Zwickau


Zwickau

Zwickau, 1) Hauptstadt der gleichnamigen sächs. Kreis- und Amtshauptmannschaft, an der Zwickauer Mulde, 267 m ü. M., ist in ihrem ältern Teil unregelmäßig gebaut und von altertümlichem Aussehen. Unter den 9 Kirchen (worunter eine Methodisten- und eine neue kath. Kirche) zeichnet sich die seit 1451 im gotischen Stil wieder erbaute, 1885–91 restaurierte und an der Außenseite mit 70 Statuen geschmückte Marienkirche von 1118 aus.

Wappen von Zwickau.
Wappen von Zwickau.

Auf ihrem 87 m hohen Turm eine 115 Zentner schwere Glocke, in ihrem Innern treffliche Gemälde von Lukas Cranach dem Jüngern, ein in Holz geschnitzter Flügelaltar von Michael Wolgemut, eine Holzschnitzerei (das Heilige Grab) von 1507, wahrscheinlich von Veit Stoß, und ein kostbares Kruzifix aus Bergkristall. Die 1893–94 restaurierte Katharinenkirche (an der Thomas Münzer 1520–22 Prediger war), ebenfalls im gotischen Stil erbaut, ist mit einem Altargemälde von Lukas Cranach dem Ältern geziert. Sonst sind zu nennen: das Rathaus (von 1581, mit dem an Urkunden bis zum 13. Jahrh. reichen Ratsarchiv, das auch das von Hans Sachs geschriebene Manuskript von 15 Bänden seiner Gedichte enthält), das im spätgotischen Stil 1522–24 erbaute Gewandhaus (als Theater und zu Konzerten benutzt), die Gebäude des Kunstvereins mit Gemäldesammlung, das Schloß Osterstein (jetzt Strafanstalt) etc. Bemerkenswert sind auch: das Geburtshaus des Komponisten Robert Schumann am Markt und ein andres Haus dortselbst, in dem Luther und Melanchthon bei ihrer Anwesenheit in Z. wohnten. Z. besitzt ein schönes Kriegerdenkmal, ein Denkmal des Komponisten Robert Schumann auf dem Hauptmarkt und ein Streitdenkmal im Stadtpark. Die Zahl der Einwohner belief sich 1905 mit der Garnison (ein Infanterieregiment Nr. 133) auf 68,502 Seelen, darunter 4201 Katholiken und 124 Juden. Z. ist Mittelpunkt des Steinkohlenbergbaues im Erzgebirge (s. das Profil auf Tafel »Steinkohlenformation VI«). Die dortigen Kohlenlager werden schon 1348 erwähnt, aber erst seit 1823 im großen ausgebeutet. Gegenwärtig sind dabei mehr als 13,000 Arbeiter beschäftigt, die Produktion beträgt über 2,5 Mill. Ton. jährlich. Außerdem hat Z. bedeutende Spinnerei und Weberei, Eisengießerei, Automobil- und Maschinenbau, Fabrikation von chemischen Produkten, Porzellan, Papier, Glas, Farbwaren, Draht- und Hanfseilen, Handschuhen, Strumpfwaren, englischen Gardinen, Segeltuch, Drahtstiften, Sieben und Geflechten, Goldschlägerformen, Sicherheitslampen, Metallwaren, Rohrflanschen, Fässern, Dachpappe, Holzzement, Papierstuck, Portefeuillewaren, Malz, Senf, Seife etc. Ferner bestehen Dampfsteinschneiderei, Diamant- u. Glasschleiferei, Dampfmühlen, Dampfsägewerke, Ziegeleien und große Bierbrauereien. Der Handel, unterstützt durch eine Reichsbankstelle (Umsatz 1907: 576,2 Mill. Mk.), Filialen der Dresdener und der Sächsischen Bank und andre Geldinstitute sowie durch eine Börse (hauptsächlich für Kohlenaktien), ist sehr lebhaft, besonders in Getreide, Ziegeln, Holz, Steinkohlen, Leinen etc. Dem Verkehr in der Stadt und nach einigen Vororten dient eine elektrische Straßenbahn. Für den Eisenbahnverkehr ist die Stadt Knotenpunkt der Staatsbahnlinien Reichenbach i. V.-Chemnitz, Werdau-Z., Z.-Ölsnitz, Z.-Schwarzenberg u. a. An Bildungs- und ähnlichen Anstalten hat Z. ein Gymnasium mit einer für die Reformationsgeschichte wertvollen Bibliothek (25,000 Bände, darunter auch seltene Musikalien), ein Realgymnasium nebst Realschule, eine Handels- und eine Bergschule, eine Ingenieurschule, mehrere Innungsfachschulen, ein Waisenhaus, einen Kunstverein, eine mineralogisch-geologische Sammlung (Richterstiftung) und zahlreiche Wohltätigkeitsanstalten. Die Stadt ist Sitz einer Kreis- und einer Amtshauptmannschaft, eines Landgerichts, eines Kreissteuerrates, einer Eisenbahnbetriebsdirektion, eines Hauptsteueramts, einer Berginspektion etc. Die städtischen Behörden zählen 15 Magistratsmitglieder und 36 Stadtverordnete. In der Umgebung sind bemerkenswert: der an der Südseite der Stadt gelegene Stadtpark mit dem 18 Hektar großen Schwanenteich und dem Schwanenschloß und der Windberg (Alberthöhe) mit Bismarckturm und hübscher Aussicht. – Zum Landgerichtsbezirk Z. gehören die 17 Amtsgerichte zu: Aue, Eibenstock, Glauchau, Hartenstein, Hohenstein-Ernstthal, Johanngeorgenstadt, Kirchberg, Krimmitschau, Lichtenstein, Lößnitz, Meerane, Schneeberg, Schwarzenberg, Waldenburg i. S., Werdau, Wildenfels und Z.-Z. (fälschlich durch Cygnea, »Schwanenstadt«, erklärt) ist sorbischen Ursprungs und blühte nach 1000 rasch empor, da es an einer der Handelsstraßen lag, die von Halle nach Böhmen führten. Z. gehörte zum Osterland, dann zum Pleißengau, war aber Reichsgut. Markgraf Heinrich der Erlauchte von Meißen erhielt die Stadt als Unterpfand für die Mitgift bei der Verlobung seines Sohnes Albrecht mit Margarete, Kaiser Friedrichs II. Tochter; 1311 und 1323 ward der Pfandbesitz den Markgrafen bestätigt und von Karl IV. in ein Lehen verwandelt. Nach dem Brande von 1403 wieder aufgebaut, entfaltete sich Z. zu immer größerer Blüte, namentlich nach der 1470 erfolgten Entdeckung der Schneeberger Silberbergwerke. Die Reformation ward schon 1521 eingeführt, und von hier ging die wiedertäuferische Bewegung aus. Durch den Dreißigjährigen und Siebenjährigen Krieg wurden der Stadt tiefe Wunden geschlagen, von denen sie sich erst in neuerer Zeit wieder erholt hat. Vgl. Herzog, Chronik der Kreisstadt Z. (Zwickau 1839–45, 2 Bde.), Geschichte des Zwickauer Steinkohlenbaues (Dresd. 1852) und Geschichte des Zwickauer Gymnasiums (Zwick. 1869); Steche, Beschreibende Darstellung der ältern Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen, Heft 12 (Dresd. 1889); Hänsch, Das Zwickau-Chemnitzer Kohlengebiet (Meiß. 1908); Wappler, Inquisition und Ketzerprozesse in Z. (Leipz. 1908).

Die Kreishauptmannschaft Z. (s. Karte »Sachsen«) umfaßt 2548 qkm (46,28 QM.) mit (1905) 800,231 Einw. (darunter 761,170 Evangelische, 29,123 Katholiken und 840 Juden), 314 auf 1 qkm, und besteht aus den fünf Amtshauptmannschaften:

Tabelle

2) (Z. in Böhmen) Stadt in Böhmen, Bezirksh. Deutsch-Gabel, am Südfuß des Lausitzer Gebirges, an der Linie Röhrsdorf-Z. der Böhmischen Nordbahn gelegen, Sitz eines Bezirksgerichts, hat ein Krankenhaus, mechanische Buntwebereien, Färbereien, Bleicherei, Zwirnerei, Bierbrauerei, Dampfsäge, Elektrizitätswerk und (1900) 6020 deutsche Einwohner.


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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