Delacroix


Delacroix

Delacroix (spr. dölakrŭá), Eugène, franz. Maler, Hauptrepräsentant der sogen. romantischen Schule, geb. 26. April 1799 in Charenton-St.-Maurice bei Paris, gest. 13. Aug. 1863 in Paris, war Schüler Guérins, dessen Richtung er aber, mit genialer Kühnheit die von der ältern klassischen Schule gezogenen Schranken durchbrechend, bald verließ, um eine neue Bahn einzuschlagen. Sein Streben nach imponierender Wirkung, nach scharfen Kontrasten, nach grellem, besonders in der Beleuchtung beruhendem Effekt gab sich schon in seinem ersten, für die französische Malerei epochemachenden, im Salon von 1822 ausgestellten Werk: Dante und Vergil, über den See der Höllenstadt fahrend (im Louvre), kund. Einen noch größern, die Anhänger der Davidschen Schule niederschmetternden Eindruck machte 1824 das aus dem Enthusiasmus für den griechischen Freiheitskampf erwachsene Gemetzel von Chios (Louvre), das gewissermaßen als das Manifest der romantischen Schule zu betrachten ist. Nachdem D. 1825 eine Reise nach England gemacht und dort mit der englischen Literatur, besonders mit Shakespeare und Byron, näher bekannt geworden, entfaltete er eine große, an Rubens erinnernde Fruchtbarkeit und behandelte Stoffe aus der Mythologie, der christlichen Religion, der Politik, dem Volksleben, der Poesie und der Allegorie. Daneben schuf er Schlachtengemälde, Porträte, Marine- und Tierstücke in Öl und Aquarell, umfangreiche Fresken und selbst Radierungen. Der schematischen Gruppierung der klassischen Schule setzte er ein buntes Gestaltengewimmel entgegen. Während er an Farbenreichtum, lebendigem Ausdruck, wirkungsvoller Komposition und Darstellung alle Zeitgenossen übertraf, läßt er Eleganz und Erhabenheit des Stils oft vermissen, nicht minder die volle Durchführung seiner meist nur mit anscheinend skizzenhafter Leichtigkeit hingeworfenen Werke. Seine im Nachlaß gefundenen Studien haben jedoch ergeben, daß er ein vortrefflicher Zeichner war, der mit Absicht den Umriß der koloristischen Wirkung opferte Während der Künstler auf der einen Seite leidenschaftlich gepriesen ward, traf ihn auf der andern ungebührliche Herabsetzung. D. war vornehmlich der Abgott der neuerungslustigen Jugend unter den Künstlern und fand unter dieser zahlreiche Schüler und Nachahmer, wiewohl er keine eigentliche Schule gebildet hat. Von seinen größern Werken sind zu nennen: Hellas, trauernd auf den Ruinen Missolunghis (1826); die Enthauptung des Dogen Marino Falieri (nach Byron); Milton mit seinen Töchtern; Christus am Ölberg (in der Kirche St.-Paul zu Paris); Sardanapal auf dem Scheiterhaufen; die Göttin der Freiheit, das Volk führend (im Louvre), und der Tod des Bischofs von Lüttich, nach Scotts »Quentin Durward«. 1832 wurde der Künstler einer außerordentlichen Gesandtschaft beigegeben, die Ludwig Philipp an den Sultan von Marokko abgehen ließ. Im Orient erhielt der Kolorismus von D. durch den Einfluß des Sonnenlichts erst seine volle Reise, wofür die Genrebilder: algierische Frauen im Harem (1834. Louvre), die jüdische Hochzeit in Marokko (1841, Louvre) und die Konvulsionäre von Tanger Zeugnis ablegen. Die koloristische Weiterentwickelung ist aber auch an seinen Historiengemälden zu erkennen, wie in Ludwig dem Heiligen in der Schlacht gegen die Engländer auf der Brücke von Taillebourg an der Charente (in Versailles), Medea (1838, in Lille), Kleopatra (1839), dem Urteil Trajans (1840), der Einnahme von Konstantinopel durch die Kreuzfahrer (im Louvre), dem Tod Mark Aurels (1845, in Toulouse), Christus am Kreuz (1847), Kreuzabnahme (in der Kirche St.-Louis zu Paris) etc. Im Bibliotheksal des Luxembourg malte er an der Decke historische Bilder, worunter das Hauptbild Dante und Vergil unter den berühmtesten Dichtern, Philosophen, Staatsmännern und Helden des Altertums darstellt. Im jetzigen Palais du Corps législatif schmückte er den sogen. Salon du Roi mit den allegorischen Gestalten der Gerechtigkeit, der Industrie, der Landwirtschaft und des Krieges sowie mit den Genien der Wissenschaft, der Kunst, des Landlebens und der Stärke. Zu den letzten Werken D.' gehören das große mythologische Mittelbild am Plafond der Apollogalerie des Louvre, den Kampf Apollons mit dem Python schildernd, und die Darstellungen des Kampfes Michaels gegen Luzifer, der Vertreibung Heliodors und des Ringkampfes zwischen Jakob und dem Engel (in der Engelkapelle der Kirche St.-Sulpice zu Paris). Außerdem entwarf er 17 Lithographien zur Übersetzung des Goetheschen »Faust« von A. Stapfer (1828) und Illustrationen zu Shakespeares »Hamlet« (1843). Die Zahl seiner Gemälde beläuft sich auf etwa 850, die seiner Zeichnungen auf etwa 6500. Erst längere Zeit nach seinem Tode wurde seine Werkschätzung als größter Meister der französischen Schule nach David allgemein. 1890 wurde ihm im Luxembourggarten zu Paris ein Denkmal von Dalou errichtet. Briefe von D. wurden von Burty (2. Aufl., Par. 1880, 2 Bde.), seine Tagebücher von P. Flat und R. Piot herausgegeben (»Journal d'E. D«, 1893–95, 3 Bde.; deutsche Bearbeitung von Erich Hancke, Berl. 1903). Vgl. Moreau, E. D. et son œuvre (1873); Robaut und Chesneau, L'œuvre complet d'E. D. (1885); Meyer, Geschichte der modernen französischen Malerei (Leipz. 1867); Rosenberg, Geschichte der modernen Kunst, Bd. 1 (2. Ausg., das. 1893), und in Dohmes »Kunst und Künstler«; Dargenty, Eugène D. par lui-même (1885); Vachon, Eugène D. á l'école des beaux-arts (1885); Tourneux, D. devant ses contemporains (1886); Véron, E. D. (1887).


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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