Demēter


Demēter

Demēter, die griech. Göttin des Ackerbaues, Tochter des Kronos und Schwester des Zeus, von diesem Mutter der Persephone (s.d.), und von Jasion (s.d.) des Plutos. Ihr Verhältnis zu der Tochter bildet den Mittelpunkt ihres Mythus und Kultus. Sie sind so eng verbunden, daß sie schlechthin die »beiden Göttinnen« oder die »Herrinnen« (Despoinai) heißen. Nach Persephones Entführung durch Hades irrte D. neun Tage nach der Verschwundenen umher. Als ihr am zehnten Helios den Raub und das Einverständnis des Zeus damit entdeckte, mied sie zürnend den Olymp und wanderte in Gestalt einer alten Frau unter dem Namen Deo unter den Sterblichen umher, bis sie zu Eleusis in Attika bei König Keleos freundliche Aufnahme und in der Wartung seines jüngsten Sohnes Demophon Trost fand. Als sie bei dem Versuch, den Knaben nachts im Feuer unsterblich zu machen, von dessen Mutter Metaneira überrascht wird, gibt sie sich als Göttin zu erkennen und läßt ein Heiligtum bauen. in dem sie ihrem Gram und Groll nachhängt. Sie macht die Erde unfruchtbar, und Hungersnot droht der Menschheit Vernichtung, bis Zeus bewilligt, daß Persephone zwei Drittel des Jahres bei der Mutter zubringe. Ehe sie versöhnt in den Olymp zurückkehrt, läßt sie den eleusinischen Gastfreunden die Getreidefrucht, die Kunst des Feldbaues und ihre heiligen Weihen; ihren Liebling Triptolemos (s.d.) sendet sie in der Welt umher zur Verbreitung des Ackerbaues und der damit verbundenen Segnungen, Gründung sester Wohnsitze, bürgerlicher Ordnung und Ehe.

Fig. 1. Demeterstatue von Knidos (London, Britisches Museum).
Fig. 1. Demeterstatue von Knidos (London, Britisches Museum).

Als Ackerbaugöttin und Thesmophoros (s. Thesmophorien), d. h. Stifterin der gesetzlichen Ordnung, namentlich der Ehe, wurde sie in der Griechenwelt mannigfach verehrt, meist mit ihrer Tochter zusammen, besonders in Athen, Eleusis und auf Sizilien, das wegen seiner Fruchtbarkeit für eine ihrer Lieblingsstätten galt. Als Göttin der Fruchtbarkeit wurde sie in manchen Gegenden, namentlich Arkadien, mit Poseidon als Gott der befruchtenden Feuchtigkeit in Verbindung gebracht, sowie mit dem Weingott Dionysos (s. Jakchos). Als in der Erdtiefe waltende Göttin, der außer den Saaten auch die Verstorbenen anvertraut werden, und als Mutter der Persephone stand sie unter dem Namen Chthonia (die Unterirdische) zur Unterwelt in Beziehung. Über ihren weitverbreiteten, besonders in Eleusis gepflegten Geheimdienst (Mysterien) s. Eleusis. Geopfert wurden ihr außer Früchten und Honigwaben die Kuh und die Sau wegen ihrer Fruchtbarkeit; ihre Attribute sind Ähren und Mohn, ein Ferkel, mit Bezug auf ihre mystische Bedeutung, die Fackel und eine verschlossene Schachtel, die sugen. mystische Ciste. Die Römer identifizierten D. mit ihrer Ceres (s.d.). Vgl. Preller, D. und Persephone (Hamb. 1837); Förster, Der Raub und die Rückkehr der Persephone (Stuttg. 1874).

In der Kunst gewinnt D. erst ziemlich spät größere Bedeutung. Vorzugsweise wird sie dargestellt in ihrem Verhältnis zu Persephone. So prägt sich in D. das Ideal der Mütterlichkeit aus in den matronalen Formen, der vollen Bekleidung und der Verschleierung des Hinterhauptes, am edelsten verklärt in der sitzenden Statue von Knidos (im Britischen Museum zu London, Fig. 1, S. 625). Als segnende Göttin des Ackerbaues zeigt die D.-Ceres ein pompejanisches Wandgemälde (Fig. 2). Wie sie mit fliegendem Gewand auf einem Drachenwagen dem Räuber ihrer Tochter nacheilt, wird auf Sarkophagreliefs häufig dargestellt; noch beliebter ist, namentlich auf Vasenbildern, die Aussendung des Triptolemos, die auch ein großes Relief des edelsten attischen Stils aus Eleusis, jetzt im Nationalmuseum zu Athen, wiedergibt.

Fig. 2. Demeter (Wandgemälde zu Pompeji).
Fig. 2. Demeter (Wandgemälde zu Pompeji).

In Reliefdarstellungen der Mysterienweihe hat die sitzende D. den Modius auf dem Kopf, die verhüllte Ciste in der Linken, ein Opferschweinchen in der Rechten. Vgl. Bloch in Roschers »Lexikon der Mythologie«, Bd. 2, S. 1283ff.


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.