Egge [2]


Egge [2]

Egge, Ackergerät, durch das der Boden nach dem Pflügen zerkleinert und geebnet, auf dem Boden liegende Erdklöße zertrümmert, der Dünger verteilt und unter die Erde gemischt, die Saat untergebracht und Unkräuter zerstört werden sollen. Zur Beseitigung von Unkraut eggt man vor dem Pflügen. Unkrautfreier, lockerer Boden wird nicht geeggt, um nicht unnötiges Entweichen von Bodenfeuchtigkeit, flüchtigen Dungstoffen und Bodenwärme zu veranlassen. Man eggt das Feld der Länge, auch der Breite nach; wirksam ist auch das Rundumeggen. Man eggt nach längerm Liegenlassen in rauher Furche, bei aufgegangenem Unkraut, nach Bildung einer festen Kruste, jedoch nicht bei feuchter Oberfläche.

Fig. 1. Rhomboidalegge.
Fig. 1. Rhomboidalegge.

Die E. wirkt hauptsächlich durch den Stoß, weniger durch die schneidende Kraft der Zähne; sie wird meist durch ihr Gewicht, seltener durch Drücken auf Sterzen, in die Erde gedrückt. Je größer die Geschwindigkeit, um so größer ist die Wirkung. Bei einer guten E. muß jede Zinke eine Furche (Strich) ziehen, die von den benachbarten gleich weit entfernt ist. Das Gewicht der E. darf nicht so groß sein, daß sie bis an den Rahmen einsinkt; man rechnet bei leichten Eggen 1–1,5 kg für jede Zinke, bei 1,5–3,5 cm Zinkenentfernung, zum Ebnen leichten Bodens und zum flachen Unterbringen von Saat; bei mittelschweren Eggen 1,5–2 kg, bei 3,5–5 cm Entfernung, zur tiefen Lockerung bei leichtem Boden, zu den gewöhnlichen Arbeiten bei mittlerm Boden und zum Ausjäten des Unkrautes; bei schweren Eggen 2–9 kg, bei 5–9 cm Entfernung.

Fig. 2. Laackes Feinegge.
Fig. 2. Laackes Feinegge.

Wird der Rahmen zu groß, so schmiegt sich die E. nicht genügend den Unebenheiten des Bodens an, man verbindet deshalb mehrere Eggenfelder durch Gelenke oder kurze Ketten miteinander derark, daß jedes Feld sich frei bewegen kann.

Nach dem Verwendungszweck unterscheidet man Acker- und Wieseneggen, in der Konstruktion dagegen folgende: Nach der Form des Feldes viereckige (Fig. 1, Rhomboidalegge mit hölzernen Balken und zwei miteinander verbundenen Feldern), dreieckige und runde. Nach der Form der Eggenbalken unterscheidet man Eggen mit starren und diese wieder mit geraden (Fig. 1), winkelförmigen (Fig. 2 und 3), zickzackförmigen (Fig. 4, mit drei Feldern und gemeinsamem Zugbaum, von Groß u. Komp. in Leipzig-Eutritzsch) u. S-förmigen Balken (Fig. 5).

Fig. 3. Laackes Feinegge.
Fig. 3. Laackes Feinegge.

Fig. 2 u. 3 (Laackes neue Feineggen) zeigen die verschiedene Anspannweise an der Breitseite oder an der Schmalseite der Eggenfelder zur Erreichung verschiedener Strichweite und verschieden seiner Bearbeitung des Ackers.

Nach der Form der Zinken gibt es Eggen mit geraden oder schwach gekrümmten, im Balken befestigten Zinken. Diese stehen senkrecht oder unter spitzem oder stumpfem Winkel zum Erdboden, je nachdem sie in die Erde eindringen sollen.

Fig. 4. Zickzackegge.
Fig. 4. Zickzackegge.

Um dasselbe Gerät für verschieden schweren Boden geeignet zu machen, werden alle Zinken durch einen Handhebel gemeinschaftlich in ihrer Schrägstellung zum Boden verstellbar gemacht, wobei zuweilen in der ausgehobenen wagerechten Stellung der Zinken Transportrollen zum Tragen der ganzen E. zur Wirkung gelangen. Laacke erreicht die richtige Schrägstellung durch Einstellen jeder Zinke für sich in äußerst einfacher Weise. Die Zinken sind aus Holz mit rundem Querschnitt, aus Schmiedeeisen oder Stahl mit eckigem od. messerartigem Querschnitt; unten sind sie zugespitzt, zuweilen auch mit kleinen Scharen besetzt. Sie sind nicht in einer Reihe angeordnet, sondern versetzt, um die Entfernung der benachbarten Zinken zur Vermeidung von Verstopfungen möglichst groß zu erhalten.

Fig. 5. Ackeregge von Groß u. Komp.
Fig. 5. Ackeregge von Groß u. Komp.

Ferner gibt es Eggen mit federnden, stark gekrümmten Zinken (Federzahneggen, Fig. 6, S. 390), die zum Zwecke der Veränderung der Arbeitstiefe oder zur Einstellung in die Transportstellung durch einen Stellhebel gemeinschaftlich verstellt werden. Die zitternde Bewegung dieser Zinken veranlaßt beim Arbeiten eine günstige Lockerung der Erdoberfläche. Die ebenfalls aus Bandstahl hergestellten Zinken der Acmeegge (Fig. 7, gebaut von Groß u. Komp. in Leipzig-Eutritzsch) sind schräg nach hinten und unten gerichtet und derart gewunden, daß sie mit der untern Kante arbeiten und dabei den Boden zerkleinern, ebnen und mischen.

Fig. 6. Federzahnegge.
Fig. 6. Federzahnegge.

Die Zinken sind bei den bisher beschriebenen Eggen während der Arbeit in ihrem Balken feststehend angeordnet.

Fig. 7. Acmeegge.
Fig. 7. Acmeegge.

Bei andern Eggen bewegen sich die Werkzeuge bei der Arbeit wagerecht oder senkrecht. Zu den Eggen ersterer Art gehören die Rundeggen, deren kreisförmige Eggenfelder in einem besondern Rahmen derart schräg eingestellt sind, daß nur die Zinken einer Seite in den Erdboden eingreifen und infolgedessen sich bei der Fortbewegung über das Feld auch drehen, so daß sich kreuzende Striche gezogen werden.

Fig. 8. Scheibenegge.
Fig. 8. Scheibenegge.

Durch Vergrößerung der einseitigen Belastung wird die Umdrehungsgeschwindigkeit vergrößert. Die Scheibeneggen (Fig. 8), die zur zweiten Gattung gehören, arbeiten mit kreisförmigen, gewölbten Stahlscheiben, die meist auf zwei Wellen derart sitzen, daß sie ihre konvexe Fläche einander zukehren. Je schräger zueinander die Wellen durch einen Handhebel verstellt werden, um so mehr wenden und krümeln die Scheiben den Boden. Die Wellen können sich meist unabhängig voneinander dem Boden anschmiegen. Die besonders von Norwegen kommenden Rolleggen haben mit Zinken besetzte Wellen oder Walzen, die derart nahe hintereinander angeordnet sind, daß sie sich bei der Arbeit gegenseitig reinigen. Diese Eggen bilden den Übergang zu den Walzen.

Fig. 9. Wiesenegge.
Fig. 9. Wiesenegge.

Um das Anschmiegen der E. an den Boden zu erhöhen, z. B. beim Eggen quer über Beete, werden bei den Gelenkeggen die Balken aus in Scharnieren gelenkig miteinander verbundenen Teilen mit je einer Zinke zusammengesetzt. Eine noch größere Beweglichkeit des Eggenfeldes ist bei den Wieseneggen erreicht; sie bestehen aus einzelnen beweglichen Gliedern mit meist drei Zinken, die durch Haken, Ösen oder Ringe miteinander verbunden sind. Die Glieder bilden runde oder dreieckige Blech- oder Gußstahlscheiben, Ringe oder Winkel (Fig. 9), die einzelne Zinken fest oder auswechselbar, auch einstellbar tragen.

Fig. 10. Wiesenegge von Laacke.
Fig. 10. Wiesenegge von Laacke.

Diese stehen meist nach oben und unten vor, und zwar auf der einen Seite 12–21 cm als vorn scharfe Schneidezähne und auf der andern Seite 4–9 cm als stumpfe Zähne; letztere dienen zum Ausreißen des Mooses.

Fig. 11. Egge aus Stahldraht.
Fig. 11. Egge aus Stahldraht.

Zur Veränderung des Gebrauchs wird dann die E. einfach umgekehrt. Laacke hat auch sternförmige Eggenzähne vorgeschlagen, um abgenutzte Zähne durch Drehen schnell ersetzen zu können. Damit auch hier jede Zinke ihren richtigen Strich zieht, hat Laacke nicht, wie meist üblich, die Eggenglieder ungleich, sondern die hilligern Verbindungsstücke für die verschiedenen Zinken ungleich (Fig. 10) gemacht, wodurch die Einhängepunkte (die punktierten Linien) unverrückbar festgelegt sind und ein Verwirren des Feldes verhindert ist. Fig. 11 zeigt eine in Frankreich sehr verbreitete Eggenart von E. Puzenat u. Söhne in Bourbon-Lancy. deren Glieder und Zähne aus gebogenem Stahldraht bestehen. – Im Kriegswesen gehört die E. zu den Hindernissen (s. d.) und findet, mit Hakenpfählen befestigt, zur vorübergehenden Sperrung von Durchgängen, besonders Furten, Anwendung. – Die E. war den Ägyptern und Juden, nicht aber den Griechen bekannt; die Römer benutzten mehrere Arten.


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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