem Adel der italienischen Frührenaissance und der Klassiker, endlich mit kosmopolitischer Vielseitigkeit. Für lange Perioden gewannen die fremden Elemente die Oberherrschaft; so im 13., im 15. und 17. Jahrh. Dann aber quoll die angestammte Art um so mächtiger wieder hervor und spiegelte das nationale Leben mit einem verfeinerten Realismus und einem gesunden Humor.

Die Periodisierung wird in erster Linie durch die Geschicke der Schriftsprache bedingt, die sich zuerst bei den Westsachsen entwickelte (altenglische Zeit), durch die normannische Eroberung entwurzelt wurde und dann an der Themse, besonders in London, sich neu herausbildete (mittelenglische Zeit), um endlich mit Hilfe der Buchdruckerkunst (seit 1477) souverän und kunstreich zu werden (neuenglische Zeit).

I. Die altenglische Periode (7.–11. Jahrh.)

Die altenglische Periode, auch die angelsächsische genannt, ist unter diesem Stichwort im 1. Bande, S. 516 ff., behandelt. Hier sei nur betont, daß zunächst Mythe und Sage der Poesie den Stoff spendeten. Beide flossen zusammen im Epos »Beowulf« (s. d.). Auch reine Sagen, namentlich die von Walter und Hildegunde, fanden dichterische Verwertung. Christliche Legenden und Helden wurden bald an Stelle solch »eitler« Stoffe dargestellt, wenn auch mehr mit der Feder als zu der Harfe. Das erste Beispiel, von dem wir wissen, ist Kädmons (s. d.) Hymnus von der Schöpfung, um 670. Poetische Kapitel der Bibel sowie Legenden wurden jetzt vielfach in den Stil und das Metrum der heidnischen Rhapsodien umgegossen. Gelehrsamkeit kam dann in die altenglische Literatur durch König Alfred (s. d. 1). Er ist als der Schöpfer der englischen Prosa zu bezeichnen. Nach seinem Tode riß die Theologie die Herrschaft an sich, die Dichtung erhielt einen mönchischen Charakter, Geistliche wie Aelfric (s. d.) wurden die Hauptschriftsteller. Doch ist die Art des altgermanischen Epos bis zu Ende dieser Periode nicht ausgestorben; sie feierte sogar in Dichtungen über die »Schlacht bei Brunanburh« (937), »Byrhtnoths Tod« (991) u.a. eine neue, obwohl etwas künstliche Auferstehung.

II. Die mittelenglische Periode (12.–15. Jahrh.)

Mit dem Lied von Roland waren die Normannen in die Schlacht gezogen, in der Harold fiel und das Sachsentum mit ihm. Germanischen Geblüts, hatten sie an den Ufern der Seine französische Sitte, Sprache und Dichtung angenommen, und langsam besannen sie sich, als Herren Englands, wieder auf ihr angestammtes Wesen; sie unterbrachen und verzögerten das literarische Wachstum der Eroberten sowie das ihrer politischen Verfassung; aber sie bereicherten die Sprache in lexikalischer Hinsicht und die Dichtkunst durch eine Fülle romanischer Stoffe und Formen. Nicht daß der nationale Sang gänzlich verstummte: in Sumpf und Wald vom Eroberer zurückgedrängt, durch harte Gesetze bedrückt, freute sich der sächsische Bauer seiner Volkshelden, die dem Fremden die Spitze boten. Gestalten wie König Alfred und der geächtete Hereward, an den sich später die des Erbes beraubten Fürstenkinder Horn und Havelok anschlossen, durfte der englische Spielmann seinem Publikum immer wieder vorführen und des Beifalls sicher sein. Herrschend aber war die Poesie des Herrschers. Die altfranzösische Dichtung fand glänzende Vertreter auf britischem Boden: allen voran steht der Oxforder Text des »Chanson de Roland«. Gern hörte die höfische Gesellschaft die Lais, Dits und Fabliaux des Jongleurs; als Repräsentantin dieses Genres pflegt Marie de France zu gelten. König Richard Löwenherz war mit dem Troubadour Bertram de Born eng verbunden und dichtete selbst in französischer, vielleicht gar provenzalischer Sprache, ohne Englisch zu verstehen.

Die ersten mittelenglischen Dichtungen, die sich erhalten haben, rühren von Geistlichen der südlichen Grafschaften her. Diese standen einerseits unter lateinischen Einflüssen und waren anderseits durch die Seelsorge an das Sachsenvolk gebunden, das sich seiner alten Selbständigkeit bewußter blieb als die Angeln im Norden; von ihnen ging daher um 1170 eine neue heimische Produktion zu erbaulichen Zwecken aus, deren Hauptdenkmäler das »Poema morale« und die »Klosterregel der Einsiedlerinnen« waren. Andre geistliche Dichter lernten den normannischen Spielleuten deren Erzählungsweise ab, um der weltlichen Romantik mit biblischen und legendaren Geschichten zu begegnen. Ein Geistlicher war es auch, Layamon, der um 1200 von Artur und Merlin zuerst in der Volkssprache dichtete, indem er Waces »Brut« überarbeitete.

Hiermit war der Boden geschaffen, auf dem die höfische Fremddichtung aus einer Verdrängerin zu einer höchst anregenden Lehrmeisterin der englischen Poesie werden konnte. Seit Mitte des 13. Jahrh. wurde zuerst im Süden, bald aber auch im Norden mit regstem Wetteifer eine französisch-normannische Gattung nach der andern ins Heimische übernommen. Hervorgehoben seien zwei Romanzen von vertriebenen Königssöhnen, »Horn« und »Havelok«, und die schöne Legende von der »Himmelfahrt Mariä«. Daran schlossen sich im 14. Jahrh. die Versromane von den größten Eroberern, die man damals kannte, von »Alexander«, »Richard Cœur de Lion«, »Arthur and Merlin«, sowie eine Fülle von Erbauungsdichtungen. Von der Mitte des Landes ging das geistliche Drama aus, zuerst in Einzelspielen, unter denen die »Sprengung der Vorhölle« (»Harrowing of hell«) an Alter und stilistischer Feinheit voransteht, seit Anfang des 14. Jahrh. aber in großen Zyklen, die am Fronleichnamstag oder zu Pfingsten in den Straßen vieler Städte vom Morgen bis zum Abend ausgeführt wurden und vom Sündenfall im Paradies bis zum Jüngsten Tage reichten: eine großartige Betätigung und Schulung des dramatischen Sinnes im englischen Volk.

Um die Mitte des 14. Jahrh., als die englische Sprache in den Schulen und Gerichten siegte, die Vorboten der Reformation (Wiclif) auftraten und unter dem Anhauch der Renaissance ein Stand von gelehrten Weltleuten sich entwickelte, gewann die mittelenglische Literatur, die bisher meist eine nachahmende gewesen, auch einen starken Originalgehalt. Im alten Sachsenland sagte William Langland, ein frommer Laie, den bequemen Höflingen und Geistlichen die Fehde an in der großen Satire von »Peter dem Pflüger«. Bei Langland finden wir auch die erste Erwähnung der Robin Hood-Balladen, die dem Selbstgefühl der Freisassen gegenüber den entarteten Friedensrichtern und Prälaten frohen Ausdruck liehen. Dem westlichen Mittelland scheint ein Dichter anzugehören, der in eigentümlicher Bilderpracht und altertümlicher Redeweise eine hohe Lebensauffassung geltend machte, nach seinem Hauptwerke gewöhnlich der Gawain-Dichter genannt. Sein Epos »Sir Gawain und der grüne Ritter« handelt von dem bekannten Musterkavalier an Arturs Hofe. Das englisch redende Südschottland sing jetzt auch an, sich literarisch in hervorragender Weise zu betätigen: Huchown, d.h. wahrscheinlich Sir Hugh von Eglinton, dichtete unter anderm eine schöne Paraphrase der Susanna-Geschichte nach der Bibel, und John Barber (gest. 1395) machte den Nationalheros Robert Bruce zum Helden eines höfisch geformten, aber volkstümlich empfundenen Epos. Die bedeutendste Gestaltungs- und Denkkraft aber besaß Geoffrey Chaucer (s. d.). ein Londoner, der von ca. 1340–1400 lebte. Eine Reise nach Italien (1373) machte ihn mit den Werken von Dante, Petrarca und Boccaccio bekannt und wurde von ausschlaggebender Bedeutung für die ganze Weiterentwickelung der englischen Literatur: soviel Adel der Gedanken, Komposition und Ausdrucksweise kam jetzt aus dem klassischen Süden an die Themse. Neben ihm schrieb sein Freund John Gower (s. d.) die moralisierend höfische Geschichtensammlung »Confessio amantis«.

Das 15. Jahrh., die Zeit der Rosenkriege, war arm an Geistern ersten Ranges, brachte aber viele tüchtige Männer von mittelmäßiger Begabung hervor, die das Gewonnene erhielten und popularisierten. Chaucer hinterließ eine große Schule von sittenschildernden und allegorisierenden Dichtern, die sich, wie er, des fünffüßigen Verses bedienten, besonders den Mönch John Lydgate, der bis in die Mitte des Jahrhunderts lebte und mit gewandter Feder fromme und politische Lyrik, Epen über antike und legendare Stoffe schrieb. Viele vornehme Herren und Damen dichteten; das Volkslied blühte; gehoben von Chaucers »Canterbury-Geschichten« schossen die Schwänke ins Kraut; als Ableger der alten höfischen Romanzen erstanden, besonders im Norden, die tragischen Balladen, namentlich die von der Jagd und Schlacht auf den Cheviot-Bergen, »Chevy Chace« (s. d.). Während die geistlichen Spiele verrohten, gesellte sich in den Moralitäten eine Gattung von tieferm dramatischen Gehalt dazu, und zugleich wurde die theatralische Technik allmählich auf weltliche Auszüge. Maifeste u. dgl. ausgedehnt. Die Prosa gewann eine ungeheure Bedeutung; der Ritter Thomas Malory sammelte im »Morte d'Arthur« die glänzende Fabulistik der Gralsagen in ein Buch, das für viele Epiker der Folgezeit bis auf Tennyson eine Fundgrube wurde; William Caxton, Vertreter der englischen Kaufleute in den Niederlanden, lernte in Köln die Kunst Gutenbergs, um seine ähnliche »Sammlung der Trojanergeschichten« rascher vervielfältigen zu können, und entfaltete dann in London 1477–91 eine staunenswerte Arbeitskraft als Übersetzer, Kompilator und Buchdrucker. – Alle diese Bestrebungen wirkten auch auf Schottland hinüber. König Jakob I., ein begeisterter Schüler Chaucers (gest. 1437), dichtete ganz in dessen Art eine Huldigungsallegorie auf seine Frau. »Das Buch des Königs« (»The kinges quair«). Robert Henryson, der Schulmeister von Dunfermline, setzte das Troilus-Epos Chaucers als »Testament der Criseide« fort, schrieb die Ekloge »Robin und Makin«, in der sich die Dialogform der höfischen Lyrik ins Pastorale wendet, und erzählte Fabeln, auf die Caxtons »Äsop« nicht ohne Einfluß blieb. Die volkstümliche Richtung führte zu dem Epos des blinden Spielmanns Harry über den Freiheitskämpfer Sir William Wallace, worin der edle Patriotismus Barbers ins Leidenschaftliche und Phantastische gesteigert ist. Eine Vereinigung gelehrter und populärer Poesie aber stellte sich in William Dunbar (s. d.) ein, dem Hofdichter und Genossen Jakobs V., der das Jahrhundert mit Würde und Witz, getragenen Glückwunschversen und schalkhaften Histörchen, scharfen Satiren und zerknirschten Gebeten beschloß, so recht als ein Mann des ausgehenden Mittelalters, dem die Sinnenfreude der Renaissance schon in alle Fibern dringt, aber noch für verboten gilt.

III. Die neuenglische Periode (seit dem 16. Jahrh.)

1) Von Heinrich VIII. bis zur Restauration.

Geschwächt ging der englische Adel aus den Rosen kriegen hervor; dagegen erhob sich mit dem Haus Tudor ein starkes Königtum, in kräftiger Abwehr gegen den meuterischen Adel und mit einer klugen Fühlung für die Wünsche des Bürgerstandes, der jetzt gute Zeiten bekam. Das Studium und die Nachahmung des klassischen Altertums, das in Italien eben aus Schutt und Trümmern glänzend hervorgestiegen war, fand am Hofe Heinrichs VII. und Heinrichs VIII. viele Mäcene; Erasmus in Oxford u. Colet in London bürgerten den griechischen Unterricht ein; und doch war diese Periode der eigentlichen Renaissance dem nationalen Wesen noch nicht feindlich, knüpfte vielmehr nach Möglichkeit an das Volkstümliche an. In London spielte zunächst John Skelton (1460–1529) eine Vermittlerrolle. Er schrieb Satiren gegen Kardinal Wolsey in kurzen Knittelversen und einem geistreich-ruppigen Stil. Alexander Barclay (gest. 1552), der Übersetzer von Brants »Narrenschiff«, zeichnete sich durch Eklogen aus, nach Vergil und Mantuanus. Italienische Kunstlyrik überflutete unter Heinrich VIII. das sangeslustige England und gab zwei hochgestellten Dichtern günstiges Fahrwasser: Thomas Wyatt (1503–42), der nicht bloß Inhalt und Bilder gern von Petrarca übernahm, wie Chaucer, sondern auch die Form des Sonetts nachzuahmen begann, und Henry Howard, Graf von Surrey (1515–47), der das Sonett sorgsamer baute, seine Geraldine in leidenschaftlichen Versen besang, Vergils »Äneide« übersetzte und dabei zum erstenmal den fünffüßigen Jambus ohne Reime gebrauchte, den blank verse, der unter der Königin Elisabeth das beliebte und sehr glückliche Metrum des Dramas wurde. Seit dem Regierungsantritt Elisabeths (1559) entstand auf dem Gebiete des heroischen Epos »The mirrour for magistrates«, worin historische Persönlichkeiten selbst ihre eignen Geschicke vortragen; auf dem des Schäferromans, besonders nach Montemayors »Diana«, dichtete Sir Philipp Sidney (1554–86) die »Arcadia«, ein romantisches Idyll mit hoher, platonischer Empfindung. Aus Spanien wurde durch John Lilly in dem Erziehungsroman »Euphues« (1580) ein seltsam geistreicher Prosastil eingeführt, Euphuismus (s. d.) genannt. Während Schottland, das anfangs die Renaissancebewegung eifrig mitmachte (s. Lindsay), sich mit calvinistischem Ernste der Reformation widmete, erreichte in England, wo der religiöse Eifer durch eine ziemlich konservative Hofpolitik gezügelt wurde, die romantische Epik und Lyrik ihren Höhepunkt in Edmund Spenser (1552–99, s. d.). Poetische Üppigkeit ist sein Hauptmerkmal; Platon und Ariosto, Chaucer und Ovid hatten ihn mit symbolischer Märchenfreude genährt; seine Anmut, Mystik, sinnliche Pracht und sittliche Hoheit »make heaven drowsy with the harmony«. Als Sterne zweiten Ranges stehen neben ihm der Sonettist Samuel Daniel (1562 bis 1619), von dem Shakespeare für seine Sonette das meiste gelernt hat; der Epiker Michael Drayton (1563–1631), der Satiriker John Donne (1573–1631), der volkstümliche John Taylor, genannt der Wasserdichter (1580–1654), u. v. a.

Das englische Drama der Renaissance befreite sich zunächst von der epischen Gebundenheit der biblischen Stücke und der allegorischen Abstraktion der Moralitäten. Zwischenspiele (interludes), ähnlich unsern Fastnachtsspielen des 16. Jahrh., wurden vom Hofkapellmeister John Heywood (1506–65) geschrieben. Bischof Bale (1495–1563), ein protestantischer Eiferer, stellte die Form der biblischen Spiele in den Dienst seiner Sache und schrieb im »King John« bereits eine Art Historiendrama. All das war aber nur die Grundlage, auf der sich seit der Mitte des Jahrhunderts das regelmäßige Drama aufbaute, ein direkter Sproß der antiken, speziell der römischen Komödie und Tragödie des Plautus und Seneca. Es ging aus den Schulkreisen hervor. Die erste Komödie mit abgerundeter Fabel hieß »Ralph Royster Doyster«, war von Nicholas Udall (1506–56), dem Rektor von Eton, verfaßt und wurde von seinen Gymnasiasten gespielt; sie handelt von einem prahlerischen Eisenfresser, einem Abbild des Plautinischen Pyrgopolynikes, der einer ehrsamen Bürgersfrau nachstellt, schließlich jedoch vor ihrer Kunkel davonläuft. Die erste Tragödie, »Gorboduc« (1562), rührte von zwei jungen Juristen in einem Londoner Rechtsinstitut her, von Thomas Sackville (1527–1608) und Thomas Norton (1532–84), und dreht sich um einen Bruderzwist, ähnlich dem zwischen den Söhnen des Königs Ödipus. Immer kühner suchte man Senecas tragische und des Plautus komische Manier mit der nationalen zu verbinden, alle Geschehnisse nicht bloß zu erzählen, sondern auch vorzuführen, Ernst und Scherz zu mischen, die Charakterzeichnung über die Fabel zu setzen. Zu dieser Umwandlung des klassizistischen Dramas in ein romantisches haben namentlich beigetragen John Lilly (1553–1601, s. d.), der eine Reihe witziger höfischer Komödien schrieb; und Christopher Marlowe (1564 bis 1593, s. d.), eine Grabbe-Natur, die in der Darstellung von welt- und geisterbeherrschenden Kraftmenschen (Tamerlan, Faust, Jude von Malta) und greuelhaften Klytämnestra-Weibern eine seltene Energie der Leidenschaft offenbarte. Diese zwei, dazu Peele, Greene und Kyd (s. d.), waren die wichtigsten Vorläufer von William Shakespeare (1564–1616, s. d.), der sich um 1593 von ihrem Einfluß befreite, seit »Richard III.« und »Romeo und Julia« die überkommene Theatertechnik mit hoher Poesie verband, im Falstaff eine humoristische und im Hamlet eine tiefsinnige Weltanschauung verkörperte. Hinter all seinen Meisterwerken steht eine warme und charaktervolle Überzeugung, eine große Persönlichkeit und geniale Seelenkenntnis, wie sie von seinen Mitdramatikern keiner auch nur annähernd besaß. Das machte ihn zum höchsten Dichter germanischen Stammes. Unter seinen bühnengewandten Zeitgenossen und Nachfolgern sind besonders zu nennen: Ben Jonson (1574–1637), ein gelehrter und doch derberer Mann, der teils die häuslichen Sitten seiner Landsleute in Lustspielen schilderte, teils prächtige Maskenspiele für den Hof verfaßte; das geistreiche Zwillingsgestirn Beaumont (1586–1615) und Fletcher (1576–1625); Ph. Massinger (1584–1640), dessen Lustspiel »New way to pay old debts« noch heute auf dem englischen Repertoire steht; John Webster (gest. um 1625), der im Rührenden und Schrecklichen sich hervortat; Th. Middleton (1570–1627), der eine Menge von Hetärenkomödien schrieb; John Marston (1575 bis ca. 1634), Thomas Heywood (gest. um 1640), John Ford (gest. 1639), James Shirley (gest. 1666). Die größte Epoche des englischen Dramas, die mit dem Aufschwung des ganzen englischen Lebens unter Elisabeth ihren Anfang genommen, endete unter dem kurzsichtigen Regiment der Stuarts, und der religiöse Fanatismus der Puritaner drohte bald alle Kunst und Poesie auf Englands Boden auszurotten. Anfangs lieferten die »näselnden und grinsenden Rundköpfe und Heiligen« unerschöpflichen Witzstoff für die modischen Schriftsteller des Zeitalters. Dann kam, wie Macaulay sagt, die Reihe des Ernsthaftsehens an die Lacher. Die glaubensstarken Brüder griffen zu den Waffen und siegten. Die Theater wurden geschlossen. Die Kavaliere, die, wie Carew (gest. 1639), John Suckling (gest. 1641) u.a., für das Königtum gefochten und Luft und Galanterie besungen hatten, fielen oder wanderten in die Kerker, ins Exil. Am liebsten hätten die Puritaner alle Kunst ausgerottet bis auf ihre Kirchenhymnen.

2) Von der Restauration bis zum Ende des 18. Jahrhunderts.

Als das Königtum mit Karl II. restituiert war (1660), änderte sich wieder die Physiognomie Londons, wo jetzt mehr als jemals zuvor die e. L. sich konzentrierte. Die Heiligkeit verschwand von der Tagesordnung, und Philosophie, religiöse Gleichgültigkeit, ja Frivolität traten an ihre Stelle. Die häßliche und lächerliche Seite des Puritanertums, die Scheinheiligkeit, dem Gelächter preiszugeben, gelang am besten Sam. Butler (gest. 1680) im komischen Epos »Sir Hudibras«. Neben ihm führte Sir John Denham (gest. 1668) mit seinem »Cooper's Hill« eine neue Dichtungsart ein, die reale Naturbeschreibung, ausgeschmückt mit Reflexionen. Kunst- und Hofpoeten, wie Abraham Cowley (1618–65) und Edmund Waller (1605–87), schrieben kühle Gedankenpoesie. Nur John Milton (1608–74), in der Jugend selbst noch ein froher Sänger der Natur, Schönheit und Freundschaft, dann als lateinischer Sekretär Cromwells für die Republik tätig, verfocht die Sache der Freiheit hochherzig im »Verlornen Paradies«, und John Bunyan (1628–88), in der Jugend ein Kesselflicker, lehrte humanes Christentum durch die schlichte Allegorie »Pilgrim's progress«, die noch heute eins der volkstümlichsten Bücher in England ist.

Das Drama kam seit der Restauration zu neuem Leben, weil jetzt die Theater wieder offen standen, schlug aber keine günstige Richtung ein. Einerseits nahmen die aus Paris zurückkehrenden Royalisten die Gepflogenheit mit, Frauenrollen nicht mehr durch Knaben, sondern durch Schauspielerinnen geben zu lassen, überhaupt von der Bühne den Kitzel arger Schlüpfrigkeit und reicher Szenerie zu verlangen. Sir William Davenant (1605–68), der Verfasser der »Belagerung von Rhodus« und andrer deklamatorischer Schaustücke, kam diesen Wünschen zuerst entgegen. Anderseits gewannen die Kunsttheorien der französischen Klassizisten Eingang, und namentlich John Dryden (1631–1700), Dichter und Kritiker zugleich, verstand es, die Zeitgenossen unter ihr hölzernes Joch zu beugen. Er gab der in den Kaffeehäusern verkehrenden literarischen Gesellschaft den Ton an. Die tragédie mit all ihrer Steifheit und Regelmäßigkeit galt der gebildeten Gesellschaft als der Gipfel des Geschmacks. Daneben suchte man allerdings mit nationalem Stolz die Traditionen des altenglischen Dramas einigermaßen festzuhalten, aber in der äußerlichsten Weise, indem man die Geistererscheinungen, kriegerischen und festlichen Auszüge und die kühnen Sprünge der Elisabethiner nachahmte. Neben Dryden sind zu nennen auf dem Gebiete des Trauerspiels Lee und Otway, auf dem des Lustspiels Wycherly, Congreve, Farquhar und Vanbrugh (s. d.).

Ein anständigerer Ton kam in das Lustspiel nach der Revolution von 1688, als Bürgertum und Krone sich zur Einführung einer praktischen Moral verbündeten. Namentlich Jeremy Colliers Schrift »A short view of the immorality and profaneness of the English stage« (1698) übte einen heilsamen Einfluß aus. Cibber und Steele brachten ein bürgerlich gesinntes Lustspiel empor, das nicht mehr lasterhaft, aber auch nicht mehr interessant war. Addison (1672–1719) lieferte im Trauerspiel »Cato« ein tugendhaftes Machwerk, das den Höhepunkt französisch-klassischer Regelmäßigkeit bezeichnet. Shakespeare wurde mit nationalem Stolz gerühmt, vor seiner Nachahmung aber gewarnt.

Die Herrschaft nüchterner Vernunft, die so auf dem Gebiete des Dramas einzog, verwirklichte Alexander Pope (1688–1744) in der epischen und didaktischen Dichtung. Im »Rape of the lock« (»Lockenraub«) hat. er die höfischen Modetorheiten in galanter und künstlerischer Weise verspottet, und mit dem Lehrgedicht »Essay on man« kam er dem philosophischen Bedürfnis seiner Zeit entgegen. Neben ihm schrieb Matthew Prior (1664–1721) witzige Lieder und kleine Erzählungen, John Gay (1688–1732) die »Bettleroper« und Lafontainische Fabeln.

Weitaus wichtiger als die Poesie ward jetzt die Prosa. Die Errungenschaften der Philosophie und Naturwissenschaft sollten möglichst popularisiert werden: das Mittel dazu bildeten die Wochenschriften. Die erste derselben war »The Tatler« (»Der Plauderer«), 1709 von Richard Steele begründet. Sie handelte über die mannigfaltigsten Gegenstände aus den Gebieten der Politik, der Literatur, des Theaters, des sozialen Lebens etc. Unter ihren Mitarbeitern besaß Addison die feinste Beobachtungsgabe und den besten Stil. Er gründete 1711 den noch berühmter gewordenen »Spectator«. Andre ähnliche Unternehmungen folgten, die z. T. von denselben Personen ausgingen, wie »The Guardian«, »The Lover«, »The Englishman«, »The Idler« u. »The Rambler«, die beiden letztern von Samuel Johnson herausgegeben. Diese Zeitschriften haben die heilsamste Umgestaltung des künstlerischen Geschmacks, wie der gesamten sittlichen und politischen Denkart in England und auch auf dem Kontinent bewirkt. Mit Satiren diente Jonathan Swift (1667–1745) der Aufklärung. In seinem Märchen »The tale of a tub« verspottete er die drei christlichen Hauptkonfessionen; in »Gulliver's travels« ließ er von den politischen und gesellschaftlichen Illusionen des Menschen nichts übrig als Ekel; er war das größte Genie des Jahrhunderts, aber bitter bis zur Krankhaftigkeit. Daniel Defoe (1659–1731) schuf den »Robinson Crusoe«, ein Bild des Kulturmenschen inmitten der Wildnis. Dem heroischen und Schäferroman gab Richardson (1689–1761) ein ganz neues Aussehen: in seiner »Pamela« wird die unerschütterliche Tugend eines Dienstmädchens vom Lande mit der Hand ihres Herrn belohnt; in der »Clarissa« gelangt die Reinheit eines vornehmen Fräuleins zu tragischer Verherrlichung. Die Briefform begünstigte die seine, warme Schilderung des Herzenslebens, durch die sich Richardsons Romane trotz vieler Schwächen die Welt eroberten. Mit einer Verspottung von Pamelas kluger Zimperlichkeit begann Henry Fielding (1707–54), um namentlich im »Tom Jones« den humoristischen Roman emporzubringen, eine Gattung, in der die gesunde, oft derbe Freimütigkeit des Engländers das Vorzüglichste geleistet hat. Fieldings Realismus erscheint bei Tobias Smollet (1721–71) bis zum Grellen und Burlesken gesteigert. Anderseits ward Richardsons Empfindsamkeit pikant, oft schlüpfrig weitergebildet von Laurence Sterne (1713–68) und mit einer edlen Humanität von Oliver Goldsmith (1728–74), dessen »Vicar of Wakefield« der junge Goethe in Sesenheim vorlas und nachlebte. An Richardson schloß sich dann der bürgerlich brave Cumberland (gest. 18). 1) und an Sterne der Schotte Henry Mackenzie (gest. 1831). Den Geister- und Schreckensroman pflegten Walpole, Beckford, Mrs. Redcliffe und M. G. Lewis. Die Zergliederung mächtiger Leidenschaft betrieben Mrs. Inchbald und Godwin, beide schon eigentlich unter dem Banne der französischen Revolution.

In der Poesie wirkte zunächst das Studium der Natur und weckte James Thomson (1700–1748), der in den »Jahreszeiten« (»Seasons«) ein wegen seiner liebevollen und genauen Beobachtung epochemachendes Werk schuf. Diese Gattung der realen Naturbeschreibung führte Goldsmith weiter, indem er besonders in »The deserted village« menschliche Schicksale stärker hereinzog. Auf metaphysischem Wege suchte Edward Young (1681–1765) in den »Nightthoughts« die Menschen zu ergründen. Vom Pietismus erwärmt war William Cowper (1731–1800). Das Unbedeutendste gewinnt bei ihm Leben und Anziehungskraft, ein mystisches Dämmerlicht liegt über seiner dichterischen Stimmung, und Frömmigkeit mischt sich mit einer demokratischen Humanität, in der man bereits den Anhauch der französischen Revolution spürt. In der Lyrik ragt Thomas Gray (1716–7 1) hervor, der die »Elegie auf dem Dorfkirchhof« dichtete; ferner William Collins und Mark Akenside (s. d.). Das bürgerliche Trauerspiel entstand durch William Lillo (1693–1739), dessen Hauptdrama der »Merchant of London« ist: die Warnung mit Galgen und Rad auf der Bühne! Neben all diesen erbaulichen und empfindsamen Richtungen machte sich im Lustspiel die Posse breit, gepflegt durch Fielding, Foote u.a. Witz und Bühnentechnik leisteten dabei Großartiges; niemand kann in diesen Dingen Richard B. Sheridan (1751–1816) übertreffen, den Dichter der »Lästerschule«. Dennoch blieb eine höhere Blüte des Dramas aus, trotz der Neubelebung Shakespeares durch Garrick. Satiriker wie Churchill, Smart und Wolcot zeigen zugleich, daß die Zeit den verstandesmäßigen Ton satt hatte und ungestüm nach dem Elementaren, ja nach dem Phantastischen verlangte.

3) Vom Ausgang des 18 Jahrh. bis zu Byrons Tod.

Von Schottland, das sich an der Gelehrtendichtung des Rokoko fast gar nicht beteiligt, dafür reich an alter Volkspoesie und auch in sozialer Hinsicht auf mittelalterlichem Standpunkt erhalten hatte, ging die befreiende Anregung aus. Lady Wardlaw, geborne Elisabeth Halket (1677 bis ca. 1727), wagte die erste Nachahmung der tragischen Balladen, die Rhapsodie »Hardiknute«, die sie in einem Turm unter einem Bündel alter Pfeile gefunden zu haben vorgab (1719). In Edinburg schrieb Allan Ramsay (1686–1758) für allerlei Volksliedchen neue Reime, und Musiker begannen die dazu gehörigen Melodien zu sammeln. James Macpherson (1738–96) trat 1762 mit den Gesängen Ossians hervor. Macphersons »Ossian« war eine Täuschung, aber ganz Europa sog begeistert die vermeintlich uralte Poesie ein. Von Schottland sprang dann die Bewegung nach England über durch Thomas Percys Volksliedersammlung »Reliques of ancient English poetry« (1765). Hier liegt altes, echtes Gut aufgehäuft. Auch die Dichter des 14. und 16. Jahrh., namentlich Chaucer und Spenser, wurde wieder hervorgesucht, und Thomas Chatterton, der unglückliche Wunderknabe (1752–70), glaubte seine Nachbildungen nicht besser in die Öffentlichkeit bringen zu können, als indem er sie wie Erzeugnisse jener vergangenen Tage ausstattete. Nach solchen Präludien erschien endlich, bezeichnenderweise wieder in Schottland, ein erstaunlicher Dichter der neuen Art: Robert Burns (1759–96), der Bauernsohn mit dem stets verliebten, aber auch patriotisch groß empfindenden Gemüt, mit Hunderten von Volksmelodien im Ohr, als Charakter unausgeglichen, als Lyriker um so mehr aller leidenschaftlichen Stimmungen Meister. Unter seinem Einfluß standen bereits die literarischen und politischen Revolutionäre, die in den 1790er Jahren in England sich zu einer Freundesgruppe zusammenschlossen und den Klassizismus gemeinsam bekämpften, die sogen. Seeschule (lakists). Ihr geistiger Führer war Samuel T. Coleridge (1772–1834), der Dichter des »Alten Matrosen«; ihr ergreifendster Dichter William Wordsworth (1770–1850), der größte poetische Erzieher des modernen England; ihr rührigster Prosaist Robert Southey (1774–1843). Das eigentliche Debüt der Seeschule waren die »Lyrical ballads«, die Coleridge und Wordsworth 1798 herausgaben, als sie mit den Seen Cumberlands und Westmorlands noch nichts zu schaffen hatten; später erst ließen sie sich dort nieder und wurden von Politikern, die ihnen die Schwenkung von revolutionären zu konservativen Grundsätzen nicht verzeihen konnten, als »Schule«, Provinzler u. dgl. in schiefes Licht gestellt. Mehr oder minder in Zusammenhang mit ihnen standen Charles Lamb (1775–1834), Walter Savage Landor (1775–1864), John Wilson (1789–1854). Ähnliche Ziele verfolgte George Crabbe (1754 bis 1832), der dem wirklichen Leben der gewöhnlichen Leute eine schlichte Poesie abzulauschen verstand. – Was die Lakisten für England bedeuteten, den Sieg des Altheimischen und Volkstümlichen über schulmäßige Unnatur, das wurde Walter Scott (s. d.) für Schottland und Thomas Moore (s. d.) für Irland. Walter Scott (1771–1832) war am meisten angeregt von Percys und Bürgers Balladen, von Goethes »Götz« und von Coleridge. Seit 1805 ließ er die romantische Vergangenheit seines Landes in glänzenden Epen zu neuer Zauberpracht erstehen; seit 1814 (Byrons größere Romanzen drängten ihn vom Epos in Versen ab) hat er das ritterliche Leben früherer Jahrhunderte und das schottische Volkstum der Gegenwart in Romanen geschildert, voll antiquarischen Wissens und gesunder Anempfindung, seinen Landsleuten zum steten Entzücken und allen historischen Erzählern und nationalen Charakterzeichnern zum Muster. Zu Scotts Kreise gehörten der sagenfrohe Epiker J. Leyden (1775–1811) und der Schäferdichter J. Hogg (1772 bis 1835). Verwandt war ihm in mancher Hinsicht sein Landsmann Thomas Campbell (1777–1844), der Schlachtenballaden und das Indianerepos »Gertrude of Wyoming«, aber auch im Sinne der alten Popeschen Richtung ein Lehrgedicht: »Pleasures of hope«, schrieb. In Irland ersann Thomas Moore (1779–1852), der als Anakreontiker begann, für die weichen, lieblichen Volksmelodien seiner Landsleute neue und sehr glückliche TexteIrish melodies«), und in spätern Epen wagte er manchen romantischen Ritt ins Märchen- und MorgenlandLalla Rookh«). Als Beschreiberin irischer Charaktere und Sitten betätigte sich Mary Edgeworth (1767–1849), deren Romane selbst auf Walter Scott Einfluß übten.

Während so rings um London ein begeisterter Naturalismus herrschte, hatte sich in der Hauptstadt der Klassizismus der Pope-Schule gehalten. Samuel Rogers (1763–1855), Bankier und Poet, erwarb sich Ruf durch das Lehrgedicht »Pleasures of imagination«. William Gifford (1757–1826) griff in Satiren die Romantiker und namentlich auch die massenhaft aus Deutschland eingeführten Theaterstücke an. Diesen beiden Männern zollte der junge George Noel Byron (1788–1824) demonstrativen Beifall, als er sich für eine unglimpfliche Anzeige seiner Jugendgedichte in der »Edinburgh Review« durch die Satire »English bards and Scotch reviewers« rächte. In ihm verband sich die romantische Richtung mit der klassischen, wie es Goethe im zweiten Teil des »Faust« symbolisch (Euphorion) dargestellt hat. Eine ähnliche Verbindung zeigte sich in Percy B. Shelley (1792–1822) und John Keats (1796–1821), die beide bei ihm in hoher Achtung standen und gleich ihm auf klassischem Boden ihr Grab fanden. Beide standen sie an sittlicher Lebensauffassung über ihm, an epischer Gestaltungskraft aber entschieden unter ihm; sie sind weniger leidenschaftlich, aber mehr beschaulich und glänzen besonders als lyrisch-prophetische Interpreten der Natur. In Zusammenhang mit diesem Kreise ist noch Leigh Hunt zu nennen (1784–1859), am besten bekannt durch seine Danteske »Story of Rimini«; ferner der Wieland-Übersetzer W. Sotheby (1757–1833), die ebenfalls vielfach aus dem Deutschen übertragende Felicia Hemans (1797–1835), die Dramatiker der Leidenschaft Joanna Baillie (1762–1851) und Charles Maturin (1782–1824). Die Signatur der Zeit war Sturm und Drang, ein Wühlen nach dem Urgrunde der Dinge und ein Zug nach den fernsten Grenzen der Welt, eine Vereinigung der stärksten Gegensätze, woraus sich dann allmählich eine kosmopolitische Vielseitigkeit entwickelte, wie sie nach Byrons Tode für die e. L. charakteristisch wurde.

4) Von Byrons Tod bis zur Gegenwart.

Binnen drei Jahren hatte England seine führenden Dichter verloren: Keats 1821, Shelley 1822, Byron 1824. Die ältern Dichter waren teils erstarrt, wie Wordsworth, teils zur Prosa übergegangen, wie Walter Scott und Thomas Moore. In Versen wurde es daher durch geraume Zeit still. Die Romantik lebte sich aus im historischen Roman: auf Walter Scott, dessen Zusammenbruch 1826 eintrat, folgten sein Schwiegersohn Lockhart, der im »Valerius« das erste Beispiel eines antiken Romans gab; Bulwer (Lord Lytton), am berühmtesten durch die »Last days of Pompeii« (1834); B. Disraeli (Lord Beaconsfield), mit mehreren orientalischen Geschichten; Frederick Marryat, der als einstiger Kapitän seine Helden auf dem Wasser suchte; V. B. Ainsworth mit historischen Schreckenserzählungen, z. B. »Guy Fawkes« (1841); Wilkie Collins, der die Technik auf das Kriminalgebiet anwendete, u.a. Die Gattung mit ihrer Vorliebe für das Schauerliche lebt bis in die Gegenwart fort durch männliche und weibliche Autoren wie W. Black, besonders heimisch in Schottland und auf den HebridenPrincess of Thule«, 1873), sowie Hall Caine auf der Insel Man; Ouida (Miß de la Ramée), in Italien; Miß Betham-Edwards, in Frankreich; dann in wachsender Phantastik durch Mary Corelli, Rider Haggard, bis sich H. G. Wells sogar zu den »First men in the moon« verstieg, während anderseits Zangwill in die Schatten des Ghetto hinabtauchte und George Meredith romantische Stoffe mit dunkler Gedankenhaftigkeit zu verbrämen suchte. In Amerika blühte der Indianerroman durch Cooper, die gespenstische Geschichte durch Poe und Hawthorne, die Schilderung kalifornischer Goldgräber und Abenteurer durch Bret Harte.

Neue Aufgaben bekam die e. L., als sich nach dem Siege der Reformbill 1832 die öffentliche Aufmerksamkeit den Leiden der Arbeiter zuwendete. Die Chartistenbewegung veranlaßte Carlyle, der sich in der Jugend wesentlich mit deutscher Romantik befaßte, zu seiner ersten politischen Streitschrift »Chartism«, 1839. Die Härten der Armengesetze von 1834 spiegeln sich in den sozial-erzieherischen Romanen von Dickens (seit »Oliver Twist«, 1838). Erziehlich im christlich-sozialen Sinne schrieb Kingsley (zuerst »Yeast«, 1848). Diese humanitäre Richtung wurde in der Kritik am kühnsten fortgeführt von Ruskin, der alle Kunst und Schönheit als Ausgeburt edlen Volkscharakters faßte und sie ebenso zu volksbildenden Zwecken anwenden wollte; im Roman besonders von einer Reihe wohlmeinender Schriftstellerinnen, unter denen George Eliot durch seine Stimmungsbilder und philosophisches Denken sich auszeichnete, Charlotte Brontë das Los der Gouvernanten beweglich schilderte (»Jane Eyre«, 1847), Mrs. Humphrey Ward mit Glück religiöse Probleme behandelte (»Robert Ellesmere«, 1888), Sarah Grand (in den »Heavenly twins«, 1893) die Jugendstreiche der Männer drastisch bekämpfte, und Olive Schreiner, verm. Cronwright, eine hochbegabte Afrikanderin deutscher Abkunft, kräftig für ihre burischen Landsleute und die Emanzipation der Frauen eintrat (»Story of an African farm«, 1891). Weniger ausgeprägt ist die sittenbessernde Tendenz bei männlichen Erzählern, von denen am ehesten hierher gehören Thomas Hughes, Verfasser des fröhlichen Schulromans »Tom Brown's schooldays« (1856), Walter Besant, der durch den Roman »All sorts and conditions of men« den Anstoß zur Gründung des Volkspalastes in Ostlondon gab, Grant Allen, Zeichner einer wirklich emanzipierten Frau (»The woman who did«, 1895), Maarten Maartens, der Satiriker der Hochachtung vor dem ReichtumGod's fool«. 1892).

Eine dritte Gattung des Romans stellt die Menschen weder in romantischem Adel dar, noch mit einem moralischen Imperativ, sondern als gemischte Charaktere, wie sie das Leben bei näherm Zusehen gewöhnlich zeigt, bald mit einem Stich ins Humoristische, bald ins Kynische. Begründer dieser realistischen Art war ThackerayVanity fair«, 1848), der hinter jeder Person, auch der eignen, gern einen halb unwahren snob witterte. Seine Seelenbeobachtung ist von einer geradezu naturwissenschaftlichen Schärfe. Die unerbittliche Wahrheit wird bei seinen Nachfolgern allmählich unerquicklich; so bei Thomas Hardy, der in »Jude the obscure« den Bildungsdrang eines Arbeiters an einem schlechten und einem schwachen Weibe scheitern ließ; bei Mrs. Lynn Linton, die in »Joshua Davidson« ein naturalistisches Leben Jesu schrieb; bei George Moore, der in den »Confessions of a young man« dem Tone Zolas am nächsten kam und daher von der englischen Leserwelt lange abgelehnt wurde. Eine glückliche Neigung zum Humor verrät oft Mrs W. A. CliffordAunt Anne«) und die anonym schreibende Gräfin ArnimElizabeth and her German garden«). Ins Kleinidyllische verirrte sich der träumerisch veranlagte BarrieAuld light idylls«), der Meister der Kohlgarten-Schule (Kaleyard school).

Um den Massenbedarf nach Unterhaltungsliteratur, die manchmal fast zur unstilisierten Wiedergabe der Gewöhnlichkeit sich abplattet (Trollope, Mrs. Oliphant), zu begreifen, muß man an die stillen englischen Sonntage, die einsamen Abende am Kamin, die langen Reisen zu Bahn und Schiff denken, die zur Eigenart des englischen Lebens gehören. Werden die meisten deutschen Bücher über Pädagogik geschrieben, so überwiegt auf dem englischen Büchermarkt weitaus die Rubrik Fiktion. Ein Abglanz der hierbei entwickelten Erzählungstechnik kam aber der englischen Geschichtschreibung und Biographie zugute. Macaulay, Freeman, Froude u.a. (s. S. 816) schrieben einen so interessanten Stil, daß man den Ernst ihrer Forschung darüber leicht vergißt. Gewonnen haben durch solche Pflege der Prosa auch die periodischen Zeitschriften, unter denen zuerst die »Edinburgh Review« (seit 1802) den Literaturkritiken eine freie Entfaltung verschaffte; ihrem liberalen Programm setzte 1809 ein Kreis von konservativen Männern die »Quarterly Review« entgegen, worauf sich »Blackwood's Magazine« in die Mitte stellte. Der Vorgang wiederholte sich, als 1865 ein freidenkender philanthropischer Kreis die »Fortnightly Review« gründete und ein Jahr darauf von kirchlicher Seite die »Con temporary Review« ins Leben gerufen wurde, von der sich nach weitern sieben Jahren das mehr vermittelnde Organ »Nineteenth Century« abzweigte. Diesen vorwiegend rezensierenden Blättern waren schon in den 1830er Jahren rein erzählende und schildernde an die Seite getreten; unter ihnen stehen jetzt wohl »Fraser's Magazine« und das »Cornhill Magazine« voran.

In die episch-lyrische Dichtung kam neue Frische in den 1840er Jahren, bald nach dem Regierungsantritt der Königin Viktoria. Alfred Tennyson (1809–92) veröffentlichte 1844 die älteste von den Königsidyllen, »The passing of Arthur«, vertiefte den Eindruck, den diese groß und fromm empfundene Rhapsodie machte, durch die Klagelieder über den verstorbenen Freund HallamIn memoriam«), wurde populär durch das Schifferepos »Enoch Arden« (1864) und erhob sich durch eine goldene Rhetorik immer mehr zum anerkannten Fürsten der englischen Poesie. Durch realistischere Beobachtung und eine gesprächsartige Form hebt sich Robert Browning (1812–89) von ihm ab. Die monologische Erzählung in Versen, durch Tennyson aufgebracht, erfuhr durch Browning die größte Ausbildung, bis zu einer dramatischen Ausdrucksweise, so daß man sich wundern muß, seine Dramen nicht bühnenfähiger zu finden. Seine Psychologie feiert ihren Triumph in »The ring and the book«, wo eine Mordgeschichte von zehn Personen erzählt wird, und immer hat sie ein andres Gesicht. Nicht viel geringer schätzen viele seine Frau Elizabeth Barrett-Browning (1809 bis 1861), die Sängerin von »Aurora Leigh«. Glänzende Leistungen sind die balladenartigen »Lays of ancient Rome« von Lord Macaulay (1842), die »Lays of the Scottish cavaliers« von W. E. Aytoun (1849), die singbare Lyrik von Charles Mackay (geb. 1814) und die Ode »Wordsworth's grave« von William Watson. Mehr akademisch geartet sind die Verse von Matthew Arnold, einem gewandten Altertumskenner und Kritiker (»Empedocles on Aetna«), und das in Hexametern geschriebene Feriengedicht von Clough, »Bothie of Tober-na-Vuolich« (1848). Vollends als Lehrgedichte sind zu bezeichnen: »The epic of Hades« von Lewis Morris (1877), wo Geister der Griechen ihre eigne Geschichte erzählen; »The light of Asia«, eine Darstellung des Buddhismus in Versen von Edwin Arnold, der dann auch das Werk Jesu in ähnliche Verse brachte u. d. T. »The light of the world«; »The ascent of man«, eine darwinistische Geschichte der menschlichen Entwickelung von Mathilde Blind (1889). – In Amerika standen sich der idealistische, musikalische Literaturkenner Longfellow und der knorrige, rhythmusarme und reimlose Freiheitskämpfer Whitman ähnlich gegenüber wie Tennyson und Browning. Neben ihnen griff Edgar Poe, der Dichter des »Raven« (1843), ins Gespenstische hinaus, Bret Hart aber in kalifornische Geschichte und Verhältnisse, die er in sprunghaften Versen zu gestalten wußte. – In Australien begann die poetische Produktion mit dem Landschafter H. Kendall, einem Schüler von Wordsworth, und leistete ihr Originellstes in den Buschballaden von Adam Gordon, der 1870 im kritischen Alter von 37 Jahren durch Selbstmord endete.

Die modernste Phase der britischen Dichtung nahm ihren Ausgang von einer Gruppe Maler, die zuerst 1849 ausstellten unter dem Namen »Preraphaelite brotherhood«. Sie strebten der Naturtreue und Innigkeit Giottos nach, waren literarisch durch Keats und Tennysons Artur-Epos bestimmt und standen in Fühlung mit dem Mystiker Coventry Patmore, der die geistliche Liebesdichtung »The angel in the house« schrieb (1854–62). Ihr Stimmführer in Versen war Dante Gabriel Rossetti, Verherrlicher der Madonna in »The blessed damozel« (1828–82). Befreundet mit diesem Kreise, der das Schöne um seiner selbst willen liebte und in jeder Märchenregion zu verkörpern trachtete, war A. Swinburne, zuerst berühmt durch »Atalanta in Calydon« (1864). Direkt aus den Präraphaeliten herausgewachsen ist William Morris, der als Epiker großen Stiles eine reiche Tätigkeit entfaltete. mit keltischer Sage in »The defence of Guinevere« (1858), mit griechischer im »Jason«, mit griechischer und nordischer zusammen im »Earthly paradise« (1868), mit nordischer allein im »Sigurd«. Wo er die Hand hinlegte, wirkte er künstlerisch originell. Nach ihm entdeckte Yeats die Helden- und Wunderwelt Irlands, erneute die Ossiandichtung (»Usheen«, 1889) und schilderte die Wanderungen der menschenfreundlichen »Countess of Kathleen« inmitten von Hungersnot und Teufelstücke (1892); er ist die Seele der nationalirischen Richtung, die 1901 in »Irish ideals« ihr bedeutsames Programm entwickelte. Auch Rossettis Schwester Christina Rossetti war ein schönes, sinniges Talent. In der Tradition dieser märchenfrohen Ästhetiker dichten noch jetzt Le GallienneThe quest of the golden girl«, 1896); John DavidsonFleet Street eclogues«, 1893) und R. Kipling, der mit angloindischen Stimmungsbildern begann (»Departmental ditties«, 1886) und in »The seven seas« (1896) die Technik dieser neuromantischen Gattung dem Imperialismus dienstbar machte. In Amerika hat sich besonders Sidney Lanier durch phantasievolle Symbolistik ausgezeichnet (»Corn«).

In die Prosa übertrug W. H. Pater den exotischästhetischen Ton durch den altrömischen Sittenroman »Marius the Epicurean« (1881). R. L. Stevenson knüpfte an die englischen Seemannsmemoiren an, pfropfte darauf »New Arabian nights« (1882) und wurde berühmt durch »The master of Ballantrae« (1889). William Morris übernahm den Stil der altnordischen Sagas: »The house of the Wolfings« (1889), »Roots of the mountains« (1890) u.a. Du Maurier beutete das Bohême-Leben aus in der vielgelesenen Modellgeschichte »Trilby« (1894). Das Bedeutendste auf diesem Gebiet hat aber Kipling geleistet im »Jungle book« (1894): er schildert das Aufwachsen des Knaben Mowgli mit seinen Kulturinstinkten bei den Tieren der Wildnis und flicht grandiose Urwaldmythen ein. Der Reiz Indiens ruht auch auf seinen »Plain tales from the hills«, »Kim« u.a. Das reine Kindermärchen hat daneben. durch Kate Greenaway und »Alice in wonderland« (1869) Pflege gewonnen, in jüngster Zeit sogar in symbolistischem Stil durch O. Wildes »Happy prince«. Auf irische Verhältnisse hat George Moore seine realistische Technik glücklich angewendet in der Novellensammlung »The untilled field« (1903).

Endlich ist als Eigenart der englischen und amerikanischen Literatur die humoristische Geschichte hervorzuheben. F. Anstey (Pseudonym für Guthrie), Mitarbeiter des »Punch«, verfolgte in »Vice versa« (1882) die komischen Folgen, die es haben würde, wenn der gestrenge Vater mit dem lockern Sohn den Leib zu tauschen hätte. Jerome unterhielt die Welt mit ihrem eignen witzigen Abbild in »Three men in a boat« (1889), »Three men on the bummel« u. dgl. Der Meister dieser Gattung ist aber S. L. Clemens, der sich Mark Twain nannte, weil er in der Jugend als Maat auf einem Mississippidampfer beim Niederlassen des Senkbleis diesen Ruf gewöhnt war. In den »Innocents abroad« (1867) gab er zum erstenmal Eindrücke einer Europareise mit unwiderstehlicher Komik und hat es seitdem in den »Tramps abroad« u.a. wiederholt.

Ein Schmerzenskind der englischen Literatur ist heutzutage das Drama. Die hochentwickelte Technik der Schauspieler und Dekorateure, verbunden mit dem Mangel einer Repertoirebühne, hat die Zuschauer so sensationslüstern gemacht, daß poetische Schöpfungen (abgesehen von Shakespeare) nur ausnahmsweise ausgeführt werden, daher poetische Dramatiker sich nicht entfalteten. Lord Byron hatte in »Manfred« dem Geschmack für das Melodrama weitgehende Zugeständnisse gemacht; dennoch ist das Stück auf der englischen Bühne nie heimisch geworden. Alle größern Dichter haben sich seitdem in der Tragödie versucht, Shelley in der »Cenci«, Tennyson in »Thomas Becket« u. ö., Browning in »Paracelsus«, »Blot in the 'scutcheon«, »Sordello«, Swinburne in »Bothwell« u. ö.; durch die Shelley- und die Browning-Gesellschaft wurden Aufführungen veranstaltet, und die Königin selbst ließ sich »Thomas Becket« vorspielen; Jones und Archer haben Bücher geschrieben, um ihre Landsleute zur Ausfüllung dieser literarischen Lücke zu veranlassen: die Verstragödie wollte trotzdem nicht gedeihen, und es ist fraglich, ob Phillips »Herod« mit seiner klassizistischen Steifheit oder Wildes interessanter Einakter »Salome«, die beide die öffentliche Aufmerksamkeit kürzlich anzogen, bereits die Vorboten einer bessern Zeit sind. Das Konversationsstück war etwas glücklicher; Bulwer hatte mit »Money« und »The lady of Lyons« einen entschiedenen Erfolg; Th. W. Robertson stellte den Schauspielern glänzende Rollen auf bürgerlich-sentimentalem Hintergrunde zur Verfügung; Pinero behandelte in »The second Mrs. Tanqueray« und »The notorious Mrs. Ebbsmith« französische Ehebruchsprobleme mit geschickter Nationalisierung; H. J. Byron, Oskar Wilde und neuestens Bernard Shaw haben geistreich-moderne Lustspiele hervorgebracht. Aber allgemeine Anerkennung haben sich bisher nur die Leistungen auf dem Gebiete des Singspiels errungen, für das die Engländer seit Shakespeares Zeit eine vorzügliche Tradition besitzen; manche Schöpfungen von Gilbert und Sullivan haben einen Triumphzug über die Erde gehalten, und einzelnen unter ihnen, namentlich »The yeoman of the guard«, ist selbst poetischer Wert nicht abzusprechen

Willenschaftliche Literatur.

Philosophie.

Die insulare Lage hat in England wie überhaupt eine eigentümliche Geistesrichtung, so auch von früh an eine eigenartige Philosophie erzeugt, die auf dem Kontinent mehr Anregung hervorbrachte, als sie von dorther empfangen hat. Die Philosophie hat auf der britischen Insel schon zur angelsächsischen Zeit Pfleger gefunden: Beda Venerabilis (gest. 735) war irischer, Alkuin (gest. 804), der Freund Karls d. Gr., englischer Abkunft. Auch Joh. Scotus Erigena (gest. 877), oft, freilich mit Unrecht, der Vater der Scholastik genannt, war auf britischer Erde geboren; der Piemontese Anselm (gest. 1109), der Erfinder des ontologischen Beweises, starb als Erzbischof von Canterbury. An dem Kampf des Nominalismus und Realismus nahmen teil die Engländer Johann von Salisbury (gest. 1180), Abälards Schüler, der zwischen beiden eine Vermittlerrolle spielt, und Alexander von Hales (gest. 1245), der zuerst die Kenntnis arabischer Philosophen im Abendland verbreitete. Den Thomismus bekämpften der das Studium der Natur und der Mathematik dem des Aristoteles vorziehende Mönch Roger Bacon (1214–94) und der feurige Dialektiker (Doctor subtilis) Johannes Duns Scotus (gest. 1308), während Wilhelm von Occam (gest. 1347) und Robert Holkot (gest. 1349) den Nominalismus zur Herrschaft brachten, letzterer namentlich gegen den Erzbischof von Canterbury, Thomas Bradwardine. Hauptsitz der Scholastik blieb Oxford; in Cambridge faßte der Neuplatonismus der Renaissancezeit Fuß, aus dem später durch Henry More (gest. 1687) und Ralph Cudworth (gest. 1688) das Studium der Kabbala und der Mystizismus hervorgingen, während der Arzt Robert Fludd (um 1617) die Naturphilosophie des Paracelsus und der Schwärmer John Pordage (gest. 1698) die Theosophie Jakob Böhmes nach England verpflanzten. Francis Bacon (Baron von Verulam, 1561–1626) suchte durch seine »Instauratio magna scientiarum«, deren zweiter Teil das »N ovum organum« ist, eine Reform des Wissens und der Wissenschaft auf Grundlage der Erfahrung als einziger Erkenntnisquelle herbeizuführen und ist dadurch der Begründer einer englischen »Nationalphilosophie«, überhaupt der empiristischen neuern Philosophie geworden, wie sein Gegner Lord Herbert von Cherbury (1581–1648), der die allgemeine Übereinstimmung auf Grund der allen gemeinsamen Vernunft als oberstes Kriterium der Wahrheit ansah, der Begründer einer »rationalen« Philosophie in England und überhaupt eines religiösen Rationalismus war. Des erstern Erfahrungsphilosophie wurde von Thomas Hobbes (1588–1679), der nur den äußern Sinn als Erkenntnisquelle gelten ließ, zum Sensualismus und Materialismus, von John Locke (1632–1704), der neben dem äußern Sinn (sensation) auch einen innern (reflection) zuließ, zum ausgebildeten Empirismus gestaltet. Die rationale Metaphysik hat dann insbes. an S. Clarke (1675–1729) und dem Grafen Shaftesbury (1670–1713), die rationale Moralphilosophie aber außer den beiden Genannten noch in Wollaston (1659–1724) und Fr. Hutcheson, dem Entdecker des sittlichen Gefühls (moral sense; 1694–1747), Beattie (1735–1803), Ferguson (1724–1816) u.a. Vertreter gefunden. Beiden Schulen gemein war die Opposition gegen die geoffenbarte Religion, an deren Stelle der Materialismus den offenen Unglauben, Herbert, Locke, Clarke und Shaftesbury den Deismus und die natürliche oder Vernunftreligion setzten, während gleichzeitig politische Rationalisten, wie Algernon Sidney (1622 bis 1683) und John Milton (1608–74), das »Königtum von Gottes Gnaden« des Robert Filmer (gest. 1647) bekämpften. Jene begründeten die Schule der sogen. FreethinkersFreidenker«), zu denen Charles Blount, Collins, Lyon, Tindall und vor allen John Toland (gest. 1722), der Vorläufer der französischen Enzyklopädisten, gehörten, und die im Zeitalter der Aufklärung ihren Einfluß über die ganze gebildete Welt ausbreiteten. Der Empirismus Lockes gestaltete sich bei Arthur Collier (gest. 1732, »Nonexistence of an external world«) und George Berkeley (gest. 1753) zum empirischen Idealismus oder Immaterialismus um, während David Hume (1711–76) durch denselben zum Skeptizismus geführt wurde. Als Moralphilosoph schloß sich Hume wie sein Geistesverwandter Adam Smith (1723–90) an die Schule des moral sense Hutchesons an, während Thomas Reid (1710–96) wieder auf Herberts common sense zurückging und die sagen. schottische Schule stiftete, die nach ihm von Dugald Stewart (1753–1823) und Thomas Brown (1778–1820) fortgesetzt und durch Sir William Hamilton (1788–1856) dem Kantschen Standpunkt genähert wurde. Als ihr Gegner trat von materialistischer Seite her Priestley (1733 bis 1804), vom Standpunkt des Lockeschen Empirismus John Stuart Mill (1806–73) auf, während sie durch Royer-Collard und Cousin in Frankreich großen Einfluß gewann. Neuerdings war die schottische Schule durch Whewell, Mansel, Mar Cosh u.a., die empirische Schule durch den Psychologen Alex. Bain, Sidgwick und die Mitarbeiter der philosophischen Zeitschrift »The Mind« vertreten. Durch John Stuart Mill und den Kulturhistoriker Buckle ist auch der Positivismus Comtes in England eingeführt, dessen materialistische Psychologie jedoch abgelehnt worden, was von seiten andrer englischer Positivisten, wie G. H. Lewes, Tylor u.a., nicht geschieht. Dem Positivismus verwandt ist das von seinem Urheber, dem bedeutendsten unter den lebenden englischen Philosophen, Herbert Spencer (geb. 1820), als »Evolutions- oder Entwickelungsphilosophie« bezeichnete System, das sich, an die Darwinsche Lehre anlehnend, wie Comte den Aufbau des Wissens »nach der natürlichen Ordnung der Wissenschaften« (Biologie, Psychologie, Soziologie und Moral) zur Aufgabe macht. Dem im Gefolge der Naturwissenschaften, besonders der Darwinschen Deszendenztheorie, drohenden Überhandnehmen des Materialismus haben Wright, Collyns Simon, Fraser, Hodgson u.a. durch Wiederbelebung des Berkeleyschen »Immaterialismus« einen Damm vorzuschieben gesucht. Durch Abbot, den Übersetzer Kants, StirlingThe secret of Hegel«), Max Müller, den Übersetzer der »Kritik der reinen Vernunft« (1881), Caird, Green, hat auch deutsche Philosophie in England Eingang gefunden. Im ganzen ist man in England der Metaphysik als einer Untersuchung der Grundprinzipien nicht mehr so abhold wie früher, obwohl empirisch-psychologische, logische, moralische und politische Fragen vielfach in den Vordergrund treten. Um die Geschichte der Philosophie haben sich außer ihrem ersten neuern Historiker, Arthur P. Stanley, in jüngerer Zeit Blakey, Thomson, Lewes, Flint, Morris, G. Grote, Benn u.a. Verdienste erworben.

Theologie.

Die Theologie beginnt in England mit dem großen Polyhistor Beda (gest. 735), der eine berühmte Geschichte der angelsächsischen Mission verfaßte. Gegen Ende der angelsächsischen Zeit erfuhr sie eine Neubelebung unter dem Einfluß der Benediktinerreform von Clugny: so entstanden namentlich Aelfrics homiletische Werke. Die normannische Einwirkung kam ihr so zugute, daß sie mit Duns Scotus (gest. 1308) der Pariser Theologie ebenbürtig an die Seite rückte, und zwar mit einer in der Praxis konservativen Skeptik, die ihr fortan charakteristisch blieb. Wiclif trat gegen die politisch-finanziellen Übergriffe des Papstes und die Macht der verderbten Geistlichkeit auf, wollte aber noch keine Lostrennung von der Kirche; seine Haupttätigkeit war mehr pastoral als kritisch. In der Zeit der Reformation wurden eifrig die Schriften der deutschen Protestanten übersetzt; die lutherischen besonders in England und zwar in den vornehmern Kreisen, die calvinistischen in den volkstümlichen Kreisen und in Schottland, wo ihre demokratischen Nebentendenzen begreiflichen Anklang fanden. So entstand dort nach den Befehlen Heinrichs VIII. und der Elisabeth die anglikanische Kirche, der aber viele Leute der bürgerlichen Schichten von vornherein nicht Heerfolge leisten wollten, und in Schottland die presbyterianische. Beide Richtungen brachten nicht theologische Wissenschaft, sondern Kanzelredner und Verfasser von Flugschriften hervor, unter denen in England Latimer (verbrannt 1555), in Schottland John Knox (gest. 1572) hervorragten. Unter dem Eindruck der Bartholomäusnacht und der Exkommunikation Elisabeths traten seit 1572 auch die englischen Calvinisten zu Gemeinden zusammen, die sich im einzelnen als englische Presbyterianer, als Independenten oder Brownisten (nach dem separatistischen Prediger Robert Brown genannt) und als Baptisten formierten, im ganzen aber als Dissenter oder Puritaner zusammengefaßt wurden; sie waren vielfach geradezu antiwissenschaftlich; erst als sie das Experiment politischer Macht unter Cromwell durchgemacht hatten und durch die Restauration der Stuarts auf sich selbst zurückgedrängt wurden, wendeten sie sich mehr der literarischen Tätigkeit zu, die dann, der Sachlage entsprechend, wesentlich mystisch und prophetisch ausfiel: »The progress of pilgrimage« von dem frühern Kesselflicker Bunyan (1678) und die Selbstlebensbeschreibung des Quäkers Fox (gest. 1691) wurden ihre Hauptwerke. Mehr produzierten sie auf dem Wege der Anregung auf die anglikanische Kirche, die sich, je mehr sie an Macht verlor, desto mehr zu geistiger Verteidigung gezwungen sah; in dieser Richtung schrieben der gelehrte John Hales (gest. 1656) und der gemütswarme, beredte Jeremy Taylor (gest. 1667), während John Fell brauchbare Ausgaben der Kirchenväter besorgte (gest. 1688). Indem so wieder eine kritische Denkweise aufkam, gediehen die Freidenker, deren Erstlinge bereits unter der Elisabeth (der Dramatiker Marlowe) sich gezeigt hatten. Einige beobachteten eine mehr konservative Haltung, schonten die Lehrsätze und Zeremonien der Kirche und suchten sie nur mit individueller Freiheit auszulegen: in dieser latitudinarischen Gruppe (Breitkirche) zeichnete sich besonders Tillotson aus (gest. 1694). Andre gingen schonungsloser dem Kirchenglauben zu Leibe und erfreuten sich dabei philosophischer Hilfe durch Bacon und dessen Schule; sie sahen in Moses einen volkserziehlichen Naturgelehrten oder einen ehrgeizigen Betrüger und suchten das geoffenbarte Christentum durch eine natürliche Religion zu ersetzen. Sie nannten sich selbst Deisten, während sie von den Gläubigen freethinkers genannt wurden. Ihre konsequentesten Vertreter waren John Toland (gest. 1777), M. Tindal (gest. 1733), Th. Morgan (gest. 1743). Während aber ihre Schriften in Frankreich und unter der Oberfläche auch in Deutschland die »Aufklärung« verbreiteten, trat in England selbst eine Reaktion gegen sie ein, ein demokratisch-humanitärer Pietismus, der die begeisterte »Wiedergeburt« über alle Verstandesoperationen setzte und besonders durch John Wesley (gest. 1791) zu eigner kirchlicher Organisation gelangte; seit 1779 gibt es die Sekte der Wesleyaner oder Methodisten. Was von Wesleys Anhängern in der Staatskirche blieb, nannte sich Low Church und entschlug sich möglichst allem Zeremonienwesen. Anderseits erwuchs durch den Bibelkritiker Theophilus Lindsay (gest. 1808) und den Naturforscher Priestley (gest. 1804) die freidenkende Religionsgenossenschaft der Unitarier, deren Ablehnung des Dreifaltigkeitsdogmas nur ein Hauptausdruck ihrer individuellen Selbstbestimmung in theologischen Dingen ist. Der Widerstand innerhalb der anglikanischen Kirche wurde mit bemerkenswerter Kühlheit geführt; W. Paleys »Evidences of Christians« (1796) klingen selbst ziemlich rationalistisch. Inmitten der Streitenden war inzwischen eine wirkliche Bibelwissenschaft entsprungen; namentlich begann mit Kennikot (gest. 1783) die alttestamentliche Textkritik. Praktische Aufgaben forderten die Missionstätigkeit heraus, sowohl in den überseeischen Gebieten als in den rasch wachsenden Industriestädten; die Schrift von Wilberforce über »The prevailing religious system of professed Christians, contrasted with real christianity« (1797) lenkte die Begeisterten dahin, so daß die neue schottische Sekte des E. Irving (gest. 1888) mit ihren Engeln und Erzengeln nur beschränkten Zuspruch fand. Die Breitkirche unterzog sich der sozialen Aufgaben mit besonderm Eifer; F. D. Maurice entwickelte 1849 das Programm der Christian Socialists; Th. Arnold, Charles Kingsley, F. W. Robertson (Brighton), Arthur Penrhyn Stanley, der Dechant von Westminster, waren seine Bundesgenossen. Innerhalb der Hochkirche führte die Betonung der Gefühlsseite zur Oxforder BewegungTracts for the times«, 1833), die auf katholische Gebräuche und Bestrebungen zurückgriff; von ihren Führern blieb Pusey noch beim anglikanischen Bekenntnis, während Newman zur Kirche von Rom übertrat. 1843 erfolgte noch eine große Spaltung in der schottisch-presbyterianischen Kirche, indem Th. Chalmers und viele opferwillige Mitgeistliche eine stärkere religiöse Selbstbestimmung der Gemeinden durchsetzten. In der Gegenwart ist durch eine außerordentliche Mannigfaltigkeit und Beweglichkeit der kirchlichen Organisation dafür gesorgt, daß jedes Bekenntnis in England seinen Gottesdienst, seine Schule und Armenpflege findet. Die Kirchengeschichte und die biblische Archäologie haben eine hohe Blüte erreicht. Die protestantische Theologie Deutschlands genießt sorgsame Beachtung. »The Journal of theological studies« (seit 1900) und »The Hibbert Journal« (seit 1902) sind wohl die bestgeleiteten Zeitschriften. – Die neueste Darstellung der englischen Kirchenentwickelung gibt die von Stephens u. Hunt herausgegebene »History of the English Church« (1899–1902, 7 Bde). Eine kurze, populäre Übersicht bietet B. Herford, The story of religion in England (5. Aufl., Lond. 1893). Für die neueste Zeit dient O. Pfleiderer, Die Entwickelung der protestantischen Theologie in Deutschland seit Kant und in Großbritannien seit 1815 (Freiburg 1891).

Geschichtschreibung.

Früher als in irgend einem andern Lande Europas beginnen in England die Anfänge nationaler Geschichtschreibung in heimischer Sprache. Angelsächsische Annalen haben sich erhalten, die im 9. Jahrh. an Reichhaltigkeit gewinnen und sich in manchen Partien auch durch schwungvolle Darstellung auszeichnen; hier und da sind ihnen umfangreiche historische Gedichte einverleibt. Auch in der Zeit nach der normannischen Eroberung sind bis um die Mitte des 12. Jahrh. in Peterborough englische Annalen fortgeführt worden; die namhaftern Erzeugnisse der historischen Literatur aber sind seitdem in England in lateinischer oder in französischer Sprache abgefaßt. Manche von ihnen, wie z. B. die lateinischen Werke des Wilhelm von Malmesbury im 12. und des Mattheus Paris im 13. Jahrh., sind an sich von erheblicher Bedeutung; aber sie gehören der englischen Literaturgeschichte ebensowenig an wie etwa die in normannischem Dialekt geschriebenen Reimchroniken des Meisters Wace. Erst um die Wende des 14. Jahrh. begegnen wir in der Reimchronik des Robert von Gloucester wieder einem ernsthaften Werk in englischer Sprache; sie hat im 14. und 15. Jahrh. zahlreiche Nachfolger gefunden. Auch prosaische Geschichtsbücher in englischer Sprache wurden gegen Ende des Mittelalters und in der Reformationszeit zahlreicher. Sie alle übertrifft Sir Walter Raleighs (gest. 1618) unvollendete Weltgeschichte.

Eigentliche Geschichtschreibung mit selbständiger Reflexion und Charakterzeichnung rief erst der grosie Kampf zwischen Volk und Krone im 17. Jahrh. ins Leben. Thomas May (gest. 1650) und Whitelocke (gest. 1676), vor allen aber Lord Clarendon (gest. 1674) und Bischof Gilbert Burnet (gest. 1715) sind unter den Geschichtschreibern zu nennen, welche diese große Zeit hervorgebracht hat. Lord Bolingbroke (gest. 1751, »Letters on the study of history«), Nathaniel Hooke (gest. 1763) und C. Middleton (gest. 1750) gaben der englischen Geschichtschreibung einen neuen Anstoß und waren die Vorläufer des großen Dreigestirns der Vertreter der skeptisch-rationalistischen Aufklärungsperiode: David Hume (1711–76, »History of England«), mit dem die neue historische Schule beginnt, William Robertson (1721–93, »History of Scotland«, »History of Charles V.«, »History of America«) und Edward Gibbon (1737–94, »History of the decline and fall of the Roman empire«). Würdig beschloß W. Roscoe (gest. 1831) die Reihe der englischen Historiker des 18. Jahrh. durch seine mit Wärme geschriebenen Biographien der Mediceer (»The life of Lorenzo de' Medici«, 1795, und »The life and pontificate of Leo X.«, 1803), welche die damaligen Kulturzustände Italiens, das Wiederaufleben der Künste und Wissenschaften dankenswert beleuchten. Vgl. Ebeling, Englands Geschichtschreiber (Berl. 1852).

Die Historiker des 19. Jahrh. zeichnen sich nicht nur durch größere Tiefe der Forschung und z. T. durch kunstvolle Darstellung, sondern auch dadurch aus, daß sie nach dem Vorgang Roscoes die Literatur- und Kunstgeschichte oft mit der politischen verbinden. Jetzt erst wurde die angelsächsische Geschichtsperiode, ein bisher ganz brach gelegenes Feld, von zahlreichen Forschern bebaut. Der erste war Sharon Turner (1768–1847), dessen »History of the Anglosaxons« und »History of England during the middle-ages«, obschon in etwas geziertem Stil abgefaßt, ihm einen ehrenvollen Namen erwarben. Ihm folgten Thom. Wright (gest. 1877) und Sir Francis Palgrave (gest. 1861), dieser mit den rühmlich bekannten Werken: »The rise and progress of the English commonwealth: Anglosaxon period« (1832) und »The history of Normandy and of England« (1851–64); ferner J. Mitchell Kemble (gest. 1857, »The Saxons in England«). Auch John Lingard (1771–1851) hatte vor seiner berühmten, etwas in katholischen Anschauungen befangenen »History of England from the first invasion of the Romans etc.« (1819 ff.) bereits eine »History and antiquities of the Anglosaxon Church« (1809) geschrieben, die von großer Gelehrsamkeit zeugt. Das spätere englische Mittelalter bearbeitet mit Erfolg James GairdnerThe houses of Lancaster and York«; »History of the life and reign of Richard III.«; »Henry VII.« u.a.).

Am meisten jedoch wurde der Kampf um Freiheit und Verfassung unter Karl I. bis Jakob II. sowie die Entwickelung und Ausbildung der parlamentarischen Verfassung im 18. Jahrh. bearbeitet. Auf diesem Gebiet sind besonders zu nennen: James Mackintosh (1765–1832) mit seiner »History of England« und der aus seinen Papieren herausgegebenen »History of the revolution in England 1688«; W. Godwin (1756–1836) mit der »History of the commonwealth of England from the commencement to the restoration of Charles II.«, einem nicht unparteiischen, aber an wichtigen Aufklärungen reichen Werk; Lord Mahon (Stanhope, 1805–75) mit seiner »History of England from tue peace of Utrecht etc.«; endlich als die bedeutendsten Namen: Henry Hallam (1777–1859), Verfasser der als klassisch anerkannten »Constitutional history of England from the accession of Henry VII. etc.«, und Th. Babington Macaulay (1800–59), dessen durch künstlerische Gruppierung des Stoffes, lichtvolle Darstellung und lebenswarme Sprache ausgezeichnete »History of England from the accession of James II.« an Erfolg alle andern Geschichtswerke seiner Zeit überflügelt hat. Beide gehörten der politischen Farbe nach zu den Liberalen, deren Grundsätze Hallam mit Ruhe und Mäßigung, Macaulay mit Wärme und nicht ohne Parteilichkeit bekennt, und beide sind durch gelehrtes Wissen, Klarheit und Unabhängigkeit des Urteils ausgezeichnet. Auf einem philosophischern Standpunkt stand H. Thomas Buckle (gest. 1862), der in seiner ihrem Grundgedanken nach sehr anfechtbaren, aber geistvollen und wirksamen, übrigens unvollendet gebliebenen »History of civilisation in England« ein riesiges Material zusammentrug, um die Gesetze der intellektuellen Welt festzustellen. Wie anregend sein Vorgang wirkte, beweist unter anderm die in seinem Geist gedachte und vortrefflich geschriebene »History of rationalism in Europe« von Lecky (1866) sowie die in ähnlichem Sinn aufgefaßte »History of the intellectual development of Europe« von J. W. Draper (gest. 1882). Objektiver und kritischer, doch immer noch durch große Auffassung und Darstellungsweise ausgezeichnet, ist die neuere Schule der Historiker, zu der besonders gehören: E. FreemanHistory of the Norman conquest«, 1870 ff.), J. A. FroudeHistory of England from the fall of Wolsey«, 1856 ff.), S. R. Gardiner (gest. 1902, »History of England, 1603 to 1660«, unvollendet), J. R. GreenShort history of the English people«, 1874, in über 100,000 Exemplaren verbreitet und 1889 auch ins Deutsche übersetzt), sowie auf dem Gebiete der heimischen Verfassungsgeschichte der Bischof von Oxford W. Stubbs (gest. 1901, »Constitutional history of England«, 1872). Hierbei sind statt der Freiheitsfragen immer mehr die sozialen Probleme in den Vordergrund geschoben, bis sich eine Anzahl namhafter Historiker unter H. D. Traills Redaktion zu dem Sammelwerke »Social England« (1893 ff., 9 Bde.) vereinte.

Von schottischen Geschichtschreibern sind hervorzuheben: M. Laings (gest. 1818) »History of Scotland« (1800 ff.); G. Chalmers' (gest. 1825) »Caledonia« (unvollendet); P. F. Tytlers umfassende »History of Scotland« (1286–1603) und J. Hill Burtons gründliche »History of Scotland, 1689–1748« (1853). Mit der Geschichte des Auslandes beschäftigten sich: W. Coxe (gest. 1828; »Österreich und Spanien«), J. MalcolmPersien«, 1815), J. MillIndien«, 1817), SoutheyBrasilien«, 1810) u.a., besonders aber Th. CarlyleFrench revolution«. 1837. »Frederick II.«, 1865), ferner J. Seeley (gest. 1895; »Life and times of Stein«) und M. Creighton (gest. 1901; »Papacy during the Reformation«). Unter den Geschichtschreibern des Altertums steht obenan G. Grote (gest. 1871) mit »History of Greece«, worin die Bruchstücke hellenischen Lebens, die auf uns gekommen sind, zu einem prächtigen Gebäude zusammengefügt erscheinen. – Ungemein reich ist die neuere biographische und Memoirenliteratur, reicher, als daß die Namen der Autoren hier verzeichnet werden könnten. Auch die mehr populäre Geschichtsdarstellung ist in neuester Zeit in England eifrig gepflegt worden.

Übrige Wissenschaften.

In den Staatswissenschaften waren die Briten durch den Schutz einer festen Konstitution und einer ungeschmälerten Preßfreiheit begünstigt. Für nützliche Reformen im Staats- und Volksleben waren vor andern Jeremy Bentham (gest. 1832) und Lord Brougham (gest. 1868) unermüdlich tätig. Mit besonderm Eifer ließ man es sich angelegen sein, die Lehren von Adam Smith (gest. 1790) über die Macht und die Teilung der Arbeit auszubauen. Th. R. Malthus (gest. 1834) beschäftigte sich mit der Bevölkerungsfrage. David Ricardo (gest. 1823) legte seine berühmte Theorie der Grundrente dar. Vorzüglich verdient aber machte sich um die Verbreitung volkswirtschaftlicher Kenntnisse J. Stuart Mill (gest. 1873) durch seine »Principles of political economy«. Zahlreiche Leistungen haben die englischen Volkswirte in der praktischen Nationalökonomie, besonders in der Geld- und Bankfrage, aufzuweisen. Senior, Mac Culloch u.a. hatten sich zwar bisher mit den Errungenschaften eines einseitigen Smithianismus begnügt; in der neuern Zeit machte sich jedoch ein Drang nach Selbständigkeit und damit ein Umschwung der Anschauungen bemerkbar, indem Cliffe Leslie, Ingram u.a. mehr der Methode der deutschen realistischen, bez. historischen Schule zuneigen, andre, wie Tooke, Newmarch, Noyees, Ashley, bedeutende wirtschaftsgeschichtliche Studien veröffentlichten. – Auf dem Gebiete der Rechtswissenschaft nimmt vor andern W. Blackstone (gest. 1780) mit seinen »Commentaries on the laws of England« eine ehrenvolle Stellung ein. Im übrigen besteht die juristische Literatur Englands meist aus Sammlungen von Gesetzen und Parlamentsakten, Darstellungen spezieller Rechtsfragen und Angaben praktischer Hilfsmittel.

Die klassisch-philologischen Studien wurden schon im 15. Jahrh. gepflegt und sogar griechische Gelehrte an die englischen Universitäten gezogen. Im 16. Jahrh. förderte Erasmus, im 17. Junius, im 18. der Experimentalkritiker Bentley und der Herausgeber R. Porson das Verständnis des Altertums. In neuerer Zeit ragte Jowett (gest. 1893) hervor. Selbst ein Staatsmann wie Gladstone beteiligte sich mit »Studies on Homer and Homeric age«, so phantastisch sie auch sein mögen. Unter den Orien talisten war Max Müller Jahrzehnte hindurch der berühmteste und tonangebende Mann. Das Studium der englischen Philologie ist in England noch durch die Ungunst der Prüfungsordnungen gehemmt; doch haben einzelne Persönlichkeiten auch in England Großes geleistet, im vorigen Jahrhundert Warton und Tyrwhitt, in der Gegenwart besonders F. Furnivall, der Gründer und Leiter der Early English Text Society und vieler ähnlicher Arbeitsgesellschaften, sowie H. SweetHistory of English sounds«) und J. Murray, der Herausgeber des »Oxford dictionary«. – Einen hohen Standpunkt nimmt die literarische Kritik ein; Addison im »Spectator« machte sie elegant, Jeffrey in der »Edinburgh Review« schneidig, Carlyle tiefgründig; auch Matthew Arnold, Pater und in der Gegenwart Dowden, Saintsbury, Leslie Stephen verbinden Geschmack und Gedanken mit fesselnder Darstellung.

In den Naturwissenschaften hat Francis Bacon (von Verulam, gest. 1626) die scholastische Methode beseitigt und die Forschung auf die Erfahrung verwiesen. Gilbert in seinem Werk über den Magneten (um 1600) war einer der ersten Jünger der neuen Richtung. Ein Jahrhundert später kam Isaak Newton, der als der erste Physiker im modernen Sinne für Physik und Himmelskunde eine neue Ära eröffnete durch seine Lehre von der allgemeinen Schwere, durch seine Optik und Farbenlehre. Aus der großen Zahl naturwissenschaftlicher Schriftsteller, die auf ihn folgten, seien genannt: der Chemiker Sir Humphry Davy (gest. 1829); die Astronomen J. Herschel (1792–1871) und J. Norman Lockyer (geb. 1836); der Gletscherforscher J. David Forbes (gest. 1868) und der Ethnolog James Prichard (gest. 1848); ferner die Physiker und Chemiker Dan. Brewster (gest. 1868) und Wheatstone (gest. 1875), die Erfinder des Kaleidoskops und Stereoskops, Mich. Faraday (gest. 1867), Johnston, Grove und Tyndall, William Thomson (Lord Kelvin, geb. 1824), Ramsay, Rayleygh, Silv. Thompson (geb. 1851). In der Geologie schufen neue Bahnen: James Hutton (gest. 1797), der Begründer des Plutonismus; William Buckland (gest. 1856), der die Resultate der Forschungen mit der Bibel in Einklang zu bringen suchte; Adam Sedgwick (gest. 1873), J. Murchison (gest. 1871) und Archibald Geikie (geb. 1835), der Erforscher der schottischen Hochlande; namentlich aber Charles Lyell (gest. 1875), der Begründer der neuern Geologie und einer Schule, die der Katastrophenlehre ein Ende machte und die Anschauung von der allmählichen Entwickelung aller Naturdinge vorbereitete, deren hervorragendster Vertreter Charles Darwin (1809–82) wurde. Durch populäre Bearbeitung der Geologie und Paläontologie haben sich ferner D. Lardner (gest. 1859), Thomas Ansted (geb. 1814), besonders aber Hugh Miller (gest. 1856) Verdienste erworben. Auch der Anatom und Paläontolog Richard Owen (1804–92, »History of British fossils, mammals and birds«) und aus neuerer Zeit Flower, Seeley, der Tiefseeforscher Sir Wyville Thomson (1830–82) und R. Lydekker leisteten Bedeutsames. Im Geiste Darwins bearbeiteten dann Alfred Russel Wallace (geb. 1822) die Tiergeographie, Thomas Henry Huxley (gest. 1895) die vergleichende Anatomie, Fr. Maitland Balfour (gest. 1882) die Entwickelungsgeschichte, Sir John Lubbock (geb. 1834) und G. Romanes (1848 bis 1894) die Tierpsychologie. Von populären Werken auf zoologischem Gebiet haben besonders Gilbert Whites »Natural history of Selborne«, Bucklands und Bells Beiträge zu den sogen. Bridgewaterbüchern und in neuerer Zeit Lewes' »Sea side studies«, Huxleys, Grant Allens und Lubbocks Schriften einen großen Erfolg gehabt. Der Letztgenannte gab dann auch der Prähistorie und Ethnographie einen kräftigen Anstoß, wobei Will. Boyd Dawkins (geb. 1838), B. Tylor (geb. 1832) Beiträge lieferten. In der Botanik endlich haben als physiologische Forscher Andrew Knight (1758–1838), Rob. Brown (gest. 1858), Hooker (Vater und Sohn) und John Lindley (gest. 1865) Bedeutendes geleistet; dagegen ist die Literatur der Engländer reich an Prachtwerken aus dem Gebiete der beschreibenden Botanik, teils Floren (wie die große englische von Sowerby), teils Monographien (wie die über die Zapfenbäume und Cinchonen von Lambert, die Orchideen von Lindley, die Farne von Greville, die Rhododendren von Hooker etc.), teils Sammelwerken.

Die Erdkunde ward von den Engländern weniger durch systematische Darstellungen als durch zahlreiche Reisen und Reiseberichte gefördert, von der Zeit der Elisabeth an bis auf die Gegenwart. Die Herausgabe älterer, meist englischer Neifen wurde in mustergültiger Weise von der Hakluyt Society in London unternommen. Von neuen englischen Reisebeschreibungen sind die der zahlreichen Afrika- und Polarforscher hervorzuheben (s. die Sonderartikel).

Literatur.

Hilfsmittel beim Studium der Literatur Englands sind: I. Für die ganze Literatur von den Anfängen bis zur Gegenwart: Wülker, Geschichte der englischen Literatur (Leipz. 1896, illustriert); Garnett u. Gosse, English literature (Lond. 1903, 4 Bde., ebenfalls illustriert). – II. Für das Mittelalter: Warton, History of English poetry (Lond. 1774–81, 3 Bde.; neue Ausg. 1872, 4 Bde.; ein grundlegendes Werk, vom 11.–16. Jahrh. reichend); B. ken Brink, Geschichte der englischen Literatur (Bd. 1 [2. Aufl. 1899] u. 2, Berl. 1877–93, eine schöne Darstellung der Poesie und Prosa von der ältesten Zeit bis zur Reformation);ten Brinks und A. Brandls Bearbeitungen derselben Periode in Pauls »Grundriß der germanischen Philologie«, Bd. 2 (Straßb. 1892; mit Angabe der Einzelforschungen); H. Morley, English writers (1887–1895, 11 Bde., bis inkl. Shakespeare). – III. Erst bei Chaucer pflegen die nichtphilologischen Literarhistoriker ernstlich einzusetzen, unter denen hervorragen. Taine, Histoire de la littérature anglaise (11. Aufl., Par. 1903, 5 Bde.; deutsch, Leipz. 1878–80, 3 Bde.); Chambers, Cyclopædia of English literature (neu hrsg. von D. Patrick, 1903, 3 Bde.); W. J. Courthope, History of English poetry (1896–1903, Bd. 1–4). Kürzere Darstellungen dieser Art boten. Craik (1861 u. ö., 2 Bde.); Shaw (11. Aufl. 1897); H. Morley in Annalenform (»Firstsketch«, 1873 u. ö.), Saintsbury (1898) u.a.; in Katechismusform Stopford BrookePrimer«); in deutscher Sprache Alex. Büchner (Darmst. 1855, 2 Bde.), K. Bleibtreu (Leipz. 1887, 2 Bde.), und mit dem Hauptton auf der modernsten Zeit Ed. Engel (4. Aufl., das. 1897). Die schottische Literatur allein ist behandelt von D. Irving (1861) und T. H. HendersonScottish vernacular literature«, 1899); die amerikanische von J. Nichol (1882), C. F. Richardson (2. Aufl., 1891, 2 Bde.) und mit vortrefflicher Bibliographie von A. C. Bronson (1900), in deutscher Sprache von K. Knortz (Berl. 1891, 2 Bde.); weiteres s. Nordamerikanische Literatur. – IV. Für einzelne neuere Perioden: Herford, Literary relations of England and Germany in the XVI. century (1886); Saintsbury, History of Elizabethan literature (1887); J. Jusserand, Le roman au temps de Shakespeare (Par. 1888; englisch von E. Lee, 1890); E. Gosse, From Shakspere to Pope (1885); Derselbe, History of eighteenth century literature (1889); Leslie Stephen, History of English thought in the eighteenth century (2. Aufl., 1880, 2 Bde.); Hettner, Geschichte der englischen Literatur 1660–1770 (5. Aufl., Braunschw. 1894); Perry, English literature in the eighteenth century (New York 1583); Brandes, Die Hauptströmungen der Literatur des 19. Jahrhunderts, Bd. 4 (deutsch, 5. Aufl., Leipz. 1897); H. Morley, English literature in the reign of Victoria (1881); E. Stedman, Victorian poets (2. Aufl. 1887); H. Buxton Forman, Our living poets (1871); Mrs. Oliphant, The Victorian age of English literature (1893, 2 Bde.); Saintsbury, Nineteenth century literature (1896); Miles, Poets of the nineteenth century (2. Ausg. 1898, 10 Bde.); Hales, The ages series. – V. Für das Drama: Collier, History of English dramatic poetry (1831; 2. Aufl. 1879, 3 Bde.), das Grundwerk für die ältere Zeit; E. K. Chambers, Mediæval stage (1903, 2 Bde.); A. W. Ward, History of English dramatic literature to the death of Queen Anne (1875, 2 Bde.; 2. Aufl. 1899, 3 Bde.), and Klein, Geschichte des englischen Dramas (Bd. 12 u. 13 der »Geschichte des Dramas«, Leipz. 1876). Für die Zeit von 1660–1830 sind Genestes »Annals of the English stage« (Bath 1832, 10 Bde.) unentbehrlich. – VI. Bibliographien: Lowndes, Bibliographer's manual (1857–65, 11 Bde.); Allibone, Critical dictionary of English literature (Bd. 1–3, Philad. 1853–71; Bd. 4 u. 5 von Kirk, New York 1891); Halliwell, Dictionary of old plays (1860); W. D. Adams, Dictionary of English literature (2. Aufl., 1884); Sharp, Dictionary of English authors (1898); Körting, Grundriß der englischen Literatur (3. Aufl., Münster 1899); »Dictionary of national biography« (Lond. 1884–1900, 63 Bde.); Bibliographie der Shakespeare-Zeit im »Jahrbuch der deutschen Shakespeare-Gesellschaft«, andre Literatur bis 1650 im »Jahresbericht für germanische Philologie«. Für Zeitschriften: Poole, Index to periodical literature (3. Aufl. 1883; dazu 3 Supplemente, 1888–98). Vgl. auch die »Synchronistische Übersicht der Weltliteratur« bei Art. »Literatur«.


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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