Uganda


Uganda

Uganda, brit. Protektorat in Äquatorialafrika (s. Karte »Deutsch-Ostafrika«) seit 1890 (in der heutigen Ausdehnung seit 1896), umfaßt die Reiche Uganda, Unyoro, Usogo u. a. und liegt zwischen Kongostaat und der Enklave von Lado (W.), Deutsch-Ostafrika (S.), Britisch-Ostafrika (O.), im N. ist die Grenze offen; dort stößt U. an den Sudân und Abessinien. U. umfaßt 222,600 (nach andern Angaben 207,000) qkm mit (1902) 1,8 Mill. Einw. (darunter 400 Weiße), nach andern bis 4 Mill. Einw. Am Victoria Niansa ist U., 120–150 m über dem See, ein welliges, mit Gras oder dichtem Wald (am Seerand) bestandenes Gebiet, dessen Talsenkungen Papyrussümpfe in den langsam dahinziehenden Gewässern ausfüllen; nach N. und O. tritt mehr die Steppenvegetation hervor, an einigen Stellen ist dichter Urwald. Hochstämmige Rubiazeen, riesige Mpaffubäume (Canarium), rotblütige Sapotazeen, zwei Palmenarten etc. sind mit parasitischen Farnen und Orchideen bewachsen und von Lianen dicht umsponnen. Hier und da bedeckt 4–6 m hohes Schilf die Niederungen und bildet mit Zingiberazeen, Schlinggewächsen u. a. undurchdringliche Dickichte. Leoparden sind häufig, Löwen kommen im O., Elefanten im N. und O., Wasserböcke und Zwergantilopen vielfach, große Antilopen selten vor. Westafrikanische und ostafrikanische Vogelarten sind vertreten. Das Klima ist feucht (jährliche Regenmenge 1270 mm), Trocken- und Regenzeit nicht genau gegeneinander abgegrenzt, doch herrscht im allgemeinen eine erschlaffende Hitze (20–22°), die Jahrestemperatur beträgt 21,4° (Maximum 34,5°, Minimum 12°). Die Bewohner, unter denen die Schlafkrankheit noch immer furchtbare Verheerungen anrichtet, sind die Baganda oder Waganda (Bantu), etwa 1 Mill., vermischt mit den hamitischen, früher erobernd eingedrungenen herrschenden Hirten, den Wahuma; sie sind der europäischen Zivilisation sehr zugänglich und durch protestantische, englische und katholische französische Missionare schnell bekehrt worden (gegenwärtig 300,000 Protestanten und 230,000 Katholiken, bei nur 20,000 Mohammedanern). An Missionsschulen existieren 16 protestantische mit 30 und 50 katholische mit 800 Eingebornenlehrern. Sie sind fleißige Landbauer Durra, Mais, Bataten, Yams, Tabak, Rizinus, Sesam, Zuckerrohr, Kaffee, Bananen, aus denen sie ein berauschendes Getränk, Muenge, gewinnen. Haustiere sind Rinder, Schafe mit Fettschwanz, Ziegen, Hühner, Hunde, Katzen. Sie sind geschickte Holzarbeiter und Schmiede, haben Speer, Schild, Bogen, Pfeil und Feuergewehre (von Sansibar her). Auf dem Victoria Niansa haben sie ganze Flotten von großen Booten. Außerdem werden Kleiderstoffe aus Baumrinde, Töpferwaren, Körbe und Matten, Leder u. a. gefertigt. S. die Tafeln »Afrikanische Kultur I«, Fig. 23 u. 26; »Geräte der Naturvölker II«, Fig. 45; »Schiffsfahrzeuge I«, Fig. 4; »Wohnungen der Naturvölker I«, Fig. 2; »Rauchgeräte I«, Fig. 11. U. gilt als die Perle Ostafrikas, der Boden ist (mit Ausnahme der Rudolfprovinz) fruchtbar. Die Kulturen auf Kaffee, Kautschuk, Sanseveriafaser, Baumwolle u. a. lohnen sehr. Nennenswerte Mineralschätze sind nicht gefunden. Außerdem ist U. ein vielbesuchtes Durchgangsgebiet nach dem Kongostaat und dem NW. von Deutsch-Ostafrika. Dazu trägt die gute Verkehrsmöglichkeit bei. Breite, für den Frachtverkehr eingerichtete Straßen (437 km) verbinden die wichtigsten Stationen. Vor allem aber ist wichtig die Uganda-Eisenbahn (818 km lang, Kosten 5,317,000 Pfd. Sterl.), die seit 1901 von Mombassa über Port Florence nach Kisumu am Victoria Niansa geht und die Dauer der Reise von 2–3 Monaten auf 4 Tage abgekürzt hat. Dort setzt dann der Dampfschiffahrtsverkehr über den See ein (1906: 5 Dampfer). U. bildet mit Britisch-Ostafrika eine Zollgemeinschaft. Die Ein- und Ausfuhr, die zuerst nicht besonders für U. angegeben wurde, hebt sich dauernd. Der Transitverkehr geht besonders nach Deutsch-Ostafrika (NW.). Die Einfuhr (Baumwollwaren, Spirituosen, Mehl, Vieh, das in U. schlecht gedeiht, Reis, Zucker) betrug für U. 1904/05: 149,737, die Ausfuhr (besonders Elfenbein, Kautschuk, Kaffee und Häute) 67,375 Pfd. Sterl.; 1905/06: 206,190, bez. 108,395 Pfd. Sterl. Der Außenhandel der Seengebiete betrug 1904: 2,732,587 Mk. In den Handel kommen Elfenbein, Gummi, Harze, Kaffee, Myrrhen, Löwen-, Leoparden-, Ottern- und Ziegenfelle, Ochsenhäute und weiße Affenhäute. Die Einnahmen betrugen in den Jahren 1904–06: 51,474, 59,707, 76,789 Pfd. Sterl., die Ausgaben 186,800, 173,038, 191,143 Pfd. Sterl. Telegraphische Verbindung besteht von Mombassa über Entebbe nach Wadelai, die nach Nimule verlängert werden und dann Anschluß an das Sudân-Ägyptische System erhalten soll, das bis Gondokoro reicht. Das frühere Reich U. zerfiel in fünf Provinzen: Busiro mit der Residenz Mengo (früher Rubaga), Tschagwe, Butera, Singo und Buddu; das Britisch-Uganda-Protektorat zerfällt gleichfalls in fünf Provinzen: West-, Uganda-, Zentral-, Nil- und Rudolfprovinz. An der Spitze der Regierung steht jetzt ein englischer Regierungskommissar in Entebbe (mit Wadelai am Nil telegraphisch verbunden) mit einer Schutztruppe von 1500 Sudanesen. Unter ihm regiert der König (Kabaka) mit einem ersten Minister (Kalikiro), einem erblichen Rat aus den Wakungu (Adligen) und einem Großen Rat (Lukiko), der eigentlichen regierenden Macht. Die Provinzen werden von erblichen Häuptlingen (Bakungu) verwaltet. Eigentlicher Besitzer des Bodens ist der Landadel, dem die Bauern (Bakopi) Frondienste zu leisten haben. – Die ersten Araber kamen unter König Sunna II. (1836–60) ins Land. Unter dem intelligenten, aber grausamen Mtesa (1860 bis 1884) wurde U. von Speke (1862), Long (1874), Stanley und Linant de Bellefonds (1875), Emin Pascha (1876), Felkin und Wilson (1879) besucht. Als aber 1877 englische protestantische Missionare und 1879 auch französische katholische ins Land kamen, verbot Mtesa das Lehren des Christentums, das er 1881 und 1883 durch Hinrichtungen auszurotten suchte. Sein Sohn Mwanga (seit 10. Okt. 1884) ließ 1885 den englischen Bischof Hannington hinrichten und veranstaltete, durch die Araber beeinflußt, 1886 unter seinen christlichen Untertanen ein schreckliches Blutbad. Doch nahmen ihn, als er 1888 von seiner Leibgarde vertrieben wurde, die katholischen Missionare in Ukumbi auf; dort ließ er sich taufen. Die Leibgarde wählte nun zuerst einen Bruder Mwangas, Kiwewa, dann die Mohammedaner einen zweiten Bruder, Karema. Als dieser aber ganz wie seine Vorgänger wütete, riefen die Christen 1889 Mwanga zurück, der am 5. Okt. 1889 und im Februar 1890 seine Feinde schlug. Mwanga schloß einen Schutzvertrag mit Karl Peters, der aber durch das deutsch-englische Abkommen vom 1. Juli hinfällig wurde, dann im Dezember mit Lugard, dem Vertreter der Englisch-Ostafrikanischen Gesellschaft. Mwanga nahm 30. März 1892 das Protektorat der Gesellschaft an und wurde Protestant (gest. 8. Mai 1903 auf den Seychellen). 1894 übernahm die britische Regierung selbst die Schutzherrschaft. Vgl. außer den Werken der oben genannten Reisenden noch Wilson und Felkin, U. und der ägyptische Sudân (Stuttg. 1883); Ashe, Two kings of U. (neue Ausg., Lond. 1897) und Chronicles of U. (das. 1894); Stuhlmann, Mit Emin Pascha ins Herz von Afrika (Berl. 1894); Lugard, The story of the U. Protectorate (Lond. 1900); Johnston, The U. Protectorate (das. 1902, 2 Bde.; neue Ausg. 1904); Austin, With Macdonald in U. (das. 1903); Cunningham, U. and its people (das. 1905); Schöller, Mitteilungen über meine Reise nach Äquatorial-Ostafrika und U. 1896–1897 (Berl. 1901–04, 3 Bde.); Wason, East Africa and U. (Lond. 1905); »Map of U.«, 1:633,600 (nach Macdonald, Austin, Bright u. a., 4 Blätter, das. 1901), und Literatur bei »Britisch-Ostafrika«.


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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