Bertin


Bertin

Bertin (spr. -täng), 1) Théodore Pierre, Stenograph, geb. 2. Nov. 1751 in Provins, gest. 25. Jan. 1819 in Paris, übertrug nach mehrjährigem Aufenthalt in England 1792 das englische Stenographiesystem von Taylor (s. Stenographie) auf das Französische und wurde dadurch der Einbürgerer der geometrischen Kurzschrift in Frankreich und in andern kontinentalen Staaten. Vgl. »La Chronique de la Sténographie« (Par. 1901) Nr. 134–136.

2) Antoine, genannt Chevalier B., franz. Dichter, geb. 10. Okt 1752 auf Ile Bourbon, wurde in Paris erzogen, brachte es bis zum Kapitän der Reiterei und starb, ein Opfer seiner Ausschweifungen, 1790 auf Santo Domingo, wo er eine junge Kreolin geheiratet hatte. Einer der sinnlichsten Erotiker, erhielt er den Beinamen des »französischen Properz«; doch gehen ihm die Lebendigkeit und der lyrische Schwung des römischen Dichters ab. Seine durch Geist und Geschmack ausgezeichneten Dichtungen erschienen zuerst unter dem Titel: »Les Amours« (1780), in neuerer Ausgabe als »Œuvres complètes« (1824) und als »Poésies et œuvres diverses« (hrsg. von Affe 1879).

3) Louis François, genannt B. der ältere (l'aîné) zum Unterschied von B. 4) und 5), franz. Journalist, geb. 14. Dez. 1766 in Paris, gest. 13. Sept. 1841, Sohn eines Sekretärs des Herzogs von Choiseul, gab nach dem Sturze Robespierres den »Éclair« heraus, der 1798 von dem Direktorium als royalistisch unterdrückt wurde. Nach dem Staatsstreich Bonapartes übernahm er im Januar 1800 das 1789 begründete »Journal des Débats«, bald das bedeutendste Organ der monarchisch gesinnten Partei. Im Februar 1801 wurde B. wegen angeblicher Verschwörung mit England verhaftet und nach Italien verwiesen. Seitdem wurde er ein Anhänger der Bourbonen. 1804 nach Paris zurückgekehrt, übernahm er wieder die Redaktion seines Blattes, das auf Befehl den Titel: »Journal de l'Empire« führen mußte und unter der Leitung des der Redaktion aufgedrängten Fiévée eine offiziöse Farbe erhielt. Erst nach der Rückkehr der Bourbonen erschien das »Journal des Débats« wieder als Verteidiger der legitimen Monarchie. Seit dem Regierungsantritt Karls X. trat B. für die konstitutionellen Grundsätze der Doktrinäre ein. Nach der Julirevolution unterstützte B. die Orléans.

4) (B. de Veaux) Louis François, zweitältester Bruder des vorigen, geb. 15. Aug. 1771 in Paris, gest. 23. April 1842, gründete 1801 ein Bankgeschäft und nahm an der Redaktion des von seinem Bruder gegründeten »Journal des Débats« teil (wie auch im Winter 1841/12), wurde Richter und Präsident beim Handelsgericht, 1825 Deputierter, dann Unterstaatssekretär im Polizeiministerium unter Decazes, 1827 Staatsrat, nahm aber 1829, als Polignac Minister wurde, seine Entlassung und ward nach der Julirevolution Gesandter im Haag, nach seiner Rückkehr Pair.

5) Louis Maria Armand, Sohn von B. 3), geb. 22. Aug. 1801 in Paris, gest. 11. Jan. 1854, nach der Restauration Sekretär bei Chateaubriand in London, ward 1820 einer der Redakteure des »Journal des Débats« und nach seines Vaters Tode dessen Hauptleiter, selbst nach der Revolution von 1848 mit Takt seinen ursprünglich liberal-konservativen Standpunkt festhaltend. Seitdem führte Eduard B., sein älterer Bruder (geb. 1797, gest. 1871), bis dahin Landschaftsmaler, die Redaktion der Zeitung bis zu seinem Tode. Vgl. »Le livre du Centenaire du Journal des Débats« (Par. 1889). – Seine Schwester Louise Angélique, geb. 15. Jan. 1805 in Les Roches bei Bièvres, gest. 26. April 1877 in Paris, war anfangs Malerin, studierte dann bei Fétis und Reicha Musik und komponierte mehrere OpernLe loup-garon«, »Fausto«, »Esmeralda«); auch gab sie eine Sammlung von Gedichten: »Les Glanes« (1842), heraus, die von der Akademie gekrönt wurden.


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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