Bräune [1]


Bräune [1]

Bräune, veralteter Ausdruck für schwere Entzündungen des Rachens und Kehlkopfes, wie die häutige B., Diphtherie oder Krupp, der akute Rachenkatarrh (Angina catarrhalis) und die Mandelentzündung (Angina tonsillaris, Amygdalitis). – Bei Haustieren wird der Begriff der beim Pferd, Hund und Schwein, auch beim Rind vorkommenden B. weiter gefaßt. Da sich bei großen Haustieren der Sitz der Schleimhauterkrankung der direkten Untersuchung entzieht und häufig Rachen- und Kehlkopfschleimhaut zusammen erkrankt sind, so rechnet man hier die Erkrankung des Kehlkopfes der B. zu und versteht unter B. einen Entzündungsprozeß der Schleimhaut der Rachenhöhle (Pharynx) einschließlich des weichen Gaumens und der Mandeln sowie des Kehlkopfes (Larynx), wobei bald die Symptome der Pharynxangina, bald die der Larynxangina überwiegen. Die Ursachen sind namentlich Erkältung, zu kaltes Getränk, schädliche Substanzen im Futter und Infektionsstoffe. Infolge von Infektion kommt die B. auch als Teilerscheinung allgemeiner Infektionen vor, so bei der Druse der Pferde und als Milzbrandbräune der Schweine. Die diphtheritischen Formen s. unter Diphtherie. Im Volksmunde hieß auch wohl der Rotlauf der Schweine B., jedoch nur in Beziehung auf die krankhafte Hautfärbung. Bei Pferden äußert sich die B. zuerst meist in Erschwerung der Futteraufnahme, Husten, Schmerzhaftigkeit der Rachen- und Kehlkopfsgegend hinter dem Unterkiefer. Die auftretenden Schlingbeschwerden sind ein sicheres Kennzeichen und werden festgestellt, indem man das Pferd trinken läßt, wobei das Getränk mühsam aufgenommen wird und z. T. durch die Nasenlöcher wieder zurückkommt. Es tritt Fieber ein, häufig auch Schwellung der Lymphdrüsen im Kehlgang und unter der Ohrspeicheldrüse, schließlich des ganzen Halses. Zu dem Husten kann sich Atembeschwerde gesellen. Der Verlauf ist gewöhnlich rasch und führt zur Genesung. Komplikationen entstehen bei Vereiterung der Lymphdrüsen; es können Lungenentzündungen und Tod durch Erstickung eintreten. Behandlung: hauptsächlich diätetisch, warmer, gut gelüfteter Stall, laues Trankfutter, Einhüllung des Halses und der Backen. Eingeben von Arzneien nicht ratsam (Gefahr des Verschluckens und der Lungenentzündung). Ärztlich können Einreibungen, operative Eingriffe, selbst Luftröhrenschnitt vorzunehmen sein. Bei Schweinen entsteht die B. häufig durch Erkältung, namentlich auf der Weide, und zeigt sich durch Husten, Atembeschwerden, Schlingbeschwerden, Würgen und event. Erbrechen, auch Schwellung und Rötung am Halse, an. Häufig tritt der Tod durch Erstickung bei starker Mitleidenschaft des Kehlkopfes ein. Behandlung: warmer Stall, ein Brechmittel, Grün- oder Trankfutter. Bei Hunden ist B. sehr häufig, äußert sich in Husten, Speicheln und Schlingbeschwerden, dauert einige Wochen, verläuft aber meist günstig. Behandlung mit Prießnitz-Umschlägen um den Hals, Pinselungen im Rachen, Einreibung der geschwollenen Halsdrüsen mit grauer Salbe etc. Beim Rind ist am häufigsten die häutige B. (Krupp) des Kehlkopfes, die mit starkem Fieber, Husten und Atembeschwerde verbunden ist und oft zu Erstickung führt. Werden nach 3–4 Tagen Fetzen des Schleimhautbelages ausgehustet, so erfolgt meist Heilung. Eine besondere Erkrankung der Kopfschleimhäute des Rindes ist das Katarrhalfieber (s.d.).


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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