Cochrane


Cochrane

Cochrane (spr. kóckrēn), 1) Thomas C., Graf von Dundonald, brit. Seeheld, geb. 14. Dez. 1775, gest. 31. Okt. 1860, trat 1793 in den Seedienst. Als Leutnant erhielt er 1800 das Kommando der Brigg Speedy, mit der er im Mai 1801 eine spanische Fregatte bei Barcelona und im ganzen in zehn Monaten mehr als 50 Schiffe mit 122 Kanonen wegnahm, wofür er zum Kapitän befördert wurde. Im Juli 1801 mußte er vor einem Geschwader von drei französischen Linienschiffen die Flagge streichen, ward jedoch bald ausgewechselt. 1805 tat er sich als Kommandant einer Fregatte in den Kämpfen gegen die französische Flotte aufs rühmlichste hervor. 1809 vernichtete er auf der Reede von Aix, unweit Rochefort, einen Teil der französischen Flotte, geriet aber bei dieser Gelegenheit mit seinem Vorgesetzten, Lord Gambier, und mit der Admiralität in Konflikt und wurde auf Halbsold gestellt. Nachdem C. infolgedessen die Admiralität heftig angegriffen hatte, ward er 1814 angeklagt, bei der Verbreitung falscher politischer Nachrichten behufs einer Börsenspekulation beteiligt gewesen zu sein, und trotz seiner völligen Unschuld zu 1000 Pfd. Sterl. Geldstrafe, einjährigem Gefängnis und Ausstellung am Pranger verurteilt sowie mit Ausstoßung aus dem Haus der Gemeinen, Verlust seines Ranges in der Flotte und des Bathordens bestraft. Das Land war entrüstet über diese Ungerechtigkeit, und die Wähler von Westminster wählten C. wieder zu ihrem Vertreter. Nach einjähriger Hast (der Pranger war ihm erlassen worden) bekämpfte er im Parlament das Ministerium, trat aber 1818 als Admiral in den Dienst der neuen Republik Chile, zeichnete sich in dem Unabhängigkeitskrieg derselben außerordentlich aus und nahm 1820 Valdivia sowie 1821 Lima. 1823–25 stand C. als Admiral im brasilischen Dienste, 1827 übernahm er den Befehl der griechischen Flotte, legte ihn aber schon Ende 1828 wieder nieder, da er nicht die nötige Unterstützung fand. Nach England zurückgekehrt, wurde C. nach der Thronbesteigung Wilhelms IV. 1831 in seinen frühern Rang wieder eingesetzt und bald darauf zum Konteradmiral ernannt. Durch den Tod seines Vaters 1831 zum Grafen von Dundonald erhoben, beschäftigte er sich in der Folge besonders mit dem Studium nautischer und mechanischer Erfindungen; er avancierte 1842 zum Vizeadmiral und ward 1848 Oberbefehlshaber der in den westindischen und nordamerikanischen Gewässern stationierten Flotte, von wo er 1851 mit dem Rang eines Admirals zurückkehrte. Über sein Leben berichtete er in »Narrative of services in the liberation of Chile, Peru and Brazil« (Lond. 1859) und in der »Autobiography of a seaman« (1866, 2 Bde.; neue Ausg. 1873). Letztere fand in dem »Life of Lord C.« von seinem Sohn Thomas C. (1869, 2 Bde.) ihren Abschluß. Vgl. Atlay, The trial of Lord C. before Lord Ellenborough (Lond. 1897).

2) Sir Thomas John, Vetter des vorigen, geb. 5. Febr. 1789, gest. 19. Okt. 1872, widmete sich gleichfalls dem Seedienst, ward 1806 im Alter von 17 Jahren zum Kapitän befördert, nahm 1807 das französische Schiff La Favorite und trug zur Unterwerfung der westindischen Inseln Dänemarks bei. 1841 wurde er Konteradmiral und 1844 Oberbefehlshaber in Ostindien. Hier unternahm er 1845 eine glückliche Expedition gegen die Seeräuber des Indischen Archipels und bemächtigte sich 1846 der Hauptstadt des Sultans von Borneo. 1850 wurde er Vizeadmiral, 1856 Admiral, 1865 Admiral der Flotte.

3) Alexan der Dundas Roß Baillie, Lord Lamington, Sohn des vorigen, geb. im November 1816, gest. 15. Febr. 1890, studierte zu Cambridge, war seit 1841 zu verschiedenen Malen Parlamentsmitglied und hat sich als Politiker wie als Schriftsteller einen Namen gemacht, besonders durch sein Werk »Voung Italy« (Lond. 1850), worin er, ebenso wie im Parlament, als eifriger Verfechter der konservativen Politik im Innern und nach außen auftrat. 1880 wurde er beim Rücktritte des Kabinetts Beaconsfield zum Mitgliede des Oberhauses mit dem Titel Baron Lamington ernannt. Seine »Lucille Belmont« (1848) und »Ernest Vane« (1849) sind schwache Nachahmungen von Bulwers Romanen. Außerdem veröffentlichte er: »Poems« (1838); »Exeter Hall or Church-Polemics« (1841); »The Morea with other poems« (2. Ausg. 1841); »Florence the Beautiful« (1854, 2 Bde.); »The kingdom of Greece« (1862); »Young artist' slife« (1864); »Historic pictures« (1865, 2 Bde.); »Francis I., and other historic studies« (1870, 2 Bde.); »Historie châteaux: Blois, Fontainebleau, Vincennes« (1876); »The Théâtre Français in the reign of Louis XV.« (1879).

4) John, berühmter engl. Schachspieler, geb. 1798, gest. 1878, Zeitgenosse Stauntons, mit dem er bei zeitweiligem Aufenthalt in England (1841–42) viele Partien wechselte. Den größten Teil seines Lebens verbrachte C. als Rechtsgelehrter in Kalkutta, wo er seine in der Schachwelt wohlbekannten, meist siegreichen Kämpfe mit den Brahmanen Möheschunder und Saumchurn Guttack ausfocht. Nach ihm ist eine lebhafte Variante des Königsspringer-Gambits »C.-Gambit« genannt worden.


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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